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Jüdische Rundschau · 1909-08-20 · Heft 34 (20.8.1909) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 34 (20.8.1909)
Date
1909-08-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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, x> 10 Jcr fremde Nationalismus im wesentliche;! י : , dem Interesse der moralisch natürlich!:credit- I jjiisjiei! Abwehr geboren. Nur der Gesichtspunkt ( jj5 cm •‘H״crer. Mau hoffte, durch die Beseitigung ' (Wcr y׳n!,ukdr.iniumg der nationalen Kulturen auch I Jic judeitfraw'e am gründlichsten lösen zu können. ll1-1ivciMh,־t1!'d1 wiederum und zwar restlos univer-! wljjnmck M'iltc das Judentum durchaus sein, einmal, I Vlj| die plnlosopiiischi’ Ethik dies zu fordern schien j jiuj dam ■meli. weil man dem Christentum den Vorr״e des l mversalismus, auf den cs allein Anspruch ,11,1cm‘. 1 ‘,u lassen wollte. Nur beiläufig weisen wir dm t!Selbständigkeit und innere Unfreiheit hin, wie so oft im Piasporajudentum, als eine; eingeengten politischen und kulturellen; AusJruck kommt. Eine so betrübende , uin man an den nationalen Stolz und die liselic Kraft denkt, die das jüdische Volk »in Hoden an den Tag gelegt hat. die im• folge ••׳ Lage. <׳■׳ k*;!tur!••' auf *•'»» Pi>• aus ״» des •י• sei. 1 c l ׳ ־ * < M;;/ca lt’»:־e •1 ' l.tkciu:: > t . V'.iS '.•י• knintc u 1 /,! nucr ) rar L. trcli Motive von aussen geleitete, nicht eigenen Leben geborene freie Auffassung :..ns musste notwendig zu einer Ver- und lhitstellimg des Geschichtsbildes, Im 1 1111 einzelnen, zu einer falschen Psycho• •1 disehen Volksseele und zu einer ebenso!•1I׳•N1״'l1ic der jüdischen Geschichte führen. »׳.Hungen im einzelnen von rein wissen• r.uJ logischer Natur, wie z. U. dessen, Nation und unter Rasse z« verstehen sei, ausbiciben. Hier und da verstieg man ״« .׳gar bis zu der wunderlichen Leugnung .!eil Kultur, und, nicht nur hier und da, ■i g des Vorhandenseins einer jüdischen . .וss!11.111 den Versuch wagen konnte, den %,,,!»■!!J1scl.cn Nationalismus als etwas vültig S.ics ».•.׳::einen zu lassen. Mit einem Worte: Das JiiJc!;:;; MMim sich in ein Netz arg verworrener Meer.! .■־••• *he fur den ordmingliebcndcn Sinn und f r J.1' ..! c>t*’cl!lichc WahrhcitsKcfültl etwas urigemui; \ » -«uides iiaben. Verdichtet hat sich das al'e*; ccm phantastischen Hirngespinnst des 1::r.Jcr::-.1 Missionsglnubcns. während der so offenkundige 1 iigiose Verfall des sich entnationalisicrenden;1via.cn Judentums deutlich zeigt, wie sehr letz• icrcs <1c!: auf einem ebenso lächerlichen wie geführ• liehe;׳ In aege befindet. Soll der Zersetzungs• und A!!!'!. v .■.C'.'r׳׳/ess, in dem das Judentum sieh infolge der iMiM.ü.ipation und des Eindringens der curopäi•!.'1!er. t׳u;;e׳» Jll.kll! Ü'lJui kein II K .1־:ur befindet, in einen Umbildungsprozcss werden und zur Wiedergeburt des a ä.iircn, dann kann dies nur auf nationalem . ־■el.vl.cn. Auf dem bisherigen Wege gibt es keine Zukunft für das Judentum. (Schluss folgt.) I ״ AUS ALLCR WaT Deutschland Min Freund der deutschen Juden IKrr Purlschkewltseh, der bekannte Held des Verbandes der echten Russen, Weilt gegenwärtig in Kbsmgcii. um seine durch die Vorarbeiten für die nacli'M.hngcn Judenpogrome geschwächte Qc• sundacu neu zu kräftigen. Er muss wohl meinen, er sehe ‘-hon wieder ganz stattlich aus, denn dieser Tage i berkam ihn plötzlich das Bedürfnis, sich pNm grapliiercn zu lassen. Um