Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1910)
- Date
- 1910-01-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1. Seite 9 JUEDISCHE RUNDSCHAU strcnK auf diesen unparteiischen Standpunkt stellen, 'v,rd ."frc,,cr ‘*ntfaltunK aller Kcistitscn Kräfte sielt eine jlitliselic Kultur entwickeln können. Die Aufgaben, welche Sic in diesen kurzen Riebt• liiticit aiiKcdeutct finden, sind Kross, und dies* könnte uns entmutigen. Wenn wir aber sehen, %vic der Jüdische Nationalfonds 111 iituucr weitern Kreisen Beifall und Unterstützung findet, wenn wir sehen, wie derselbe aus kleinen Anfängen, innerhalb einer verhültuisiniissiK kurzen Spanne Zeit zu einer ansehn• liehen Höbe emporgcwachscn ist, wenn wir berücksichtigen, dass heute noch erst ein ganz minimaler Bruchteil des jüdischen Volkes sich an dieser Spende beteiligt, dann dürfen wir getrost und mutig der Zu• kauft ins Auge selten. Der jüdische Nationalfonds muss lavinenartig wachsen. Er wird immer grössere Dimensionen annehmen, je mehr wir durch die Tat beweisen, dass wir in ernster Arbeit eine nützliche Grundlage für die Regeneration des jüdischen Volkes zu schaffen imstande tind. Wenn erst dann unsere wohlhabenden und reichen Kreise ihr Interesse diesem Ponds zuwenden, dann zweifle ich keinen Augen• blick, dass auch diejenigen unter uns, die nicht mehr allzujimg sind, den Tag erleben mögen, wo der Na• tioualfonds der Erreichung seines Zweckes nahe ist, die Ackerscholle unserer Väter wieder in den Besitz des jüdischen Volkes zu bringen. Zur Kenntnis Palästinas Das jüdische Interesse an Palästina steigt von Jahr zu Jahr. Pie Einwanderung wächst, und gleichzeitig nimmt auch die Tätigkeit der Palästina-Vcreine in erfreulicher Weise zu. — Alle jüdische Arbeit für Palästina setzt aber Kenntnis von Land u n d Leute n voraus, und diese Kenntnis war bisher mir sehr schwer zu erlangen. Denn die vielen widerstreitenden Interessen haben es zu Wege gebracht, dass die widerspruchvollstcn Angaben und Meinungen verbreitet wurden und Glauben fanden, so dass noch bis vor ganz kurzer Zeit die besten europäischen Kenner Palästinas daran verzweifelten, in diesen Dingen je klar sehen zu können, und sicli schliesslich mir noch von ihrem Gefühl leiten Hessen, oder sich nach den Informationen Einzelner richteten, denen sich ihr Vertrauen zuwandio. Erst in allerletzter Zeit Ist es hierin besser ge• wurden. Eine rege Propaganda erweckte erhöhtes intcrcssc am heiligen I.niulc, und Personen und Kreise, die noch vor wenig Jahren nichts von Pa- Lsiinu wissen wollten, stehen jetzt mitten in der A«׳• heit iiir die Verbesserung der Lage der Juden Pal.tstinas, iiir die Ausdehnung der Kolonisation eie. - Dieser Umschwung führte zu einem engeren Konnex zwischen Europa und Palästina, hervor• ragende Glieder der jüdischen Ücmeinseh.dt im Westen gingen nach Palästina, um mit eigenen Augen zu sehen, was da ist und was not tue, und die Eiltscudimg von europäischen Lehrkräften für die Schulen, Ärzten fiir die Städte und Kolonien, Verwaltungshcamten f 11 r die jüdischen Institutionen etc. haben unsere Kenntnis von Palästina ausserordentlich gefördert und das Vertrauen zur Palästina-Arbeit gestärkt. Einer der besten Kenner des Landes, dem wir bereits vor vielen Jahren die