Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1909)
- Date
- 1909-07-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2651605-2651632--06476-2663569- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ätWVW'mWmmwm mmmmm Abonnomonto! t 1ut die wöchentlich am l'rel- 8 tag (‘shelneudo ״JUdUcho 8 Kundfchafi" ko*tcn bei der * [:*Milien «nd bei allen Poit• (inlern vicrtcllalirllcli 1.2$ M, 8 la^erMIb Deutschland» und 8 OcMctrcIdfUngarns 2,— Mj 8 1ar Miiglicdcr (Uditeber Ver» I linc im S.immclbcxug durch den Verein 1,— M. g Verlas JüdUcho Rundiehsa ß, 0. m. b. H. Hcrlln SW. 68, Zlmmardr. V, UrH'liüluilundcn: 3 bl» 7 Ubr «u.scr Bonn*bcnd u. Bonmag. > mmmmmmmmj i ו f r" כ v Anzolgon kosten lür die liinlgcspaltene Pclltxcllc oder doren Raum 15 l’lg.i Sldlcn-Anuebotc und Ucsuclie »owe Verdnsmit• ׳,eilungcn u. ״Kleine AmeiKcn‘* 1ur 15 l’lg. — — ■—־־־■־ — Manuskripte werden, wenn Porto bdllcgt. stets turuckgesandt. — Redaktionsschluss Mittwoch mittags. Redaktion Jüdische Rundiebill Hcrlln-Charlottenbutg. Olclbtrsuiir. 49• Tel. Cft. 9881• Sprccbsiunden DlensUg und Proitag» 11-1 Uhr miliagi. i * 8 2 « « 8 I J ALLG€/^€ßy^(i 3) 0 6 (D 0 S 0^3 6 Z6 OXUfflG Berlin, den 2. Juli 1909 —13. Thammus 5669 Nummer 27;XIV. Jahrgang Alarm? Verschiedene jüdische Blätter brachten in der Vorwoche ״Alarmnachrichten“ aus der Tür• kei. Sie besagen unter andcrin, dass die zionis• tischen Pliine von der türkischen Regierung kategonseh abgewiesen worden seien, dass ferner der Kammer eine Petition vorliege, wonach die jüii'y.lu־ Einwanderung in Palästina zu vorhin* dem 5>ei. endlich, dass unter der arabischen Be* uilMTiing Palästinas eine beängstigende Bewcguiiu gegen die Juden begonnen habe. Und als lirgän/ung dazu dem Zionismus gegnerische A11־b>1־rungcn von ״hervorragender“ türkischer Seite. Die ״Jüdische Zeitung“ in Wien schreibt es dem tit'iben und strasscnlauten Auftreten Zang* wills. seiner Mesopotamien-Agitation, zu, wenn die l>:nge in Konstantinopel plötzlich eine solche Wendung genommen hätten. her Mainzer ״Israelit“ hingegen kommen• tieri obige Nachrichten wie folgt; ״Diese Nachrichten erhalten angesichts des bekannten anti-zionistischen Pronunciamentos im Jahresbericht des Gcheimrat Goldberger an die Berliner ״Alliance“ einen eigentümlichen Beige• 'whim'ck Man wird abzuwarten haben, ob jene Bemerkungen im Jahresberichte auf besonderen Informationen aus dem Orient beruhten, oder ob umgekehrt die Informationen aus der Ber• liner Ansprache entstanden sind.“ Die. ״Welt“ endlich ist in der Lage, die ״Almiimachrichten“ als absolut unwahr uiul ah offenbar einer antizionistischen Mache euispi ungen zu bezeichnen. Wir können uns ruhig an die Feststellung der ״Welt“ halten und uns freuen, dass, soviel wir mm allerhand wertvollen Beweisen wissen, die Stimmung in den massgebenden Kreisen un• serer Sache durchaus nicht ungünstig ist. Aber, nehmen wir an — cs wird nicht un* interessant sein, sich einmal auf diesen Stand• punki zu stellen — die ״Alarmnachrichten“ seien Halir oder es liege ihnen dieses oder jenes tat• sächlich zugrunde. Oder noch besser: Nell• nun wir an, morgen oder übermorgen oder in zwei Jahren drohten den zionistischen Plänen Gciahren wie die jetzt tendenziös gemeldeten, mul noch eine Reihe anderer. Ms ist ganz überflüssig, wenn der ״Israelit“ m •h ahwarten will, ob die ״Alliance“ ihre dunk•!