Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1909)
- Date
- 1909-08-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 410. JUEDISCHE RUNDSCHAU No. 35. 1909 Wodienkalender 5069 תיפ״ט August אלול Elut Freitag י 10 Sonnabend שבת 28 יא« 11 Kl-Tneze כי תצא N.7,31. Jcsa|ah 511,1-10, רני עקי־ד. Sonntag 29 יב 12 Montag 30 יג 13 Dienstag 31 Sept. יד 14 Mittwoch 1 ג*ו 15 Donncrstg. 2 מ! 16 Freitag 3 יז 17 Sonnabend שבת 4 יח 18 K1.T1.auo, ני תבוא Nacht 7,1■». Jesajah CD, קומי אורי .1-22 pflegten ursprünglich wohl innnche jüdische Gebräuclic, heute ist das nicht mehr der Pull. Deshalb sind sic aber auch nicht echte Türken; sie haben nicht das rechte Zeug d.i/,11, sagt M. J. Cohen, ein Schildercr der modernen Dünmes, auch Maiminen genaimt. Es sind durchaus moderne Menschen, diese Marannen des Islam, mit westlichen europäischen Allüren und Tendenzen. Sic kleiden sich alln Franca, lassen ihre Sühne moderne Sprachen lernen, sind ganz vorzügliche Geschäftsleute und Rechenmeister, reisen viel und sind gar nicht fromm (im Gegensatz zum echten Türken, der religiös bis zum Fanatismus ist). Jeder nimmt sieh nur eine Frau, obwohl es die Gesetze Mohammeds und ihre Mittel erlaubten, sieh einen ganzen Harem zu halten. Diese Neutürken sind kluge Leute. Sic bleiben in Saloniki (eine kleine Gemeinde in Konstantinopei ist ganz bedeutungslos}; denn nur in dieser Stadt des Reiches konnten und können sie ruhig leben und Rcichtüntcr sammeln, ln Saloniki war von jeher das türkische Element in der Minderheit, und die Eruptionen gegen die Scheintürken, die sic sonst in einer anderen Stadt vertilgt hätten, in der Judenstadt Saloniki waren sic nicht zu fürchten. Von den Juden als Abtrünnige gemieden, von den Türken angefeindet und verdächtigt, bildet diese grosse Gemeinde der Sabbatiancr eine Enklave innerhalb der bunt gemischten Bevölkerung der grossen Handelsstadt. Sie würden sich in ihrer Isolierung ganz wohl befinden, wenn nicht ein unglückseliges Verhängnis ihre Zukunft, ihr Leben bcdrohte. Die ganze Sekte geht an der 1 n z u c 11» zugrunde — und deshalb hat ihr Schicksal allgemein r a s s e 111 h e 0 r e t i s e 11 e s Interesse — die Sabbatinncr sterben an der Blutarmut ab. Kein Türke gibt diesen Dünmes seine Tochter zur Frau, ebenso wenig führt er ein Mädchen aus dieser Sekte heim. Mit den Juden konnten und durften sich die Maiminen nicht verschwägern, und Mischehen mit den Christen kommen Überhaupt nicht in Betracht. Und so sehen wir die aus Verhältnis* massig wenig Familien bestehende Gemeinde dazu verdammt, nur von dem eigenen Safte zu zchici und zu leben. Innerhalb eines engen Kreises zirkuliert eine kleine Menge Blut, die in dritihaib Jahrhunderten keinen Zuwachs von aussen erhielt. Die unsinnigsten Ehen werden geschlossen; Onkel und Nichten, Gcscliwisterkinder, die nächsten Blutsverwandten vorbinden sich immer wieder. Die Professoren und die Privatsanatorien der europäischen Weltstädte zählen diese Dünmes zu ihren treuesten Patienten. Anämie, Skrofulöse und Schwindsucht