Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 40-41 (4.10.1909)
- Date
- 1909-10-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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r I I I I t 1 1 t I I I I t I I I w. Abonnomonto «ul die wöchentlich om Frei-■ lat; crjclidiicnüo ״Jüdlicho ,Rundschau" koMCrt bei der I.MH'dition und bei allen Po&t• .niicrn vlcrKl|SI1rlicl1 1,25 M. «u»H'th.1lb I)eu1&cl1!and» und Ueweffclcl1*Untarn1 2,— tur Mitelieder llutischcr Ver• :!ac im Sammclbczug durch den Verein I,— M, Vertag JiidlKho Rundicbau 1־.. Q. m, b. H. Berlin SW'.tÄ, Zlinmerair, 77• jocluiliiMumlui: .1 bis 7 Uhl «u>»vr Sonnabend u. Sonntag I tt 1 a 1 0 0 0 0 0 0 0 0 t J j n r חני:/ j u u u An~ol{jon besten für die fünfgespalteno Pclltccllo oder deren Raum '?5 IHx.i Stellen-Anacbote und C''suche tow.c Vcrclnsmit• ,׳c,, nsen u, ,,Kleine Anzeigen" >c. nucn u, ,,Meine Anzeigen n-A 't5!»12.- M-i! iskripte werden, wenn ־' ../1 4 S\'.L w.־jbctliegt. uets ...v»•. zurück* r;1,'׳dt, — RcdaktlonHchluw Mittwoch miitSKi. i . ».Sektion JUditeho Rundicbau ״ c2;ySS bcrlln-Charlotienburg, E Df!'‘i׳ÖIclbtrcu»t,. 49. Tel. Ch. 9SSI. . *0 ״ Sprcchitunden Dienstag und * FrdMKt 11—1 Ubr miiust. 0 i I) o 9 0 ft 9 0 0 0 0 6 0 « .J o//V /ZZDSCiK) OTU[/Kö Nummer 40|41 יו*1^ ygp«'% . Bertin, den S. OJtfoöe»4 5»־G9 — 20. Thischri 5670 XIV. Jahrgang Hands off! Wenig mehr als ein halbes Hundert Dele• pii'iie waren damals beim achten Zionisten- Kongress im Haag im Saale anwesend, als das neu revidierte Organisationsstatut der Zionistisehen Partei beraten wurde. Die übrigen Abgeordneten des jüdischen Volkes — bis es besser 11 giiimierte geben wird, müssen wir unsere Delegärten als solche betrachten — hatten sich, ermiidet von den voraufgegangenen heissen Debauen, zurückgezogen, wohl in der stillen Ueber* zeugung, die Fassung des Statuts sei eine der minder wichtigen Sachen, die nur eben der Ordmmg halber erledigt werden müsste. Natürlich konnte damals niemand ahnen, wie bald wir Bestrebungen auf Aenderungen unseres Grundgesetzes zu bekämpfen haben würden, damals ־— als alle, die da geblieben waren, miteinander wetteiferten, dieses Grundgesetz so unabänderlich als möglich zu gestalten, jede Aenderung nahezu auszuschlicssen, Aber vielleicht gibt diese Geschichte, wenn sich erst gezeigt haben wird, wie gut es war, dass an jenem schwülen Augustnachmittage gerade die G e g * 11er jeder Aendcrung die weniger Müden waren, allen den ״praktischen“ Leuten und den Anhiingern Marx'schcr historischer Notwendigkeiten, die Statuten und Gesetze nur für Dinge ansehen, die im geeigneten Augenblick gebrochen werden, ־— vielleicht gibt sic ihnen die Lehre, die Paragraphen weniger gering zu schätzen. Das wäre gar kein kleiner Gewinn. Denn jetzt sollen sich unsere Paragraphen bewähren. Man rennt Sturm gegen sie, von den allerverschiedensten Seiten her, mit alten, verrosteten Waffen und mit ganz modernem Schnellfeuergeschütz. Wir bedauern das, aber es wun* dert uns nicht. Wir Juden von heute, ohnehin mehr ncuerungssi'ichtig als gut ist, haben zu allem Ucberfluss noch die modernen Lehren von der Entwicklung und der Anpassung im weitesten Sinne aufgenommen, unsere Stammesgenossen machen sich vielfach in der Welt im übertriebenen Eifer ihrer Anwendung unliebsam bemerkbar und ziehen sich und uns allen den 1 lass konservativer gerichteter Elemente zu. Wir - die wir nach allem das auserwählte Volk von Hütern der Tradition sein müssten! — haben nicht einmal das Mass von Schätzung des historisch gewordenen, das uns erlauben würde, alte Formen zu