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Jüdische Rundschau · 1909-12-10 · Heft 50 (10.12.1909) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 50 (10.12.1909)
Date
1909-12-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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r « I > t 1 1 i Abonnomonto tu( die wöchentlich am Frei• iig ertclicliicndc ..JUdischo <umlKlun1■• kosicn bei der tlxiH'üition und bei allen Pott• liniini victttli.ilirlicfi 1,25 M, «uxM'ch.itli Dcutschlarult und Ocuermch-UnEarnt 2.— M; lur Miiclicdcr judiNchef Ver•;me mi 5><Mi*mclbctuK durch den Verein 1,— M. Verlas JiidUchc Kundtcbau I'.. <j m b. II. Uerlln SW. <!S» Zlmmmtr, (7. ji'iliuiUMumiiii.• .) bis 7 Uhl «uster Suiiiidtxiid u, Sonntag ו I r 1 —ן i , -J f f 1! V-i ה rx..n ח י! u?ד/לת ח •J I,—'-C/, ׳■ ־ ד; IKlk^> AnzoJpon ';•׳•••, fflf die IUn<1),׳*׳־aHeno I Petltidle .*׳!■* seren Kaum צ) ן I’K'.i Slellcri'Ansebote und Ociutlic aome Verein..mit• leilunsen u. ״Kleine Anzeigen" ■ 1ur 15 PI«.- Manntkrlpte werden, wenn Porto bcillegt, ttett lurntk• 9 getan«!(. — RedaM!onncl11uj» Mittwoch iiiiiij/s. Redaktion .(Udlecho RimcOchiu - Ueri1n>Cl141|01׳enburs, DMbtrcu'tr. 4V. Tel. Ch. 9SKI. iprcehsiwnden liienstaa und י i’iutag» II—t Uhr mnuiiv % .J S aueOBSCM® zeeruwa Nummer 50 Berlin, den 10. Dezember 1909 — 27. Kislew 5670 XIV. Jahrgang Die Turnfahrt zum Jüdischen Volkstag Beim IX. Kongress wird wenig Zeit nut‘;rpräsentatives Gepränge verwandt werden, '•'io Welt woiss heute, im zwölften Jahr der : wogung, dass unsere Anhänger in allen I.änd in dos weiten P.tdballs für das geschichtliche!.י• al ihres Volkes wirken, weiss auch, dass sich dische Vorkämpfer auf allen Gebieten mcnsch*;,.chen Schaffens mit Stolz in unsere Reihen?eilen. So werden wir in der arbeitsamen Stadt in es arbeitsf rohen Landes einen Arbeitskongress .ibhalten können. Dennoch hat man in das Programm der IG mgresswoche ein Schaut u r n e n der Jüdischen Turnerschaft aufgenonunen. Der Vorschlag stammt von den Turnern selbst, wurde jedoch vom Aktionskomitee freudig auf* gegriffen und aufs wirksamste unterstützt. Man war dabei gewiss nicht auf die ״Unterhaltung“ der Kongressteilnehmer bedacht. Denn wer nach Hamburg fährt, der sucht Anderes, Ernsteres. —- Was ist nun die Bedeutung dieser Denionstratioa unserer jüdischen Jugend und was hat diese jungen Leute zu den schweren Opfern dieser 1!;unburgreise so bald nach den Anslrcn* gungen ihres eigenen jüdischen Turntages bc* geisteit? — Man hat — nicht ohne einen Schein des Rechts — gegen den Zionismus den Einwand er* hoben, dass seine Realisierung stets daran scheitern werde, dass der jüdische Intellekt einer jeden wirklich grossziigigen Organisation wider* strebe, d.ass es niemals an ״Führern“, wohl aber an Geführten mangeln werde. Und — gestehen wir es — dies Argument ist das stärkste, das uns je entgcgengehaltcn wurde. Die Schöpfer des Baseler Programms sind an der Aufgabe, hier zu bessern, nicht blind vorübergegangen, und heute will eine Generation, die in diesem Jahrzehnt hcrangewachsen ist, stumm und namenlos für unsere Idee zeugen. Man möchte ein wenig paradox sagen: Gerade, dass sie nicht Zionisten sind, macht sic uns so wertvoll. Nicht Zionisten im Sinne eines bis in seine letzten Konsequenzen durchdachten Programms, son* dem einfach eine Schar junger Juden, von denen ein jeder fühlt, dass er an die Seite derer gehört, die in Treue an der Zukunft unseres Volkes wirken. So geben sie der Führer* Versammlung die rechte Folie und versinnbild* liehen den Zionismus als Volksbewegung. Die Geschicke unseres Volkes werden seit Pasel politisch geführt; für das Volk selbst aber heisst Politik Gefolgschaft. Als vornehmste Schulung für diese Politik haben sich bei uns Jeden, wie bei allen Völkern, die im Laufe dieses und des vorigen Jahrhunderts zur Freiheit woll* ten, die unpolitischen Turnvereine bewährt. ■— Das