Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 37-38 (15.9.1909)
- Date
- 1909-09-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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#1 Seite 436. JUKD1SCHK RUNDSCHAU Berlin. Die dritte Hauptversammlung des Verbnmles der Deutschen Juden, die im Oktober d. Js. in Breslau zusaimiientrelcn wird, zufällig also wieder an demselben Orte, wo eben vorbei• die deutschen Katholiken tasten, beansprucht, abgesehen von ihrer allgemeinen Bedeutung, in der Öffentlichkeit besondercs Interesse dadurch, dass nach einem Vortrage des Breslauer Rabbiners Dr. Guuinann ״Die Idee der Versöhnung im Judentum", zwei Vorträge die polltischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Ostmarken beleuchten werden, nämlich: I. ״Die Ab- Wanderung der J u d c aus der Provinz Posen" (Justizrat Breslauer-Berlin. 2. ״Die Juden der O s t m a r k c n. —Was haben sie dem prcussisclien Staat und was hat er ihnen geleistet?" (Justizrat Wolff-Lissa, M. d. Abg.-lt). — Die Vorbereitungen zur Aufnahme der aus allen Teilen des Reichs erwarteten 4—500 Delegierten, welche die Gäste der Breslauer üemeindo sein werden, trifft ein von dieser eingesetzter Ortsausschuss, an dessen Spitze der Geh. Justizrat Landgerichtsrat Wöllstein in Breslau steht. Neben den sonstigen Unterausschüssen wirkt diesmal ein Brauen- Komitee, das sieh den zu erwartenden Damen der Delegierten widmen soll; diese Neuerung ist umso berechtigter, als — eiu erfreuliches Zeichen der Zeit — in diesem Jahre zum ersten Mul auch unter den Delegierten selbst einige Brauen Sitz und Stimme haben werden. — Während der Uegriissungabend am K>. Oktober in der Breslauer Gesellschaft der Breunde nur die Versammlungsteilnehmer vereinen wird, ist die eigentliche Hauptversammlung am Sonntag, dem 17. Oktober vormittags im grossen Saale des Bros- 1 a u c r K 0 n z e r 111 a 11 s c s öffentlich; Zuhürcrknrtcn werden in Breslau wiq im Bureau des Verbandes in Berlin nusgegeben. Berlin. Der am 30. Mai gegründete Verband der liidlschcn Jugcnüverelno Deutschlands hat nun seine Tätigkeit aufgeuommen. Die erste Vorstands- Sitzung fand am 15. August er. mit einer sehr reichhaltigen Tagesordnung statt. Aus dem Protokoll über diese Sitzung sei folgendes hervorgehoben: 1. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Vorsitzenden des Vorstandes wird Herr Dr. Alfred Apfel (Jugendverein Gabriel Riesscr-Cöln) betraut. 2, Zwecks besserer Handhabung der Verbandsgeschäfte ׳ werden verschiedene Dezernate geschaffen und zwar: a) die Führung der Finanzangclcgcnhcitcn wird Herrn Felix Meyer (Montefiore-Verein Frankfurt a. M.) übertragen: b) die Statuten- und Aufnahmckoinmission besteht aus den Herren Alired Bischer (Jugcndvereln Hannover) und Referendar Regensburger (Jugendverein Braunschweig); d) die literarische Kommission bilden die Herren Dr. Apfcl-Cüln und Dr. Rosenk ra nz-Berlin; d) mit der Geschäftsführung des Verbandes wird Herr Rabbiner D r. Binkcl, der bisherige provisorische Geschäftsführer, weiter betraut. Ausser den 24 bisherigen Verbandsvereinen haben ihren endgültigen Beitritt die Vereine Hannover, Frankfurt, Düsseldorf, Halle, Essen, Danzig, Hillberstadt, Spandau und Bochum erklärt. Auch liegen Aufnahmegesuehe von mehreren Vereinen vor, die der Statuten- und Abnahmekommission überwiesen werden, Iler Vorstand regt den Zusamme n sc h J u ss der Vereine zu Provinzialr e s p. B e z i r k s v e r b ä n d e 11 an, da er sieli von derartigen Verbänden eine ganz besondere Förderung insbesondere