erhalten, wenn sie sich neuen Zeiten an passen. In der Modernität und Aktualität sind wir immer noch .päpstlicher als die Päpste der iwuen Lehren. Das englische Volk gilt ziemlich unbestritten für das politisch fortgeschrittenste, und dasselbe Volk erhält politische Formen, (':•־ eigentlich nur in Prcussen möglich sind. I liegt eben ein Gefühl der Stärke, der Selbst- Sicherheit in solcher Verbindung von Konserva* lisnuis und Fortschritt, das wir Juden nicht haben. Uns befällt immer noch alle Augenblicke die Ghettoangst. Hätten wir doch den Pato, der cs uns Tag für Tag zuriefe: ״Juden, dasGlictto i n Euch muss zerstört werden!“- Auch gar manchen Zionisten, die sich selbst gewiss sehr frei und unabhängig dünken, haftet dieser Ghettorest noch peinlich an. Denn was anderes als die Furcht, wir könnten absichtlich missverstanden werden, und auf der anderen Seite die Sucht, der Zeit sofort jede auch nur scheinbar notwendige Konzession zu machen, L, ״ ..Der Zlonlsmut erstrebt lOr das indische Volk dl» 1 J Schafluna einer üiieMiich-fcchtHch saldierten HelmstStto In < 1 Palästina." Oasolor Prosrama. | ן—ר,*־׳ חו״רי IJp"1nW ן ■ Haiuls0(1! — Entwirren״. Von Richard Licht-1 | 11 c i nt. — Ostiuiirklschcs zum deutschen Juden* I Ita«o 1909. Von Dr. m_cd. Carl Kassel-Posen.ן — Das Fach der zweiten Session der dritten I Rclclssdimia. Von L. N. Nissolo witsch. — | Luuhtuittenfcst. — Probtemo der indischen Emt* uratlon und Kolonisation. Von DavisTrietsch-l Berlin. — Der ..־alte Kurs“. — Aus aller Welt. — 1 Rcindscliaii der Presse. — Zionistische Bewegung. I — Aus den Gemeinden. — Vereins-Rundschau. — Feuilleton: Frau Taubes ersto Eisoiibalmfulirt nach Pilwlschock, Von S. Abclsohn -Bern* 2 bürg. veranlasst die Neuerer in unseren Reihen zu ihren Acnderungsvorschlägen. Statt zu prüfen, ob wirklich eine Acnderung des Programms unumgänglich ist, ergreifen manche von uns mit einer gewissen Freude die Gelegenheit, das Programm ändern zu könne n. Anderswo hat das Bestehende den Vorzug vor dem Neuen ־— bei uns ist das Bestehende nur gerade ״wert, dass es zugrunde geht“. Das mag sonst alles hingehen. Jetzt aber handelt cs sich um die Grundlage tinser er E x i s t c n z, d. h. des Zionismus als politischer Bewegung. Und da muss zunächst einmal gesagt werden: wir begeben uns auf eine abschüssige Bahn, die uns ins Ungewisse führt, wenn wir an unserem Programm herum zu flicken beginnen. Wir werden bei keiner Art von Aendcrung die weitestgehenden Wünsche befriedigen und würden, wenn wir cs täten, wieder eine grosse Reihe anderer unzufrieden machen. Das war ja eben unser Gesichtspunkt, als wir im Haag jede Aendcrung bis zur Unmöglichkeit zu erschweren trachteten, dass wir — in der Erkenntnis der menschenmöglichsten Vollkommenheit und der politisch notwendigen Anpassungsfähigkeit unseres Programms — den Versuch, uns von einer Aenderung zur anderen zu jagen, die ״innere Krisis“ zur stehenden Einrichtung zu machen, im Keime ersticken wollten. Denn wenn irgendwo, so ist hier das Wort der Franzosen richtig ״cc ,nest que le Premier pas qui coüte“, das oft mit dem deutsehen Sprichwort ״Aller Anfang ist schwer“ übersetzt wird, und das doch in gewissem Sinne das Gegenteil sagen wili: א u r der Anfang ist schwer! Haben wir einmal den Anfang gemacht, haben wir eine Aenderung vorgenommen, haben auch die Ungewandteren die Technik der Programmänderung erlernt, dann sind ^׳ir jedem neuen Stiimnungsumschlag rettungslos ausgeliefert. Denn Gelegenheiten werden sich immer finden, und dann hat unser Programm den Zweck eines Grundgesetzes, die unerschütterliehe