Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1909)
- Date
- 1909-09-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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sinntcn türkischen Juücnlicit bieten zu können. In ihrem Patriotismus haben diese ottomunischcn Juden cs nicht nötig. sich von Paris aus belehren zu lassen. Sic nehmen den Zionismus auf, trotz aller hyjtokriti« sehen Abinahmingen, weil er das einzige ihrer Sorge gemigeleiMcmle Ideal ist, das ihnen gleichen Spielraum Jur ihre jüdischen wie für loyale türkische Uestrebungen bietet." ,Jüdische Z'itung", Wien In einem jüdischen Blatte war kürzlich im An- . Schluss au die jüngsten ״Taten“ der Alliance die Frage aufgeworfen worden: ״Wozu die Alliance?" Dazu schreibt die Wiener ״Jüdische Zeitung": ..Darauf gehen noch manche gute Juden die Antwort, dass schliesslich das Hauptwerk der Alliance anerkannt werden müsse — ihre Schultiitigkcit im Orient und Marokko. Wie wir darüber vom natioimlen und polnischen Standpunkt denken müssen, ist bekannt. Die Alliance hat mit ihren Schulen die Juden des Orients c n t j n d e t, zu Assiniilauten gemacht, in Landern, wo eine Assimilation tutmöglich ist. wie in der Türkei, in Persien und Marokko. Sie hat damit ihre Zöglinge vollkommen c n t w 11 r /. e 11 und ihre Seele vergiftet. Die Früchte zeigen sich jetzt in der Türkei. Die jüdischen Demidenen. Sclmler der Alliance schwimmen überall obenauf. sind damit ant besten Wege, ihre Konnnttonalen jus Verderben zu bringen, sie treiben zudem eine antijüdisclie Politik, sind Assimilanten ärgster Sorte. Demjenigen aber, der vielleicht unsere Meinung als ,.Parteistandpunkt" bezeichnen wollte, bringen wir in Erinnerung. was ein unparteiischer jüdischer Historiker. ein Nichtzionist, Prof. Philipp sott in Berlin. \or nicht zu langer Zeit (Oktober 1907) über die Allianccsclniicu gesagt hat: ..Wie kommt es. dass trotz der seit Dezennien bestellenden Schulen die Juden im Orient in dem gleichen Zustand sozialer, ökonomischer und kultureller Minder- Wertigkeit verbleiben? Und das. während die Christliehen Elemente. die Armenier und zumal die Üricclien. infolge ihrer ausgezeichneten Untcrrichtsanstalten in glänzendem Aufstieg hegrifien sind? Freilich passen die christlichen Anstalten ihre Unterweisung: ver- Müuduisvoll den Anschauungen, Ucberlicfcrungcn und Bedürfnissen ihrer Zöglinge an und nötigen diesen melit eine ihnen völlig fremde, sic verwirrende und d e s h a1b s c h ü dig c n d c.oit geradezu a n t i j ii d i s c h c K u 11 u r w e i s e auf. Man sehe die unsäglich verkommenen und schmutzigen Trödler. Hausierer, kleinen Handwerker und Vermittler der levantinischcn und ägyptischen Städte und überzeuge sich da, w i c wenig das E c - z. i c 111111 g s w e r k der Alliance gewirkt ha t." Das ist die Folge des philanthropischen Systems. Mau wendet Millionen auf. um einzelnen Individuen zu helfen, für die Masse des Volkes hat man damit nichts, absolut nichts getan. Im jüdischen Volke ist aber das Bewusstsein dessen, was ihm not tut. erwacht. Die Alliance wird den unbeugsamen Willen der Nation bald spüren. Sic wird sich entweder zu modernen sozialen und nationalen Methoden bekehren oder vom Schauplatz der jüdischen Geschichte verschwinden." ״Palästinau, München Das Blatt bringt im Septcinbcr-Oktoberhctt einen Artikel aus der Feder ihres Herausgebers Dr. Fel. T h e i I h a b t r über ״Die Agrarban k". Der Ver- Jasser betont, dass in bezug auf Schulen in Palästina des Guten vorderhand genügend geleistet wurde und dass dem ״Luftmenschentum" nicht allein mit Schulen zu helfen ist. Die verschiedenen