Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1910)
- Date
- 1910-01-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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I I I I I I I I I I I I 3AG0K1G S15GB0SGPG E G 0'¥ (LJ Kl (3 Nummer 4 Berlin, den 28. Januar 1910 —18. Sch’bat 5670 XV. Jahrgang Die Erziehung zum Zionismus Zum deutschen Delcgicrtentag.*) Von Heinrich M a r g u I i c s. o״ -..״Def Zlonlimu» eritrcbt lür da» ttdltche Volk dl* schanun« einer öücntllch-fcchUlch «eiicherten Hclmitltte <0 raiaitina, Daitlor Proiritsm. ßus dem Inhalt Hs li.n :.einen grossen Zweck, nachträglich am Kongress. .im V'erhalten der einzelnen, insbesondere def dcM'dicn I.andsmannschaft, Kritik zu üben. Hs is! w.tiii und wir brauchen uns hierüber nichts vor* ■u;u is.la1t: wir haben viel auf dem Kongress gohöit, v.!ל M. ilciclit von sekundärer Bedeutung war; wir ,יון.!, .mell sehr, sehr viel vermisst, dessen Bedeutung melit Imeli genug eingeschätzt, dessen Wichtigkeit!.teilt '•־li.irf genug betont werden kann. Wir haben .meli leidet innerhalb unserer Landsmannschaft vjul cclimt!nid viel vermisst — aber wir wollen nicht 1::eU..rts schauen. Wir wollen arbeiten, wollen uns ..".וו bewusst werden, was uns fehlt, was wir ver- '. .um Itabeii und müssen suchen, es citmihulen. Kein nm it/.es Streiten darüber, wer die Schuld trug und trägt! Erkennen, arbeiten und besser machen! In wenigen Monaten wird der Deutsche Dcle* giertcutag zusanmicntrcteu. Seine Aufgabe wird es m et Mir Linie sein, ernstlich Stellung zu nehmen zu KiKi: l'ioblemcn, die insbesondere uns deutschen iuilui nahegehen; jene Probleme, die vom Kongress ignoriert wurden und zum Teil dort auch nicht behau•!!eit werden konnten. I» einem nicht sehr glücklich gewühlten Moment 1,׳M1eht1: Professor Leon Kellner das Interesse und die Aufmerksamkeit des Kongresses auf das Kill* tunroblem und auf die Präge der J u d u i s i c r u 11 g d c r k 0 m m c n d e n Q c n c r a t i 0 n zu lenken. Seine Worte gingen in der darauifolgenden Debatte, die sich um gänzlich fremde und den Kongress wiehliger tlüiikcndc Punkte drehte, verloren. Ich habe bereits vor dem Kongress liier betont, dass Versuche und Vorschläge zur Lösung des Kulturproblems, dass eine Regelung und Organisierung unseres Strebens zur Gewinnung und Heranziehung der jungen Generation unter keinen Umständen - vorläufig wettigsteits -- vor den Kongress gehöre; das ein ans Vertretern . .1 .luden aller Länder zusammengesetzter Kongress *;ml, ,glich sachverständig urteilen könne über Dinge, me eine sorgfältige Kenntnis von Land und Leuten, N-itt F״lu1r, Sprache etc. der .luden in den einzelnen 1.1.1 in und insbesondere mich von deren Jeweiligen >.ikcrn erfordern. Ich habe es bereits damals 11־•■mm• l'.s ist Pflicht der einzelnen l.audsmamiscliai* :•1' ist bereits die erste und heiligste Pflicht inskv’i.dcro der deutschen Landsmann- א clt ait geworden, diese Dinge ernsthaft, mit v:1״NsU1• Intensität und tätigem Interesse zu botrei* bi■!׳. Die!•'rage des Nachwuchses, die Präge der Bei׳• ■■.viichituig eines nicht nur zionistischen, sondern 11 ••iss jüdischen Meseliloelitcs tmd der Heranziehung ׳Iler irgendwie verwendbaren, bisher latenten Kraft,׳ ו׳ er unnutz und ungenützt versickernden Talente und l'aiiigkciten - das ist die Präge, die immer mehr in »len Vordergrund tritt, die immer wichtiger, immer!