Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 37-38 (15.9.1909)
- Date
- 1909-09-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2651605-2651642--06606-2663709- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Yj0t ו 1 1 1 1 1 I I t I » I » Abonnomonta »ul die 'vöclicntllch am Prallag cMChclncndo ״Jllilliclio KumlKlum" KoMen bei der Expedition und bei allen Postfirner» vlcrlcl|:1)1rlicl1 1,25 M, »tiMalialli I)(ulschland1 und OesterrcIcli'UiiKanik 2,— M; luf Mitulleder llidlsclicr Vvr- >1110 Im S.iitimcIbczuK durch den Verein I.— M, Verlas JHdlicho Humlictmu I'.. U. m. b. H. Berlin SW. 68, Zlmmcrslr, 11 UeichUlntlunden: .1 bi* 7 Uh) »umr Sonnabend u. Sonntag י••••••••• mm V••■» ך—-״ ף׳! n Jי"-׳, / | | •־ 1 1 / \ r , s I , / I־✓ . > . Nummer 37|58 Auzolaon koctcn für die lunlgespalleno Pctitecllo oder deren Kaum iS PlS.i Stcllcn-Ansicbote und Qciuclio *o^’le Verctnmmieilungen u, ״Kleine Anzeigen" nur 15 l’lg, — — — — — — Manuskripte werden, wenn Porto bclllegt. stell zurück• gesandt, — Redakiloniidilus• Mittwoch mlttigi. Redaktion Jßdlicho Rundicbatl Uerlln>CI:arlot1enburg, Blclbtrcuitr. 49. Tel. CI1, 9S8I. Sprechstunden Dlcnstaz und Proltass 11-1 Uhr mittag*. %׳־ » 0 I 9 9 9 I I * t > I ,.J DTUö^Q ■» '1J ■JM1UOM »Mtl». w Bertin, den 15. September 1909 — 29. Elul 5669 XIV. Jahrgang . J Rn unsere Leser! Die nächste Nummer der ״J. R.“ erscheint r.״u Freitag, dem 24. September, Mit der nächsten Nummer beschließt die ״Iüdisclie Rundschau“ das dritteQuartal ihres vierzehnten Jahrgangs. Wir richten er• j iieut an unsere Leser die Bitte, diesen Termin' mit aller Energiezur Verbreitung unseres Organs zu nutzen. Die Markung der Parteipresse ist und bleibt für eine jede Bewegung eine der wichtigsten propagan* (lisiischcn Aufgaben und sollte gerade in diesen! Winter, da die jüdische Welt wahrlich bewegten Zeiten cntgcgengcht, auch bei uns mit beson• deren! Nachdruck betrieben werden. Hier bietet sich Gelegenheit zu einer Kleinarbeit, bei der einem jeden der Erfolg seiner Arbeit sofort sicht• bar wird. Jeder werbe einen neuen Abonnenten! Verlag und Redaktion der ״J. R,“ Zu Roschhaschanah Von E. L.. Die grossen Feiertage, denen wir entgegengehen, scheinen in ihrem Charakter von den drei Walhallrtsfesten grundverschieden zu sein. Pesach, Schowuaus und Suckaus sind Feiertage, die aufs Engste mit dem Bestände Israels als N a t i 0 n vernüpft sind. Ob wir die historischen Erinnerungen betonen, durch die sic ausgezeichnet sind — Auszug, Bundes- Schluss am Sinai, Wüstenwanderung — oder auf ihren agrarischen Charakter hinweisen, der die Verhältnisse Palästinas durchaus berücksichtigt, auch der extremste Assimi* laut muss diese Tage als jüdische Volksfeste feiern. — Ganz anders scheinen bei Roschhaschanah und Jomkippur die Verhältnisse zu liegen, und die Massen der jüdischen Indifferenz, die sich in die Synagoge drängen, um sich ein* oder zweimal im Jahre an das Judentum erinnern zu lassen, geben sich nicht der Befürchtung hin, durch einen jüdisch-nationalen Scliopharstoss aus dem Dämmerzustände aufgeschreckt zu werden. F.in erhabener Universalismus durchzieht unser Feiertagsgebet, so schön wie er sich wohl in keiner andern Religion wieder* lindet. Zionisten beten friedlich mit Anti* zionisten: Lege deine Furcht, Ewiger unser Gott, auf alle deine Werke und die Angst vor dir