Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1909)
- Date
- 1909-12-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Tel. Ch. 9R81. änrcchstunden Dk-nstug und freitags 11—! Uhr mittags. I 9 « I I ■ 1 * « .J I,! I Nummer 51 —*■*1liy!!:״»; '**»?■■■MUE.'.'L1 >■— ■1P* r ■>»,1יי, י■» \ יי׳ ייי *׳ lי■ ■■ ■.«12״— Berlin, den 17. Dezember 1909 — 5. Tebelh 5670 , XIV. Jahrgang ״I Ein Briefwechsel Von Herrn Professor Warbürg, dem hochverdienten Leiter unseres Palästinaressorts, er- ]iahen wir das folgende Schreiben: Berlin, den S. Dezember 1900. W. 15, Bleibfreustr. 34*35. An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin. Sehr g e c h r t e Redaktion! Der Direktor des Jewish Colonial Trust Ltd., iierr Joseph Cowcn, hat uns vor einigen Tagen einen offenen Brief laut beifolgender Ab* sclirift übersandt, den er inzwischen wohl schon in England veröffentlicht haben wird. Der Unterzeichnete hat sich deshalb veranlasst ge* sehen, ihm laut beifolgender Kopie zu antworten. Mit Rücksicht auf das Interesse, das dieser j Briefwechsel für die Ocffenilichkcit haben dürfte, erlauben wir uns, an Sie die ganz ergebene Bitte zu richten, denselben auf Grund erwähnter Kopien in Ihrem werten Blatte gütigst veröffent* liehen zu wollen. Hochachtungsvoll und ergebenst Palästina-Ressort der zionistischen Organisation. O. W a r b u r g. * Der oben erwähnte Brief des Herrn Joseph Cowcn hat in möglichst wortgetreuer Ueber• Setzung folgenden Inhalt: Marlborough-Hill, NW., November, 39 th. 09. Sehr geehrter Herr Professor Wa rb urg! In Beantwortung Ihres w. Schreibens vom 15. November, in welchem Sic mich aufforderten, Aktionär der PalestincLand Development Co. zu werden, bedaure ich sehr, Ihnen aus folgenden Oründen keinen günstigen Bescheid geben zu können. ln erster Reihe habe ich kein Zutrauen zu englischen Gesellschaften, die im Auslande ge* leitet werden — denn dieser Umstand veranlasst Extraspescn und macht Misserfolg leichter als Erfolg. Die von Ihnen früher empfohlenen oder ge* leiteten Palästinaunlernehmungcn haben einen so unbefriedigenden Ausgang genommen, dass ich kein Vertrauen mehr habe zu irgend einer Ge* Seilschaft unter Ih«r Leitung. In der Palästina-Baumwoll-Kultur verlor der I. C. T. das ganze Geld, das er dort investiert hatte, ohne irgend welchen Erfolg zu erzielen. In der Palästina-Handcls-Gesellschaft hat der 1. C. T. ca. S5 v«״ seiner Einlage verloren, will sagen ca. 1000 Pfund Sterling. Abgesehen davon hat das von Ihnen zwei Jahre früher gegründete Palästina-Industrie-Syndikat bis auf den heutigen Tag nicht den gering* steil Nutzen abgeworfen. Mein Ein wand richtet sich nun keineswegs gegen •Ihre Person — die ich in jeder Hinsicht schätze und achte — aber Sie tragen sich mit zu vielen Plänen und warten augenscheinlich nicht ab, bis irgend einer von diesen erfolgreich ausgeführt wird. Das muss am Ende dazu führen, Palästina-Unternehmungen zu schädigen und sogar die Zionistische Bewegung zu schwächen, da Ihre Verknüpfung mit solchen I ״Der Zionismus erstrebt für da* IMIscho Volk dis 1 Sdiallumt einer dl(cmlleh*rcclullch Kcslclietien Ildmstatto 10 Palaslins." Baseler Provraan. fies C33 laüatt Hin Uriefwccliset. - Buh Purlaiitvut Uuf Hebräer. Von Sulu m oii Ra w׳ i l< u w 11 sc 11 - Berlin. Hin Urtel au die Kcdukllcm der ״Aurorc". Von Nu Itum So ko low. — tlamburu als Konuress* studt. Von l)r. O sc u r Na 111 a 11. — bas zto*; iilstlsehc Palüstliiaprouranim. Von Davis Trio tse 11־ Berlin. — Der IX. Konuresss ..88"? Von P r a 1׳ m a t i e u s. — Aus aller Wett. — Zloulstlsclie Ucwejiim«. — Vom Hilfsverciii. — Aus den Gemeinden. •— Verelnsruiidscliaii. — Jhiik- Israel: Der Rabbi von Uaeliaraeli. — Chunukali. Von Harry II c r / f c I d. — Au ,!«(!«-Israel. — Unser Preisausschreiben. Versaiiuulumiskaleiider Seite 87 U!Misserfolgen zurückwirken muss auf die Besvc* gung, deren Engerem Aktionskomitee Sie angc* hören. Schliesslich bemerke ich, dass Sie auf der letzten Sitzung des Grossen A.-K. die Gründung einer neuen Bank mit einem Kapital von 50 000 Pfund Sterling vorschlugen, obwohl Sie gewär* tig sein mussten, dass diese Summe hauptkäch* lieh vom I. C T. subscribiert werden inüssu־ — auf diese Weise nimmt man aus einer Tasche, tun cs in die andere zu stecken: ein unnötiges und kostspieliges Experiment, und dies ohne mit den Kollegien Beratungen gepflogen zu haben, mit denen Sic zusammen arbeiten sollen. Sie sind daher für mich ein nicht verlass* lieber Führer in geschäftlichen Dingen, und ich kann keine Ideen unterstützen, welche denen der Kinder ähneln, die stets nach einem neuen Spiel* zeug suchen. Da dies eine Angelegenheit von allgemeiner Bedeutung betrifft, schlage ich Ihnen vor, diesen Brief mit ihrer werten Antwort zu veröffentlichen. Ihr ergebener (gez.) Joseph Cowcn. Auf diese Emanation des Herrn Co wen antwortete Herr Professor Warburg wie folgt: Berlin W. 15, 8. Dezember 1909. Uhlandstr. 