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Jüdische Rundschau · 1909-06-11 · Heft 24 (11.6.1909) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 24 (11.6.1909)
Date
1909-06-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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f Seite 276. Finnland Noch im Jahre 1907 hat der filmische Senat.ein Projekt ausgcnrbcitet, wonach die in l׳־inula»U gebureneii oder daselbst seit mindestens 10 Jahren wohnhaften Juden Gleichberechtigung erhalten sollen. Dieses Projekt hat der Senat dann an alle Stadt- und Uorfverwaltungcn Pinnlands zur Begutachtung geschickt. Nnmnchr sind alle Antworten darauf beim Senat angegangen, Einige Verwaltungen von Städten, in denen die schwedische Partei und die Alumnen die Mehrheit bilden, sprechen sich gegen eine baldige Gewährung der (jtelchbcrechtigmig an die ,luden aus, mit der Begründung, dass die PiunUuuler ökonomisch noch zu schwach seien, um mit den Juden auf wirtschaftiicltem Üebietc konkurrieren zu können. Ausserdem würde die rechtliche Gleichsteilum: der Juden in Finnland einen Massenzazug von Juden aus Kuss- Saud nach diesem Lande zur Füllte haben, was für die Finnländer nicht erwünscht wäre. Jene Vcr- Wallungen raten deshalb, den Juden den Aufenthalt in Finnland /war mclit zu verbieten, ihnen jedoch vorläufig keine rechtliche Gleichstellung auf dem Wege der Gesetzgebung zu gewähren. Die Selbst- Verwaltungen der Städte, in denen die Sozialisten die Mehrheit bilden, fordern dagegen die sofortige rechtliche Gleichstellung der Juden in Finnland. Der Scnnt neigt dazu, jeder Lokalvcrwuliung selbst die Bestimmung darüber zu überlassen, ob sie den Juden in ihrem Ort das Wohnrecht gcwähren will oder nicht. Galizien Der Verein ״Tikwath-Zion" plant die Errichtung eines grossen jüdischen Volkshauscs, das eine Synagoge, einen grossen Saal für Vcreinsversammlungen und Kamuc für ein jüdisches Theater umfassen soll. Ls sind bereits grössere Beträge für diesen Zweck gespendet worden. Portugal Aus Lissabon wird geschrieben: ״Die litcrarisehen und wissenschaftlichen. Kreise der portugicsisclien Hauptstadt beabsichtigen dem auch hier vielgelesenen und geschätzten Schriftsteller Max Norda 11 einen Empfang und eine Aufnahme zu bereiten, die in nichts hinter jener zurück*teilen soll, durch die kürzlich der Akademiker Anatolc France geehrt wurde, als er sieh von Lissabon nach Argentinien begab, nm dort eine Reihe von Konferenzen ab/.uhalten. Die meisten liberalen Zeitungen Lissabons, insbesondere die ״Novcdadts", bringen herzliche Begrlissiuigsnrtlkel, ln denen sic die glänzenden Qualltäten Nordaus in überaus sympathischer Weise würdigen. interessant ist, dass bei dieser Gelegenheit Max Nordan in'Portugal zum Teile auch als national zugehörig betrachtet und angeführt wird, dass seine Familie, ehe sic nach Ungarn auswanderte, in Portugal ansässig war und zu den angesehenen Familien a 11 j 11 d i schc n Ursprungs in Portugal gehörte." Türkei Achnicd Risa Bey beim Grossrabbincr Der ,.Welt" wud von ihrem Korrespondenten aus Kon stan t inopci geschrieben: Am Samstag, dem. 15. Mai, stattete der Präsident der türkischen Kammer dem Cliachambaschi eine offizielle Visite ab. Ein an sich geringfügiges, aber doch bezeichnendes Detail dieses Besuches ist, dass Achmed Risa den Vertreter der Juden vor dem ökumenischen und armenischen Patriarchen beehrte. Er blieb beim Grossrabbincr etwa drciviertel Stunde und unterhielt sich mit ihm Uber diu politischen Fragen der Gegenwart. Ganz spontan kam der Kammerpräsident wieder auf die jüdische Immigration;׳u sprechen. Er wiedcrholtc und verstärkte, was er schon vor vielen Wochen über dw.svn Gegenstand gc'äussert hatte. Er ist nach wie vor der Meinung, dass die Einwanderung der Juden in die Türkei geradezu eine Notwedigkcit Dir das Land ist. Seine Landsleute wünschten und wollten die Verstärkung des jüdischen Elementes im Reiche. Er spreche nicht nur von sich aus und 1111• verbindlich, sondern die tiirklscho Regierung denke so wie er. Slo werde mich der Immlgruilon der .luden