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Jüdische Rundschau · 1909-10-29 · Heft 44 (29.10.1909) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 44 (29.10.1909)
Date
1909-10-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I. Abonnornonto 111 die wßthcntllch am Frei• nt mchclncmlc ,.JuOln.’״o <«n«l»chrfu" Kosten bei der Spedition und bet allen Pott• ti'iurn vltrielldlitllcli 1,25 M, 1»\H־rl11׳ll> IH-utse)1land> und OtmmieM'nsam 2,— M! lut Mltvtliedet l!!Ui»c)1er Ver- )int Im Simmelbeiui( duroh den Veteiit 1,— M. Verlas JtidlKbc Rwndtcbaa II. U, m b. II, Berlin SW. Mi. Zimmer«tr. TT. •jiKliSlintundcn: .1 bla 7 Uta «•״er NtuuaUund u. äonntas Nummer 44 \׳ 4 % % » « I J /' ^y ö ׳׳,«׳, ÜS0BSCC 9 An-olfion | Vollen IDr die lnnl2etp*ltcno $ Petltrelle oder deren Raum s 5? ן P/t{.! Stellen.Angebote und g ücsucho towie Vcrclmimt• iellunücn u, ״Kleine Antcigen*' I V 1ur 15 PI«, — — — — — — r ■# Manuskripte werden, wenn g Porto belltest, Urte luruckf gesandt. — Redaktlonnelilus» I Mittwoch mittags. Redaktion Jfidlicbe Rundicbia J lieriln.Cliarloncnburg, J Blclblrcuur. 49. Tel. Cb. 9551. I bprechstundcn Plcnstas und \ froltasi 11—1 Uhr mittag•, l...————J ... ■'■1■”"I■■ .. ..—.■■■ I ■ 1 Berlin, den 29. Oktober 1909 —14. Cheschwan 5670 , XIV. Jahrgang : Hauptaufgaben; des IX. Kongresses!11 zwölf Jahren haben wir unzählige Male die Antwort .auf die Frage ״Was will 41er Zio• j ni'imis?" gegeben, aber natürlich hat das nicht wdiindcm können, dass Missverstehen und; böser Wille uns alles Schlimme nachsagten, was ' man so gemeinhin missliebigen Parteien und 1 Bewegungen zu unterstellen pflegt. Da erfreut sic** der Vorwurf der ״Vaterlandslosigkeit“ einer l\Minderen Beliebtheit — nur dass er nirgends st» deplaziert erscheinen musste wie bei mis Zionisten, die wir ja gerade ein Vaterland tj schaffen wollen für Vaterlandslose. Und •! mit einer fein erdachten Doppelzüngigkeit haben , unsere Gegner vermeint, uns hierbei eine Falle stellen zu können. Wir sollten in unseren Ge• I bunsländern schlechte Patrioten sein, so! schlechte, dass man uns eigentlich das Bürger•!echt entziehen müsste, das der moderne Rechts• Staat nicht einmal seinen erklärten Antipoden versagt, und dann sollten wir auch der Türkei gar gefährliche Gesellen sein, deren ״sepa• 1׳ laiistiseite“ Bestrebungen von den türkischen •j Machthabern mit .aufmerksamstem Auge verfolgt i werden müssten. I ln keinem Lande — man beachte das wohl! ( haben die natürlich zumeist jüdischen Leinde; des Zionismus mit diesen absurden Verdächu• \ gangen so gute Geschäfte gemacht wie in 1 Deutschland. Darum ist der in diesem Dezem• '} her zum ersten Mule in Deuttwltlmtd tagende | /.inn i stell k011 gross verpflichtet, dieser Sache seine ganz besondere Aufmerksamkeit zu; widmen. Nicht als ob man die hundertmal gehöri tat Tiraden über Zionismus und Patriotismus I nocli ein Mal wiederholen sollte. Wer heute über• Itaupt noch den Vorwurf erheben kann, ein Zio• nist könne kein guter Bürger seines Landes sein, der kann auf Zubilligung der bona fides keinen; Anspruch mehr machen. Aber die infamen Ver•! 