grassieren in schreck* lieber Weise und vererben sich von flcneration auf Generation. Aber sie haben die schreckliche Gefahr doch endlich erkannt. F.s gibt in Saloniki viele Tausende arme jüdische Mädchen, die auf eigenen Erwerb angewiesen sind. Die armen jüdischen Hain11,־s, Rmicrkneclitc, Handwerker und Arbeiter Find kaum imstande, ihre zahlreiche Familie zu er* nähren, geschweige denn auszusteuern. Da müssen die Mädchen arbeiten, sei cs als Zigareuciidrcherinnen in den grossen Monopoipachtgesellschaftcn, oder als Arbeiterinnen in den zwei grossen Uaumwoll- Spinnereien, oder als Dienstboten in den besseren jüdischen Häusern. Dabei sind sic von schönem Aussehen und bester Gesundheit. Sic sind also das, was die Dünmes brauchen. Selbst In der Regel wohlhabend, ziehen die Dünmes diese armen ilidi* sehen Mädchen in ihre Häuser, bis sic sich an ihre Sitten und Gebräuche gewöhnen und, clngclullt durch das bisher ihnen fremde Wohlleben, zum Ucbcrtritt zum Islam und zur Ehe bereit sind. Der Akt des Glaubcnswcchscls ist nur eine belanglose Formalität; vor dem sogenannten Bczirksrat, dem der leweilige Wali präsidiert, gibt der Ncophyte die Erklärung ab, dass er aus Uebcrzcugung zum Islam übertrete. Und damit ist die Sache erledigt. Diese Dünmes sind an der jungtilrkisihen 13cweguug, wie ich in der Einleitung bemerkte, stark beteiligt. Ihre westliche Bildung, das unruhige Vcr* scliworerbhit der sanbatlnischcn Schwarmgeister, dabei ihre Zugehörigkeit zum Islam, bestimmten sic ganz besonders zu dieser Rolle, Speziell bei den! Boykott gegen die Oesterreielier waren die Dünmes die Führer. Sie sind intelligente Männer, die die Konkurrenz der in Saloniki ansässigen üstcrrcichi* sehen Kaufleutc mit allen Mitteln bekämpfen; dazu kam ihnen der Boykott sehr gelegen. Sic zerfallen heute hauptsächlich in drei Sippen: Hamdi Bei, Cnraeuclie und Kapandji. Die Mitglieder der Familie Hamdi Bei sind grösstenteils Beamte; ihnen entstammt der jetzige Bürgermeister von Saloniki. Die Vertreter der Familie Kapandji sind teils Bankiers, teils Kaurleuie. Dem Kaiifmannsstandc haben sich vorwiegend die Mitglieder der Familie Caracachc zugewendet, und sic sind die Besitzer giosscr Ucschäftshäuscr, Dies ist die Geschichte der Salonikcr Sekte, die sich bis heute durch dritthalb Jahrhunderte erhielt, wenn nicht die letzte Umwälzung der Türkei, deren Zeuge wir sind, sic doch infolge der Abschiebung der Gegensätze int türkischen Volke aufgehen lassen wird. ZIONISTISCH BewecuNG־ I. ordentliche Generalversammlung der AngloLevantine Banking Company, Lid. Am 3. d. M. fand im Gcsellscliaftsburcau in London die I. ordentliche Generalversammlung der Anglo Lcvantinc Banking Company, Limited, statt, an welcher ausser mehreren Aktionären die Herren Dr. N. Katze nclsohn. Vorsitzender des Boards, Jos. Co wen, L. I. Green borg, Direktoren, T11. Hirsch, Manager und H. Neu m a n 11, Sckrctär. teilnalmien. Herr Dr. Katzcnclsolm führte den Vorsitz. Der Vorsitzende berichtete, dass die Com* pany ihr Geschäft an» I. Oktober 1908 begonnen hat und dass die Bilanz per Jahresschluss (also für 3 Monate) sehr befriedigende Resultate ergeben hat. Der Antrag des Direktoriums, den Reingewinn per 31. Dezember 1908 auf neue Rechnung vorzutragen, wurde bestätigt. Die statutengemüss zuriiektretenden vier Herren Direktoren ,1. 