Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1909)
- Date
- 1909-09-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2651273-2651605-2651641--06593-2663695- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
v Abonnomo; ta 1 1 1 1 1 * « 1 « t \ul dlo wflclientlich um Frei-!a« cricluinciulo ״Jö<ilsc!.3 Rundschau" kosten •bei der Uxpediiion und bei allen Post• »intern vlertellälirllcli 1,25 M, iimcrh.ilb Deutschlauda und OcMcrrcIcli.Ungarn» 2,— Mi lur Mitglieder Jlidlschcr Vcr• um) Im Sainmclbetuit durch den Verein I,— M. Verlag Jlldlscho Rundschau K. U. in. b, fl, Hall״ SW. 68, Zlmmeratr, 11, •jeKliallssluiideii: ,1 bl» 7 Uhl uivser buiiiiuhciui u< Sonntag 0 » 0 V ג a e 0 0 0 & ö 0 \ .y y f*m ך“ *, V.V rv V.? כ:/ ׳ג- \ V iiivnwr runMHUillU y, OOMUiuK I j j •mmmmmmgß Lj o V—v U ü L ׳< :)u U U 0 0 0 8 0 S B 9 9 0 0 0 0 0 0 V. Aiizolgon »osten für die (ilnfgespaltcno Pctltrello oder deren Raum!3 Plg.i Stellen•Anucbolc und Qcsucho sowie Vcrcliumiticilur.׳:cn u. ,,Kleine Anteigon‘* nur 15 Plg. — — — — Manuskripte werden. Wenn Porto bcillegt, stets zurückgesandt, — Redaktionsschluss Mittwoch mittags. Redaktion Jlidlscho Rundichaa licrllii'Cliarletienburg, Olclbtreu.tr, 49. Tel. Cb, 9881. bprcclietundcn Dienstag und l'roliai!* II—i Uhr inltlaga. * B a a n ■ 9 9 9 6 0 I B % 8 mJ ALLC€M<2m<2 C~>' ן n n /. 3 f;y ה c: d.:'J Ü SCMey'millTÜM Nummer 36 tsszoBsm1״ '"'1’W^kv’ Berlin, den 3. Sepiembe'r 1909—17. Etui'׳־ | xiv. Jahrgang Der IX. Zionisters-Kongress Gemäss Beschluss des Engeren Aktions- Komitees vom 29. August findet der IX. Zio• tstenkongress vom 26.—31. Dezember 1909 . in Hamburg Matt. Wir ersuchen die Ortsgruppen* und Veruauensmänncr dringend, mit Rücksicht auf den bevorstehenden Kongress die Schekelsammlung mit aller Energie zu Ende zu führen und die Schekclgclder baldmöglichst zur Ablieferung /u bringen. Zionistische Vereinigung für Deutschland. •Zentralburcau. Historische Notwendiglieäien Die jüdische Ocffentlichkeit hatte in letzter Zeit mehrfach Gelegenheit, sich mit verschiede* nen Acusserungen jungtürkischer Führer über den Zionismus zu beschäftigen. Diese Aeusserungen, wie auch die bekannten mysteriösen, zuletzt als unzutreffend und von böswilliger Seite hervorgegangen enviesenen Alarmnach* richten nus Konstantinopcl wurden, je nach der Stellungnahme zu unserer Bewegung, verseilte* '.utdrvif ״ . ״ ..Der Zlonltmi!» erstrebt lUr das indische Volk die Scharrung einer 0l/c1Ullcb*rechtlleh geliehenen HcImstStto ln Palü»tlna,“ Daselor Programm. ׳, u n* gen »elbitversibiulHeh nach dar ihnen gabali* renden Bedeutung Verfolgt und behandelt, Wir möchten jedoch ihre Wichtigkeit nicht überschätzen und nicht überschätzt sehen. Jeden* falls vermögen wir ihnen keine entschei* d e n d e Bedeutung für unsere Ziele beizumessen. Solche vorübergehende Erscheinungen dürfen uns auch nicht einen Augenblick das Grundwesen des Zionismus vergessen machen. Unser zionistisches Ideal ist kein Pro* dukt von zufälligen sozialen und politischen Verhältnissen und Kombinationen; es ist viel* mehr das notwendige Ergebnis einer Jahrtausende langen historischen Entwicklung, der kategorische Imperativ* der Geschichte un* sercs Volkes. Seine Verwirklichung kann des* halb von äusseren politischen und kulturellen Faktoren nur in Form und Gestaltung beein* flusst, nicht aber