Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1909)
- Date
- 1909-12-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seitd 602. J UEDlSCh'U No. 53. ü c/• n AU gleichfalls eine» befriedigenden Stand, In den abgclaufenen beiden Jahren wurden für den NationaHonds insgesamt rund 5500 Mark gesammelt. Südafrika war von Beginn der zionistischen Bewegung an eines der für die zionistischen Bestrebungen empfänglichsten Länder. .׳.־ Dio Ergebnisse der vorgenoinnjenen Sammlungen sind recht beträchtlich und erreichen in den Jahren 1907/05 die Summe von rund 62000 Mk. , Die Organisation des Mlsrueiil . während der Beriehtszeit war derartig, dass die all* gemeine Leitung vom Bureau des MIsraeli! für Westeuropa besorgt wurde, das auch die internen Angelegenheiten der westlichen Länder er* ledigte; für die internen Angelegenheiten der übrigen Länder waren Bureaus in l.ida. Kolomca und Buda* pest eingerichtet. Zur Besprechung der allgemeinen Aufgabe des Misraehi und zur Ordnung wichtiger interner Angelegenheiten fand am 24. und 25. August 1908 eine Konferenz in Frankfurt a. M. statt, die sich eines sehr zahlreichen Besuchs zu erfreuen hatte. Von den Ländern, in denen in der Ueriohtsneriode der Zionismus neuen Buss gefasst hat, ist besonders erwähnenswert die Türkei. Sofort nach der Einführung der Verfassung wandten sich die alten Anhänger des Zionismus an uns und ersuchten uns um Rat und Förderung. In K ons t a n t i n 0 p e 1 fanden zionistische Vor* träge statt. In Smyrna, in Kavalla, in Mo* n a s t i r, in l s t r 11 in s a . in S i 1 i b r i a usw. sind Anfänge zionistischer Tätigkeit zu verzeichnen. Sogar nach den Nachbarländern, nach Griechen* laitd, erstreckt sieh diese neue zionistische Agita* tion und hat in Larissa bereits die Gründung einer zionistischen Gruppe zuwege gebracht. Besondere Bedeutung für die Ausbreitung des Zionismus in der Türkei hatte die seit langem bestellende und gut funktionierende zionistische Organisation in Bul* g a r i e 11. Oie so lebhaft einsetzende zionistische Betätigung unter den sephardisehon Juden hat auch die Organisation in S c r b i e n gestärkt, in Belgrad, Sch a* batz und Niseh bestehen eifrig arbeitende zio* nistische Vereine. In i t a I i c n existieren ziumstiselie Gruppen in einer Reihe von Städten. Der ,.Schwei* zerische Zionistische Landes-Verband" entfaltet eine erspriessliche Arbeit tur unsere Sache in der Schweiz. In Frankreich ist der Zionismus leider nie sehr stark gewesen. Die krasse Assimilation der französischen Juden hat bisher grössere zionistische Erfolge in Frankreich nicht zugelasscn. In Skandinavien bestehen mehrere Vereine. Ausserhalb Europas ist natürlich in erster Linie Palästina zu nennen. In den Städten wie in den Kolonien besteht eine grössere Anzahl zionistischer Gruppen aller Richtungen. Der Zionismus in Aegypten ist ebenfalls bereits seit langem organisiert. Er hat sieh in der letzten Zeit nicht so günstig entwickelt: die Organisation leidet insbesondere unter den Schwierigkeiten der Sprache, — die Propaganda muss in Uebritisch. Jüdisch, Französisch und Arabisch getrieben werden. —■ indessen sind bemerkenswerte Anzeichen dafür vorhanden, dass auch hier bald eine Wendung zum Bessern cintrcten wird. In Afrika verdient noch die Gruppe in De u t sch - Sü ü wc s t- A fr i k a Erwähnung, die fast alle dort wohnenden Juden umfasst und sich der südafrikanischen Federation angeschlossen hat. Auch in