in Palästina tätigen Organisationen wollen doch die dortigen Juden auf feste Füssc stellen, und da erscheint dem Verfasser eine richtig geleitete ״Agrarbank" eine gute Untcriagc für die Ansicdlung grosser Massen zu bilden. An der Gründung und Erhaltung einer solchen Bank, die ja neutral gedacht ist, können sich Zionisten und Nichtzionisten beteiligen; gilt es doch einer yriindliehen Kolonisation die Wege zu ebnen. Z10MISTISCH6 BeV/CGUMG Fünfundzwanzigjühriges Jubiläum der Kattowitzer Konteren Im November d. Js. jührt sich zum 25. Male di Zeit, in welcher in Kattowitz die erste Beratung dt jüdischen Kolonlsationsvercinc über die Dcsledlun Palästinas stattgefunden hat. Diese Konferenz bilde! den Ausgangspunkt für alle modernen Bcstrebunge zur Rückkehr der Juden in ihr altes Hclmatsland, a welche späterhin der Herzliche Zionismus angeknüp hat. Hs ist darum eine Ehrenpflicht, die 25 jährig Wiederkehr jener Tage durch eine würdige Gedeui feier zu begehen. 11t dieser F.rwägung hat der Au: schuss des Verbandes der zionistischen Ortsgruppe Ohcr.sclilesiens beschlossen, am 7. November er, 1 Kattowitz eine Erimternngsfeier abzuhaltcn, der l'.iii/.dliviteii der Oeffcmlichkclt noch bekanntgegeb Werden. Wir jaden schon jetzt alle Gesinnungsgenoss sowie :!He diejenigen, denen die Erfüllung des 1 lästituükals teuer ist, zur Teilnahme an der Festli;enossc Teilnahme an der Fcstlic Keit ein und wir würden es namentlich mit Freude Legrüssen, wenn diejenigen Herren, welche vor fünfitndzwanzig Jahren an der Kattowitzer Konferenz tcilgenommen haben, bei unserer Feier sich wieder zusammenfinden möchten. Wir bitten alle, welche an der Abhaltung dieser Gedenkfeier Interesse nehmen, uns ihre Adressen mit* zuteiien, damit wir ihnen eine Einladung übersenden können. Es liegt auch in unserer Absicht, die Erinsu •1g an die Kattowitzer Konferenz publizistisch zu t ..,undeln. und wir bitten daher alle diejenigen, die im Besitze von Material über diesen Gegenstand sind, uns solches (ür einige Zeit leihweise unter Zusicherung unversehrter Rückgabe zu überlassen. Wir würden namentlich den Konferenzteilnehmern, die noch am Leben sind, für Mitteilung persönlicher Erinnerungen dankbar sein. Der Vorstand des zionistischen Gruppen verbände■ Obcrsclilesleit. Arnold Wiener, Kattowitz, Karlstr. 1. Mitteilungen des Zcntralbureaus der Zionistischen Vereinig, für Deutschland Mit Rücksicht auf den Abschluss der S c h e k c I - Sammlungen am 15. Oktober d. Js. ersuchen wir alle Ortsgruppen und Vertrauensmänner auch an dieser Steile die E i 11 z i c 11 u n g d e r P a r t c i b c i - träge mit dem grössten Eifer vorziinchmen und alle Gelder rechtzeitig an 1ms einzuschicken. Besonderen Wert bitten wir auch auf die Hin• licbung der Schekel von Familienangehörigen t׳m! solchen Gesinnungsgenossen zu legen, die aus irgeuJ einem Grunde den Ortsgruppen nicht angeboren. Auf Wunsch sind wir gern bereit, Schckel/ahlcrlisten des vergangenen Jahres zu liefern. Alle Gelder — auch die rückständigen Lamlesbel träge müssen nunmehr schleunigst abgdiefert werden — sowie die Schckelblocks sind an die Adresse unseres Bureaus, Charlotteulmrg 2, Blelhtreustr. 