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Jüdische Rundschau · 1909-12-03 · Heft 49 (3.12.1909) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 49 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Cb. 9S8I.! * bprcchstuudcn Dienstag uod . * Froitatia 11—1 Uhr mittag». % •י •«••••««■• •«••««••«% SSTUMQ Nummer 49 Berlin, den 3 Dezember 1909 — 20. Kislew 5670 XIV. Jahrgang Geist und Form Orgattisalionsfrageii des IX. Kongresses Organisation: das ist ein Schlagwort des Jahrhunderts, das auch im zwanzigsten!11. ׳ seine volle Zugkraft bcwiihren wird, und >scn Ersetzung durch ein anderes Prinzip •S Heutigen überhaupt kaum denkbar er* ■ heint. Das berühmt gewordene Wort Eduard; .uisteius ״Das Endziel ist nichts, die Besve- : a n g ist alle s!“ besagt ja u. a. auch eben ‘-:es, dass alles auf die Systematisierung der Arbeit für das Endziel ankommt. Unter einer l olitisclicu Bewegung verstellen wir Heute :.ist ohne weiteres eine politische 0 r g a n i * s a t i o n, weil uns der Gedanke in Fleisch und ׳ i'-lut übergegangen ist, dass politische Ziele nicht anders als durch eine diesen angepasstc Form, eine Organisation erreicht werden Können. So möchte es am Ende beinahe banal erscheinen, über die Wichtigkeit organisatorischer Fragen bei politischen Bestrebungen über- Haupt noch ein Wort zu verlieren, wo wir doch tagtäglich im gewerblichen, ja sogar im künstkrischen!.eben die ungeheure Bedeutung des Organisationsprinzips zu erkennen Gelegenheit haben. Aber man wird stutzig, ob denn das Verständnis dieser Zusammenhänge von Ci’ganisation und Erfolg wirklich schon zum üemeingut geworden sei, wenn man sieht, wie viele an den wichtigsten organisatorischen Fragen achtlos Vorbeigehen, sie womöglich mit offener Nichtachtung behandeln und gelegentlieh der Meinung Ausdruck geben oder sie doch im linsen hegen, Organisationsfragen seien im Grunde mir Paragraphenspielcreien für Unheilbar juristisch veranlagte Gemüter. Von unseren sämtlichen Kongrcssdelegiertut würde es natürlich keiner Wort haben wollen, das man ihm solche Meinung zutraut. Aber die Präsenzziffern der Sitzungen, in denen über unser Organisationsstatut beraten wurde, sprechen eine andere Sprache. Wird cs diesmal anders, besser sein? Wir möchten den dringlichen W u n s c h aussprechen, dass nach dem Hamburger Kongress diese Frage bejaht werden könnte! Denn in Hamburg wird die zionistische Organisation, wie an dieser Stelle M.11011 mehrfach betont wurde, ganz entscheideude Bestimmungen treffen müssen oder ־— nicht treffen. Konnten oder wollten wir uns früher immer trösten, wir hätten ja Zeit und brauchten diese oder jene Massnahme nicht zu übereilen, so gilt jetzt jedenfalls dieser Trost nicht mehr. Ucberstürzen sollen wir gewiss auch jetzt nichts, aber dass ein rascheres Tempo unserer Entschlüsse dringendst geboten ist, das dürfte jedem Einsichtigen klar sein. Auch, dass wir keine Zeit mehr haben, dass wir jetzt in einem Jahre mehr zu verlieren haben, als wir vielleicht in zehn oder zwanzig Jahren, als wir unter Umständen ü b c r h a u p t wieder gut machen können. Und wohlgcmcrkt, hier ist für heute nur von organisatorischen Fragen die Hede, wobei natürlich Bestimmungen des Organisationsstatuts, aber auch solche der Geschüftsordnung unseres Kongresses in Betracht kommen.' ..Der Zlonlsmu» erstrebt iilr dos indische Volk dl» ScliaUunu einer Öffentlich-rechtlich gesicherten llelrnsiaito Io PttiaiUna." Dasclcr Programm. ßus ÜCLV3 IßiiQit fielst und Form. — Dia lüdlcch-uaüonafo Potltlk 111 Oesterreich. Von Dr. 11. K a d 1 s c 11. — Arnold Wieners Rede bei der Knttowltzcr Jubiläumsfeier. — Erklärung. — Die 111storische Bedeutung der Kuttowltzcr Konferenz. Von Dr. Aron Sand- 1er.-- Dr. ücorg Arndt. — Das zionistische Paläslliiaprograumi. Von Davis T r i c t s c 11 - Berlin. — Aus aller Welt. — Zionistische Bcwc* gung. — Verehisruiulschau. — Jung Israel: Clianu- Kali. Von li a 111 R a c ti c I. — ClumukahUclUcr. Von Morris K 0 s c n f c 1 d. — Prelsausscltrcl* bcn. (Schicberütscl.) — Feuilleton: Meereswunder. Von J. L. Pcrez. Der neue Entwurf eines Organisations* Statuts*) von Dr. Bodenheimer, dem uin diese Frage besonders verdienten Präsidenten der ״Zionistischen Vereinigung für Deutschland“ enthält tief einschneidende Aenderungcn, die einer gründlichen Beratung in Kommission und und Plenum bedürfen. Ob cs in der Tat dem o k r a t i s c 11 ist, das Wahlrecht an die Zahlung eines für alle, Arme und Reiche, gleich grossen Schekels zu knüpfen, kann sehr fraglich erscheinen, und der Dodenheimersche Vorschlag, den übrigens der Schreiber dieser Zcilen in ähnlicher Fort:» ebenfalls vor Jahren schon einmal machte, das W;111!recht von der Zugehörigkeit zu einem zionistischen Verein (bzw. einer