Marokko, in Fez, hat sicli neuerdings ein zionistischer Verein gebildet. Eine sehr tätige zionistische Organisation besitzt Ar- K c n t i n I c n. Die Sammlungen ergehen beträchtliehe Summen. Insgesamt wurden für zionistische Zwecke in den letzten beiden Jahren in Argentinien fast 10000 Mark gesammelt, ln Australien bestehen zionistische Vereine in Sydney, Melbournc, wo besonders der Damcnvcrcin sehr rege ist, Auckiand, Wellington usw. Diese Vereine stehen in engen Beziehungen zur English Zionis t Federation. In China vertritt den Zionismus der gleichfalls der English Zionist Federation angcschlossene, sehr rührige Verein in Shanghai. Der Verein gibt eine eigene Monatsschritt ״Israels Mess c u g c r" heraus, das einzige jüdische Organ Asiens. Einzelne Anhänger, verstreute Gruppen gibt cs natllrlieh in allen Teilen der Erde. Es existiert kein Land, in dem überhaupt Juden wohnen, wo nicht auch der Zionismus seine Freunde und Anhänger hat. Das Schauturnen der Jüdischen Turnerschatt Das Schauturnen, welches die Jüdische Turnerschaft am Sonntag veranstaltete, gcstaltctc sich zu einer imposanten Huldigung der nationaljüdischen Jugend vor den in Hamburg versammelten jüdischen Führern, Etwa 150 Turner und Turnerinnen aus Berlin, Budapest, Charlottcnburg, Cötn, Oraz, Hamburg, Freiburg I. B., Posen, Stettin und Wien zeigten ihr tüchtiges Können auf den verschiedensten turnerischen und sportlichen Gebieten vor mehreren Tausend Zuschauern.. Die Wclho der Stundo und dio opferfreudige Begeisterung, die das Fest vorbereitet hatte, gestalteten' das Schauturnen zu einem Ereignis, d;;a in der Erinnerung aller Teilnehmer lan,:e fortleben dürfte. ■ ■ Wie der Vorsitzende des Han.burger Komitees, Dr. Ernst Tuch, in seiner Erö״u::.u;c;.״sp;achc hervor- 110b, statteten die Jüdischen Turner mit dieser Demon* stration der zionistischen Bewegung eine Dankesschuld'ab. da vor einem Jahrzehnt ihr Programm zuerst von der Tribüne eines Zionistciikongresscs aus verkündet worden war. Dar greiso Zionistenfilhrcr Dr. Max Nordau, der damals das Vyort vom ״Muskeljudeiitum" geprägt hatte, richtete auch diesmal anfeuerndc Worte an die Turner. Hier sei in Wahrheit ein ..Wort zu Fleisch geworden“,■ das er ״- vielleicht ohne seine Tragweite ganz zu ermessen — verkündet habe. Schon vor 1800 Jahren hätten jüdische Gymnasien in dar römischen Arena ihren Mann gestanden. Was aber die jüdischeu Turner von heute von jenen unterscheide, das sei ihr stolzes Bekennen zum angestammten Judentum, wahrem! die jüdischen Gladiatoren von ehedem die schmerzhaftesten chirurgischen Eingriffe er* 1 duldeten, um ihr Volkstum verheimlichen zu können. I Der Tag habe ihm eine Erfüllung gebracht, die sein I altes Judenherz mit inniger Freude beseele. Bericht des Palästina-Ressorts Das Palästina-Ressort, das auf dem Haager Kon* gross am 20. August 1907 eingesetzt wurde, hat im wesentlichen die Aufgabe, die Paiästinaarbeit zu organisieren 11111) zu leiten. Zu diesem Zwecke wurde ihm ein .ms einem oder mehreren besoldeten Be- ,unten bestehendes Palästinaamt unterstellt. Zu seiner Unterhaltung sollen 25f/< aller Einnahmen des A.