49, zu senden. AUS D6N 66M6IND6N Die Mitarbeit unserer Leser an dieser Rubrik Ist besonder! ׳■׳ erwünscht■ Was uns nottu!? Die Fortschritte des Zionismus in Deutschland haben die Erwartungen enttäuscht, die die Mehrzahl seiner Jünger früher in ihn gesetzt hatte. Man hat schon viel über diese Erscheinung geschrieben und aucli schon verschiedene Mittel vorgcschlagcn. Aber cs gibt mir einen Weg der uns zum Ziel führen kann: Der Weg zur Verbreitung des Zio* n l s m u s führt durch die Gemeindestubc, Etwas besser ist es ia ln dieser Beziehung schon geworden, aber hier muss noch sehr viel nachgcholt werden. Wie richtig dieser Weg ist, zeigt ja am besten die Tatsache, dass das Zentrum, sicherlich die bestorganisierte deutsche Partei, kürzlich ebenfalls diese Parole ausgegeheu hat. Wenn wir Indessen die Gründe verstehen wollen, warum dieser Weg allein uns zum Ziele verhelfen kann mul muss, so müssen wir die Ursachen unseres Misserfolges näher erforschen. Die deutschen Juden kränkeln an der Asslmllation. Diese ist teilweise bewusst, teilweise unbewusst. Die bewusste Assimilation wird, da hierbei gescllschaftliche oder pekuniäre Qründc mitspiclcn. früher oder später zur Taufe fuhren. Sic kann uns weiter nicht interessieren. Es Ist gut, wenn diese kranken Zweige möglichst schnell Abfallen. Anders liegt die Sache bei der unbewussten Assimilation. Viele Juden sind Indifferent geworden, da sic mit der Religion gebrochen haben. Sic wissen nicht, dass cs noch vieles gibt, was sic beim Judentum halten könnte. Sic kennen nicht die ruhmreiche Geschichte des jüdischen Volkes, sic kennen ,nicht die wunderbaren poetischen Schätze der Bibel —-— — Sie kennen all dies nicht, weil slo in der Schule keinen ordentlichen Religionsunterricht genos.se 11 haben. Dieser Assimilation kann man, wenigstens hei der nächsten Generation anders als durch einen Im durchaus j tldisc 11 na11 onalem Sinne erteilten Religionsuntcr* rieht nicht beikommen. Die Jugend, die die stolze Vergangenheit unseres Volkes gründlich kennt, wird sielt auch stolz, zum Judentum bekennen, auch dann, wenn sic innerlich der Religion nicht mehr angchört. Wenn wir aber prüfen, warum nicht schon heute ein solcher Rcligiousuiitcrrieht erteilt wird, so finden wir den Grund in der Gemeindevertretung. Diese Körperschaften weisen fast überall eine grosse Anzahl von bewussten und unbewussten Assimilantcn auf. — Erstcrc wollen nicht, die letzteren können nicht für einen richtigen Religionsunterricht cintrctcn. — Die anderen Mitglieder, die sich wirklich für jüdische Fragen inte.־- cssicrcu, sind in der Minderheit. Nur wenn die Zionisten langsam i n die Gemeindevertretungen c i u d r i» g e n. kann diese brennende Frage gelöst werden. Und mit dieser Frage stellt und fällt das deutsche Jude׳!, tum. Andererseits würde der Zionismus bei der Ge:•״:, ration, die einen richtigen Religionsunterricht *.;<> iiosscu hat. auf viele Anhänger rechnen können. .!ג diese bereits von jüdisch-nationalem Geiste dar. tränkt sein würde. Aus allen diesen Gründen rufe ich den dcutsc! -, Zionisten zu: Interessiert Euch für die Ge mei!;, d e a « g c 1 c g c 1111 e i t c 11 und stellt, w ״ mir irgend eine M ״ g 11 c h k c i t 1! ••. stellt, einen Kandidaten auf! U. Lu ז y a. Berlin. Ein neuer Friedhof für die Herl! : jüdische Gemeinde soll in Maricnfvldc ange' werden. Die Verhandlungen über den Ankauf \ 230 Morgen!״indes zwischen dem Osdorfer iiihJ tower Weg waren bereits bis zum Abschluss gcdiei , doch fehlte noch die Genehmigung der Ortsgeim.1, ... Die Marienfelder Gemeindevertretung hat nun in 11 ׳ letzten Sitzung der Friedbofsanlage grundsätzlich . gestimmt, sie verlangt jedoch von der Käuferin . c Fiitscliädigung von 17(1000 Mark einschliesslich : Umsatzsteuer für die jährlichen Einnahmen, die r dadurch entgehen, dass das Gelände dauernd der hiiuuug entzogen!)leiht. Berlin. Die Altem crsorgtmgsansiali der jüdisG;.,1 Gemeinde versendet ihren diesjährigen Jaliresher dem wir folgendes entnehmen: Auch im vergatuv .n Jahre ist cs durch die Hilfe der vielen ITeun ic Anstalt möglich gewesen die Zahl der Hospitu'ues; /.! erhöhen. Es waren am Schlüsse des Berichtsuli es 2S2 Personen gegen 270 um die gleiche Zen Jahres vorher aufgeiiommen. Durelt Tod und t * Weisung an andere Anstalten sind im Laufe des ä: . .s 24 Personen ausgeschieden, so dass insgesamt 39 l :־. sollen neu Aufnahme gefunden haben. Die Aus;.