nun auch allen seinen rahln .licn Freunden im russischen Volksvcrband ein Kon'uki zukommen lassen zu können, bestellte Herr Pumekkewitsch eine so grosse Anzahl von Bildern, dass es dein Photographen auffällig erschien. Der Mail,! - ein Jude, der aber natürlich keine Ahnung hatti. wen seine neueste Platte darstelltc — zeigte eine;; Probeabzug im Vertrauen einem anderen russisehen Kunden und war nicht wenig erstaunt, als dieser ihn auf die grosse Rosette hinwics, die der Pör'.raticrtc auf der Brust trug, und auf der gross «nd deutlich die Worte zu lesen waren ״Bjcj shvdowi״ (Schlagt die Juden totI") Der Photograph wandte sich an die Behörde um zu erfahre״, ob er zur Ausführung der Bestellung ver- Pflichtet sei, was natürlich verneint wurde. Als der Photograph Herrn Purischkewitsch mittciltc, dass er die hüder nicht liefern werde und ihn fragte, warum er gerade zu einem jüdischen Photographen Klangen sei, erwiderte der grosse Mann scclenruhig, seine ״Devise" beziehe sich nur auf die russi* sehen Juden, gegen die deutschen Juden habe er nichts! Die deutschen Juden *,erden sich für diesen neuen Freund bestens bedanken, was sagen aber unsere Antisemiten dazu/ Von der ״Tculelslnsel‘־ ״ ,, ^as ״Freie" Amerika hat nun auch seine ״Teufels•!äset , Das ist nämlich der Name, welcher von den aii.icn Immigranten, der dein New Yorker Hafen vorgelagerten Insel F.ilis Island, bclgclegt worden ist, aut der die hochnotpeinliche Untersuchung derer vor sich geht, welche an der Pforte der Neuen Welt Linlass bcgolucn. Die schikanöse Handhabung der gesctzlicltcu Bestimmungen über die Abweisung ״uncrwünschtcr" Einwanderer ist gerade in unserer Zelt häufig Gegenstand der öffentlichen Erörterung gewesen und die gerechte Entrüstung aller human Ge* sinnten, hat auch in der freiheitlichen Presse• des Auslandes kräftigen Widerhall gefunden. Wie erfinderisch die Not die Änpsten häufig macht, welche, so nah dem Ziele ihrer recht bc* scheidencn Sehnsucht erbarmungslos zurückgcstosscn werden, dass zeigt die immer zunehmende Zahl der ״Exprcs$"-Tnumngc11, die in den Räumen der Ein• wandercrstation vorgenommen werden, um den nachgekommenen Bräuten die Landung zu ermöglichen. Die Fälle, in denen junge jüdische Burschen sich von der Seite ihrer Bräute reissen, um sich und ihrer Erwählten unter tmsfigllclicn Entbehrungen In der Neuen Welt eine bescheidene Existenz zu gründen, zählen zu den rührendsten Szenen in der gewaltigen Tragödie der jüdischen Wanderung und finden durch dieses neue Produkt des ״Amerikanismus" einen recht prosaischen, unwürdigen Abschluss. Während Im allgemeinen die unwirtlichen Einwandcrcrhallcn nur Zeugen der profanen, standesamtlichen Trauungen wurden, bildet eine solenne synagogalc Trauung die neueste Sensation im Leben der Insassen von Ellls Island. Ein junger Jude, Sam. Maislik, der vor ein oder zwei Jahren hier landete, war kürzlich In der glückliehen Lage von seinen Ersparnissen so viel zu er- Übrigen, um seiner Verlobten ein Bittet für die Ueberfahrt cinzuscndcit. Da sie selbst als alleinstehendes Mädchen nicht genügend Existenz-Mittel aufweisen konnte, wurde sic zunächst von der ihres Amtes mit voller Strenge waltenden Behörde zuritckgcsteUt. Das einzige Mittel, die Landung doch noch durchzusetzen, war die ״Not-Trauung". In aller Eile bcschaffte man von der ״Ost-Seite" einen Rabbiner, der mit allen Ccremonialgcrätcn versehen, auf Ellls lsland