׳leimender wird und die der deutsche Dclegierlentag m diesem Jahre mit grösster (iründliolikcit wird stu* .liefen, prüfen und lösen müssen. — Ps ist rasclt eins der beliebtesten Sclilagworle «•:worden, das Wort von ״unserem" zionistischen vael1wuchs. Pins der beliebtesten und daher auch eins der gefährlichsten. Ps hat die persönliche Kitcl* keit zu seinem Verfechter, und diese Eitelkeit, vcrluindcn mit ccludeutschem Starrsinn, verbunden mit kner P.igensinnigkcit, die wir auch während des Kongresses des öfteren zu konstatieren Gelegenheit hat- 1en, zerschmettern jeden Zweifel des Skeptikers. Und dennoch — wozu uns Illusionen machen über Dinge ‘ וויי solcher Wichtigkeit! ״Wir haben einen Nach- ״) Wir glauben, die Parole ״Positive Arbeit“ nicht besser befolgen zu können, als indem wir jetzt bereits die Diskussion über die Prägen eröffnen, mit, jicnen die Delcgicrtenvcrsnmmlung der deutschen Zionisten sich wird beschäftigen müssen. Die Erziehung zum Zionismus. Von Heinrich Marg u I i c s. — Dr. Ephraim Adler. — Liberale Juden• mlsslon. Von Edmund Llchtcnstcin. — Epilog. Von Dr. 0. W i t k 0 w s k i. — Der Verband liidlschcr Jugcnüvcrclne Deutschlands. — Naslm Wey und der Zionismus. — Aus aller Welt. — Rundschau der Presse. — Palästina Rundschau. — Aus den Gemeinden. — Vereins •Rundschau. Wir bitten, die Vcrlagsauzclge auf Seite 43 bc• achten zu wollen. v uclis" brüstet man sich tmd hält das den Russen entgegen und vergisst, dass wir zwar — eventuell, sehr eventuell - über einen z i on i s t i sc 11 en Nachwuchs verfügen, nicht aber über einen jüdischen. Vergisst, dass der deutsche junge Zionist Zionist in aus deutscher Ideologie heraus, bestenfalls vielleicht aus seiner Sehnsucht Itcraus, wieder Jude zu w e r d c 11, V o 11 j u d e zu werden; dass die russischjüdische Jugend ihrerseits aber jüdisch ist bis ins Innerste, jüdisch von Grund auf! So dass sie ein wenig licrabsicht und auch licrabsehcn darf auf diese deutschen Juden, die erst zionistisch werden mussten, um später vielleicht einmal wieder jüdisch werden zu können. Das alles vergisst 1mm. Aufgabe des Deutschen |) e 1 e g i c r t c n t u g e s wird es sein, Mittel und Wege zu schaffen, die J tt g e n d nicht nur z I ״ n i s t i s e h, sondern a 11 c ly j u d i s c 11 z u mache n. Ich bin der Ansicht, und daraus erklären sieh meine Zeilen, dass die Diskussion über diesen so überaus bedeutsamen Gegenstand bereits jetzt erölhet werden muss, um den Teilnehmern am Dclegicrictitag hinreichend Zeit und Möglichkeit zu gewähren, hierzu Stellung zu nehmen und tatsächlich vorbereitet den Delegicrtcntag zu besuchen, ich habe bereits vor einem halben Jahre versucht, die Aufmerksamkelt weiterer Kreise auf dieses vernachlässigte Gebiet zu lenken. Der Erfolg war ein erbärmlicher. Hotfeii wir. dass sich diesmal die deutschen Juden und ihre berufenen Vertreter ihrer Verantwortung bewusst werden! Im folgenden will ich einige der wichtigsten, v o m Deutschen I) c I c g i e r ten t n g unbedingt zu erörtern den Punkte formulieren, Vorschlüge iiinclieii und selbst, wu es sein muss, porde* ningeii stellen. Diese Zeilen würden ihren Zweck jedoch durchaus verlebten, wenn sie nnv eine überdies voraussichtlich ergebnislose Debatte über die tatsächliche psychologische Heseliaffenlieit des lu׳uiit׳en jungen Juden heruitfbeschwüren würden. Auch das kann, zur gegebeiten Zelt, von Nutzen und selbst von entscheidender Bedeutung werden. Heute aber, ar. dieser Stelle handelt es sielt um Wichtigeres, Grundlegendes. Man kann über die Präge selbst denken, wie man will. Ich bin überzeugt und weiss, dass man die cntgcgcngc• letztesten und heterogensten Meinungen zu hören bckommen würde, wollte man hierüber eine Diskussion eröffnen. Aber eine solche Diskussion würde, da sie schriftlich verlaufen müsste, langwierig, langweilig und ergebnislos sein. Andcrcrscit ist indessen eine Auseinandersetzung über diese Probleme unbedingt vonnöten. Aufgabe des Deutschen