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Jüdische Rundschau · 1909-10-04 · Heft 40-41 (4.10.1909) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 40-41 (4.10.1909)
Date
1909-10-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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.40/41 .סא JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 457. zionistisch Be1v*e6üK©■• millcllunfl des Bureaus des IX. Zlonlslen-Konorecses ln eingehenden Konferenzen sind in Ham• burtf in Gegenwart des Herrn Präsidenten Wolifsolin, des Herrn Professors Dr. Ornstcin• (iionin^en, Vorstehers des Achten Zionistenkongre.'ses in I laag, und des Herrn Sekretär Berner• Köln die allgemeinen Richtlinien für die Vorbe• tvinintfon des IX. Kongresses festgelcgt worden. Per Kongress findet bekanntlich im ״Kon• zeitlimis Hamburg“ statt, das nach übereinstim* uiendom Urteil geeignetere Räume enthält, als sic irgend einem der früheren Kongresse zur Vcifngung standen. /.ur Hrledigung der Vorbereitungsarbeiten ist bereits jetzt unter dem Namen ״Bureau des IN. /.iouistenkongresses“ in Hamburg, Grosse Bk dien (n, ein Bureau eingerichtet worden, du* unter Leitung eines dreigliedrigen Dirokto• riimis steht. Diesem Direktorium steht eine An• xan! Komitees zur Seite, von denen das Wohiniiigs* und das Reisekomitee ihre Tätigkeit be• ivii' aufgcimmmeu haben. Das Wohnungs* k-uiiiee wird bestrebt sein, ganze Hotels zu mieten, in denen die Delegierten je nach ihren Wünschen und Ansprüchen konzentriert werden kennen. Auch ist es gelungen, für eine kleine Anzahl von Delegierten unentgeltliche Unter• kunft bei Gesinnungsgenossen zu sichern. Nähere Angaben über die Wohnungsbesorgung \u׳!de11 demnächst bekannt gegeben werden. Das Reisekotnitee wird die zweckmässigsten IvVi.'erouten ermitteln und veröffentlichen. Auch wird es bestrebt sein, die Gewährung von Ermässigungeii, namentlich seitens der Schifiahrts• gesellschaftcn, zu erlangen. Alle Mitteilungen und 'Anfragen sind zu richten an das Bureau des IX. Zionisten*Kongresses, Hamburg, Grosse Bleichen 65/1. Telegramm• Ad resse: Orghip Hamburg. Aufruf! Aii die zlotilsUsclicn Ortsgruppen mul ganz besonders uh unsere Juuguuumscliait. Die Gründung eines Kartells Deutscher Hcrzl-Klubs ist geplant. — Bis jetzt sind es erst vier Vereine, die sich bereit erklärt haben, dem zu gründenden Kartell beizutreten. Die weitaus grösste Anzahl der Ortsgruppen hat sich bis jetzt nicht geüusscrt. Dabei wird cs in den grösseren Ortsgruppen, die einen kleinen Stamm von eingearbeiteten und arbeitswilligen jungen Leuten zur Verfügung haben, oft nur eines äusseren Anstosses bedürfen, einen Herzl-Klub zu gründen. Ich glaube, die Wichtigkeit der Hcrzl-Klubs und des Kartells wird von den meisten Vereinen und Ortsgruppen arg unterschätzt und müchtc daher ganz kurz skizzieren, wie die Tätigkeit dieser Klubs gedacht ist und welche Aufgaben ihrer I1ar1׳en. Die Hcrzl-Klubs sollen in der Regel aus jungen Kauflcuten im Alter von 18—25 Jahren bestellen: aus Kauflcuten deshalb, weil die Akademiker bereits in K.Z.V. bezw. den V.J.St. organisiert sind. Die Altersgrenze ist so gewählt, dass die Hcrzl-Klubs gvwisscrinasscn die Ucbcrgangsstufe, die Vorberciiungsschulc fiir die Tätigkeit in den Ortsgruppen darstcllcn können. Die Arbeit ist streng zu scheiden in Aussenpropaganda und In 11 cnarbci t. Die letztere wird es naturgemäss sein, auf die neugegründete Klubs vor allem, ja ausschliesslich, ihr