erschien, um die Trauung vorzunehmen. Zehn zur Heimfahrt ״verurteilte" Juden wurden aufgctrieben, um die nach jüdischem Brauch erforderliche Anzahl der Betenden zu stellen, und die Zeremonie nach orthodoxem Ritus durchgcführt. Nunmehr stand der Landung der Frau Maislik nichts mehr im Wege und die ״Heiligkeit der Ehe“ hatte sich wieder einmal glänzend bewährt. Die strengen Massnahmen des schneidigen Einwanderungskommissars Mr. Williams, die jedem russisehen Tschinownik Ehre machen würden, haben natürlieh zu einer grossen Zahl von Apcllationcn an die obere Instanz in Washington geführt. Das hat Mr. Williams auf eine ganz gute Idee gebracht. — Einesteils, weil er vielleicht doch eine gelegentliche ״Nase" seitens des anscheinend vernünftig und human denkenden Handclssckrctürs fürchtet, und andererseits wohl mit dem Scharfblick für Vereinfachung der Geschäftsführung. die dem Yankee nun einmal angeboren ist, hat Williams, wieder aus eigener Machtvollkommenheit, eine Zwischeninstanz geschaffen, intcrmediate court genannt, die Beschwerden der in erster Instanz von der ״Inquisition" abgcwlcscncn Einwanderer erledigen soll. Da Tausende von Personen seitens der ״Inquisition", wie die Amerikaner die Bebürde getauft Haben, in kürzester Frist ״bearbeitet werden müssen, so sind die Beamten natürlich völlig überlastet und auch bei bestem Willen, der ihnen an sieh nicht bestritten werden soll, kaum In der Lage, jeden enzclncn Fall richte zu würdigen. Eine Bcschwcrdc nach Washington erfordert aber viel Umstände und verursacht selbst im günstigsten Falle einen umso grösseren Zeitverlust, als die Behörde auch stark in Anspruch genommen wurde. Eine an Ort und Stelle befindliche Zwischeninstanz kann daher ganz günstig wirken. Wie von authentischer Seite mitgctcilt wird, sind die bisher bekannt gewordenen Aenderungen betreffend das Verlangen von 25 Dollars deshalb nicht zu wörtlich aufzufassen, da nach wie vor auch Einwanderer zugclasscn werden können, welche geringcrc Mittel besitzen, wenn die Passagiere sonst einwandfrei sind. Man muss aber darauf achten, dass diejenigen Mittel, welche zur Reise bis an das Endziel und für eventuellen weiteren Aufenthalt an irgend einer Station erforderlich sind, sich im Besitze des Passagiers befinden. Ferner besteht die Vorschrift, dass derselbe eine Eisenbahnfahrkarte bis zum Reiseziel vor seiner Einschiffung löst. Es Ist auch in allen fällen darauf zu sehen, dass der Einwanderer kor- , rekte und klare Adressen von Verwandten und Freunden besitzt. Ganz, besonders aber ist zu beachten, dass die körperliche und geistige Gesundheit, sowie die Arbeitsfähigkeit des Passagiers — soweit ersiehtlieh - derartig ist, dass die Vermutung, derselbe könnte dem Staate wegen Arbeitsunfähigkeit zur Last fallen, ausgeschlossen erscheint. Russland In der Kanzlei des Kultusministeriums ist folgende Bekanntmachung ausgehängt worden: ״Es wird hiermit bekannt gegeben, dass der Minister für Volksbildung Schwarz, Juden, die sich an ihn mit Gesuchen wegen Aufnahme über die Prozentnorm hinaus in den höheren Bildungsanstaltcn wenden, nicht empfangen wird." Ausserdem sind sämtliche Universitätssenate durch ein Zirkular aufgefordert worden, keine derartige Gesuche an das Ministerium zu richten. Solche Gesuche würden in Zukunft unberücksichtigt und ungeprüft bleiben. Galizien In den gallzlccli-polnisclieii Kurorten, die von Tausenden Juden aufgesucht