Dclegiertentages wird cs sein, eine solche Auseinandersetzung zu ermöglichen. Im Bewusstsein und in ׳der festen Hoffnung, dass der grössere Teil der nationaljüdischcn Studentenschaft und der jungen Kauflcutc hierüber derselben Meinung ist, stelle ich die Forderung auf: Die Tagesordnung des Deutschen Dclegicrtentages muss unter allen Umständen enthalten: Ein Referat über das Wesen des jungen Juden unscrcr Zeit; Vorschläge betr. Mittel und Wege, diese jungen bereits oder noch nicht zionistischen deutschen Juden wieder jüdisch zu machen und daran anschliessend: Diskussion. Balten wir doch daran fest: der Zionismus selbst ist ja kein Endzweck. Das Judentum, das Jüdische, jüdisches Volk, jüdisclics Leben, jüdische Kultur — das ist unser Ziel! Zionismus bedeutete t.ns ia bisher nur das Streben danach. Zionismus bedeutete uns nur ein Mittel zum Zweck. Wir dürfen nicht dabei stch״n bleiben, den Zionismus zu predigen; wir müssen Ernst machen mit unseren bisherigen Phrasen vom Judentum. ״Dt־.' Zionismus ist die Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judcnland". In diesem Sinne, nach dieser Richtung hin müssen wir unser Arbcits• system gestalten! — »•*"«1"’" ..-״! «■ ״״״■■■״”■ויי״״ד?׳■׳‘’■,■׳׳«g׳■!«!■«־!■ | Dr. Ephraim Adler [ Der Zionismus hat einen schweren. Verlust erlitten: Dr. mcd. Ephraim Adler ist in der Nacht vom 19. zum 20. Januar zu Nord rach im Schwarzwald nach langen Leiden in der Blüte seiner Jahre dahingerafft worden. Pr. Adler wurde 1655 zu Moisling bei Lübeck geboren. Nach seinen Schuljahren studierte er in Berlin und ׳־Prciburg Medizin. Schon als Student zeichnete er sich durch eine unermüdliche Arbeitsfreudigkeit und durch die Vielseitigkeit seines regen Geistes aus. Er besuchte neben den medizinischcn Kollegien in Berlin das Rabbinerseminar, wirkte zu gleicher Zeit auch als Lehrer der Religionsschtile der Addas Jisroel, trieb Sprachstudien, und erwarb sich so für sein späteres Leben schon frühzeitig neben tiefen medizinischen Kenntnissen reiches und reifes jüdisches Wissen und eine geradezu umfassende Allgemeinbildung. In! Jahre 1S&2 licss Dr. Adler sielt in Lübeck als praktischer Arzt nieder. Schon nach kurzer Zeit hatte er eine umfangreiche Praxis, die ständig wuchs, und nach wenigen Jahren war er einer der gesuchtesten und beliebtesten Acrzie Lübecks. Vor allem war er ein hervorragender Diagnostiker. Das Vertrauen des Hohen Senates berief ihn in das Medizinalkollegium und in den Ehrenrat der Lübecker Aerztescliaft, und seine Patienten hingen mit schwärmerischer Verehrung an ihm. Er war der leidenden Menschheit nicht mir ein hilfreicher Arzt, er war ihnen auch Preund tmd vertrauter Berater; mit gewinnender Liebenswürdigkeit kam er allen entgegen, für alle und für alles hatte er Interesse, tmd jedem half er, wo er nur zu helfen vermochte. Aber nicht allein als Arzt leistete Dr. Adler Hervorragendes. Der Schwerpunkt seines Wirkens lag im Judentumc. Er war ein Jude in des Wortes vollkommenster Bedeutung. Von echter Religiosität erfüllt, forschte er im Gottesworte, so oft seine karg bemessene Zeit cs zulicss, und all sein Sinnen und Trachten war darauf gerichtet, die Lehren des Judentums in die Tat umzusetzen. So wurde sein Haus ein Mittelpunkt echt jüdischen Lebens. Jeder fand dort einen gedeckten Tisch, eine offene Hand, ein offenes Herz .und reiche ücistessclrätzc. An zahllosen Bestrebungen, die' dem Dienste des Judentums gewidmet sind,. nahm'• Dr. Adler tätigen Anteil, oft in (üheender Stellung,' manche auch verdanken scip'r Slnit^tiVb ihre א Entstehung. So begründete er in Lüty)&K24eri‘jüdischen Gesangverein ״Kaul Rinnoh" und einen hebräischen Sprachkursus;