alte mögliche Erleichterung zuteil werden lassen. So werde Vorsorge getroffen werden, dass die cinwar,- dcriiden russischen, rumänischen oder galizlselien .luden zum sofortigen Erwerb der ottomuiilschen Staatsangehörigkeit gelangen könnten. Als Elnwaiidcrungsgcbict stände ihnen der ganze Umfang des Reiches ohne Irgendeine einschränkende Ausnahme offen, Der Grossrabbincr nahm Gelegenheit, den Kammerprüsidenten darauf hlnzuwciscit, dass einstweilen wenigstens ein türkisches Gebiet existiere, das der jüdischen Einwanderung Schwierigkeiten bereite. Das sei Palästina, wo der Jude keinen freien Eintritt habe. Bei der Landung in Jaffa nehme man ihm den Pass ab und gebe ihm den berüchtigten JUEDISCHE RUNDSCHAU roten Zettel, der seinen Aufenthalt in diesem l-a״J«j beschränke und Um allen andern I ״׳wohne .1 unI Besuchern Palästinas gegenüber als Menschen z\suteil Grades erscheinen lasse. Die Konstitution m t Verkündung der Glelchheitsrechte und der l re Zügigkeit sei zwar ciugetülirt, aber der rote Zettet sei nichtsdestoweniger in Wirksamkeit gebleben. Ahmed Risa hörte erstaunt diese Bemerkung an. Er wusste von dem roten Zettel nichts und war über seine Beibehaltung durch die Lokaladministration sehr entrüstet. Er bat den Ctmcliambaschi. eine offizielle schriftliche Vorstellung wegen dieser Augelegenheit beim Ministerium des Innern zu erheben. Der Erfolg werde * sicherlich nicht auf sich warten lassen. Sollte das jedoch wider Erwarten der Fall sein, so bitte er, ihn darüber zn informieren, damit er, Achmed Risa, in der Sache intervenieren könne. Der Präsident fragte den Clmcliambascbi des weiteren, ob er semem früher geäusserten Ersuchen, den Vermittler zwischen der türkischen Regierung und den jüdischen Emigratioiisorganisationen zu machen, stattgegeben und Schritte zur Ausführung des Vorschlages unternommen habe. Herr Naluim erwiderte, dass er an die Organ!- sationcn bereits geschrieben habe, jedoch noch ohne Rückäusscruitg von ihnen sei. Er werde seine 13cmülumgeu nach Klüften fortsetzen und hoffe, dass sic von Eriolg sein werden. Der Besuch trug den Charakter äusserster Herzllehkoit. — — — Wie aus diesen Mitteilungen, die ich aus dem Munde des Cliachambaschi selbst habe, zur Evidenz hervorgeht, stehen wir in einer ernsten Situation, die noch niemals so günstig war wäe jetzt. Es handelt sich um einen festen Plan der türkischen Regierung, dem »•in ebenso kurz bestimmter einer organisierten Jiidenhcit antworten sollte. Wir sollten nicht auf uns warten lassen. Politische Faktoren, Strömungen und Ideen sind dem historischen Wandel unterworfen. Es gilt, die Konjunktur zu halten und zum Segen unseres unglücklichen Volkes zu banutzen. No. 2.|. ־^SPRtSCHSAAL«* Fur diesen Teil übernimmt dio Redaktion den Leiern KcienObcr keine Vcrantworiun». Auf die Berichtigungen zu meinem Sprcchsaalartikel in No. 20 dieser Zeitung, erkläre ich —■ einem Wunsche der Redaktion• mich zu beschränken, in weitestgehendem Masse nachkomincnd dass Ich alles, was ich gesagt habe, vollinhaltlich aufrecht halte. Frankfurt a. M., 7. Juni!009. Dr. r e tt c h t w a 11 g c r. ßLfleSTINA-'RUMDSCHAU Jüdische Akademiker für Palüslina Wir werden um die Aufnahme der folgenden Zuschrift ersucht: Sehr geehrte Redaktion! Eine Gruppe junger Leute, die vor dem Studium stehen, fragt bei mir an, auf welche Weise sic sich am besten für eine künftige Existenz In Palästina vorbereitet» könnten. Ähnliche Anfragen sind schon öfters an mich (mul gewiss auch an andere) gerichtet worden, und ich halte sic für wichtig genug, um eine eingehendere und bessere Beantwortung für nötig zu halten, als der Einzelne sie geben kann. — Dann könmc eine solche umfassendere Raterteilung ja nicht mir denen zugänglich gemacht w'crdcu, die gefragt haben, sondern auch allen denen, die wir für die gleiche Sache Interessieren möchten, d. h. die gesamte jüdische akadenüsebe Jagend. Um diese Anregung praktisch durchzuführca, schlage Ich vor. durch Vermittelung der Presse eine kleine Enquete zu veranstalten, deren Resultate in Druck gelegt und unter der gesamten