auf alles, was du geschaffen hast-. l ass alte Menschen einen Bund bilden, deinen Willen zu tun mit vollkommcncnem Herzen. — Dieser Universalismus wird von unseren Gegnern vielfach in dem Sinne gedeutet, dass der ״beschränkte“ jüdische Nationalismus durch die Lehre von der Allmenschheit überwunden worden ist, — Unsere Weisen scheinen die Gefahr, der Universalismus unserer Feiertagsgebete könnte hei Unverständigen falsche Begriffe gross* ziehen, vorausgeahnt zu haben. Sie haben für die sieben Wochen vor dem Neujahrsfeste die begeistertsten Zionslieder zum Vortrag in den Synagogen bestimmt, damit auch in den Tagen, da das rein Menschliche in unserer Seele in den Vordergrund tritt, die nationalen Hoffnungen 1 ..Der Zionismus erstreb! tOr da* indisch# Volk die : Schaffuni einer Öffentlich-rechtlich scsichcricn Hclmiiaua In Palästina," Basolcr Programm. i ׳ Ü53 to fcöna! Zu Rosclilinsclianah. — Der Hamburßor Konßross. — Jt'idlsdio Solidarität. — EI110 ßdallcno Grösse. — j Zur Psyclioloßlo des Juiißludcn. — Der IX. Kon-!;ress. — Probleme der llidlsclion Emlßratlon und Kolonisation. VonDavIsTrietsch -Qrosslich- 1 torfcIdo-Wcst. — Aus aller Welt. — Rundschau der 1 Presse. — Palästina-Rundschau. — Zionistische Quweßuiiß. — Sprechsaal. — Drlofkastou. — LI 10• J rarlsclio Rundschau: Hobrälsclio Lesenden. — Jüdischer Novcllenscliatz. — Bücliorbeoprccliuiißcn. — Foulllcton: Idyllen aus dom Ghetto. Von Martha Wolltonstcln. — Mlsccllen. — Der ״nouo Kura". Israels nicht verkümmern. Gewaltig feiern die Schopharklänge am Roscliaschanah Gott als König und Richter der Welt, in der H a p h t a - rali aber jubelt der Prophet: Noch werde ich dich aufbaucn, ja, aufgebaut wirst du, jungfräuliehe Tochter Zions! — Universalisinus und Nationalismus sind keine Gegensätze; wir finden bei Jcsaia beide Richtungen in klassischer Weise vereinigt. Ich bedauere den Bruder, der aus überspannter Liebe zur Menschheit kein Volljude mehr ist, < icli bedaure aber auch den Gesinnungsgenossen, der in überspanntem Nationalismus von der welthistorischen Aufgabe Israels nichts wissen will. ־— Wir wollen alle der Menschheit dienen \ die Frage ist nur: Wo sollen wir den Hebel ansetzen? — Das S c h 0 p h a r soll uns die Antwort geben! — Wenn man, so heisst es im Schulchan• Aruch, das Schaphar umgekehrt anfasst und in die breite Ocfmung hineinstösst, so ist das Blasen ungültig, — Dieser Satz enthält eine ganze Weltaufias* sung! Der Jude, der die Menschheit beglücken will und seinen Stamm im Stiche lässt, weil ihm die Tätigkeit für das Judentum zu ״beschränkt“ erscheint, ist ein sonderbarer Mensch, der den Versuch macht, das Schophar zum Tönen zu bringen, indem er in die breite Mündung bläst. Es kommt bei diesem Versuch auch nicht ein schlechter, sondern überhaupt kein Ton zustände! An der schmalen Seite muss das Instrument geiiandliabt werden, dann nur kann ein Klang — von der breiten Mündung sich loslösen. Die Nutzanwendung: Der Jude, weleher der M ohheit dienen will, muss so beschränkt sein, bei seiner Nation den Anfang zu machen. In nationalem Grunde wurzelt der jüdische l.ebensbaum, und die Zweige des Baumes umfassen den Erdball. Verbrecherisch wäre der Versuch, den Stamm vom Grunde abzusägen — was sollte aus der herrlichen Krone werden? — Durch die Arbeit für die Heimkehr unserer Vertriebenen wird die Welt mehr