der kleinen Vereine verspricht. — Die Vorarbeiten für die Bezirksverbände sollen an verschicdcneu Teilen unseres Vaterlandes bald in Angriff genommen werden. B.inc besondere Aufmerk* samkeit will der Verband der Frage der Vors 0 r g u 11 g der V c r b a n d s v e r e i n c mit Rednern widmen; die literarische Kommission übernimmt cs, eine Rednerliste hcraiiszugcben. Dieselbe Kommission wird auch mit Verlegern, Buchhändlern und Schrittstellern in Verbindung treten, um den Vereinen die Anschaffung von gut e n Biiehern zu ermässigten Preisen zu ermöglichen. Kinc eingehende Aussprache findet über die Not- Wendigkeit von hebräischen Sprachkursen innerhalb der Jugendvereine statt. Auf Wunsch wird der Vorstand zwecks Errichtung derartiger Kurse, die er sehr empfiehlt, mit praktischen Ratschlägen zur Hand gehen. Die Frage der Begründung einer Verbands Zeitung sott womöglich schon in der nächsten Sitzung ihre Lösung finden. Mit Rücksieht auf die Verdienste des verewigten D r. (1 u sta v Karpeles wird den Verbandsvereinen empfohlen, in geeigneter Weise des Verstorbenen zu gedenken. — Die Geschäftsstelle des Verbandes befindet sich Berlin, SW., Wjlhehnstr. 118. HL Zu- Schriften sind zu richten an den Verband der Jüdischen Jugcnüvcrcinc Deutsch- Iands. z. H. des Herrn D r. K. Finke 1. Berlin. Der letzte Vortrag der ״.!ung-iüdlsciicn Vereinigung" fand am Sonnabend, dem 11. September, abends 9 Uhr, Im Burg-Hotel, Burgstr. 20, statt. Herr SI g. L e w y sprach über: Mosaisch eücsetzgebung und Bodenreform". Guben, In der Sitzung vom 8. September wurde zuerst ein neuer Kassenwart gewählt und zwar auf Vorschlag des Vorsitzenden. Zahnarzt Licht- Witz, in der Person von Herrn Todschubsky scn. Duraul folgte ein Vortrag des Herrn stud. jur. Martin Meyer, Während die Mehrzahl unserer Vorträge nationaljtidischc und zionistische Fragen bchandelte, filhrto uns Herr stud. Meyer durch eipe gründliche Kritik des Sh y lock aus Shakespeares Kaufmann von Venedig auf das Gebiet der Literatur. Ausgehend von der historisch-philosophischen Ent* Stellung und Entwicklung der Fabel des Dramas, suchte er dann die Verzweiflungstat Shylocks als den wahnsinnig-irren Aufschrei einer angstgctiuüiten, stets muerdrückten Seele psychologisch zu begründen. Seine Ausführungen, die zum Schluss Shylock als Juden eingehend betrachteten, gipfelten m dc.r vomgen Ablehnung Shylocks, indessen er Nathan den Weisen als Idealgestalt eines Juden darstcllt. An der sich anschliessenden Diskussion beteiligte sich besonders Oberlehrer Cnlvary, der eine Lanze für Shylock brach, da er den hartnäckigen Trotz höher schätze, als die weichliche, jeder Originalität bare Nachgiebigkeit Nathans. L. Frankfurt 11. M. Am 2. September sprach in der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe Herr Ch. Katz aus Wilna über das Thema: ״Lage und Bc- Strebungen der osteuropäischen J u - d e n". Ohne von dem eigentlichen Thema abzu* kommen, Imt Herr Katz dabei eine glänzende Rechtfertigung des Zionismus. Durch die vielen treffenden Beispiele, Krziililungcn aus dem Leben, Erklärungen von Bibel- und Talimidstellen verstand es Redner \'1 Stunden lang die Zuhörer zu fesseln. Es ist hier nicht der Platz, Einzelheiten dieses geistreichen Vortrags anzuführen, cs mag mir soviel noch gesagt sein, dass der aufmerksame Zuhörer eine Fülle von Material filr die Propaganda mit nach Mause nehmen konnte. Die Einwendungen gegen den Zionismus sind ja allerorten dieselben und oft wird cs Vorkommen, dass man den Gegner mit einer Erzählung, mit