Landesorganisation) ab■ hängig zu machen, ist jedenfalls sehr diskutabel. Er ermöglicht es auch, eventuell später eine regulüre Besteuerung .der einzelnen Zionisten durchzutühren, die eine beinahe ideale Finanzgebahrung der Partei zur Folge haben würde. Die Bedenken, die bisher da• gegen geäussert wurden, sind jedenfalls grossenteils aus der Macht des Bestehenden und dem Vorurteil gegen das Neue zu erklären und dürfteil sich bei unbefangener Prüfung kaum als stichhaltig erweisen. Denselben Vorurteilen und vorgefassten Meinungen entspringt ja auch die Abneigung gegen eine grundstürzende Aenderung der lnstituiion des Grossen Aktionskomi* t e e s, das schon zu Hcrzls Zeiten von nieniandem als eine zweckentsprechende Körperschaft betrachtet wurde, und das doch die Jahre siegreich überdauert hat. Auch hier ist der Bodenhcimcrsche Entwurf nicht ungeeignet, eine Besserung anzubahnen, wenn bei den 21 vom Kongress zu wählenden Mitgliedern mit der bisher üblichen Proportional* Vertretung der Landsmannschaft e n entschieden gebrochen wird. Da die Präsidenten der Landesorganisationen und Föderationen (Vcreinsverbäncle) als solche Sitz und Stimme im Aktionskomitee haben sollen, so vermögen wir nicht cinzuschen, warum der Kongress nicht z. B. die 21 zu wählenden Mitglieder nur aus einigen wenigen Ländern entnehmen soll, die geeignete Vertreter aufweisen, und solche, die zu Sitzungen nicht nur regelmassig eingcladen werden, sondern auch regelmassig zu kommen in der Lage sind. Für das Engere Aktionskomitee, dem der zwcckmässigcrc Name ״P r ä s i d i u m“ gcgeben wird, schlägt der Entwurf fünf Mit- *) Vcrscl. No. 46 der ״J. R.“ glieder vor, die sich in die fünf Ressorts: 1. Politik uncj Gcsamtlcitung, 2. Organisation, 3. Palästina, 4. Finanzinstitute, 5. Propaganda und Presse zu teilen hätten. Hier vermissen wir vor allein die unseres Erachtens gerade jetzt ganz unumgängliche Bestimmung, dass we n i g s t e 11 s drei dieser Mitglieder an einem Orte wohnen müssen. Die Be* Stimmung, dass der Präsident und die beiden Vizepräsidenten direkt vom Kongress, die beiden anderen Mitglieder au! Vorschlag der drei ersten zu wählen seien, scheint uns aus sehr vcrschiedenen Gründen unannehmbar. Alle fünf Mitglieder sollten unseres Erachtens vom Kongress in einem gemeinsamen W a h 1 g a n g gewählt werden, und sie sollen dann selbst die Aemter unter sich verteilen. Das wäre ein dem ganzen Charakter unserer Bewegung entsprechendes Präsidium, und wir würden hei diesem Verfallren vielerlei Schwierigkeiten vcrmeiden, die sonst immer zu Konflikten führen. Damit sind wir bei dem Punkte angelangt, wo alle organisatorische Weisheit am Ende ist, beim Persönlichen. Wir alle wissen, wieviel in unserer Bewegung ebenso svie anderswo davon abhängt. Schliesslich sind es die Per* sö n l ic h ke i ten . die den Einfluss auf den Gang der Dinge üben. Eben deshalb aber sollten wir, v.vuu wir cs ehrlicU und gut mit der Sache meinen, uns über Persönliches erheben können und d׳e Lago sachlich und nur sachlich betrachten. Jedenfalls aber sollte der Per m ancnznusschuss des Kongresses, dem wir die Personalfrage an vortrauen, und in dessen Schoss das Schicksal gerade unserer obersten Körperschaften gelegt ist, nur ans solchen Männern zusammengesetzt werden, die eben auch das Persönliche sachlich anzuschauen und zu beurteilen vermögen. Denn am Ende hilft freilich die bes1.* . > r ganisationsform nichts, wenn der Geist nichts taugt, der sic beherrscht, und aus dem sie entstand. Die jüdisch-nationale Politik in Oesterreich Von Dr. H. K a d i s c 11. Sowie im Auslände im allgemeinen die kompli- 2icnen österreichischen Verhältnisse in den seltensten Füllen richtig verstanden werden, so gilt dies in noch höherem Grade betreffs der politischen Lage der österreichischen Juden und der jüdisch-nationalen Politik im Donaurcichc. Wer deren Notwendigkeit, sowie ihre bisherigen Erfolge entsprechend würdigen will, muss vor allein den Kern des österreichischen Problems, die Stellung der Juden im Donaurcichc und zu deren einzelnen Völkern verstehen. Uin was handelt cs sich eigentlich in dem nun über vier Jahrzehnte andauernden Nationalitätenkample? Es ist nicht, wie Ausscnstchcndc oft glauben, ein Kamp! um Sein oder Nichtsein der Osterrcichischcn Monarchie, ein Kampf der Österreich!» sehen Völker gegen den Staat, sondern um die Macht im Staate, ein Kampf gegen den unhaltbar gewordenen Dualismus und für eine neue Reichsverfassung. Dieser J’amnf hat gerade seit der Einführung des allgemeinen, gleichen etc. als eine inferiore, fremde Rasse, die tschcchisehen Nationalisten bcfchdcu Überdies die Juden als Förderer der Ocrmantsation, auch die A lipo len

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