-K., sofern sic nicht für andere Zwecke bestimmt sind, sofort nach Eingang dem Palästinaressort heim Jewish Colonial Trust zur Verfügung gestellt werden. Ausserdem sollen ihm die für seine besonderen Zwecke gesammelten und gespendeten Beiträge zuflicsscn. Als besondere Aufgaben wurden dem Palästinaressort noch aufgetragen: 1. die Frage der Sicdhmgsgcnosscnschaft zu studieren: 2. den iJildimgs.mstaltcn in Palästina seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und zu trachten, für deren Zwecke einen besonderen Fonds zu schaffen. Das Palästinaamt, das bald nach dem Kongress in Jaffa geschaffen wurde, hat sich vortrefflich bewährt, und die ganze Zeit hindurch hat das Ressort stets mit dem Palästinaamt in bestem Einvernehmen gearbeitet. Das Aktionskomitee verfügt hierdurch über ein Organ in Palästina, das stets imstande ist, ihm die zuverlässigsten Informationen zu erteilen, die Wünsche desselben in kürzester Frist auszuführen und die von unserer Organisation geschaffenen oder mit ihr in Zusammenhang stehenden Institutionen dauernd zu inspizieren rexp. zu leiten. Während die Vorgängerin des Palästinarcssorts, die Palästina- Kommission, stets Schwierigkeiten hatte, ihre Pläne in Palästina zur Ausführung zu bringen, so ist das Palästinaressort in dieser Beziehung in einer sehr viel angenehmem Lage. Naturgemäss und nicht zum Schaden unserer Bewegung verlegt sich das Zentrum unserer Paiästinaarbeit hierdurch immer mehr nach Palästina selbst. Immerhin wird ein Ressort ausserhalb Palästinas so lange noch nötig sein, als die Zentrale unserer Bewegung noch in Europa liegen wird. Auch wird es noch lange dauern, bis cs möglich sein wird, von Palästina aus unsere Stanunesgenossen iu gleicher Weise zu bearbeiten, wie cs von einer der grossen Zentren Europas aus geschehen kann. Naturgemäss verursacht das Palästinaamt bedeutende Kosten, wenngleich über die Hälfte seines Jahresbudgets von 20000 Mark durch andere Institutionen, für welche 1 das Palästinaamt arbeitet, getragen wird. Das Bureau des Palästinarcssorts in Berlin hatte infolge der Einrichtung des Pakistlnaamtcs nur eine geringere Bedeutung. Es bestand ausser dem ehrenamtlich fungierenden Chef lediglich aus einem Beamten und einer Schreibkraft, wozu dann in diesem Jahre noch eine Hilfskraft für dio Buchführung hinzukam. So war cs denn möglich, mit den vom Kongress bewilligten Einnahmen nicht nur die Ausgaben zu decken, sondern auch die von der Palästinakommisston übernommenen Schulden in Höhe von 9134,21 Mk. zu tilgen. Freilich musste das Palästinaressort die äusserste Sparsamkeit walten lassen und sich jeder pekuniären Unterstützung palästinensischer Institutionen sowie jeder grössern, nicht durch andere Geldmittel be* strlttcncn Propaganda für Palüstinazwcckc enthalten. Vor allem mussto zu unserm Leidwesen dio Herausgabe einer eigenen Zeitschrift als Fortsetzung der von der Palästinakommission hcrausgcgcbcncn drei Bände ״Altneuland“ 1904—1906 und des einen Bandes ״Palästina“ 1907 aufgcgcbca * werden.- *• <• , ,. Wenn auch gewissermassen als Fortsetzung dieser Zeitschrift von privater Seite mit einer kleine« Unterstützung des Ressorts eine Monatsschrift ״Palästina" in München herausgegeben wurde, so lässt' sich dieselbe doch weder nach Inhalt nocli nach Form mit der erwähnten Zeitschrift der Palüstinakoimnission vergleichen. Unser Streben muss darauf gerichtet sein, möglichst bald in Palästina selbst ein unsern wirtschaftlichen und kulturellen Zielen dienendes Organ zu schaffen. Die vom Palästinaamt herausgegebene, monatlich, in der letzten Zeit alle 14 Tage erscheinende Palästina - Korrespondenz kannn sich naturgemäss nur mit wenigen aktuellen Fragen befassen. Auch auf wissenschaftliche Forschungsarbeitcn mussten wir aus dem