ויי Generalversammlungs-Prophezeiungen• aus ihren Informationen geschöpft hat. Nichts ist billiger als hier den Piopheten zu spielen, bcsonders, wenn man dazu nicht legitimiert oder ga; gegnerisch interessiert ist. Lassen wir dahingemellt, ob die ״Alliance“ dieses Gcgenintercsse hm. Dass sie .aber nicht legitimiert ist, ist ausser iedi'in Zweifel. Sic hat im Orient eine betracht• 1ו1ייו>• Zahl von Schulen gegründet, französische, wie sie sich früher mit grossem Stolz von fran- ׳./׳fischen Sachverständigen bescheinigen liess, ■aHtunianisch-iüdisdte“, wie sie sie jetzt zubcum 1111 hat -- alles eins: Lin Stück Kulturarbeit, von nicht zu unterschätzendem Werte, wenn sic 5hcii an ein grosses Ganzes anlchnt, ephentär und von relativer Bedeutung, bestimmt von der Um• gebung und ihrer Kultur verschlungen zu wer• den, wenn sie nur Selbstzweck sind. Ist dieses Schuhverk aber mehr als Selbstzweck: Hat die ״Alliance“ je den Plan ins Auge gefasst, ein grosses wirtschaftliches und kulturelles Zentrum in Palästina zu schaffen, dem das Bildungswesen ״Der Zionismus ersfrebt lür da» indische Volk dl» bclianunR einer öffentlich-rechtlich Besicherten Heimstätte In Palästina." üasclcr Programm. öhs ttfiaW Alarm? — Nochmals ״KoalcreuzRcmctnsehaft der Alllaiicü". — Der Judo in der Biilmciikarlkatur. Von Moritz Rausnitz. — Sportliches aus Palästina. Von Dr. Elias A u e r b a c h und Ernst H c r r in a n n - Bc r I i n. — Das Judentum am Scheidewege. Von Rabbiner D r. Max Joseph, S t o l p i. Pom. (Fortsetzung.) Aus aller Welt — Palästina-Rundschau. — Rundschau der Presse. — Vom Zionismus. — Zionistische Bqworuih'. — Aus de» Gemeinden. — Vereins• ruiidschuii. — Literarische Rundschau. •— Knaben• alter. Von I) e r t r a m S t c r n. —• Biicherbcsprcchuagcu. — Elnuegungcno Bücher. — reullletoiu .,Kadiina!!". Erzählung von Sam. Gordin. Frei übersetzt von M. Pul ver mann (FortscuunK.) im Orient Stütze und Vcrmittlungsfaktor sein soll? Niemals. Was aber kann für sie gefährdet werden? Ihr Orient-Schulwerk wird durch unsere Palastina-Aspirationen gewiss nicht gefährdet, schlimmstenfalls wird sie ihrem Schulsystem noch etwas mehr ״Ottoinanie“ beimengen müssen. Mit solchen Instanzen also werden wir uns wegen bestehender oder drohender Gefahrdüng des Palästinawerks nicht erst auseinanderzusetzen haben. Hs sei denn, dass die zweite vom ״Israelit“ hcrangezogene Möglichkeit sich als Tatsache herausstellt: Dass das unkompetente und motivierte Prommciamento der Berliner ״Alliance“ direkt oder indirekt zur An- Stiftung von Verwirrungen benutzt wurde. Dann werden wir uns zu wehren wissen. Auseinanderzusetzen über den Nutzen oder die Gefährlichkeit unserer zionistischen Methoden haben wir uns ־— auf jüdischer Seite — nur mit denen, die ein Grosses für Palästina wollen, ein Volkswcrk, einen nationalen Zukunftsbau. Mit den Chowewei Zion etwa, in einem gewissen Sinne mit dem grossen Förderer palästinischer Kolonisation, dem Baron Rothschild und seinen Mandanten. Ihnen und allen, die Aehnüchcs wollen, können wir nur wiederholt sagen: Wir sind tief überzeugt, dass unsere Methoden dem palästinischen Heimstätten plane keinen Schaden bringen und bringen werden, dass sic vielmehr die einzigen realen, loyalen und gesunden sind, die sich das jüdische Volk nach langem mühevollem Arbeiten und sorgenvollem Probieren und lirwügeit als Richtschnur für sein Handeln erkoren hat. Aber — man verwechsle nicht eines mit dem andern! — wir wissen, dass in unserem Werke, das getan werden muss, Elemente enthalten sind, die dieses Werk zu einem trotz der realpolitiscliesten Methoden von mancherlei Schwierigkeiten und Gefährdungen bedrohten gestalten. Niemals, auch nicht zur Zeit des radikalsten •Charter-Zionismus, hat matt diese Schwicrigkeiten übersehen, wenngleich man vielleicht da oder dort ihr Gewicht und Ausmass unterschätzte. Die Entwicklung des Zionismus allein, das