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Jüdische Rundschau · 1909-08-13 · Heft 33 (13.8.1909) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 33 (13.8.1909)
Date
1909-08-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Fiisgust 1909 — 26. Fib 5669 pn ׳ נשו os ch Jj u.il0; ״n'jnxxtxr. Z60TUHC1 ■»■ l... » ו '»"I .. יי ■■Iff XIV. Jahrgang Der politische Zionismus und die Türkei Von Davis Trictsch (Berlin). ln t.; letzten Zeit haben eine ganze Anzahl von türk, eiten Staatsmännern, Parlamentariern etc. sich :!her den Zionismus geäussert. — Die Einen vorbehaltlos sympathisch, andere mit ge• wissen Iü >t1vcn. Meist waren die Aeusserungen durch die l-iagcstdlcr beeinflusst, denn unter den FrageiuK gab cs Zionisten verschiedener Scliatiienag und auch Antizionisten. U e b e 1• e i n s l i 111 in c n d äusserten sich alle clmv'uius für eine jüdische Einwanderung. Das schli.'.-'St i n sich, dass die loyale Gesin• nung de>!;ulischen Elements in der Türkei über jeden Zweifel feststellt, und dass man auch mit der bisherigen Einwanderung nur gute Erfah• mngengemacht hat. — Diesistvongröss• ter Wi c it t i g k e i t. V e 1 > e h 1 e d e n waren die erwähnten Aeusserungen inbezug auf die politische Seite der Frage. Oie I inen sagten: ״Gellt nach Palästina und wer.Iw dort Majorität, so habt ihr damit dien An.'iMuch auf das Mass von Selbstverwal* tung. das iukt kurz oder lang allen Provinzen des Iveielus zusteheit wird. Andere sagten: Redet weniger und arbeitet mehr, i.nn־ Arbeit wird euch und dem Reiche nützen, i ure Reden von Autonomie sind verfrüh! und erwecken den Verdacht separatistischer Ikstrehmigeti, die in der Türkei fortan ebenso* wenig geduldet werden können wie anderwärts. Fs gibt noch immer Zionisten, die bei Aeusserungen der letzten Kategorie die Köpfe hängen lassen. — Das sollte verboten werden. Es wäre an der Zeit, dass das politische Verständuis in unserer sich politisch nennenden Bewegung über solche primitivste Irrtümer hinaus wäre. Nachdem nun viel zu lange irrige Meinun* gen die I mwicklung unserer Sache von innen heraus;ungehalten und geschädigt haben, können wir jetzt gar nicht laut und deutlich ge* nug den zionistischen Standpunkt dahin präzi* sieren, dass uns nichts ferner liegt, als irgend* welche l'.<vjntrüehtigung türkischer Interessen. \Vir streben danach, unsere Auswanderung in steiguuiem Masse nach Palästina ־und seinen Nachbarländern zu lenken. Wir streben gleich* *eilig danach, dieses Landgebiet, das jetzt noch sehr vernachlässigt ist, auf jede erdenkliche weise so zu lieben, dass cs mehr und mehr jüdisclu* Einwanderer aufnehmen könne. Mit dieser Arbeit nützen wir ausser ü״s und dem Lande in hervor• ragender Weise dem türkischen reiche, von dessen Wohlergehen Jas unsere in hohem Masse ab- *,äugig ist. D.ihei denken wir an keine andere Form von Selbstverwaltung, als die Türkei selbst uns ge* kaltreu wird (und zum Teil unseren Kolonien schon längst gewährt hat!). Unser Fall Hegt mich durch auaanders all der Pall u 11 e r u n d 0 r c n nicht-mohumme• gischen Gruppen des türkischen Kelches. Während diese auf Grund ihrer Religion oder 1?aiiotiiilität — sei cs aus sich heraus oder be* e|nflu$st durch die Haltung der christlichen w׳,|״;Dc?lonlsniti» mtrcbl fOr dot» llldliclio Volk dl# u1״n.115״..e,ncf OllcnUlch-cccUtllch ««»icUottsn IklmitßUo In Fala‘"n0• Dasolar Programm. j Des üxj feäQB '! Der politische Zionismus und dlo Türkei. — 1 ״A. J. K. 0.“ — Dlo jiicllsclion Kolonien um Jalfa. Von Dr. Lothar Meyer, Bcriin-Qross-Lichter- :eldc-West. — Das Judentum am SclieldewcKC. Von Rabbiner Dr. Max Joseph, Stolp .j Po«»• (Hortsetzunt׳.) — Orientalisches Märchen.; — Für allerlei Führer. — Aua aller Welt. — Pal;iull11a«Ru11dse!mu. — Zloulsilselio Heweemu׳. — Aus den Gemeinden. — Vcrelusrimdschmi. — IF'cullIcton: Brief von der Ostsco. — Der Heimat zu! Gedicht von Kr ich Mcndclsohn-Bcrlin. -־ Mlscclleu. — Lltcrarlscho Rundschau: Das Buch Joraui. Von Q c 0 r k Hcclit -Leip* zift. -־ Biiclicrbcsprceiumgcii. — FliiKCgaiutcne Bücher. Staaten — ausserhalb der Türkei einen Rückhalt haben oder suchen, haben die in der Türkei lebenden Juden keinerlei über die türkischen Grenzen blickenden Tendenzen. Allenfalls mit einer Ausnahme, und diese beleuchtet den Unterschied besonders stark. Die Juden der .Türkei betrachten ■nämlich $ i c 11 als den Kern der Nation und beanspruchen — besonders in Palästina — die Mithilfe der gesamten Juden* heit an ihren Aufgaben und Sorgen. Wohl* tätigkeit und Fürsorge, kulturelle und ökono* mische Hilfe werden seitens der Juden Palästinas von ihren Brüdern in den Ländern der Zerstreu* ung beansprucht, und die gesamte Judcnhcit er* kennt die Berechtigung dieses Verlangens