im inneren Wesen betroffen werden. Der Lauf der Geschichte lässt sich durch nichts aufhaUcn und eindämmen. Historische Notwendigkeiten brechen sich ihre Bahn durch tausend Hemmnisse und Widerstände, schaffen sich selbst ihre Vollstrcckungskräfte, werden gleichsam ihre eigenen Vollzieher. Die historische Notwendigkeit des Juden* tuins heisst: Zionismus. Mehrere Jahrhunderte hindurch hat sich das Judentum in den Exilghettos erhalten. Es hatte seine eigene Welt und war von der Um* gebung kaum berührt worden. In seinen geisti* gen Gutem, in seiner eigenen Kultur, in seiner religiös-ethischen Weltanschauung hattc.cs einen festen Halt, der ihm über alle Not und alle Küni* mcrnisse, über Scheiterhaufen und Brunnen* Vergiftungen, über Blutaberglauben und Kreuzzüge hinweghalf. Als aber die Ghettomauern niedergerissen und neue Kulturströmungen, neue Ideen und Anschauungen in das Judentum cingedrungen waren, verlor cs den testen Halt, den es bis dahin stets an sich selbst hatte, ו׳* f ,, M ״ ”כ ÜfS Liü Histortscho Notwendigkeiten. — Der IX. Kongress. — DIo Sprachen dor Ottomnnlschcn Juden. Von Israel Auerbach*Konstantlnopcl. — Also sprach Maximilian. — Problemo der Jüdischen Emigration mul Kolonisation. Von Davis Tr i ctsch, Qrossliclitcrfcldc-Wcst. — Feuilleton: Nach der Reise. Von. 11. L, — Idyllen aus dem Ghetto. An unsere Leser Die bevorstehenden Feiertage machen einige A e n d e r u n g e n in der üb* liehen Erscheinungsweise der ״Jüdischen Rundschau“ notwendig. Die nächsten Num* mern werden m nachstehend verzeichne.ter Folge erscheinen: Nr. 37/38 am Mittwoch, 15. September, Nr. 39 am Freitag, 24. September, Nr, 40/41 am Dienstag, 5. Oktober, Nr. 42 am Freitag, 15, Oktober. Die Ausgaben vom 15. September und vom 5. Oktober erscheinen als Doppel* nuiumer n. Redaktionsschluss und Schluss 1 der Insy.־atcnannahme am zweiten Tage vor | Ersch!:im׳n, mittags. hedr.ktiua und Verlag der ״J. R,“ ..it.iivi nu-in, c.gwno Weit vermochte der 14a um;׳;we!Klvü׳ tiiii ck? eia nun in eiiffo füll* lung und Berührung gekommen war, keinen Widerstand zu leisten. Dazu war die neue Welt zu blendend in ihren üucceren Erscheinungen, zu reich in ihrer Mannigfaltigkeit. Hinzu kam die übertriebene Verbitterung• der jüdischen Aufklarer, die, statt sich nur gegen die Einseitigkeit der bis dahin herrschenden jüdischen Erzie* hungsmethoden zu richten, sich häufig auch gegen die Kulturschätze des Judentums selbst wendete und dessen Herrlichkeiten in fanatischer Welse ignorierte. ״Sie“ und ״wir“ wurden einander gegcnübergcstellt: Alles, was bei ״ihnen" war, wurde mit naiver Begeisterung• hochgepriesen; und alles ״Unserigc“ wurde schonungslos kritisiert und als ״versteinert" verschrien. Eine wirkliche, vollwertige Synthese beider wurde kaum erstrebt, noch weniger er* reicht. Und cs entstand das entscheidende ״E.nt* weder-Oder“, das der jüdischen Geschichte des vorigen Jahrhunderts seinen Stempel aufdrückte. Es offenbarte sich mit erschreckender Deutlich* keit und Konsequenz, dass das Judentum ' in seiner Ganzheit und Eigenheit in den Exilländern entweder in absoluter Abgeschlossenheit, oder gar nicht existieren kann. Das erstere war bereits für immer überwunden; das letztere war unmöglich. Der unverwüstliche Sclbsterhal* tungstrieb unseres Volkes und unüberwindliche Widerstände von aussen