11. Kann, S. Barbasch, M. Feldstein und J. Krcmcnczky wurden einstimmig wiedcrgcwühlt. XU. ordentliche Generalversammlung des Jewlsh Colonial Trust Am 3. d. M, fand im (tescllschnftsbiircnii in Lon* don die XII. ordentliche General Versammlung des Jewlsh Colonial Trust statt, an welcher ausser einer Anzahl Aktionäre die Herren Dr. N. Katzenclsolin. Vorsitzender des Boards, Joseph Co wen, Direktor, L. 1. Green borg, Governor, Th. Hirsch. Manager und H. Neu mann, Sekretär, teilnalmien. Herr Dr. Katzcnclsolm führte den Vorsitz. Der Bericht des Direktoriums, welcher bereits im März d. J. in gedruckter Form veröffentlicht worden ist, ebenso ein Zusatzbericht wegen zwei vom Aufsichtsrat bestätigten Resolutionen betreffs Lieber- Weisung von £2000.-- an das Aktionskomitee und Ucbcrweisung von £ 500.— an den Pensionsfonds (aus dem Reserve Fund for forfeited sliarcs) wurde angenommen. Es würde für das Jahr 1908 eine Dividende von 6 d pro £1.— Aktie auf Coupon Nr. 5, frei von Einkommensteuer erklärt. Der Statutengemäss zuriicktrctcndc Herr Direktor Joseph Cowen wurde einstimmig wiedcrgewählt. Persönliches Unser lieber Gesinnungsfreund, D r. Elias A u e r h a c 11, leierte am 2*1. d. Mts. in Wronke seine Vermählung mit Frl. R a 11 c 1 R 0 s c n t h a 1. Dr. AucrbacU luvt mit seiner jungen Qattln sofort die Reise nach Haifa angetreten, das er auf dem Wege über Konstantinopcl zu erreichen gedenkt, um alsdann in der aufblillicndcn Hafenstadt seinen ärztlichen Bc* ruf auszuüben. Wir wünschen dem jungen Paare für die Zukunft in seiner altncucn Heimat alles Gute und hoffen, dass cs sich dort ln Kürze auch Im Intimen und persönlichcn Sinne heimisch fühlen wird. VöRSi NS ־RUNDSCHAU Dia Schrlftülhre.• der Vereine werden gebeten, die licrlchto mtVJteins knapp zu halten und sie stets rechucltl« clititiscndcn Manunkripto nur auf otnnr Sotto botohrolbon — doutlloho Ciohrllt I Berlin. Um unseren Gesinnungsgenossen die Ablüsung der Neujahrsglückwünsche durch Spenden für den ״Jüdischen Nationalfonds‘־ zu erleichtern, wird in Berlin und Vororten ein Bote diese Betrüge einkassieren. Der Ausweis erfolgt wie üblich in dcr ,Jüdischen Rundschau“. Wir hoffen, dass, alle unsere Gesinnungsgenossen und Freunde von dieser Einrichtung Gebrauch machen werden. Wo der Bote etwa niemanden antrifft, wolle man den Betrag umgehend an Herrn J. H. Wagner, Prenzlauer Allee 9, cinscndcn. Berlin. Berliner Zionistische Vereinigung. Am Montag, dem 20. September, abends präcise 9 Lhr. inulct in den S 0 p h i c n s ä i c n (Virchow-S.uü), Sophicnstr. 17-18 die diesjährige ordentliche General- Versammlung statt, wozu die Mitglieder der Berliner Zionistischen Vereinigung hierdurch eingdadeit werden. m . Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Kassierers und der Revisoren. 3' Wahl des Vorstandes und der Revisoren. Anträge sind vor Beginn der Versammlung Fei;1 Vorstande schriftlich cinzureichcn. Besprechung über den 9. Koiturcss. Der Eintritt ist nur den Mitgliedern der lterl! ■r Zionistischen Vereinigung gestaltet. Berlin. Die in deutschen Städten bestebemVa Her/.!-Klubs «md Zionistischen JtmginaniisehuUen v,׳■- den zwecks Gründung eines Kartells gebeten. : 1C Adressen umgehend an den H e r z l - K l u b , I׳,.: riin-Ciiarlottenburg, per Adr. Herrn li,. s Goslar, Berlin W., Rankestr. 30. einzusendei!. Berlin. Die nächste Sitzung des Ikr/l - Khu-s (ohne Damen) findet am Mittwoch, dem I. Septem! .r. abends 9 Uhr im ״Tic r ga r tc n ho f" am Balm , ,; Tiergarten, Zimmer: ״Vereinsklause" statt. Vom< des Herrn Hans Goslar: ״Alte und doch sk'.s aktuelle Probleme." Gäste, insbesondere junge K..!;״ leutc, willkommen. Briefkasten der Redaktion Uobor Frnflon von altfjomolnom dlo Kodikllofl an tllosoc Stoli• IntoroüMo gibt 0orn Auakunft Ismar W., Kattowliz. Wir haben Ihre Am'r.^e an das Bureau des P a I ü s 1 i n a - R c s r, o r!,, CitarloUcnburg, Bleibtrcnstr. 3*1/35, weitergegekn. Von dort wird Ihnen die gewünschte Auskunft in Kürze zügelten. Schluss des redaktionellen Teiles. מס Bf Jüdischer National-Fonds Geldsendungen sind nu^schlicsslich zu rlcl.tcn an Herrn Mt* Wolliulnor, Cliarlottenburg, Syb«l-Str»»»r 50. Der JDdliche Natlonaltond* Ist dizn benimmt, pzlUöniiCt» Boden •I« Oc»*mtclgentum des Jfldliehen Volke» tu trwenie «nd tu! cwlae Zelten zu trhalten. Vom 5. 7ionl»ttnkonsm» 1901 gearflndci, bciltzt er heute ein Vermögen voo Stur 1 *4 Millionen M*rk. Bekanntmachung der Nationalfonds-Verwaltuns(. Oln Nationrtlfondikommlssion für Berlin hat für den Vertrieb von Nationalfondsmarken, Ansicht »• karten und Telegrammformularen Innerhalb Gross-Berlins folgende Verkiufsstollen erriohtot; Louis Lamm, Ituchhandlung, Neue Frirdnchttr. 61 6:1, Sigismund Jacob, Drogerie, Kleine Andrea**\r, 11. Koibolskl, Zigarattengeichäfti Gontsrdstr. 3. Arthur Hirsch, Münzstr, 22. J, H. Wognor, IVcuzlauer Allee 9. Fotdmann, F1en»hutft««.vc, ’.I, Louis Btolohrode, Buchhandlung, Berlin, Franzstr. *. Qr. J. I8wln8kl, Chftrlottenburg, Bcrlinerstr. 120, gegenüber dem Ralhause im Lokal der Firma A, r. Neutnann Söhne, Drogenheus. Frau Zisllnskl, Charlottenburg, Rankestr. 13,!. Zionistisches Zentralbureau, Chariottenburg, Olelbtrcu- StrüMo 49. Natlonatfondasammolbüohsen stell bei Herrn Arthur Hirsch, Münzstr. erhältlich. Sammolstollo für Briefmarken bei Herrn 0r. Loewcit■ heim, Neuo Bayrauthcrotr. 8. Materlaliensammelstelle bei Frau Sulmann, Schwäbische Sstr, 11. * Julius Neumann, Kattowitz , , . , Apotheker Boschwitz, Köln, kondoliert Familien Solomon und Berger, Köln . J, David (V, J. St,(Str.), Metz, gratuliert s, 1. Bbr. Edg W 0 111 *um Examen . , , Hugo Schoyor, Myalowiu . , . . . Martha G 0 I d b 0 r g, Karlsruhe, dankt für freundliche Glückwünsche.. I’ s* *• l ן ו i \ %