einer Erklärung schlagen kann, die man In dein Vortrago des Herrn Katz zum ersten Mal gehört hat. Den deutschen Ortsgruppen wird der Redner bestens empfohlen. Duisburg. Am 5. September d. Js. beschlossen hier die Vertreter der zionistischen Vereinigung D11 i s b u r g, der zionistischen Ortsgruppe zu Essen und Dortmunder Zionisten die Gründung eines Griippeiiverbaiidcs für den rheliilsch-wcsifiillsclieii Inünstrleliu/lrk. Zum Leiter des Verbandes wurde Rechtsanwalt Dr. Weinberg, Dortmund, gewählt. Posen. Nach der mehrmonatlichen Sommerpause trat am Sonnabend, dem 4. September, die Zionistische Ortsgruppe zu einem Mitgliederabend zusammen. Nachdem der Vorsitzende Dr. Kol lense her dem verstorbenen Gesinnungsgenossen Manassc einen Nachruf gewidmet, gab er ein ausführliches Exposä über die Lage im Zionismus. Im Anschluss daran gab Herr Lehrer Auerbach ein sehr eingehendes Palästinareferat mit vielen interessanten Details. Nach einer anregenden Debatte wurde die Versammlung t!il,rfh, vinen Appell zur eitrigen Propaganda mit dem Hinblick auf den bevorstehenden Kongress geschlossen. Chemnitz, Am 31. v, Mts. beging die hiesige Zionistische Ortsgruppe ihre IIer/. I-GcdUc 111 - nisfeier unter sehr zahlreicher Beteiligung, auch von Kreisen, die sollst bei zionistischen Voran- Stallungen noch nicht gesehen wurden. Pro- «ramm: Gedieht von Gertrud Krause: ״Theodor Herz!־• (Frl. Margulies); Arie aus ״Elias" (Herr Kantor Gold borg: Ansprache des Vorsitzenden. Vortag des Nachrufs auf Herzt, den Max Nordau am VII. Kongress hielt, sowie der 11 c r z I ’ sehen ״S e l b s t b i o g r a p I1 i c" durch Herrn Wahle, Mitglied des Stadttheaters; El mol e rachamim (Herr Kantor Gold borg). Den Mitwirkenden sei bestens gedankt. Der Überseliuss des Abends wird zum Teil dem Hcrzl- Wald und dem mikrobiologischen lns t i t u t zugewendet. **־SPReCHSAAL** PUr diesen Teil Uberiümtnt die Rednktlon den Lesern gegenüber Keine Vcranlworiung. Zur Bemerkung der N.-F.-Vcrwaltung in No. 36 der ״Jüdischen Kundscl1.au" betr. Eintragungen für das Goldene Buch gestatten wir uns folgende Anregung zu «eben: Nachdem wir selbst verschiedene Eintragungen innerhalb unserer Ortsgruppe veranlasst, geben wir von Jetzt ab sämtliche Büchsen- und andere N.-F.-Spenden zur Auffüllung älterer, auswärtiger Conti. Nur so kann verhütet werden, dass verdienstvolle Personen resp. ganze Vereinigungen innerhalb unserer Bewegung um dio ihnen zugedachte Ehrung, die ja mit der Eintragung in das Goldene Buch bczweckt wird, kommen. Wir richten darum besonders an kleinere Gruppen, die wohl selten eine eigene Eintragung veranlassen, die Bitte, unserem Beispiele zu folgen und aus den in genannter Nummer der Rundschau aufgeführten offenen Conti ein beliebiges zur Auffüllung zu wählen. Die N.-F.-Vcrwaltung aber ersuchen wir höfl. in öfteren Zwischenräumen als bisher eine Aufstellung der offenen Conti erfolgen zu lassen. Dio Nutlouulfonds-Kom1ul6s!on. Zionistische Ortsgruppe Posen. I. A.; Landsberger. No. 37. Briefkasten der Redaklion Üobor Fraport von aUpomolnoin Xntorosao B1bt dt• KodakUon an dloaor Stoll• florn Auakuntt Die Vereine und dio zionistischen Ortsgruppen werden liöfliehst ersucht, ihre Berichte nicht erst am letzten Tage cinzuscmlcn, da bei kurz vor Redaktions. Schluss eingehenden Berichten eine Gewähr für Aui. nähme in der betr. Nummer nicht übernommen werden kann. Die Schriftführer, wollen auch auf richtige .,;!j genaue Adressierung achten. Briefe mit der Adresse ״Jüdische Rundschau, Berlin", wie wir sie in