• sind wieder erheblich gestiegen, sie betrugen 11.י samt 174.4S5 Mark. Unter den Ennalimeii Rückgang der Jahresbeiträge um fast 100«׳» Mark . Der Vorstand weist darauf hin. dass durch Jen! r• weiterungsbau in der Exerzierstrasse noch <.:,״• grossere Anzahl der schönen Stübchen leer so : für die Gesuche in überreichem Masse vorliegvn, cc aller aus Mangel an Mitteln nicht besetzt w:;., können, und wendet sich an den Woliltatigkei!« .1 und die Üpieiireudigkeit der Gcmciudcmitgli.-de . .ז Altersvcrsorgungsanstalt fernerhin kräftige l:.\.־• Stützung aiigedeihen zu lassen. Strassburg. Die Israelitische Gewerbeschule, e seit rund 10!) Jahren jüdische, meist unbemittelte!״:.ge Leute vom Lande dem Handwerk zufnhrt. ver■■•• lieht soeben ihren Bericht über die Jahre ivoo-l׳•׳־'. Zum Gedächtnis des Sanitätsrats Dr. Gustav Leu. der dem Vcrwaltun'gsrat seit 1859, zuletzt als dessen Vorsitzender angelmrt hat und 19Uh gestorben 1«.:. bringt der Bericht das Bildnis des um dieses Lieh־.!»• werk hochverdienten Mannes. Zur Widerlegung des Vorwurfs, dass die meisten Zöglinge stell spater .: deren Berufsurten zuwenden, wurde eine L’n.ii .ge veranstaltet, die ergab, dass von den 151 Zöglinge:!, die von 1896 bis 19117 ausgebildet wurden. 112 . .1: ihrem Handwerk arbeiten, 24 sind zu anderen Bert;:'• arten übergegangen, 3 sind gestorben, und von 12 konnte der Aufenthaltsort nicht ermittelt werden.!׳ s neue Heim in der Julianstrasse hat sielt in seiner inneren Einrichtung als durchaus praktisch bcw.,'.at und hat sielt wiederholt zahlreicher Besuche zu e:• freuen, die nur Worte der Anerkennung gefunden haben; an ihrer Spitze steht der ehrenvolle lies uh der Kaiserin am 11. Mai 190S. Ein Brüsseler Ecsuehcr schenkte 800 Mk. zur Anbringung einer Tu. .;• tilir. Trotzdem steht die Anstalt keineswegs ol.ue Oeldsorgen da, weil die aus freiwilligen Gaben stau!• inenden Einnahmen mit den sich vergrösseriiden A— gaben nicht Schritt halten. Unter diesen Umstünden ist doppeU erfreulich die Anhänglichkeit der ehe:• '!• gen Schüler an die Anstalt, der sic ihr Brot verdanken: sobald sic auf eigenen Füssen stehen, gedenken ' e ihrer durch jährliche Beiträge, und selbst die w, testen Entfernungen tun dem Gefühle der Dank!! . keit keinen Abbruch; so finden wir zum Teil recht ....־ sehnliche Beiträge aus New York. Cincinnati. Buch׳"• Ayres, Mnnaos, Para, San Paolo. Panama. Indianap■׳;•׳s und Kalifornien. Nicht unerwähnt mögen aber!1:01 die grossen Verdienste des Anstaltsdircktors. Heim J. Picard, bleiben, der cs in musterhafter Weise v«.:• stellt, durch väterlicher Güte Zucht und Ordnung 1 Halten und dem Handwerk von jüdischer Seite cir.u kräftigen Nachwuchs heranzu/.iehen. V6R<:INS־ RUNDSCHAU Die Schrlltlühror der Vereine werden cclictcn, die licricwo mOglltfhts knapp 1u hallen und sic stets recüuclilg eln/11se״J0n Manuakrljpto nur auf 01יויינו Sotto boaohrolbon — tloutlioho Snbrlftl Berlin. Int verflossenen Sommer-Semester •••׳*• die ״Vereinigung Jüdischer Akademiker (V. J. A.) Berlin (im ״Bund Jüdischer Akademiker"), deren Be• streben cs ist, einen Sammelpunkt für die geset/o• treue akademische Jugend zu bilden, eine erfolgreiche Tätigkeit entfaltet. Ihrem Ziele getreu hat sie es 11 angelegen ■ein lassen, vornehmlich durch Be-