werden, herrscht eine Atmosphäre von Juden Verachtung, wie sie mir eben den Polen eigentümlich ist. Das hinderte das allpolnische Organ ״Slowo polskic“ nicht, in einem Aufruf die Juden zu warnen, deutsche Heilstätten und Kurorte zu besuchen, denn dies fördere . . . . den Antisemitismus. Ein Schauspiel freilich fiir die Götter. Einerseits der Versuch, die Juden zu zwingen, ״heimatliche" Kurorte zu bevölkern, in denen sic von den Polen geächtet und schikaniert werden, — es gibt Kurorte, die den Juden auch den Einlass versagen —, anderseits die ehrenwerten Israeliten Gold und Gail, stramme Allpolcn, die mit Antisemitismus drohen. . . . Inzwischen häufen sich die Fälle der Bedrohung von Juden in den Kurorten. Vorige Woche kam cs zu einem überfall von Bergpolcn (Görali) in S z c z a w n i c a. Ein Wachmann misshandelte einen armen Juden, der, ohne die Kurtaxe zu zahlen, den Kurpark bctreten hat. Viele Juden protestieren gegen die Tatliclikcitcn des Polizisten und sammelten sich vor dem Kommissariat, wohin der arme Jude geschieht wurde. Das genügte, um eine grosse Ansammlung von Polen aus der umliegenden Berggegend mit Sensen und Äxten herbclzuführen. Es kam zu einer Schlägerei. Die Juden in Szczawnica leben In beständiger Angst. Türkei Wie aus Washington unterm 18. August telegraphiert wird, wandte sich das amerikanische Staatsdepartement an die grösseren amerikanischen Gesellschaften mit der Aufforderung, sich im Telephon- und Balmkonzcssloncn in der Türkei zu bemühen und wies in einer längeren Erklärung auf die gogenwärtigen günstigen kommerziellen Aussichten Amerikas in der Türkei hin. PALAe5TINA*RUND5CHAU Grundsteinlegung des Hebräischen Gymnasiums in Jaffa Am 10. Aw, fand die Feier der Grundsteinlegung des neuen Hebräischen Gymnasiums statt. Auf dem Platze von Acliuzath Baith versammelten sich frühmorgens die Lehrer und Schüler des Gymnasiums, Mitglieder des Aufsichtsrats des Vereins Gymnasia Ihritli, sowie eine Reihe anderer Freunde dieser Anstalt. Das vom Nationalfonds für das neue Gebäude erworbene Grundstück bildet einen der schönsten, höchstgclcgcncn Plätze des neuen jüdischen Stadt- Viertels und gewährt einen wunderschönen Ausblick auf das weite blaue Meer, die Berge Judas, den malerischen alten Jaffaer Stadthügcl und die immergrünen Orangengärten. Der Stifter, Herr Jacob Moser in Bradford, hat in seiner Grossherzigkeit einen in dein Kostenanschläge die ursprüngliche Stiftung um 20 000 Francs übersteigenden Bauplan genehmigt und sich bereit erklärt, auch diesen Mehrbetrag auf seine Kosten zu übernehmen. Da überdies der Nationalfonds aus eigenen Mitteln das Grundstück erwarb und dem Gymnasium zur Verfügung gestellt hat, so werden die gesamten für die Errichtung des neuen Schulhauscs bis jetzt aufgebrachten 130000 Francs die Erbauung eines imposanten öffentlichen jüdischen Gebäudes in Palästina ermöglichen. Die Leiter und Lehrer des Gymnasiums hielten bei der Legung des Grundsteins mehrere Ansprachen, in denen sie auf die Bedeutung dieser jungen Anstalt für die Erziehung eines neuen Qeschlcchts lm jüdischnationalen Geiste hinwiesen. Die Feier währte einige Stunden, und trotz der ausserordentlich starken Sonnenglut herrschte allgemein festliche Stimmung unter den Schulkindern und Gästen. Das Gymnasium wird von fetzt ab nach unserm unvergesslichen Führer Gymnasia Ibrlth ״Herzlla“ heissen.

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