Herausgabe der ersten jüdischen Palästina-Zeitschrift verdankten, Davis Trictsch, hat nun auch ein ״Paliistl- 11;1 - II a n d b u c 11) herausgcgcbcii. das auf über .11)0 Seiten und unter etwa ebcnsovielcn Sticliwnrtcn über alle Verhältnisse und Möglichkeiten des Landes und seiner Bewohner — vornehmlich vom Wirtschaftliehen und kolonisatorischen Standpunkt aus — Aus• kunft gibt. Der Verfasser, der durch seine Pnbllkationcu über die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der OrientLinder (״Lcvanlc-Ilandbueli" ״Orientwirren“ etc,) in weitesten Kreisen rühmliehst bekannt geworden ist, bietet uns hier auf Grund Jahrelanger Aufenthalte in Palästina eine Fülle der wertvollsten Materialien. Hierbei beschränkt er sich nicht auf die Schilderung des Bestehenden sondern weist in ׳zahlreichen Füllen auch darauf hin, was zu schaffen wäre. Ist schon in diesem Lande komplizierter und fremdartiger Verhältnisse, die Feststellung der gegenwärtigen Verhältnisse schwierig genug, so ist cs natürlich noch schwerer, der Ent- Wicklung Wege weisen zu wollen, aber eine Kenntnis vieler Länder und vlcljährigc den Möglichkeiten Palästinas gewidmete Studien haben den Verfasser befähigt, eine Menge von Einzelheiten aus nahen und fernen Gebieten zusammenzutragen, die in Palästina wohl zu verwerten wären. Cypern und Kalifornien, Sizilien und Südafrika, Malta und Australien werden da gelegentlich erwähnt, um landwirtschaftliche oder technische Möglichkeiten für Palästina darzutun, aber auch das Genossenschaftswesen, die Gartenstadt, das *) Zu beziehen vom ״Zionistischen Zentral* (;au״, Charloticnburg, Blelbtrcustr. 9. (Siehe auch Kunstgewerbe und vieles andere werden hcrangczogen, um der jüdischen Entwickelung zum Teil noch wenig beachtete Perspektiven zu eröffnen. Damit geht das Handhuch natürlich Uber den Rahmen jener Art von Sachlichkeit hinaus, die sich ausschliesslich an das Tatsächliche hält, aber gerade die Verbindung der beiden Gesichtspunkte — des Tatsächlichen und des Möglichen geben dem Buche erst den rechten Wert für unseren Fall, da doch unser Interesse an Palästina weitaus in erster Lienie seinen M ö g - 1 Ichkoitcn gilt, und seinen früheren und jetzigen Zuständen nur insofern, als auf diesen die Zukunft der Juden im Lande aufgebaut werden soll. Das Buch kann all denen aufs wärmste empfohlen werden, die ein kolonisatorisches oder kulturcilcs, ein soziales oder philanthropisches Interesse an Palästina nehmen und auch dem jüdischen Touristen, der etwas von den Juden im Lunde und ihrer neuen Entwickelung sehen möchte, wird es der beste Reisebegleiter sein. a. r. Mitteilungen des Zentralburemis der Zionistischen Vereinig, für Deutschland 1. Das Palästina - Handbuch von Davis Trictsch, dessen Verl rieb wir übernommen haben, liegt nunmehr fertig vor. Wir bitten alle Gesinnungsgenossen um u m g e h c n d c Aufgabe ihrer Bestellung auf das v o r z ii glieh ausgestattete Werk, das wir im r.inzdbezugc mit Mk. 3,— für das gebundene Exemplar zuzüglich 30 Pf. für Porto abgeben können. Ortsgruppen und Vereine erhalten bei Abnahme von 10 Exemplaren an grösseren Rabatt. Zur Propaganda stellen wir einen ausf ü h r 1 i c h c n Prospekt mit Inhaltsver* zeichnis in beliebiger Anzahl kostenlos zur Verfiigung. 