175. S e h r g c c* h r t c r II c r r C o w e n! In Beantwortung Uwes geschützten Brieles vom 29. November er. kann ich Ihre Ansicht nur durchaus teilen, wenn Sic behaupten, dass ich in geschäftlichen Dingen nicht der richtige Füll* rer bin. Und da ich dieser Ansicht bin, unternehme ich auch nichts ohne geschäftlich kundige Berater. Ihre angeführten Beispiele hinken insofern alle, als sie nicht im geringsten das beweisen, was Sie dadurch erhärten wollen. Bei dem für die Baumwollversuche zur Vcrfügung gestellten Geld handelte es sich um Ex* perimente, die einen pekuniären Erfolg ebenso wenig haben konnten, wie die mit hundertfach grösserem Kapital angestelltcn afrikanischen Baumwollversuche des. deutschen Kolonial-Wirtschaftlichen Komitees und der britischen Cotton Growing Association. Wer etwas anderes erwartete, verkennt die Natur solcher Versuche. Trotzdem hatten unsere Bemühungen in Pa* . lästina schliesslich ingleiche rWeiseErfolg wie die Versuche der angeführten Gesell* schäften in Afrika. Sie bildeten das Ferment, welches Erwerbsgesellschaftcn und Privatpersonen veranlasst«:, die ßautmvollkuhur aufzunehmen, ln Palästina haben jetzt sowohl jüdische Kolonisten als auch vor allem der Bey* routhor Bankier Sursuk die B a u in w o 11 k u 1 * tur in grösserem M assstabe unternommen, ztim Teil jedenfalls aufbauend auf die bei unseren Versuchen gemachten Erfahrungen. Das Missgeschick der Palästina-Handels- Gesellschaft hat mit meiner Persönlichkeit nicht das geringste zu tun. Die Gesellschaft, die be* kanntlich in Hamburg ihren Sitz hat, wurde ausschliesslich von den Hamburger Mitgliedern des Aufsichtsrates geleitet, sämtlich Kauf- 1 c u t e n oder Bankiers, z. T. sogar von grossem Rufe. Herr Wolfisolm und ich, als Vertreter des Jewish Colonial Trust im Aufsichtsrat, enthielten uns absichtlich jeder Becin* flussung. Sonst hätten wir dafür gestimmt, dass nicht in Griechen- 1 an d , sondern in Palästina Geschäftegemacht werden, und dann wären vermutlich auch die Verluste vermieden worden. Die Geschäfte des Pal;Utiua-ln<hntrie־Sy1Kli• kais werden nicht, wie Sie zu glauben scheinen, von mir geleitet, sondern von unserem Vertraucnsmann Dr. R u p p i n in Palästina, der be* kanntlich selbst früher Kaufmann gewesen ist. Das Syndikat arbeitet nicht, wie Sie schreiben, schon zwei Jahre, sondern erst l1•-• Jahre, seitdem nämlich Dr. Ruppin drüben ist. Seine sehr sorgfältige Prüfung der einzelnen Projekte hat fast stets ergeben, dass dieselben entweder wenig Chancen für Rentabilität haben oder die Kapitalkraft des Syndikats weit übersteigen. Inzwischen hat sich das Syndikat schon an zwei Geschäften mit kleinen Summen beteiligt und wird demnächst auch ein drittes entrieren. Eine Betciligung au schon eingeführten Industrien würde es natürlich leicht finden können, das ist aber nicht der Zweck des Syndikats, sondern es ist ein Studiensyndikat, um neue Industrien einzuführen, und das muss mit grösster Vorsicht und mit möglichst geringem Risiko geschehen. Es ist also geradezu umgekehrt anerkennenswert, wenn cs sich nicht verleiten lässt, in unreifen Versuchen sein Geld zu riskieren. Was die Palestine Land Development Company betrifft, so bin ich durchaus Ihrer Ansicht, dass dieselbe als englische Gesellschaft von London aus geleitet werden sollte, und ich wäre nur zu froh, wenn Sic mir eine geeignete Persönlichkeit in London nach weisen würden, der man die Präsidentschaft des Boards dieser für un* sere Bewegung so eminent wichtigen Gesellschaft anvertraucn könnte. Wenn Sie sagen, dass ich zu viele Pläne mache, und nicht warte, bis einer erfolgreich durchgeführt ist, so freue ich mich konstatieren zu können, dass ich bisher in unverdienter Weise erfolgreich gewesen bin. Sowohl der ״Bczalel“ wie die ״Oelb a u m s pen d e“ entwickeln sich prächtig, die B a u m w 011 k u 11 u r ist eingeführt, die 1 a n dwirtschaftliche Versuchsstation ist gesichert, und die Palestine Land Development Company hat wenigstens den ersten Teil ihres Programms, die Gründung der Lehrfarm, mit Erfolg ausge* , l t I 1 1 .1