Kongressschauturnen weckt die Frinne* rung an den letzten Kongress unter Hei'zls Leitung, wo der tote Führer trotz der lang* wicrigen, aufregenden Ugandadebatten Zeit fand, in verständnisvoller Weise den Wünschen der Turner gerecht zu werden und nachher mit stolzer Freude an der Veranstaltung selbst An* teil nahm. Damals wurde die jüdische Turner* schaft gesch,affen und sie will nun auf dem neun* ten Kongress zeigen, wie fest das Band, das damals geschaffen wurde, seine einzelnen Glieder untereinander und das Ganze mit der grossen jüdischen Volksbewegung verbindet. ■ßos Inkan Die Tiirnfalirl zum jüdischen Volkstag. — Werner Sombarts letzte Vortraue. —־ Ule historische Hedeutuug der KattowUzor Konteren/.. Von Pr. i Aron Sandler. — Das zionistische Palästina« Programm. Von Davis T r i c t s c 11 - Berlin. — Zionistische Bewegung. — Aus den Gemeinden. — Vereins-Rundschau. — Feuilleton; Meereswunder. Von S. J. Pc re״/־ Makkabäer. Von H ans Goslar. — Literarische Rundschau: Unser literarisches Preisausschreiben. — So wlll’s mein Herz. . . . Von Fr. T11 i c b«rge r ־ Prag. — Gelöbnis. Von 11. Herr tu a n n * Prag. ~ Ule Geistesstörungen bei den Juden. Von Georg H c c 111. (Versammlungskaleitdcr Sette 5591) Der Gedanke in Hamburg zu turnen stammt von Dr. Georg Arndt, dem Vorsitzenden der Turnerschaft. Fr selbst' wurde durch den Tod aus den Vorarbeiten herausgerissen. Aber die Turner werden führerlos den Plan mit ungeminderter Begeisterung zu Ende führen. Lieber hundert Mitglieder aus den verschiedenen Zentren des weit verbreiteten Verbandes werden vor den Kotigress treten. Mögen die dort Ver* sammelten die Kunde von einer neuen tatkräf* .tigen, wohl-disziplinierten Jugend als werbendes Beispiel in die Heimat bringen. Zionismus und türkische Juden Die Zionisten haben die Genugtuung, einen wert* vollen Bundesgenossen in der Konstantinopclcr Presse erhalten zu haben, den ״Telografo", die meistgelesene spaniolischc Zeitung. Der Heraus* geber des viermal wöchentlich erscheinenden Blattes, Herr lsaac J. Üabai schreibt an leitender Stelle der letzten Nummer folgendes: ״Aus Smyrna wird uns geschrieben, viele un* serer Leser wünschen zu wissen, ob der ״Tclegrafo" ihr oder wider den Zionismus sei. Der selbe Wunsch wurde uns von zahlreichen Lesern der Hauptstadt zum Ausdruck gebracht. Wenn nun auch unser Blatt bisher nichts über seine Tendenzen bezüglich dieser Frage hat verlauten lassen, werden wir nunmehr doch gern die verlangte Antwort erteilen, und das geradeaus und mit Präzision. Da müssen wir mm erst gestehen, dass die Frage, wie sie uns formuliert wurde, uns in Erstaunen ver• setzt. Wir mochten unsererseits folgende Rückfragen stellen: ״Kann cs einen guten Juden geben, der nicht Zionist ist? Ist es möglich, dass wir keine Anhänglichkeit bekunden an die Geschichte u crer Vorfahren, für das Land, in dem Israel die glänzendste Epoche seiner Existenz durohmucUtc? Können svW nvrt der andern Seite uns lossagen van unsern unglücklichen Brüdern in Russland, in Rumänien usw. und ihren Leiden gegenüber indifferent bleiben?" ״Kann man Nichtzionist sein, ohne unsere rcli• g i ö s e n Schriften abzuletignen?" ״Ja!“ Wir sind Juden, also sind wir Zionisten!" ״Die Lösung dieser Frage liegt schliesslich keineswegs im Ressort der Presse. Sic ist eine Angelegenlicit, die ausschliesslich z wische u d c 11 Führer u des zionistischen Gedankens und der o 110 m a n i s c h e n Volksvertretung zu crledigen ist. Wenn die ottomanischc Regierung, die immer und mit Recht Vertrauen in die Treue der Juden bewiesen hat, die niemals Ursache fand es zu bereuen, diss sie dereinst unsern von der lnquisition verfolgten Vorfahren weitherzig Gastfreundschaft geboten hat. ohne irgend welchen Argwohn vor separatistischen Neigungen der Juden zu fassen, nunmehr den Ziottistmts in ihr konstitutionelles Programm aufnimmt, so sehen wir nicht, warum wir Juden ״päpstlieh