2. Die Schekelblocks für das Rechnungsjahr 1009-10 sind im Laufe der letzten Wochen zur Ausgabe gelangt. Wir bitten alle Ortsgruppen und Vertrauensmänner, mit der Einsammlung der Schekel und Landesbeiträge sofort zu bcginnen und die gesammelten Gelder all* monatlich an unsere Adresse, Berlin-Charlottenhurg, Bleibtreustr. 49, zur Abfiihrimg zu bringen. Sammlung oder Zerstreuung? Musopotimilsclie Projekte der A. J, K. O. Wir erhallen folgende Zuschrift:*) ln einer Berliner Tageszeitung finde ich folgende Notiz: ״Mesopotamien und die jüdische Kolonisation.״ Die Aeusserungen Hamada Paschas über die Urbarmachung Iraks (Mesopotamien) vcranlasstcn die Allgemeine Jüdische Kolonisations-Organisation zur Ueberreiclmng eines Sicdolungsplancs und zu Verltnndlungcn in Konstantinopel, in deren Verlauf Dr. Nnssig vom Grosswesir empfangen und ein repräsentatives türkisches Komitee zur Durchfillirimg der Ansiedlung gebildet wurde." Hierzu möchte ich bemerken: Wenn es ״türkisches Gebiet“ betrifft, so wäre ich insoweit sehr einverstanden, .als cs sich um Palästina und gewisse n ä c 11 s t c Nachbargebiete handelt. Wenn Mesopotamien also nur als V c r h a n d l u n g s h r ii c k c dienen soll, dann Hesse sieh darüber reden. Ist aber wirklich Mesopotamien g e in eint oder irgend ein ähnlich fernes und fiir die ״jüdischen Emigranten" (cs sind doch wohl die ans Osteuropa gemeint)ähnlich ungeeignetes Gebiet, so muss diesem Unfug von vornherein und mit aller Schärfe cntgcgengctrcten werden. Denn Unfug ist es — (erstens: auf Grund zufälliger Aeusserungcn und zweitens: ohne jede Klarheit über die Eignung des Landes) derartige Projekte zu lancieren . . . gleichviel ob der Vorschlag von Zangwill ausgeht oder von N 0 s s i g. Eher spricht cs gegen letzteren, dass er früher das Nachbarländcr-Prinzip (das vernünftige betreffs der n ä c h s t c n Nachbarländer, das — unter starker Mitwirkung Nossigs und des Unterzeichneten — die Konferenz der Palästinenser in Ereihurg und daraufhin auch der VII. Kongress angenommen hat) doch anscheinend so gut verstanden hatte. Ich sage ״anscltclncnd", well ich seit der Berliner Molzkin-Vcr- Sammlung an manchem zweifelhaft geworden bin. Denn da warf mir Motzkln, als ich mich gegen Mesopotuiiilon wandte, ein: das sei doch früher auch meine Meinung gewesen. Wenn aber Motzkln — *) Durch Raummangel ln den letzten Nummern verspätet. R«4. mein guter Mitstreiter aus jener Zeit — die Sache so wenig verstanden hat (oder als so nebensächlich betrachtete, dass ihn schon jetzt sein Gedächtnis im Stich lassen kann) — dann kann ich auch bei Nossig wohl nur von einem ״anscheinenden" früheren Verständnis sprechen. Niemand, der das palästinensische Landprogramm (auch das erweiterte mit den jetzt viel weniger aktuell geworden Nachbarländcrn) jemals wirklich tief verstanden hat, kann auf solche prinzipiell falsche Ideen kommen, wie die Zerstreuung unserer geringfügigen (und auch in absehbarer Zeit für den Orient verfügbaren) Auswanderung über so riesige Gebiete, in denen nie eine grosse kompakte jüdische Siedelung entstehen kann. Und das ist doch das Minim u m, das nicht etwa nur die Zionisten, sondern alle nationalen und religiösen Freunde jüdischer Kolonisation ,fordern, darunter auch die programmatisch sehr sympathische ״A. J. K. 0.