Basis der ganzen Bewegung zu sein, ver• fehlt. Selbst wenn eine Aenderung bestimmter Programmpunkte fast unvermeidlich wäre, sollteil wir sie durch alle nur möglichen Interprctationen oder ergänzende Resolutionen, kurz durch alle parlamentarischen Mittel zu umgehen suchen. Weil eine politische Partei sichimmcrundüberallin׳ gewissem Masse sclbstaufgibt, wenn sie ihr Grundprogramm abändert! Es bleibt für die Wirkung solcher Vorgehen ganz ausser Betracht, ob die Aenderungen notwendig oder nicht, ob sie zweckmässig oder unzweckmässig und schliesslich, ob sie radikal sind oder ob sie nur Nebensachen betreffen. Sie schädigen in allen Fällen gleicherweise den Kredit der Partei, und besonders einer sehr jungen Partei, weil man in der Tat kein grosses Vertrauen zu unserer Bewegung haben könnte, wenn ihr Programm nach zwölf Jahren bereits so veraltet sein sollte, dass es ohne Modifika* tionen nicht weiter gelten könnte. Und nun die Hauptfrage, die aber am kürzesten beantwortet werden kann. Liegen denn überhaupt wesentliche sachliche Gründe für eine Aendcrung unseres Baseler Programms vor? Antwort: nein! Dass wir in der Türkei keine separatistische Politik treiben wollen, das haben wir auch unter dem alten Sultan immer betont, und wir haben vor fünf und sechs Jahren schon unsere Gegner ausgelacht, wenn sic uns mit der Phrase kamen, wir wollten dem Sultan Palästina ״abkaufeii“. Das kann also in unserem Programm nicht ge* standen haben — das ist auch in der Tat eine neue Lesart unserer jüdischen Feinde, von der sich einige der Unseren haben ins Bockshorn jagen lassen! Und den letzten Absatz des Baseler Programms sollten wir streichen, ״weil dort von den Regierungen die Rede ist, deren Zustimmung wir erlangen wollen? Was hat sich denn in der völkerrechtlichen Stellung der Türkei bisher geändert? Mit welchen Gründen will man u n s die Lächerlichkeit aufdrängen, die wir auf uns laden würden, wenn wir als erste die uneingeschränkte Souveränität der Türkei proklamierten? Und wenn morgen wieder vom ״Grcatcr Palestine“, vom grössereren Palästina die Rede ist, über das andere Regiertmgen mit zu bestimmen haben, dann — dann ändern wir unser Programm wieder? Nein, nein — unser Baseler Programm ist wirklich besser, als viele seiner bisherigen Anbänger jetzt glauben wollen.■ Es hält auch ganz anderen Veränderungen der politischen Lage noch sehr gut Stand, als sie bis jetzt erfolgten. Und dann: die ganze Diskussion über A c n d e - rung des Programms ist doch in jedem Falle reichlich verfrüht, so lange die politische Situation noch so wenig gefestigt und geklärt ist wie heute. Unser Programm ist deutlich — und die politische Lage ist mehr als unklar. Da wollen w.ir doch in jedem Falle lieber warten, bis wir auch hier klar sehen. Unsere friedliche ruhige Arbeit zu stören, gibt unser Programm der türkischen Regierung, der wir ja nur nützen, keine Veranlassung. Und wenn in Konstantinopcl Leute sitzen, die den Machthabern anderes über unsere Ziele einblasen wollen, dann sollten wir darauf nicht mit einer Progranuniinderung antworten, die jenen einen Schein von Recht geben könnte, sondern mit einer gewissen Handbewegung, die sich ja eventuell auch literarisch wiedergeben lässt. Der geschäftsführende Ausschuss des Zentralkomitces der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat deshalb gut daran getan, in seiner letzten Sitzung unzweideutig zu erklären, dass die Vertretung der Deutschen Zionisten jede Aenderung des Programms perhorresziert. Unser Baseler Programm, das sie schon gegen verschiedene Stürme verteidigt