Augenmerk richten müssen, denn cs muss a u f jeden Fall vermieden werden, dass die Klubs, che nicht ihre Mitglieder wirklich ordnungsgemäss ausgcbildet sind und das ganze Propagandamaterial beherrschen, in die Arena der Ocffcntlicliheit treten, Es schadet dabei absolut nichts, wenn! dadurch die Mitglicdcrzahl in der Anfangszeit beschränkt bleibt, ja, das ist sogar bedeutend vorteilliafter, denn es liegt auf der Hand, dass eine kleine, aber ständige Mitglicdcrzahl besser und eingehender ausgcbildet werden kann als eine grössere, aber fluktuierende Masse. Verfügt man erst über eine kleine Zahl wirklich cingcarbcitctcr und auf allen Gebieten der Propaganda mit der ganzen Materie vertrauten Leute, dann mag man getrost die Aussenurbeit beginnen — jedoch nicht eher! Man geht nicht fehl, wenn man also die Hcrzl- Klubs als eine Art von Parteischule auffasst: 'vio wichtig cs für uns wäre, wenn solche •systematisch in allen Ortsgruppen begründet würden, Brauche ich wohl nicht zu׳' betonen: man weiss ja xenugsam, welche immensen Vorteile beispielsweise die deutsche Sozialdemokratie dieser Einrichtung, die aber auch mit bewundernswerter Energie gehand« habt wird, verdankt. Das Resultat der Hcrzl-Klubs würde sein: eine grössere Anzahl von gut ausgcblldetcn jungen Leuten, die einesteils unter ihren Altersgenossen ganz anders propagieren könnten als bisher, andererseits den Ortsgruppen, die so oft über Mangel an wirklich geschulten Arbeitskräften und A g i - t n 10 r c n klagen, unschätzbare Dienste leisten könnten. — Das Kartell Deutscher Hcrzl-Klubs würde ein systematisches Hand in Handgehcn aller Klubs sowie eine grössere Einheit des Programms und der Arbeitsweise ermöglichen und den kleineren Vcreinen einen nicht zu unterschätzenden Rückhalt bieten. —־ Es ergeht daher an alle Ortsgruppen, insbesondere an unsere kaufmännische Jugend, die doch gewiss nicht an Arbeitsfreudigkeit hinter den Akademikern zurückstchcn möchte, der Ruf: Sammelt euch, sclilicsst euch zusammen in Hcrzl-Klubs, damit auch wir endlich das Unsrlgc tun können, unsere grosse Sache ein Stück vorwürts zu bringen! Hans Qoslar, Berlin. G6M6HSD6M DIo Mitarbeit unserer Leser an dieser Rubrik Ist besonder• ——— — erwünscht.-.— ״Jüdische Gemeindepolitik‘״ Man sollte jedes Buch zweimal lesen, auch das unscheinbarste, ln ungewohnter feiertäglicher Einsamkeit Intbc ich, um diesem bedrückenden Gefühl zu entgehen, ein solch unscheinbares Buch eines Landsmannes zur Hand genommen. Ich meine die bekannte Broschüre unseres Freundes Dr. Kollcnschcr über die jüdische Gcnicindepolitik. Ah, wenigstens eine vertraute Stimme, in doppeltem Sinne mir vcrtraut: denn wie oft schon habe ich doch dem Redner zugehört, und irre ich nicht ganz, so war cs mir vcrgönnt, der ersten öffentlichen rednerischen Dar- Stellung über jüdische Gcnicindepolitik beizuwolmen. ״Der Vortrag ist des Redners Glück." Es reizte mich, die 32 Seiten der kleinen Broschüre im Tone des Verfassers zu lesen, da er mir deutlich in Erinnc* rimg ist, und dann mit mir als zweite Person eine Diskussion zu beginnen. Da es nichts mehr und nichts weniger kostet, lud ich mir zur Teilnahme noch einige Bekannte ein, lauter liebe, gute Gesichter. Es ist merkwürdig, begann ich, dass überhaupt erst in unseren Tagen von jüdischer Genieindepolitik gesprochen wird. Die jüdische Gemeinde ist doch eine alte Institution: auch in der Form, wie wir sic heute sehen, ist sic über das