Nahe-Herangehen an die unmittelbare Wirk• lichkeit, wie cs die Aufnahme der praktischen Palästinaarbeit bedingte, hat ihn die Schwierigkeiten seiner Aufgabe, aber auch die Möglichkeifen ihrer Ueberwindung erkennen lassen — und es bedurfte nicht antinationaler oder territorialistisch-tendcnziöser Uebertrcibungen dieser Schwierigkeiten, um den Zionismus zu gewissenhafter Prüfung zu veranlassen. Wir wissen, dass das nationale und kon• fcssionelle Element, das in unserem Plane ent• hallen ist, Reibungsflächen bietet. Wir wissen, dass das durch Antizedentien genährte Misstrauen der Türkei gegen Siedelungen Andersgläubiger auch in unserem Falle zu überwinden sein wird. Wir. können es auch nicht übersehen, dass ökonomische und andere Beweggründe die arabische Bevölkerung Palästinas in Gegensatz zur jüdischen bringen können. Und mancliesaiidere noch, das tatsächlichen, vermeintliehen, persönlichen oder parteilichen Gründen entspringen kann. Es muss nicht sein, aber es kann sein: Jeden Tag ist cs möglich, dass es an einer dieser Rcibungsflächen überspringende Punkte gibt. Sollen wir so kindlich sein, ״Alarm“ zu blasen, wo eine vorausgesehene Schwierigkeit wirklich cintritt? Die Situation ist im allgcmeinen so, dass unsere Sache oifenbar jetzt in einflussreichen türkischen Sphären Sympathien hat. Die Lage der Dinge kann morgen — dank irgendwelchen Intriguen etwa — anders sein, um sich nach einiger Zeit wieder zu unseren Gunsten zu verändern. Wir haben für die Zeiten günstiger wie ungünstiger Stimmungen einen Weg, den wir nicht verlassen dürfen, den der Offenheit und Oeffeiillichkeit, die wir weder bei gutem Wind durch Verschleierung von Tatsachen, noch bei schlechtem, durch Hintertreppenpolitik ersetzen dürfen. Diese Offenheit und Oeffentlichkeit hat uns schon dazu veranlasst, uns den geänderten türkischen Verhältnissen anzupassen. Es ist vielleicht der grösste Verzieht, zu dem uns die Verschiebung des Kongresses auf den Dezember zwingt, dass wir noch nicht den türkischen Machtfaktoren den offiziellen Ausdruck unserer Anschauungen übermitteln konnten, die a u 111 e n t i s c h e l n t e r p r c t a t i o n unseres P r o g r a m m e s , die bei den Verständigen und Ehrlichen jeden Zweifel an unserer Loyalität, an unserem guten Willen, uns harmonisch als nützliches Glied in das moderne türkische Staatsgcbildc einzufügen, attsschliessen wird. Wir werden nicht erlahmen, durch Wort und vor allem durch Tat diesen Willen zu dokumentieren. Wir hoffen, dass die Leistungen von Juden und besonders von zionistischen Juden für das tür* kische Gemeinwohl erweisen werden, dass unsere nationalen Aspirationen anders sind als die anderer, nicht zersetzend, sondern das türkische Staatsganze stärkend und schützend. Und wir hoffen, dass auch die Auseinandersetzung mit den bereits in Palästina ansässigen nichtjüdischcn Elementen, der wir unsere besondere Aufmerk• snmkcit widmen müssen, sich in loyaler, friedlieber Weise zu beiderseitigem Nutzen gestalten wird, besonders wenn die Juden, wie man es bereits vorbereitet, aber immer mehr ausdeluieit muss, nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in kultureller Hinsicht den Arabern Nutzen bringen und auf diesem Wege Verständnis und Vertrauen für die jüdischen Pläne finden werden. Misstrauen gegen unser gutes Wollen, Missverstellen oder Unverständnis unserer Absichten können natürlich, wie bereits gesagt, zeitweise unsere Pläne durchkreuzen, unsere Bahn sperren. Das wird als Rccbnungsfaktor mit ins Kalkül gezogen* zum Hemmungsfaktor werden sie nicht werden. Dazu könnte sie nur das Versagen unserer Tatkraft machen.