Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1909)
- Date
- 1909-07-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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i! IAbonnomoata! 11( d!0 wOcbenillch •ra Frei• 0 <ac c'HhelncmJo ״Jüdltche * Kundichxfi" koiien bei der Expedition und bei allen Post• * Imtem vlertclllhflich 1,25 M, * tuuerhilb De iichlands und I I OeMrTrelch*U1n,ärn» 2,— M; י * für Mitglieder jüdischer Ver- I J Uno Im Sammelbexue durch I ( den Verein I,— M. 0 J Verleg JUdleche Rundicheu 0 J K. Q. m. b. H. 8 1 Derlln SW. «9, ZlmmarKr. 77. I ,jcKhahiitunOcnt £ bis 7 Uhr י uiiicf Nmnabcnd u. Sonntag, f ............ j ח קסחח r~\ f ך״/ ן־־^־׳ן p ך-־י ח חס ,viplI LLoJ \~J e I 0 iisoigon Vollen (Br die (ßnleeipellen# Peliuelle oder deren Reum i) Pf*.; Stellen.AnKcboie und Qeuiclie »ow»e Vcrclnnnu• ׳.tlluncen u. ״Kleine Ameisen" nur 15 Pis. — — — — Manuskripte werden. wenn Porto beiliept. »Ul» rurUck• guandi. — Rcdnktlonuchluu Mltiwocl! ntiiias». Rtdakllon Jüdlicho Rurtd cbau llcrlin-Cliailoitcnburg, OlelbtrcuMr. 49. Tel. Ch. 989(. Sprechstunden Dienstag und Froitasi 11—1 Uhr tnittaxi. ■»■•••«••••«י•••••«»«* ד 1 ו * 7■ l t * J f\n 1 XI ■ <\ ׳*» 0u@g30scw ZSDTUMQ Nummer 30 5. Hb 5669 XIV. Jahrgang Eine starke Türkei!n der letzen Woche erschien in mehreren demn'hen Blättern ein Artikel von offenbar woliiiuforinicrter Seite, in dem die Idee eines dem.sch •türkischen Bündnisses erörtert wird. — Pie Anregung, der einstweilen (was freilich nichts beweist) die amtliche Anerkennung noch | niclir zugestanden wird, hat für uns ein spe• f zicll» s Interesse, weshalb wir dgn Artikel im Wesentlichen wiedergeben.!•;$ heisst dort: ..Pie mannigfachen Ereignisse des letzten Jalir s haben für Deutschland wenigstens das eine Gute gehabt, dass die Möglichkeiten des י Orients — politische wie wirtschaftliche — un* i serem Gesichtskreis erheblich näher gerückt I sind. Es ist uns klarer geworden, wie viel wir im Orient gewinnen, aber auch, wie! viel wir dort verlieren können. | l'ie Hinge sind noch int Fluss. Viele mag i das veranlassen, warten zu wollen, bis alles gc* I klart ist. Aber mir scheint, wenn Deutschland ,; jetzt nicht zur Klärung der Dinge selbst bei• t tragt, so könnte es in einiger Zeit sich einer für Deutschland recht trüben ״Klärung“ gegentiberfiiidon. — Die Türkei ist einer der grössten I und zukunftsreichsten Märkte, auf denen wir n 11־1״ Chancen haben, eine Rolle zu spielen. Viele andere Märkte sind uns bekanntlich von tui'iivn schneller' zugreifenden Konkurrenten! scI1׳>(! wiggeitomiuen worden. Wir haben aber i doppelt Ursache, uns nicht auch hier aufs [ zweite Geleise drängen zu lassen, und die Ge- { fahr besteht. Die wirtschaftlichen Interessen DeiitMhlands in der Tiiikei werden duren w i rך > c 11 a f 11 i c h e und durch politische י Maßnahmen bedroht. Ueber die wirtschaftlichen 1 brauchen wir nicht viel Worte zu verlieren. Die anderen möchten eben gleichfalls sich den tüikiwiitn Markt sichern, teils durch eigene An* strengungon, teils dadurch, dass sie den Anderen! Schwierigkeiten bereiten. Die politische Me• thode kann wieder darin bestehen, dass man vciMiclu, die Türkei an sich zu fesseln, oder sic; zu v.hwäclten und möglicherweise zu verniei!• | ten. I, Beides ist in letzter Zeit von England vor- | sucht worden. Nach jahrzehntelanger, fast I traditionell gewordener Gegnerschaft nahm | Fr.-iand die Konstitutionalisicrung der Türkei! zmn Anlass eines völligen Einschwenkens, L dc?'