1.umdungen, die man den türkischen Macht• f Labern ins Ohr geflüstert hat,*) müssen durch 1 eine unzweideutige, einmütige Erklärung j' des Kojigrosses abgetan werden. Jede 1 Debatte über eine Aenderttng unseres Pro■ mamms wäre nur eine Abschwäclnmg dieser I Kundgebung, die gar nicht klar und energisch! genug sein kann. Der Kongress wird damit 1 mitii die überflüssigen Debatten in den eigenen s buhen bannen, die ängstliche Gemüter nur von der Beschäftigung mit wichtigeren Fragen ab* 1 bahnt. י Die Erklärung, dass unser Programm nichts I] eaihält, was gegen die Souveränität der Türkei; geruhtet wäre, dass wir im Gegenteil — wie; in diesen Blattern oft genug betont wurde —! Mies Interesse daran haben, unsere pajüstinischcn! Volksgenossen als jüdische Bürger einer starken Türkei zu sehen, dass die ..öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte“ un* nrcs Programms nichts gemein hat mit den Ab• ן *oiulerungsbestrebimgcn der Armenier, Griechen usw. — diese Erklärung wird als eine authentische Interpretation des Baseler Programms auch von denen respektiert werden müssen, die heute noch glauben, Wider- I *prüdie zwischen Theorie und Praxis bei uns konstatieren zu können. Sic wird der türkischen ״ *) Vgl. den folgenden Artikel ״Der rote Schein". Kcd. d. ״J. R.״ I ..Der Zloninnji ertrrebt lär das Ifidiiclio Volk dl# iScliaüuna einer Cllenlllch.reclitUch *elidierten liclinttfltt« lo Ptl&tlln«." Bänder Prourinm. j ÖES J Jlauptaiifgnbeii des IX. Kwigrcr.scs. — Der roto l Schein. — DIo Tuf'unu des Grossen Alidons- | Komitee!{. — Das zionistische PaUisilimprogramin. j Von Davis Tric t sch-Berlin. — Ccsarc ׳ Lomhruso und der Zionismus. — JS'aplitall Imber. — Ans aller Welt. — Palästina-Rundschau. — Zionbtischo Bewegung. — Aus den Gemeinden, —• Vereins-Rundschau. י״ Feuilleton: Der Gc* langcne von Selmstopol. Von Samuel Gor• don. — Literarische Rundschau: Sammlung preisgekrönter Märchen und Sagen. — Uiichorbusiircchuugeii. ־־ Lliigegungono Bücher. Regierung vor allem ein Unterpfand für die Ehrlicltkcit unseres Tuns sein und unsere Arbeit in Palästina erleichtern. Dieser Palästinaarbeit selbst wird die Jlaupttätigkeit des Kongresses gewidmet sein müssen, damit auch liier Freunde und Gegner ein klares, scharf Umrissen cs Program in vor sich sehen. In welchem Sinne immer die!*rage des /Agrarkredits in Palästina schliesslich gelüst werden mag, so muss der iX. Kongress beweisen, dass es ihm ernst ist mit der baldigen Lösung dieses viel• leicht wichtigsten Problems für die Ansiedelung von Juden in Palästina. Die Richtlinien hat der Leiter unser״* Pnlästinnaimes Dr. Rnppitt in einem au diiW Stelle verüficiiHieiileü Aiifhüt* (vgl. Kt'. 42 der ״J. R,") dargelegt, Neben dieser wichtigsten Gegenwartsaufgabe unserer praktischen Arbeit in Palästina muss der Kon* gress natürlich auch für eine energische För* derung der bestehenden Palästinagcscllschäften, besonders der zukunftsvollen P. I״ D. C. zu wirken suchen. Sodann harren des IX. Kongresses zwei Aufgaben organisatorischer Art, die ebenfalls eine möglichst radikale und definitive Lösung erheischen: die F i n a n z f r a g c und die Frage der Leitung. Für die erste gibt es unseres Erachtens nur das eine Mittel, dass die v 0 n d 0 r B e w e g u n g g e s c h a f fetten und nur durch sie geförderten und erlialtenen Institutionen auch ihre Beiträge zur Erlialtung der zionistischen Organisation leisten. Mit der Anerkennung dieses — finanzpolitisch einfach selbstverständlichen — Grundsatzes wären die materiellen Schwierigkeiten, unter denen unsere politische und agitatorische Arbeit zu leiden hat, behoben. Diese Steuergelder würden sich sogar wahrscheinlich so sehr als werbende Anlage erweisen, dass wir sie viel• leicht nach wenigen Jahren bereits wieder auf* heben könnten. Heute aber ist die Einführung der Besteuerung der Institutionen eine Notwendigkeit, um die wir