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Jüdische Rundschau · 1909-08-27 · Heft 35 (27.8.1909) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 35 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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CI1. 9891. »prechttunden tiientias und י Prcitass 11—1 Ul!? tnlllast. %»mmmmmmmmmm mmmmmm mmmJ ALLG€M ח f'xD Nummer 35 Berlin, den 27. Hugiist 1909 Z6STUS%nO ■»״^Jgfwra II 111 יי ■■ffmüLJ 10. Elul 5669 XIV. Jahrgang , Oer Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina.“ Baseler Programm. Die Ziele der Pallestine Land Development Company Ltd. Unter dem Drucke der Not, die auf den j den in Russland, Rumänien, Galizien und der I;kowina lastet, und von der Idee eines neuen j.,1U$ch־naiionalen Lebens in Palästina be- /: istert, kommen alljährlich einige tausend J den aus diesen Ländern nach Palästina, um li er ein neues Heim zu gründen. Ebensoviele lhmderttausende von Juden stehen in Osteu- גיר ח zur Auswanderung bereit. Viele von den Einwanderern oder von den Einw.inderungslustigen sind im Besitze eines kleinen oder mittleren Vermögens. Die meisten miuI arbeitskräftig und arbeitswillig, und es b in ihnen der lebhafte Wunsch rege, in Pa• l.füna auf eigener Scholle zu sitzen und sich um der Landwirtschaft zu ernähren. Wie kommt es nun, dass trotz dieses!!rossen Angebots von arbeitswilligen und zum Teil auch bemittelten Juden die landwirtschaft• liehe Besiedlung Palästinas durch Juden so langsame Fortschritte macht? Eine lange Be•, obachtung in Palästina hat gezeigt, dass es hauptsächlich die folgenden Hindernisse sind, welche das Fortschreiten der Kolonisation erschweren: 1. Die Schwierigkeit des Erwerbs kleiner Parzellen. Während der Jude, der sich als Ackerbauer eine Existenz in Palästina gründen will, dazu einer Bodenfläche von 200 bis 300 Duuam bedarf, sind aus den Händen der ara• bischen Besitzer nur grosse Landstücke von mehreren tausend Dunam zu kaufen. 2. Die Kompliziertheit der türkischen Agrargesetzgebung. Es ist dem eben aus Europa gekommenen Einwanderer unmöglich, die komplizierten Rechtsfragen, die beim An• kauf eines Grundstückes in Betracht zu ziehen 'iiul, richtig zu beurteilen. Er fürchtet sein י leid zu verlieren und wird oft ganz vom Kaufe .־״»geschreckt, obwohl in Wirklichkeit der Land* I uif in Palästina zwar eine komplizierte und i. ngwicrige, aber keine riskante Sache ist. 3. Die schlechte Kultur des Bodens. Der Eulter von Arabern mit dem primitiven arabi• ' •üien Pfluge bearbeitete Boden muss durch 1!ftündlichc Bearbeitung während einiger Jahre | 111־ europäische Arbeitsmethoden erst vorberci-!!1 werden, che er den Kolonisten übergeben j .verden kann. So muss z. B. Land, das mit 1 /.izyphus-Gcstrüpp bewachsen ist, von diesem! befreit, grosse Steine, die das Pflügen mit dem j '•״ropäbiTicn Pflug hindern, müssen entfern!,;-umpfige Stellen müssen trocken gelegt wer* j den. Ausser dieser einmaligen Bearbeitung ist j die Herstellung von Wegen und Brunnen erfor- ן «Icrlicli. Alle diese Arbeiten können von dem I einzelnen mit seinen geringen Mitteln nicht ge• | leistet werden. j 4. Die Unbequemlichkeit der Einzclansied* j lung ausserhalb der jüdischen Kolonien. Da 1 das dicht bei den jüdischen Kolonien gelegene I Land oft gar nicht oder nur zu sehr hohen j Preisen zu kaufen ist, muss der Einwanderer in vielen Fällen in einiger Entfernung von den ' jüdischen Kolonien Land kaufen und sich auf diesem Lande ein Wohnhaus errichten. Nicht jeder will aber die Unbequemlichkeiten einer solchen isolierten Ansiedlung (Mangel an Verkehr, an Unterricht, an Koschcrflcisch usw.) in den Kauf nehmen; nicht jeder hat den Mut, als erster ausserhalb der jüdischen Kolonien in arabischer Umgebung zu wohnen, und in vielen Fällen kann eine Besitznahme von Land fern von den jüdischen Kolonien in der Tat nur dann empfohlen werden, wenn das Land sofort von einer grösseren Zahl kräftiger Leute, welche den Arabern Respekt cinflössen, in Be* sitz genommen wird. Die bisher erwähnten Hindernisse Hessen sich verringern, wenn sich eine grössere An* zahl von Personen zu gemeinschaftlichem Kaufe und gemeinsamer Installierung in Palästina zu* sammenfände. Aber es ist ausserordentlich schwer, eine vielköpfige Menge, die aus ver* schiedenen Ländern nach Palästina zusammen• geströmt ist, hier zu einem .;;;munsainen Han* dein zu organisieren und zusammenzuhalten, ln den meisten Fällen scheitert der Versuch da* ran, dass sich die verschiedenen Wünsche