gleichen Grunde verzichten. Wir hoffen aber, dass sieh auch hierfür bald eine gesunde, wenn auch nicht gerade zionistische Basis finden lassen wird, ohne dass wir genötigt sind, die unserer Bewegung zur Verfügung stehenden Punds hierfür zu verwenden. Hingegen war das Palästinaressort bemüht, die Verbreitung der Palästinakenntnis in anderer Weise zu fördern. Einerseits führte es eine sehr ausgcdehnte Korrespondenz über Palästina und sandte Tausende von Informationen und Aufklärungen überall dorthin, wo sic verlangt Wurden; anderseits veranlasstc cs den Druck sowie die Verbreitung kleiner Flugblätter über verschiedene wichtige Themen: Weshalb ist cs Pilicht eines jeden Juden, die Kolonisation Palästinas zu fördern? Was ist die Ölhaumspcndc? Ölbaumspende und Zionismus. Anlage von Pflanzungen in Palästina, Der Hndcucrwcrb in Palästina. Ferner wurde das von Ben J eh 11 da herausgegebene grosse Hebräische Wörterbuch, dessen erster Hand jetzt vollständig voriiegt, unterstützt. Audi wurden die Vorarbeiten für die Herausgäbe einer hebräischen Wandkarte für die Schulen mit Hilfe des palästinensischen Lehrerverbandes so gut wie vollendet. Sodann veraiilasstc das Ressort, dass in der von Dr. P. Thomsen hcrausgcgcbcnen Palästina- B i b I i o g r a p 11 i c die zionistische Palüstinahicrutur die ihr zuko'umendc Berücksichtigung gefunden hat. Schliesslich veranlasste das Ressort Herrn Trictsch, ein Biiderwerk Palästina in Wort und Bild zu verfassen, das sielt augenblicklich noch im Druck befindet. Endlich brachte es durch die ״Weit" und die ״Jüdische Korrespondenz" manche wichtige* Notiz über Palästina in die Öffentlichkeit. Weit umfangreicher sind die Organ isations- und Agitationsarbeiten des Ressorts, die geleistet wurden im Interesse zionistischer und halbzionistischer Institutionen in Palästina, sowie solcher nichtzionistischcr gemeinnütziger oder gewerblicher Unternehmungen, die in Beziehung zu unserer Bewegung stehen. Als zionistische Palästina-Institutionen sind a•- Zusehen: die Anglo Palestine Company Ltd., der Naüonatfonds, die ölbaumspendc, der Kulturfonds, die Palestine Land Development Company Ltd. Nichtzionistisch, aber in der einen oder andern Weise von unserer Organisation unterstützt, sind mehrere gemeinnützige Institutionen, wie: die Kunstgcwcrbeschule ״Bczalcl“ in Jerusalem, die ländliche Schule Kirinth-Sefer, das Mädchen-Waisenhaus in Jerusalem, das Knaben-Waiscnliaus in Jerusalem, das hebräische Gymnasium in Jaffa, die Ccntral-Bibliothck ia Jerusalem, sowie der Pflanzungsvcrcin Palästina, der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina. Auch das in der Gründung begriffene H y g i c n 1 - sehe oder Mikrobiologische Institut ist hierzu zu rechnen. Private Unternehmungen In Palästina, denen das Palästinaressort seine Unterstützung hat angedeihen lassen, sind vor altem das Palüstina-Industricsyndikat, Plantagengcscllschaft in Qaiiläa, fmmobiiiengcscllschaft Palästina, Achuzath Baith. Auch einige Kolonien und eine städtische Häuserbaugcscllschaft, wurden durch zionistische Institutloncn mittels Darlehen, Landktiufo usw. unterstützt. Um die Bedeutung und Fortschritte der einzelnen angeführten Institutionen ermessen zu können, seien sio hier einzeln besprochen. Dio Anglo Palestine Company Ltd. Über die Tätigkeit dieser Tochtergesellschaft des Jewish ColonlaLTrust wird ln der Qcneralvcrsamm* lang letzterer Gesellschaft Auskunft erteilt Das Pa- (Tortsetzun* auf