״u erste nach aussen sichtbare Wirkung ein « Zurrckdrängen des deutschen Einflusses am Goldenen Horn war. Als aber bald das eng• lischc Spiel sich wieder gegen die (nicht ge• num!1tl willfährigen) neuen Machthaber in der Türkei wandte, verlor England wieder das t Vertrauen der Türkei. Es hatte auf eine falsche : Karte gesetzt und kann jetzt nicht nochmals j mibatieln, Deutschland ist aber durch die Stetigkeit seiner Haltung wieder obenauf. Die englische Konsequenz aus diesen Er• > eignhsen zeigt sich schon jetzt ziemlich klar, Schon mehren sich die Schwierigkeiten, die den türken auf allen strittigen Gebieten der Politik bereitet werden. Aber auch in anderer .Hinsicht I sucht England die Stellung der Türkei zu untergraben, — besonders hinsichtlich der arabischen Provinzen und der damit in Verbindung stehenden Frage des Kalifats. . , , . ,, Es droht also eine Schwächung der Türkei. End die Drohung ist auch gegen Deutschland Rerichtct, das eine starke Türkei nötig hat, so• ‘ ••Der Zlonlimsn erstrebt (Br das lildiiclio Volk dl» ״..״*. .einer OUentllcb-rcchillch Bcuchcricn llclmtiatio in PalfiuinB." Oatelcr Proarania. I fico tfca taSäii i BI110 sturko Türket. — Tlsclia Beab. Von L. י J o s c 11 ח. — Die Juden ula Ofllztcro. — hin ן MII(rob!o!0Rl8cl1ea Institut In Palüatlua. — Vuiu ן Judeiislaut — Probleme ]iidlsclicr Emigration und i Kolonisation. Von Davis T r I c t s c 11 Berlin. — Max Nortlau über die gegenwärtige Lago 1111 | Zionismus. — Das Judentum am Scheidewege. Von I Rabbiner Df. Max Joseph• Stolp. (Fortsetzung.) i —Gustav Karpelcs. — Aus ullcr Welt. — j Pnliistliin-Rundscliau. — Zionistische Bewegung. I Vom llllfsverclu. — Verelnsriuulschau. — Feuilleton! I Ein Interview In der Unterwelt. Von Heinrich | Mnrguli-es•Leipzig. — Kadlmah. Von Sam. Üord011. Frei übers, von M. Pulvcrmann. — Ketten. Erstaufführung im Deutschen Theater. — Jung •Israel: Der neunte Ab. Von Hans Goslar. — Der arme Bobbl. — Von Kurt Abraham. — Wie der Tau entstand. — Ziilikmriiticl. wohl weil unser türkisches Absatzgebiet damit gesichert wäre, wie auch, weil sonst unsere Konkurrenten stärker würden. Die Türkei stand seit Mcnschonaltern nie so stark und hoffnungsvoll da wie jetzt, aber ihre gegenwärtige Machtstellung ist noch jung־, und die Faktoren, denen eine starke Türkei un• angenehm ist, sind eifrig an der Arbeit, den Vcrjiingungsprozess des Reiches doch noch zu verhindern. Bis vor wenigen Monaten war auf allen Seiten das Bestreben vorhanden, sich die Türkei (und den türkischen Markt) günstig zu stimmen. Man wusste noch nicht, wer ,.das Geschäft machen würde“. Jetzt zeigt sich schon wenigstens, wer — voraussichtlich — das Ge• schält nicht machen wird, und damit hat das einhellige Liebeswerben sein Ende erreicht. Wer von der wirtschaftlichen Hebung der Türkei nicht genügend für sich erwartet, wird nun leichter energischere Mittel (auch in destruktivem Sinne) anwenden, als der, dem die wirtschaftlichen Vorteile winken. Hierin liegt die Gefahr. — Will Deutschland aber die Wirtschaftliehen Möglichkeiten der Türkei so voll als möglich nusnützen, so darf es auch vor der Konsequenz nicht zurückschrecken, die politische Sicherstellung des Landes durchzuführen, von der allein die Sicherheit seiner Aufwendungen an Kapital und Unternehmung:•- geist zu erwarten ist. Aber auch Deutschlands Stellung in der Weltpolitik wird ausserordentlich viel stärker werden, wenn die Türkei ihren Anschluss an den deutschen Konzern vollzieht. Nicht nur bedeutet ein deutsch-türkisches Bündnis einen riesigen Streifen auf der Landkarte: Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Balkan,Voderaslcn — ein kolossales Gebiet von der Nordsee bis zum Persischen Golf — sondern auch eine