Manncsaltcr hinaus, und jetzt erst finden wir Worte und suchen wir Wege für sic. Nicht schlechthin Wege, sondern nur neue Pfade, warf mir jemand dazwischen. Welches waren denn die alten? (ich nahm das Wort wieder auf). Du suchst vergeblich in der früheren jüdischen Literatur ein Buch über die 13ctütigting der Gemeinde als solche. Aber sic bat sich doch betätigt, schrie mein Streithammel. Natürlich, (sagte ich,) versteh nur richtig. Sic hat Steuern erhoben, Rabbiner an- und abgesetzt, Steuern erlassen, Unterstützungen gewährt und vieles andere. Aber dies alles geschah, wie der Tag, die Stunde es erforderte. Es fehlte die Einsicht in das Leben und Treiben. Vielleicht war es auch einfacher als heute, wo wir die Notwendigkeit empfinden, in dem wirren Getriebe das Qcsetzmüssigc zu erkennen, um mit Hilfe des Gesetzes (gleichsam die besondere Lösung mit einer allgemeinen Formel) der drängenden Pflicht sofort auf dein rechten Wege folgen zu können. Diese Notwendigkeit ist neu, ist aus unserer Zeit heraus geboren. Dass sie früher nicht vorliandcn war, geht daraus hervor, dass uns nichts Allgemein-Gültiges über die Betätigung der Gemeinde aus früheren Zeiten überliefert ist. Ob die Notwendigkeit in Wahrheit nicht vorliandcn war, bezweifle ich, sprach mein Gegenüber. Darüber wollen wir nicht streiten, fuhr ich fort: aber ihr alle müsst zugeben, dass sic keinen Ausdruck fand, und um beim Thema zu bleiben, vermeiden wir es, den Gründen dafür naclizugchcn. Wir sind gegenwärtig, oder ich will genauer sagen: seit Herzls Mahnruf, die Qcinelndcn zu erobern, erst im Begriff, die Sachlage zu erkennen, und wir suchen darum nicht nur neue, sondern überhaupt d i c Wege, die die Leitung der jüdischen Gemeinde heute gehen muss. Unser vorlics'endcs Büchlein ist der Nachhall des Hcrzcl'schen Wortes und der erste literarische׳ Niedcrsehlag’unscrcs neuen Strcbcns; hierin liegt ein Nachteil, aber auch ein Vorzug. Ein Nachteil insofern, weil der Verfasser naturgemäss nicht alle die Tausend Betätigungsmögllclikeitcn, die tatsächliehen und die denkbaren, bis In die kleinsten Einzcilieitcn hinein unter den neuen Gesichtspunkten vcrteilen konnte. Indent er sich vielmehr auf die Darlegung der Hauptpunkte beschränkt, bat er aber den Vorteil, uns die grosse Aufgabe, die unserer harrt, so deutlich vor Augen zu führen, dass gewiss jeder tatcnlustig wird. Darum also bleibt zu wünschen, dass jeder auch die Rede liest, dass Jeder sic bcspricht mit seinen Freunden, um über den Anfang des Unternehmens zu beratschlagen, ein jeder in seiner Gemeinde. Ich glaube (lächelte bitter mein Gegenüber), dass das nicht geschehen wird. Sprich, warum?, forderten wir alle. Well (meinte er wieder) die deutschen Juden, in ihrer Gesamtheit genommen, als Mitglieder der sozialen Schicht der Spicssbiirger ebensowenig einen grossen Gedanken begreifen werden wje die anderen. Halt ein (schrie ich schon lange)! Ich weiss nicht und will nicht wissen, ob das wahr ist, was du sagst. Aber das weiss icli doch, dass wir Juden wollen, dass wir das Kleinliche, das Hinterhältige, das Ungütige, das Krüinclhuftc gegen das Grosse längst abgestreift haben und cs noch weiter tun werden. Wir erhoben uns und gingen an den Fluss, Taschlich zu machen. Georg Hecht. Breslau. Zu der am Sonntag, dem 17. Oktober 1009, il Uhr, zu Breslau im grossen Saale des Konzeriliauses staufindenden dritten llaiiptversamm- 11111g des Verbandes Deutscher .luden werden