er als der Papst" sein sollen. Der Aufsatz, der den vollen N a m c n des angesehenen Herausgebers trägt, hat in der ganzen Geincinde grosses Aufsehen erregt. Werner Sombarts letzte Vorträge (B c r i c h t {ii r d i e ״Jüdische R u n d s c )1 a u".) Auch die beiden letzten Vorträge, die Professor Sombart in dem stets dicht gefüllten Saale der Herliner Singakademie am Sonntag, dem 28. November, und Montag, dem 6. Dezember, hielt, boten viel Inte»- essantes, wenn auch gerade dieser Ted des Zyklus noch schärferem Widerspruche begegnen wird, als der erste. Jedenfalls aber durfte sieh ein Mann wie So m hart, auch wo er laut eigenem Eiligesiändnis als Neuling auftriu, mit Recht aic albernen Vorwürfe verbitten, die ein hiesiges jüdisches Blatt gegen ihn erheben zu sollen glaubte. Wir werden selbstverständlich die Sombartschcu Thesen einer eingehenden Kritik unterziehen müssen, protestieren aber gerade deshalb gegen so allgemeine Beschuldigungen, die sieh durch ihre Oberflächlichkeit selbst richten. Nachstehend'geben vir die Referate über den dritten und letzten Vortrag: III. Wie jüdisches Wesen entstand Für die Frage nach der Entstehung jüdischen Wesens gibt cs zwei verschiedene Erklärungen. Die plausibelste und bequemste ist die rassenmassige, denn für sic gibt cs eine ganze Anzahl Klar zutage liegender Anhaltspunkte. Da ist zunächst die linbeslicilLar grosse Konstanz dar jiidioClic.’i Rasse, ln den letzten 20:10—25DU Jahren ist am jüdischen Volke rassenmässig nichts wesentliches mehr verändert worden. Was an Mischungen hinzukam, ist prozentual immer unbedeutend gewesen* Von einer so starken Mischung, dass die Ursprungliehen Rassencharaktere wesentlich verändert worden wären, kann nach heutiger anthropologischer An* schaumig bei den Juden nicht die Rede sein. Der Stamm ist wesentlich immer weiter gezüchtet worden durch andauernde Inzucht, wie auch die ausserordentliche Konsiuiiz der Physiognomie bestätigt. Weiter spricht dafür auch die Konstanz der seelischen Eigenschaften, das Aber gewisser Grundzüge jüdischen Wesens. Dabei will Sombart nicht einmal die Mythologie Hcraaholcn, nicht die biblische Erzählung von Jakob, aus der mau den Juden eine gewisse Laxheit in geschältliehen Dingen zuschricb — das alles kann nicht gelten, weil auch in den Mythologien anderer Völker die Götter und Helden gewöhnlich ziemlich lax in ihren Auffassungen von Recht und Unrecht sind. Ls gehört zum mythologischen Bestände aller Völker, dass Götter und Helden sich gegenseitig beschwindeln, aber die Zweckbedachtheit, die Ausdauer, die Hart* näckigkeit sind allerdings jüdische Züge seit altersher, und | ״hartnäckig wie ein Hebräer" war schon ein römisches Sprichwort. Auch die A n - p a ssu n g s i ä h ig k e i t der Juden zeigte sich schon im Altertum darin, dass es damals unter ihnen ver* hähnismässig ebensovielc Schein-11 e i d c n gal), wie es heute S e 11 c i n C11 r i s t e 11 gibt. Etir die Russcnthcoric könnte weiter .sprechen das Andauern solcher Wesensziigc mich unter ganz veränderten Verhältnissen, ferner das Vorkommen ähnlicher Zuge bei Völkern mit nicht derselben Geschichte, aber mit einem gleichen Rasscnfundamcnt, z. 15. bei A r m c 11 i e r tt und Griechen, ״die tatsächlich Bintsverwatulte der Juden sind. Sombart gibt dazu einen Kurzen Abriss der jüdi* sehen Rassenfrage und zwar vom Standpunkte der sogenannten II c t h i t c r 111 c o ric, wonach die Juden nur zum kleinen Teil reine Semiten, zu mindestens 80 bis 85 '<״ dagegen Abkömmlinge der Hethiter und Rundköpfc seien. Trotzdem aber setzt er hinter diese rassenmässige Erklärung des jüdischen Wesens ein dickes Fragezeichen und zwar vor allem deshalb, weil wir nicht in der Lage sind, feststellbare Zusammenhänge zwischen physischen Rasscnmerkmalen und psychischen Eigenschaften aufzuzeigen. Das Alter der geistigen Eigenschaften

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