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Jüdische Rundschau · 1909-08-06 · Heft 32 (6.8.1909) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 32 (6.8.1909)
Date
1909-08-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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i j i I 1 I I I a*a mm m Abonnomonto ml die wSchcnlllcb am Prcl- ..״ c.*Shclncmlo ״JBdlscho K»nd»«l•*»" koMcn bei der piDcditlon und bei allen Postimiern vlcricliaiirllcli 1,25 M, ,u^crlulb Pcu'Khlandt und OcMctfcIch-Ungarn* 2,— Mt lär MiUtlK'dcr indischer Vcr• iine int Sammdbciug durch den Verein 1.- M. Verlee Jüdische Rundschau 1:. 0, m, b. II. ßrrlln SW. ftS. Zlmmerslr. 7t. ׳Jeschalistiundcn! d bis 7 Uhr 1u»cr Sonnabend u. bonntag. 8 8 0 I 0 8 I 0 I 0 8 I 8 « J ך׳; l'־CJ .1■-—£ ן■« ""*"ץ U Ü ra ״ yQf Ai»xü3/״oti 1VstcrP-OrKjUfi. ftinfwpollene «׳״liwi!* oder deren: Kaum 1*«Af /Uclf n’*1A,,‘;e,lVc unJ Cicsucl1e,״'vow»c yc/Jinsniit- .\S»ilu*4u.־Vt!-.,.Kleine AiiseiRcn' \ yi\ 15'Vi'i,,♦ '־־ — — V^ihripte «erÜttn. wenn *״r“ck* r/^ijktlonsschlusa Minvdt.11 mittags. Redaktion Jüdische Rundschau llt r י I n-C (1:1 r lottcn bu ׳) ז, Blclbtrcuslr. 49. Tel. Ch. 9S8I. Sprechstunden Dienstag und fromm» II—l Uhr mittatts. ן o 0 9 9 i l 0 * t « J Ai-LG€M€ll&^<§ S) 06 (DD SG He Z60TWG Nummer 32 •Haaaeaaac ■1**■ww ׳1 11 ■ .«airer!‘; Berlin, den 6. Rugusf 1909 —19. fib 5669 XIV. Jahrgang Spanisches In Spanien herrscht gegenwärtig, wenn ״lau Jv׳ii offiziösen Telegraphen glauben darf, wilder vtihc. Den Rcgierungskanoncn ist es mitMa'u־ und Not gelungen, die Barrikaden von BarwltViM :׳u säubern und dem Lande gewalt* fl1111 du• ״Ruhe“ wiederzugeben, deren es aller* dtngs ilringentl bedarf, wenn dieses anscheinend in einen! unaufhaltsamen Niedergange begriffene '; Reich sich je wieder zu einer Kulturmacht ent* wickeln ><»11• Wer indessen aufmerksam die 1 atigk ,i! und die Bewegungen der spanischen Revoh11,״n:i1־e beobachtet hat, und wer sich von den off; dosen und offiziellen Versicherungen nicht ,vu'ieii liess, die da glauben machen wullieii. dass lediglich verbrecherische Auar* cliisien und iauatisdu: Nationalisten die Urheber der Revolte gewesen seien, der könnte leicht be* werken ־■ was von Kennern des Landes uncl von vertrauenswürdigen Spaniern selbst be* siätigt wird — dass zum mindesten in dem regsaincn Katalonien das gesamte intelligente Uurgerium mit den Revolutionären nicht nur sjinpiitluMcrie, sondern ganz offen gemeinsame Sache machte. Aus diesen Kreisen kam denn auch das bc-nterkenswerte Bekenntnis, dass am Nieder* gange Spaniens hauptsächlich zwei Umstände die Schuld trügen, von denen uns hier nur der eine interessiert, nämlich die Vertreibung der Juden, die Spaniens gesamten Handel ruiniert und damit die Machtstellung des Landes herab* gedrückt habe. Gerade jetzt, wo dieses Land vom Aufruhr durcliwiililt ist, und wo Alfons XIII. Thron bedenklich ins Wanken geraten ist, müssen wir uns einer Angelegenheit erinnern, die vor noch nicht allzu langer Zeit an dieser Stelle behandelt wurde. Wie überall gibt es natürlich auch in Spanien eine Anzahl liberaler Ideologen, deren berccluigtc Eigentümlichkeit es ist, dass sie die politischen Dinge nicht so ansehen wie sie sind, sondern so wie sie sein sollten. Für das Stre* hen und die Absichten solcher Männer wird man alle Anerkennung haben müssen, ohne das man darum ihren Meinungen und Forderungen beizutrden braucht. in Spanien ist es ein Senator, 131*. Angel Pulido, der seit Jahren be- Kits das Heil Spaniens davon erhofft, dass man die ehemals spanischen Juden, die heute grosstenuils in Bulgarien und der Türkei, leben, wieder nach Spanien zurückführt. Um sowohl seinen Landsleuten wie den Juden seine Idee schmackhaft zu machen, hat er diese Juden ..Spanier ohne Vaterland“ genannt, weil sie noch heute ziemlich rein das alte Castcllanisch des XV. Jahrhunderts sprechen und hat es als dne Sache der Gerechtigkeit hingestellt, die cs gebiete, die einst Vertriebenen wieder in ihr an* geblielics Vaterland zurückzubringen. Pulido bat seit Jahren mit dem Eifer des Idealisten für diese Sache agitiert und eine Allianza Hispano- Jsradiia zusammengebracht, die sich die Pro- Pagierung dieses Planes zum Zweck gesetzt hat und die offizielle Rückberufung der spaniofischen Juden durch die spanische Regierung erreichen will. . ׳ , , Wir wollen einmal so gutgläubig sein und annehmen, dass diese Spanier die Ungcrcchtig* heit der Vorgänger ihres jetzigen Regenten m 1 ..Der Zionismus erstrebt lür das llldlsclio Volk dl» 10.,,1?1.‘״«einer ölleiullch-reclitllch Besteuerten Melmsiatto In Kslöstlna." Uasolcr Prouramm. Obs föa feaott j Spanisches. — 1:111 Duell. — Die sexucllo Frage | Del den Juden und lliru Lösung. Von 1) r. in c d. I biso 11 sttidt - Berlin. — blae tcutsclio Kupu•! | zluade aus dem Anfang des — 20. Jahrhunderts, i —l:iu Kongress (iir hchrülr.clio Sprache lind Kultur. ן — Die türkischen Deputierten 111 London. — 1:111 | Justizirrtum In der Türkei. — Die Juden In Persien. — Probleme der liidlschcu Emigration ן und Kolonisation. Von Du .vis Trictsc h-Dcr- It lin. (Fortsetzung.) — Das Judentum um Schelde* weite. Von Rabbiner D r. Max Joseph- S1״||) i. P, —- Aus aller Welt. — Paliistlua-Rimd- I schau. — Rundschau der Presse. — Vereinsrundschau. — Aus den Gemeinden. — Feuilleton: Kndlmah. Von Sam. Gordon, frei übertrugen von M. Pulver 111 a 1111. — Tlseha he Aw. Von Paul Michaelis. Zt.: l׳rie1lriehsrodn. — .11111« - Israel: Vom Schuelderlelu und dem ewigen Juden. Von S c 11111 in i b c » Z11 r i S e 11 a d d a i. — Rütscllösimg. — Urlclkastcii. der Tat ebenso sehr schmerzt, wie der Schaden, den sie damit der Entwickelung Spaniens zweifellos zugefügt haben. Aber selbst dann noch muss es uns wundern, dass man die Rechnung so ganz ohne die ״Spanier ohne Vater* Imul“ machte. Man hätte doch mindestens ein* mal genauer Zusehen sollen, ob es denn diesen Juden, die man so als willenlose Objekte in eine wirtschaftlich'politiscnc Bilanz cinstellte, irgend erwünscht sei, in ihr ״Vaterland“, das sie vor mehr als vier Jahrhunderten so erbarmungslos vertrieb, zurückzukehren. Oder ob sie es auch nur irgendwie wünschenswert finden könnten, statt des osmanischen Bürgerrechtes den Schutz Spaniens anzunehmen und so dem Lande, das ihnen seit 400 Jahren Gastfreundschaft gewährt, eine neue Schwierigkeit zu schaffen. Und welche Rolle wird denn den Juden jetzt in Spanien zugedacht? Man lese, was einer der fähigsten uncl kenntnisreichsten unserer politischen Schriftsteller von heute, Theodor Wolff, über Spanien und seine ״Entwickelungs* möglichkeiten“ meint: Ich wclss nicht, warum man den Wandschirm, den ״paravent", wie die Franzosen sagen, bei uns ״spanische Wand" nennt, aber die Bezeichnung ist durchaus charakteristisch und gut gewühlt. Wie eine liederliche Hausfrau die kleinen Schmutzereien, des Alkovens mit dein Wandschirm verdeckt, so verbirgt man In Spanien Elend und Unordnung hinter einer tauschenden dünnen Wand. Die spanische Wand ist umgcfallcn ijjjd wir sehen, was dahinter sielt nufgcspclehcrt und wie sich manches seltsam entwickelt hat״ und hinter der Finanzkunst Mauras und hinter der Popularität des sportlicbcndcn Königs tauchen Schlamperei und anarchistischer Hass, Gesetzlosigkeit und infame Unterdrückung auf. Vielleicht wird man diese Krisis überwinden, ohne dass eine kata- Ionische Bombe störend dazwischen!.