starke Wirkung der Anziehung .weit darüber hinaus. Die ganze islamische Welt, die bei einer Losreissung des Kalifats vom fürkischcn Reiche unter britischen Einfluss geriete, würde im Gegenteil (sogar in ihren schon unter britischer Herrschaft oder Einfluss- Sphäre stehenden Teilen), sich mehr und mehr ihrer neu erstarkten und gegen die Wech* seliällc der Politik mehr als je gesicherten türkischcn Vormacht zuncigen. Zur gesamten, auch nichttürkischen islamischen Welt — von Marokko über Aegypten und Persien bis zum fernsten Indien -• wäre damit für Deutschland und seine Alliierten eine neue Verbindung von unermesslichen Chancen gewonnen, und die Türkei fände in dieser Kombination die wirksamste Garantie für die Un verletzlichkcit ihres Besitzstandes. Ein deutsch österreichisch türkisches Bündnis wäre militärisch unangreifbar und darum in seiner Wirkung eminent friedlich, das von ihm umfasste Wirtschafts• gebiet wäre fast in sich unabhängig und würde mit allen seinen Beziehungen einen Landerkomplex darstellen, kompakter und bedeutender als die grössten Weltreiche aller Zeiten. Dabei wäre ein solches Bündnis, eine solche Anbahnung von Beziehungen zur islamischen Welt durchaus und geradlinig in der bisherigen Richtung der deutschen Politik begründet, so dass cs nicht nur ein schwerer Fehler, sondern auch eine Inkonsequenz wäre, unter den jetzigen Verhältnissen abwarten zu wollen, ob die junge Türkei aus eigener Kraft der schwierigen Lage Herr werden wird oder nicht.“ Soweit der Artikel.' — Auch wir Juden haben ein Interesse an einer starken Türkei. Uns gilt cs dabei nicht, einen Markt zu erobern oder unsere Kapitalsanlagen zu sichern — nein, aber für uns steht noch viel H oberes auf dem Spiel, Wir haben unsere Zukunftslioffnuiigen mit der Türkei verknüpft, in der wir das einzige grosse und sichere Asylland für unseren Verfolg* ten erblicken, und zu deren Besitzstand Palästina gehört, — das Land, das wieder (und nicht nur für uns Zionisten), die Bedeutung eines jüdischen S t a m m 1 a n d c s — eines Zentrums der Zer- Streuung gewinnt. Sollte dieses Land Palästina der Türkei verloren gehen und unter irgend eine ande-e Herrschaft fallen, so wäre das wohl der schwerste Schlag, der die jüdischen Palästina* Bestrebungen treffen könnte. Darum gilt c-s auch für uns, dass wir nicht abwarten sollten, wie die Verhältnisse sich entwickeln werden, sondern dass wir unser Möglichstes dazu tun sollten, die Entwicklung der Verhältnisse zu beeinflussen: in unserem Sinne, das heisst zur Stärkung der Türkei. Nichts hat uns in den letzten Jahren mehr geschadet als die Politik des Abwartens. Eine solche wäre berechtigt, wenn wir etwa das Programm der ״Ito“ hätten, wenn unser Arbcitsgebiet das grosse Fragezeichen wäre. Wir haben uns ja aber auf Palästina festgelegt, und da war es eben ein folgenschwerer Fehler, dass wir eine Auflassung zur Geltung und Herrschaft kommen Hessen, nach der wir den Beginn unsefer Fätigkeit erst von gewissen Voraussetzungen abhängig machen sollten, Voraussetzungen, deren Unmöglichkeit erst recht spät eingeselien wurde. — Hätten wir alle die Jahre hindurch neben der Propaganda im Auslande eine fruclitbringende Tätigkeit in Palästina entfaltet, so hätte die Umgestaltung der Dinge im türkischen Reiche uns wesentlich grösseren Nutzen und grössere Ermutigung gebracht. Wenigstens aber sollten wir jetzt nicht weiter zögern, sondern unser Möglichstes tun, das Versäumte wieder cinzuholen. Ein immer grösserer Teil der jüdischen Auswanderung sollte nach Palästina gelenkt, immer grössere Kapitalien sollten im Lande angelegt werden.