den letzten Tagen mehrfach erhielten, erleiden nati.rlieh in der Bestellung eine oft erhebliche Verzögernng. _Schluss des redaktionellen Teiles, Lilerarische A\iUcilunycn 1111 Verlage von Otto Hendel in Halle a. S. iv ein Buch erschienen, das wir besonders auch als 1 est. gcsciicnk jedermann bestens empfehlen können, i ms Buch: Ewige Weisheit, Spruchpoesie des Talmud, übersetzt von Max Weinberg, ist, wie der Ud er• setzer im Vorwort bemerkt, das Ergebnis euer dreissigiulirigcn mühsamen Auslese des einschlag.gcn Schrifttums und besitzt durch den nachwcis hohen wissenschaftlichen sollte in keiner jüdischen Fanülic kannte christliche Tahr.udforschor,!,rof. D. Dr. a.ij. Wünsche schreibt über das Buch u. a.: ״alte \\,1ks* ״Weisheit in modernem, anziehendem ücwandc. . . . ״Ich wünsche, dass Ihr Buch in recht viele 11 ״kommt, damit die Welt, besonders die Christ ״erkennt, welche literarischen Schätze der in ״letzten Jahrzehnten so viel umstrittene und ״lästerte Talmud auch .nach der rein poetischen :•eite ״enthält. Ein Buch, das so viel Schönes der locht• ״kunst nach der einen Seite darbictct, ein Buch, das ״die Sünde als Ungehorsam gegen den Schöpfer fast ״auf jedem Blatte straft, sollte aui der apdern >utc ״dem Volke, das cs geschaffen, gebieten, zu luge״, zu ״betrügen, falsch zu schwören und wohl gar zu mor• ״den? Welcher Widersinn, welche Absurdität! Und Rabbiner Dr. J. Esche ibac her sc’meibi darüber: ״ . , . . eine vorzügliche Leistung mal ein Meisterwerk der Uebersetzungskunst.ich habe schon mehrfach auf dieses Schatzküstlcin kerniger Gedanken und reifer Erfahrungen aufmerksam ge• macht und cs z» Gcschcnkzwcckcn empfohlen und denke, dass es auch zu Schulpräinien für reifere Schüler zahlreiche Verwendung linden wird. Mit Vergnügen habe ich nun auch das schöne (1ev.aml bewundert, in das cs gekleidet ist." Wir verweisen auf das bezügliche Inserat in der heutigen Nummer dieses Blaues. genauen Omi.cn• Wert. Das Bach fehlen. De; be• mdc -he, den vc;• m 1 Jüdischer National-Fonds Geldsendungen sind ausschliesslich zu richten an Herrn Max WolKttlner, Cbarlottenburg, SybaNStranc jo. J Der Jüdische Nailonalfond» |!t dazu bestimmt, pilltümschee Hoden •11 Oesamteigentum des Jüdischen Volkes tu erverbea ■nd ■ut ewige Zelten zu erbalten. Vom S. '/loolatenkoncrr*» IVQ1 gegründet, besitzt er heute ein Vermögen von Über 1 V* Millioneo Mark. Elaa B 0 n 1 c h e r, Cülhen, dankt Lilli Sc h ö n fo 1 d für Geburtstegsgratulation . . 0,50 Mk. Dieselbe für Erna Ooldatein .... 0,50 , Erna G 01 d a t e i n für nicht gehaltenes Veraprcchcn. 0,50 , Oberlehrer Schönemaon, Hannover, gratuliert zur Verlobung Dr. Rosenberg• Schneider. 0,60 , A, J. Kosenzv/cig, Königsberg, Erlös für Kopeken Bibliothek. 2,20 , Dcrsolbo Sammlung bei einem Abendbrot 1,25 , Mathildo S,, Urealau, aua einer beson• deren .Veranlassung* .. 1,— ״ Zahnarzt Wolff , Stettin, gratuliert s. I. Vetter Tachauer zur Stelle io Erez-Jarael 1,— , Derselbe verabschiedet sich von stinen Stettiner Freunden. . Sammlung auf e, Ausflug ehemaliger Schülerinnen der jüdischen Mädchenschule zu Berlin. 2,20 Dr. E. Tä übler, Berlin, gratuliert Dr. E. Rosenborg. I,- * Uebcrachuss der Sammlung von der Hoch* zeitsgescsellscholt In Wronk.. 3,26 ״ Dio Obersitzkoer Zion. Orts* Kfuppo gratuliert ihrer Buch- und Kauen• führcrin Eugenlo Cohn zur Verlobung mit Herrn LI p p m a n n, Wronko. 0,60 .■ iamiFe Jacobus Peterawe spendet an Stelle des nicht eingegangenen Nationalfond■ Telegramms sur Hochzeit Rosentbal* Auerbach. .. J,— « ר מ imasiiyi