von zehn oder zwanzig Familien nicht vereinigen lassen. Kommen aber bereits organisierte Gruppen von Juden zwecks Ansiedlung von Europa nach Palästina, so ergeben sich noch andere Hindernisse, nämlich: 5. Das lange Warten bis zur definitiven Niederlassung. Es kann mitunter zwei bis drei Jahre dauern, bis die Kaufvcrhandlungen, die Vorbereitung des Bodens, die Herstellung der Strassen und Brunnen, der Bau von Häusern usw. beendet ist und die Einwanderer daran gellen können, den Boden zu bewohnen' und zu bearbeiten. In diesen zwei bis drei Jahren verzehren die neuen Einwanderer nicht nur einen grossen Teil ihres Kapitals, sondern verlieren oft überhaupt die Lust zur Landarbeit. Einige Familien finden in anderen Berufen Beschäftigung, einige fahren nach Europa zurück, und der Rest verfällt dann allzu leicht in Desorganisation und Mutlosig* keit. 6. Mangelnde Kenntnis und Erfahrung in der Landwirtschaft. Da die Mehrzahl der ein* wandernden Juden mit der Landwirtschaft nicht vertraut ist, ist es natürlich, dass sic bei ihrer Scssliaftinacliung technische Felder be* gellen, welche ihre ohnehin meist beschränkten Mittel noch weiter schmälern und oft zu einem vollständigen Misserfolge der Kolonisation führen. 7. Geringe Aussichten zum Vorwärtskom* men für Landarbeiter. Die bisher angegebenen Schwierigkeiten gelten hauptsächlich für solche Leute, die, mit einem Kapital von 12 000 bis 15 000 Francs (5000 bis 6000 Rubel) ausge* rüstet, in Palästina sofort eine selbständige bäuerliche Existenz begründen wollen. Nach grösser als für sie sind die Schwierigkeiten für die unbemittelten jungen Leute, die ohne Mittel nach Palästina kommen, um als Landar* beiter hier zu arbeiten. Palästina könnte einen noch viel grösseren Zufluss dieser Ar* beiter bekommen und damit ein für die Koloni* sation ausserordentlich wertvolles Menschen* material ins Land ziehen, wenn es möglich wäre, den Arbeitern ein allmähliches Aufsteigen zu einer selbständigen Existenz zu ermöglichen. Bisher hat der unbemittelte Arbeiter bei den palästinensischen Lohnsätzen keine Möglich* keit, Geld zu sparen und aus eigenen Kräfttn zu einem Stück Boden und zu einem Häuschen zu gelangen. Diese Aussichtslosigkeit der Lage der jüdischen Arbeiter schreckt viele junge Leute in Osteuropa von der Auswanderung nach Palästina ab und hat sogar viele eilige* wunderte Landarbeiter wieder aus Palästina vertrieben. Zur Abhilfe all dieser Hemmnisse der Ko* Ionisation ist die Palest ine Land De* velopment Company Ltd. gegründet worden. Ihr Geschäfts plan ist fol* gender: a) Bodenerwerb. Sic umerhält juristische und agronomische Beamte in Palästina und kann dadurch verhält* nismässig leicht die Schwierigkeiten des Land* erwerbs überwinden. Sie will grössere Land• stücke, sobald sie aus arabischen Händen günstig angeboten werden, erwerben, um sie im Verlauf von einigen Jahren durch jüdische Arbeiter unter der Leitung eines Agronomen in Kultur zu bringen, sie mit Strassen und Brun* nen zu versehen und dann an Juden weiterzu* verkaufen. b) Parzellierung für eigene Rechnung. Vorbildlich sind für sie bei ihrer Tätigkeit die Methoden, welche in den östlichen preussi* sehen Provinzen die deutsche ״Landbank“, die polnische ״Bank Ziemski“ und die preussi* sehe A n s i e d l u n g s k o m m i s s i o n bei der Ansiedlung von Bauern befolgen. Allein die Ansicdlungskommission hat in der Zeit von 18S6 bis 1907 353 383 Hektar (= ca. 4 000 000 Dunam) Land für 306 Millionen Mark von Orosgnincibesitzern erworben und auf diesem Lande bisher mehr als 12 000 Bauernwirtschaften neu geschaffen. Aber auch die Polen haben, obwohl sie natürlich überall auf den Widerstand der preussischen Regierung Miessen, Tausende neuer Wirtschaften begrün• det, und diese Leistung verdient um so grössere Beachtung, als sie mit relativ geringen Mitteln (die zwischen 1890 und 1905 gegründeten pol* nischen Parzcllierimgsgcnosscnscliaftcn hatten im Jahre 1905 ein Kapital von nicht mehr als 2 160000 Mark) zustande gebracht ist. Die Erfahrungen, welche all diese zwecks Schaffung neuer Bauernwirtschaften gegründc* ten Institute, insbesondere die preussische An* siedlungskommission, während einer zwanzig* jährigen Tätigkeit erworben haben, die genaue Beobachtung aller Zustände und Verhältnisse in den neu gegründeten Bauernkolonien haben eine Parzellierungs Wissenschaft entstehen lassen, die dem Ziele dient, auf die bestmögliche Weise eine standesbewusste,

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