her verhinderten es. Den einzigen Ausweg aus diesem Dilemma, die einzige Lösung dieses nationalpsychologi* sehen Konflikts bedeutet der Zionismus. Seine Venvirklichung beruht daher au? ehernen historischen Gesetzen und wird und muss unter allen Umständen und politischen Kombinationen in dieser oder jener Form Tatsache werden. Die jeweiligen politischen Faktoren müssen von uns daher fortlau• fend ernst geprüft und erwogen werden, damit wir unsere Arbeiten für die Erreichung unseres Zieles nach ihnen ein richten und gestalten können. Sie haben für uns aber mehr Zur Beachtung Um unseren Gesinnungsgenossen in Gross* Berlin die Ablösung der Ncujahrsgratulationen zugunsten des ״Jüdischen National* fonds“ zu erleichtern, wird in Berlin und Vororten ein Bote diese Beträge erheben. Der Ausweis erfolgt, wie üblich, in der ״Jüdischen Rundschau.“ Wo der Bote etwa niemanden antrifft, wolle man den Betrag umgehend an Herrn J. H. W a g n e r, Berlin, Prenzlauer Allee 9, einsenden. taktische als wesentliche Bedeutung. Un* sere wesentlichste Aufgabe, unser Grundstreben ist die Rückkehr zum Judentum. Der Zionismus ist vor allem eine nationale Bewegung. Er umfasst die Pflege und Er* weckung des nationalen Eigenbewusstseins der Juden, die Hebung und Neubelebuug unserer nationalen Kulturgüter, die Mehrung und Fort* Setzung unseres geistigen Besitzes. Diese Aufgabe ruht nur bei uns selbst; sie hängt von keinerlei liusseren Faktoren und Kombinationen ab. Hk-!׳ Hegt das grosse Betäligunpkki, das ״Qegenwnmpmgra״m1M für unsere Gesinnungsgenossen. Politische Bctäti* gung ist nicht jedermanns Sache. Ueberlassen wir diese ruhig den von uns erwählten Führern, zu denen wir das Vertrauen haben, dass sie das Bestmögliche zur Förderung und Erleichterung unserer sozialen und kulturellen Bestrebungen in dem Lande unserer Sehnsucht und unseres Zieles tun und tun werden. An unseren Freunden und Gesinnung* brüdern, an der gesamten Juden* heit liegt es, die dazu nötigen materiellen Mittel aufzubringen. Die Beschaffung dieser Mittel muss mit der grössten Energie und Opferwillig* keit betrieben werden. Das bildet aber nur die eine — äussere — Seite unserer Aufgabe; die andere — innere — Seite derselben ist die Stär* kung des Judentums, des jüdischen Emn. findens und Denkens, unseres nationalen Be* wusstseins und geistigen Besitzes. Jeder Fortschritt in dieser Hinsicht nähert uns auch unserem Endziel. Die Stärkung des naUonakn Bewusstseins ruft auch eine Stärkung des nationalen Willens hervor. Und wird unser Volk in allen seinen Teilen einen wirklichen, lebendigen Nationalwillcn haben, dann wird es sich auch seine eigene Zukunft, ein Heim für sein Eigendascin schaffen. Und das wird und muss erreicht werden. Der historische Pro* zess des Judentums führt dazu mit jener zwin* genden Notwendigkeit, deren Werkzeuge wir sind. Arbeiten wir daher rastlos weiter, uner* schütterlich, im Bewusstsein der Grösse und Unverrückbarkeit unseres Strebens und der ״cschichtlichcn Kräfte, die uns Ziel und Richtung vorzeichnen; unbeirrt durch Zufälligkeiten und flüchtige Erscheinungen. Der ״sausende Web* Stuhl der Zeit“ schafft und bildet für unser Volk eine Zukunft, die über den Augenblick unend* lieh weit hinausreicht, die Gegenwart 7.11 einer höheren Perspektive erhebt und ihr einen tieferen, eigenen Sinn verleiht.