in stetig steigendem Masse an. Auf diese Weise kann man (in dem angedeuteten Sinne) fast sagen: nicht die türkischen Juden tendieren nach auswärts, sondern die ge• samtc J uden 11 eit tendiert mehr und mehr nach der T ü r k e i! Dies soll nun freilich nicht missverstanden werden. — Die erwähnte ״Tendenz“ der Gesamtjudenheit kollidiert nicht mit den Staats• Bürgerpflichten (Ü u s s e r e n w i e i n n e r e n!) der Juden in den übrigen Ländern. Sie äussert sich in der Beihilfe zur jüdischen Entwickelung im Orient und in einer steigenden Sympathie für das türkische Reich, in dem die jüdische Zu* kunft so viel besser gesichert erscheint als in den sonstigen Ländern. Diese Sympathie der jüdischen Welt ist für die Türkei ein realer Wert. Ein realer Wert für die Türkei ist-auch die Hebung Palästinas, und auch die Einwanderung von Juden aller Länder ist ein ganz greifbarer Gewinn für die Türkei, denn Bevölkerungszuwachs ist Machtzuwachs. Inbezug auf ihre Eigenart ist die jüdische Einwanderung sogar noch von be• sonderem Vorteile für die Türkei, weil unsere Einwanderer Eigenschaften mitbringen, die der Türkei bei der speziellen Zusammensetzung ihrer Bevölkerung bisher fehlten: die Juden werden das beste Element sein zur Vermittelung europäischer Wissenschaft und Technik und sie werden in der Industriealisierung der Türkei eine bedeutende Rolle spielen. Der Beweis für die Tätigkeit der Juden, eine solche Rolle in der Türkei zu spielen, ist von ihnen in zahlreichen anderen Ländern erbracht worden, wo man es ihnen schwerer gemacht hat, und wo ihre Betätigung in diesen Richtungen einem für ihre Umgebung viel weniger dringenden Bedürfnis entsprach. Was will nun der Zionismus in der Türkei politisch erreichen, und was kann er in dieser Beziehung an streben? In allen Ländern der Welt in unseren Rechteil beeinträchtigt, wollen wir für das neu sich bildende jüdische Gemeinwesen im türkischen Reiche das Maximum an politischen Rechten — d. h. die v ö 11 i g e G1 e i c h b e* r c c h t i g u n g innerhalb eines Staatswesens, in dem Gerechtigkeit gilt und im Laufe der Ent• Wickelung immer mehr zur Geltung gelangen wird. Mehr als die Gleichberechtigung zu verlangen wäre natürlich unsinnig. In diesem Uchte betrachtet, sollte es aber ganz klar sein, dass die angestrebte Selbstverwaltung nicht die Rechte anderer beeinträchtigen darf. Vor allem aber würde die Unsinnigkeit eines Anspruchs auf jüdische Präponderenz in Palästina ja schon daraus hervorgehen, dass wir nur etwa ein Siebentel der Bevölkerung ausmachen. Wir müssen also froh sein, wenn eine Selbstverwal• tung recht kleiner Gruppen und Distrikte von den Türken bewilligt würde, so dass wir in den Kolonien, Städten und Stadlteilen, wo wir in der Majorität sind, nicht in u n b i 11 i g e r Weise dem Einfluss und dem grösseren Recht der nicht-jüdischen Bevölkerungsmehrheit unterworfen seien. — Dies ist gleichzeitig das Maxi• mum des gegenwärtig für uns Erreichbaren wie aucli das, was wir — nachdem w i r uns eventuell zur Bevölkerungsmajorität entwickelt haben werden den Minoritäten jener Zeit zu konzedieren haben werden. Heute leben in Palästina über 500 000 Moslems, an 75 000 Christen und etwa S5 000 Juden. Wie immer unsere Zahl zunehnten wird ־־־ die anderen werden im Lande bleiben und mög* licherweisc ebenfalls (wenn auch in geringerem Masse, da eine Einwanderung nicht besteht) zunehmen. — Nichts könnte auch falscher und verderblicher sein, als wenn wir etwa im Gegen• satz zur Landesbevölkerung Palästina und unsere Position entwickeln wollten. Nur im Ein• Verständnis mit der Regierung und in Inter• essengcmeinschaft mit der gegenwärtigen Landesbevölkerung können unsere Arbeiten wirksam und ungestört vor sich gehen. Das würde — wenn cs nicht ein Geb.ot der Gerechtigkeit wäre — uns von unserem eigensten Interesse diktiert werden. Man sollte sich immer vor Augen halten, dass eine etwa heute für Palästina gewährte Autonomie in erster Linie der syrisch-arabischen Majorität zu gute käme, und wenn wir dann froh wären, In unserem Minderlicitsstadium ein gerechtes Mass von Rechten zu geniessen, so sollte das natürlich jeden Gedanken daran aus• schlicssen, dass wir — wenn wir einst Majorität geworden sein werden — den anderen etwa weniger ein Maximum an Minoritätsrechten bc• lassen könnten! Das so naheliegende Thema unserer poli• tischen Wünsche und Möglichkeiten ist bis heute merkwürdig wenig besprochen worden. Viel• leicht aus Besorgnis, dass dabei ״Absichten“ zur Diskussion kommen könnten, deren *Fröne• rung unserer Sache vielleicht schaden würde. — Das Gegenteil trifft zu. Die Vermei• düng des Themas hat — in unseren eigenen

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