unciitgeltlicli Zuhörerkarten auf mündliches oder schrift-‘ lichcs Gesuch im Büro der S y 11 a g 0 g e n - G e - in e i n d c in Breslau, Wallstrasse H, sowie bis zum 12. Oktober er. 1111 Büro des Verbandes Deutscher Juden in Berlin W., Potsdamer- Strasse 45 II, uusgegeben werden. Berlin. Seit Anfang voriger Woche ist der 27 Jahre alte, im Fricdcnaucr Ortsteil von Schönebcrg, Thorwaldscnstrussc 6. wohnhafte Kunstmaler Simon Wigdor Hirzcnbcrg verschwunden. Seine Angehörigen haben in den letzten vier Wochen kein Lebenszeichen von ihn! erhalten. Am 1. August trat H. eine Reise nach Hamburg zu seinem dort wohnenden Bruder an, ist dort aber nicht cingctroiicn. Da er weder einen grösseren Geldbetrag noch seine Reisekoffer sich hat nachschickcn lassen, nehmen seine Verwandten an. dass ihm ein Unglück zugestossen oder dass er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Die Personalbeschreibung ist folgende: 27 Jahre alt, mittclgross, schlank, brünett mit dunklem Vollbart, runde hohe Stirn, langes, glattes Haar, gerade, ziemlieh grosse Nase und etwas vorstehender Mund. 11. trug einen schwarzen Lodenüberzieher und dunklen gestreiften Rockanzug sowie runden Filzlmt. Zweckdienliche Mitteilungen sind zu richten an das Schöneberger Polizeipräsidium, Haupt- und Marxstrasseu-Eckc. tfSReiNS: RUNDSCHAU Die Schrlltlührcr der Vereine werden gebeten, die Hcrlchto müßllchts knapp zu halten und sie stets rechtzeitig clnzusenden Uanuakrlpto nur auf olnor Solto boaohroibon — doutlloho Sohrlft! Berlin. Der erste Vortragsabend des Hcrzl-Klubs im Wintersemester imdet am Sonnabend, dem 9. Oktober, abends 9 Uhr. im Tiergartenh 0 f, am Bahnhof Tiergarten, Zimmer Vcrcinsklause, statt. — Vortrag des Herrn Richard L i c n t - heim; ״Die Aufgaben des IX. Zionistenkongrosses". Gäste sind willkommen. Berlin. Montag, den 20. September, fand in den Sophiensülen die Generalversammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung statt, zu der etwa 80 Mitglieder erschienen waren. Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Grone mann, erstattete den Bericht des Vorstandes, der eine Uebcrsicht über die zahlreichen Veranstaltungen der B. Z. V. gab. In der Diskussion übten mehrere Redner an der Tätigkeit des Vorstandes Kritik mul wiesen gleichzeitig auf den Mangel an Interesse hin. der in weiten zionistischen Kreisen herrsche. Die Verbindung Hasmonaca brachte den Antrag ein. die Arbeit der Ortsgruppe zu dezentralisieren und zu diesem Zwecke Untergruppen zu schaiicn. Für den Antrag sprach Herr Rechtsanwalt Dr. H a n t k e, während Herr Rechtsanwalt G r o n c m a n n sich da* gegen aussprach. Der Antrag wurde angenommen. Herr Rechtsanwalt Üroncmann erklärte, unter diesen Umständen das Amt des ersten Vorsitzenden nicht wieder annchmcn zu können. Nach längerer Debatte wurde Herr Dr. Witkowsky zum ersten Vorsitzenden. Herr Rechtsanwalt Grone mann zum zweiten Vorsitzenden gewühlt. Von den dem früheren Vorstände ungehörigen Herren wurden wiedergewählt die Herren Barth, Dr. H a n t k c, Dr. Pincus und Wagner, neu gewählt wurden die Herren Lichtheim, Dr. Siegfried Moses und Dr. Rosen borg. * Kassenbericht der Berliner Zionistischen Vereinigung. 25. Juni 1908 bis 30. Juli 1909. Einnahme n. Kassenbestand . —,95 Mk. Mitglledcrbcitrügc. 3712,50 ״ Spenden . 28,— ״ Versammlungen . 272,80 ״ Ucbcrsclmss von dem Purimfest . . . 202,55 ״ Summa 4216,80 Mk.

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