£11׳ rt, aber mit oder ohne Bombe wird alles bleiben, wie es war. Niemand in diesem an natürlichen Hilfsquellen überreichen Lando Ist ernstlich zum Auf* rümnen bereit. Und dio ganze Rcgicrimgswclsheit wird sich Immer um die Frage drehen: Wie stellt man am besten die spanische Wand vor den MisJ?" Die Juden sollen also diese ״Spanische Wand“ nbgeben, sollen in Spanien Handel und Industrie beleben, um dem Lande äusserlich zu einer Machtstellung zu verhelfen, die es aus eigener Kraft zu erringen kaum so bald in der Lage sein dürfte. Für eine solche Rolle müssen und werden die spaniolischen Juden sich natürlich bestens bedanken. Sie haben zum grössten Teil in der Türkei ein wirkliches Vaterland gefunden und haben, wenn sic schon an ihren gegenwärtigen Wohnorten bisher keine Schätze erwarben — was übrigens einer ganzen Anzahl unter ihnen bekanntlich gelungen ist — näherliegende Ziele der Wanderung, als ihr vcr* rottetes Vaterland von ehedem. Man muss dass immer wieder hervorheben, weil damals, als Dr. Angel Pulidos Ruf durch die europäische Presse ging, unsere liberalen Juden und Nichtjuden natürlich vor Begeisterung ausser sich gerieten und bereits den Völkerfrühling nahe wähnten. Und das aus dem Grunde, weil ein morsches Reich, das einst die Juden leichtfertig verjagte, sie heute wieder sehr nötig braucht. Wir haben damals bereits, als von einer Revolution in Spanien noch nicht die Rede war, darauf hiugewiesen, dass es für Juden nichts törichteres geben könne, als dieser itleolo* gisch verbrämten Idee, die'in Wahrheit nur der drängenden Notlage Spaniens entsrpingt, Vor* schub zu leisten . . . Unsere Stimme fand damals im jüdisch-liberalen Blätterwalde nur ein schwaches Echo. Die Freude darüber, dass man irgendwo einmal die Juden haben wollte, war den guten Leuten und schlechten Musikan* ten zu nahe gegangen. Jetzt haben uns die Verhältnisse Recht gegeben, indem sieh gezeigt hat, wie dieses Land im Innern in Wahrheit aussieht. Deshalb haben wir heute von Neuem diese Sache in Erinnerung gebracht, und wir nehmen die Gelegenheit wahr, unsere Warnung zu wiederholen: ״Das Experiment bietet zu wenig Chancen, um das Risiko auszuglcichen; auch sind die Sephardim der Türkei für die ihnen erwiesene Gastfreundschaft zu grossem Danke verpflichtet, und deshalb dürften sich kaum viele finden, die dem Rufe ״Zurück nach Spanien!“ Folge zu leisten bereit wären. DieZukunft der Juden, und gerade der sephardischen, liegt im Orient, was die Sephardim auch recht gut wissen. Und es erscheint uns geradezu un* verantwortlich, im Interesse Spaniens, das seine Juden im Jahre 1492 barbarisch vcrjagt und sich seitdem Jahrhunderte lang nicht mehr um sie gekümmert hat, heute Verwirrung in die Reihen der türkischen Juden zu tragen und sic von ihren wahren und nächstliegenden Aufgaben abzulenkcn, die die S t ä r k u n g d e s osmanischen Reiches und ihrer Position in diesem Reiche bedingen.“ Ein Duell In einem Walde bei Budapest hat vorige Woche der üankdircktor Ernst Frünkl den Husarenrittmeister Jeney im Pistolen ducll schwer verwundet. Das kam so: Frankl hatte in grösserer Gesellschaft ein Restaurant aufgcsucht und sich dort zum Abendessen Krebse bestellt. Das vcranlasstc den Herrn Ritt* mcistcr zu der melancholischen Bemerkung: ״Jeder Jude bestellt heute Krebse.“ Als Frünkl, der diese in lautem Tone gesprochenen Worto hören musste, daraufhin den Rittmeister einen Bauer nannte, zog dieser den Sübcl um auf ihn einzuhaucn. Der Bankdircktor zog darauf den Revolver und drohte seinen Qogner nicdcrzuschiosscn, wenn er den Sabel nicht sofort In dio Schelde stecke. Der tapforo Herr Rittmeister kam diosor Aufforderung nach und Frünkl schickte Ihm am andern Morgen seine Karte. Das Ist der Sachverhalt, daran tst nicht zu drehen und zu deuteln. Die Kugel, die der Rittmeister Irgend* . t

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