gefördert, als durch die ji'idischerseits gepflegte Wohltätigkeit ״ohne Unterschied der Konfession“. Auch unser Neujahr ist ein n a t i o n a 1 c s Fest, denn Menschheit und Menschlichkeit werden erst daun• beglückt sein, wenn die Worte des Gebetes: ״Stosse in die grosse Posaune zu unserer Be׳ freiung“ in Erfüllung gegangen sind. Der Hamburger Kongress Die Spannung, welche die Ungewissheit über Ort und Zeit des Kongresses in weiten Kreisen unserer Gesinnungsfreunde hervorgerufen hat, wird sich jetzt, nach ihrer Lösung, in intensive und fruchtbare Arbeiten umsetzen müssen. Die Zeit, die uns noch bleibt, ist kurz, aber nicht z u kurz, um einen Kongress zu bereiten, der in seiner äusseren Gestaltung und im inneren Gehalt der Verhandlungen seinen Vor* gängem sich würdig anschlicsst. Aber es muss f r e u d i g an die Arbeit gegangen werden. Die Grösse der Aufgabe und das gegenseitige Vertrauen, dass ein jeder im Zusammenwirken sein Bestes aufbieten wird, geben uns die Zuversicht des Gelingens. Für die deutsche Landsmannschaft, die zum ersten Mal den Kongress bei sich zu Gaste hat, werden diese Monate von besonders einscimcidender Bedeutung sein. Demi ein imposanter, woh!vorbereiteter Kongress muss heute, da unserc Probleme durch die politische Entwicklung und die skrupellosen Machenschaften unserer Gegner mehr denn je in die öffentliche Diskussion gerückt sind, den deutschen Zionismus in seiner Werbearbeit um ein gewaltiges Stück vorwärts bringen. Die weitaus wichtigste Vorbereitungsarbeit ist natürlich die, die wir an uns seihst vorzunehmen haben. Dass ein jeder mit sich ins Reine kommt, was er will, und wen er als berufenen Vertreter dieses Willens nach Hamburg senden soll. Wer sich der fruchtbaren Diskussionen erinnert, welche dem siebenten Kongress vorangegangen, der wird den Wert einer gründlichen Aussprache über die grossen Fragen unserer Bewegung nicht gering ein• schätzen. Damals hat mancher in ehrlicher Erkenntnis des Besseren seine neue Meinung bekannt. Auch heute, wo wir durch die erhallte Wertschätzung praktischer Arbeit der politischen Debatten ein wenig entwöhnt sind, sollte sich keiner durch ein allzu selbsts chcres Urteil festlcgen. Je mehr die Ortsgruopen ihren Mitgliedern Gelegenheit zu freier Aussprache geben, umso mehr werden sich die Ansichten klären und umso würdiger werden sich die Verhandlungcn des Kongresses gestalten. Eines aber wird als unverrückbare Basis aller weiteren Auseinandersetzungen festzuhahen sein: das ist das u n b e i r r t e B e 11 a r r e n beim Grundgesetze unserer Beweßung. Nicht aus irgend welcher sentimentalcn Anhänglichkeit an eine liebgewordene Formel, sondern aus der Ucberzeugung heraus, dass ein jeder Punkt, der dort fcstgelegt ist, untrennbar zu dem Ganzen gehört, das allein in seiner Dreieinheit Sinn, Wert und unterscheidendes Merkmal unserer Weltanschauung und unserer Bewegung ausmacht. Wenn einmal diese Einheit nicht mehr einem jeden von s. ,s gegenwärtig sein sollte, dann droht dem Bestände unserer einheitlichen Bewegung ernste Gefahr, da in diesen allerersten Forderungen eine Divergenz der Meinungen den Keim unheilvollen, vielleicht unüberbrückbaren Zwic- Spalts für die ganze Bewegung in sich trägt. ״Principiis obstal“ muss cs hier heissen. Ueber Weg und Mittel mögen wir diskutieren, aber wir haben nur ein einziges Ziel.