nicht herum kommen. — Im Zusammenhang damit wird der Kongress sich auch über die vom Aktions• komitee in seiner letzten Sitzung bereits disku* tierte Frage dcrVerlegungder Leitung nach Berlin schlüssig machen müssen. Kommt der Kongress zu dem Schluss, dass für die Dauer die Leitung unbedingt in einer zentral gelegenen und politisch wichtigen Stadt sein müsse, so wird er gut tun, dieser Finsicht bald Lolge zu geben. Indessen spielen in diese letzte Frage so viele ausserhalb logischer Erwägungen liegende Momente hinein, dass wir es einstweilen noch vermeiden möchten, uns auf ein bestimmtes Projekt festzulegen. — Wir wollten die hauptsächlichen Aufgaben des IX. Kongresses nur kurz streifen und be* lullten uns selbstverständlich eine eingehende Be• handlung einzelner Probleme vor. Aber aucli aus dieser summarischen Aufstellung werden unsere Leser ersehen, dass der IX. Kongress nicht nur kein unwichtiger, sondern vielleicht der wichtigste aller Kongresse seit dem ersten sein wird — vielleicht ein Schicksalskongress! Das wollen unsere Freunde bei den bevorsfehenden Wahlen bedenken. Unsere Kongresse sind keine geselligen Zusammenkünfte — sie gelten der ernstesten Arbeit für die Existenz des jüdischen Volkes! Der rote Schein Ein Erfolg der jüdischen Antisemiten Bekanntlich wird dem nach Palästina ein• w ändernden Juden bei seiner Ankunft der Pass abgenommen und ihm dafür der ״rote Schein“ gegeben, der ihn den Aufenthalt auf sechs Monute gestattet. In der Praxis ist noch nie einem jüdischen Einwanderer der I ä n g er e Aufenthalt oder die dauernde Niederlassung ver• wehrt worden. Gleichwohl aber empfindet man mit Recht diesen roten Schein als eine Aus• iiftlimemnshregel, die in der Türkei doppelt auffüllt, eben Weil die Türket praktisch nie• mala den Juden irgendwelche Schwierigkeiten bereitet hat, ja im Gegenteil bekanntlich das einzige Land ist, das die Juden nie verfolgt hat. Unter dem neuen Regime hatten wir denn auch alle Aussichten, den roten Schein nebst anderen Ucberblcibscln des nutokrntischen Regiinents verschwinden zu sehen. Der Chachambaschy bemühte sich seit langer Zeit darum. Nun hatte er vor kurzem mit dem neuen Minister des Innern '1' a 1 a a t B e y eine Unterredung, deren wesentlicher Inhalt hier wiedergegeben sei: Minister: ״Der rote Zettel, Eminenz, ist nach eingehenden Informationen, die wir von Subhi Bei, dem Gouverneur von Jerusalem, ein• geholt haben, mehrfach Gegenstand von Be• spreciumgen im Ministerrat gewesen. Ich kann Urnen heute die erfreuliche Mitteilung machen, dass die Abschaffung des Papiers beschlossene Sache ist und aUerdenmächst verfügt werden wird. Wir werden dafür die ankommenden ausländischen Israeliten in eine L is t c ci n tragen lassen, in der über ihren Aufenthalt im Lande Register geführt wird.“ Grossrabbincr: ״Exzellenz! Als ich meinen Tnkrir über den roten Zettel der Regierung ein* reichte, lag mir nicht daran, gegen die rote F a r b e zu intervenieren;cs macht mir nicht viel aus, ob er rotoder, grün oder auch weiss ist. Mieder Einführung der Anfenthaltslistc ist ja der rote Zettel, den Sie nbschaffen wollen, in anderer Form vollkommen wiedcrhcrgestellt!“ Minister: ״Das ist alles, was ich bisher habe erlangen können. Wir werdet! gut tun, die beiden Seiten der Angelegenheit getrennt zur Erledigung zu bringen. Sei es für diesmal d i c f o r m a 1 e; die andere werde ich alsdann weiter verfolgen und hoffe, auch da zu günstigen

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