״. Und dann — wer garantiert uns, dass nicht morgen X. Y. Pascha über Siidarabien, ein zweiter Uber das armenische Hochland und ein dritter Uber irgend ein anderes Zuiallsland sich empfehlend äussern. Die Frage ist: Sammlung oder Zer- Streuung? •— Wir sind iiir Sammlung! Und wcnn's ־״ für irgendwen sonst — durchaus nicht Sammlung sein soll, so gibt cs viel geeignetere Zerstreuungen als Mesopotamien. Berlin, 19. Dezember 1909. Davis Trictsch. *.: AUS ALLCR W6LT :t Ru /and Gemeinsam mit den jüdischen Dumaahgeordneten Nissclowitsch und Friedmann haben die Kadetten einen in der Rcichsdunia einzubringenden Gesetze n t w u r f wegen Abschaffung der j ii d isehen Woluircchtsbcschrünkungcn ausgearbeitet. Der Entwurf ist jetzt von mehreren progressiven und 23 oktobristisciicn Abgeordneten unterzeichnet worden. Er soll von 150 Abgeordneten unterschrieben werden, bevor er in der Duma eingebracht wird. Die Aussichten dieses Gesetzes- Projektes sind nicht ungünstig da cs nicht unwahrschcinlich ist. dass es die Zustimmung der Dumamajoriiät erhält. Es gilt als sicher, dass auch ein grosser Teil der Oktobristen dafür stimmen wird. Unter den Unterzeichnern des Entwurfs befinden sich aitcli mehrere angesehene Führer dieser Partei. Allerdings hat der LeaJer derselben, ■•schkow, seine Unterschrift verweigert, mit dem 'rwand, dass seine Partei keinen offiziellen Beschluss zu diesem Punkte gefastt nahe. Von der Regierung die einmal erklärt hatte, dass sie bezüglich der ledenfrage der Duma dio Initiative überlassen müsse wird angenommen, dass sie im Falle der Annahme des Gesetzentwurfs durch die Duma der Verwirklichung desselben keine Hindernisse entgegenslellen wird. Am Kiew wird geschrieben: Die Administration dieses Gouvernements hat sich seit jeher in ihrem ..Kampf" gegen die Juden besonders ausgezeichnet. Ihre neueste Leistung ist die plötzliche Ausweisung von dreihundert jüdischen Familien aus unserem Nachbarorte Dimjowka. Die Ausgewiesenen, durchaus friedliche, seit mehreren Jahren daselbst wohnhafte Leute, haben sich an den Gouverneur mit der Bitte gewandt, ihnen den Aufenthalt in Dimjowka bis zum Sommer zu gestatten, da ihnen das Verlassen des Ortes in der kalten Winterzeit besonders schwer falle. Die Antwort des Gouverneurs steht noch aus. KL6INC MITTeiLUNGCM' Preussen. Wie aus Wir Lallen mitgcteilt wird, sir.d am 22. Dezember v. J. auf säur Wichen P r c 11 s s i s c h c n Kontroll-Stationcn das ״B a d" und die Desinfektion für E in 1 g r a n - t c n u h g e s c 11 a f f t worden. Nur die medizinischen Untersuchungen sind geblieben. * navii U11161V11V11 mmuiumicn SIIUI Monat Oktober v. J. 17 391 Einwanderer nach Kanada gekommen — gegen 9089 in demselben Monat des Vorjahres. ._1731 23 י״ Personen, darunter 40f>0 aus Russland, in Kanada naturalisiert worden (dreizehntausend mehr als Im vorherigen Jahre). % Argentinien. Im Oktober v. J. kamen 34 17« Immigranten. darunter 1211 aus Russland, nach Buenos- Aires. Wegen des über diese Stadt verhängten Kriegszustandes (infolge eines Attentats gegen den Polizeichef) werden da die Hinwnnderung.svorscliriften IU.sscrst streng gchandliabt, und zahlreiche Einwunderer werden zurilckgeschiekt. Man wollo die ״Vorolntrundachku" aul uor lolgeuden Salto beachten!