studierenden jüdischen Jugend verbreitet werden sollten. —• Jüdische Betätigung in Palästina ist ja längst nicht mehr eine kleine Emzclbestrcbung, sondern wird von Jahr zu Jahr.in höherem Mansse eine Sache der jüdischen Gesamtheit, und die zahlreichen jüdischen Organisationen, die — im Haupt- oder Nebenzweck — auf dem Gebiete der Wohltätigkeil, der Fürsorge, des Schulwesens und der Kolonlsatlon in Palästina tätig sind, haben sicherlich das grösste Interesse daran, der Palästina-Stimmung in jtUllscli-akademischcn Kreisen Vorschub zu leisten. Ich gebe Im nachstehenden meine Ansicht zu der Sache, die Ich gleichzeitig zur Diskussion stelle, und bin gern bereit, an weiteren Schritten In dieser Rieh• tung tätigen Anteil zu nehmen. Qross-Lichtcrfcldc-West. Davis Trictsch. Auf eine Anfrage in oben erwähnter l<icht״n, würde ich zunächst folgendes zu mit wort,•״ hl|>,J Die Betätigung jüdischer Akademiker in Pa|aMl ' kann sowohl eine private sein, wie auch ullt 4* Arbeit der jüdischen Organisationen in: Lande in y bindung stehen. Pie Organisationen können In einigen Fahu! |n. teresse daran haben. d׳.uch akademisch gebildete, »!״ Palästina-Sache ergebene Personen im Laude in' >׳c. cignctcr Weise vcrtrt'cn zu sein. Das ״Verv.;,V tun g st ach“ dieser Art setzt juristische um! ״;',;!ן* nal-ökonomischc. wenn möglich auch eingehende ,.indische" Studien oder wenigstens Vcrtrtntiicu I״)t dem jüdischen Lehen voraus. Grösser ist die ArbcitMudglieltkeit fur \fzt{ In eine! ganzen Reihe von städtischen und laaUhchcn Judcngcmcindcn des Bandes ist noch Platz jllf j(, Niederlassung jüdischer Ärzte (in grosseren /.ז!,ז.י^ auch Spezia I -Ar z tc — besonders Auvana1/1c. Chirurgen, Kinderärzte etc.), in dieser Bczicäunz (H das Wirklingsfeld gross mul auch die tn.acrieltc Seite der Sache ist nicht ungünstig. Das Lehrfach bietet bei der zimeü׳ ׳ Europäisicrung des.Landes und der steigend״!:׳. Wanderung verhältnismässig vielen AKademi!.. Betätigungsfeld. Höhere Schulen werden m.. mehr zu einer Notwendigkeit fi.r »las in letzt• zahlreicher cinwamlcrndc bürgerliche Elcme״ auch für guten Piivat-Unterricht ist ein stc: Bedarf vorhanden. In der Landwirtschaft fehlt es ei an gutgcschultcn Kräften. Hier ist aber em . speziellen Landesverhäitnissc /.״geschnittenes S ganz besonders wichtig. Wer dieses Fach ci .valii;, sollte, wenn möglich, im Orient selbst wcmc-te.is eine» Teil seiner Studien absolvieren, oder;*,!chj Hochschulen aufsucltcn, an denen die mediterrane Landwirtschaft besonders gepflegt wird. .\1׳;h hier gibt cs eine ganze Reihe von Spczialfaehcir.. du guten Erfolg versprechen. Die technischen Fächer gewinnen etwafalls an Bedeutung für das Land. Technisches St uiium, bei dem die Eigenart des Landes entsprechend!■״• rücksichtigt wurde, bietet Möglichkeiten der \1%׳telhing bei der Regierung, bei den Konzessions-ikscl!• schäften und bei den verschiedenen technische» und Fabrikations-Unternehmungen, die bei der jetzige׳? Entwickelung des Orients bald zahlreich .•luttrctcn dürften. — Ausserdem aber scheint auch das iiuäsclu Privatkapital anzuiangen. palästinensische l'i.urnchinnngen Interesse zuzuwenden und tuicli merm liegen Chancen Chemiker. ■ i Oll r imd r Zeit . und :cuJer .־rn’aU •; du ״!!um für den jüdischen Techniker ur.l im allgemeinen mochte ich noch raten. c.m diejenigen, die auf eine künftige Existenz in P..;..M1r.? hinarheiten, möglichst zeitig — etwa nach dein ersten oder zweiten Drittel ihrer Studien auf eine I e. tr.• reise, oder für eine Ar: ..praktisches Jahr" c.1 Palästina gehen, um ihren Studien eine nmglidut zweckdienliche Richtung geben zu können. •\b;r auch »ler, dem dies nicht möglich sein sollte, vitd Mittel und Wege finden, seine Ferien nutzlningcad zu gestalten. Nicht nur in Sndeiiropa ist für I..111J- Wirtschaft und Technik Palästinas m.meherki zu lernen, sondern mich in den Industrie- und Ii.u1»• iinlustrie-Bezirkcn selbst Mittel- und Osteuropas mal auch darin wird vielfach eine Forderung des palästinensischen Zweckes liegen, dass die j.mga Leute die Lcbcnsbtdiitgnngc» der jüdischen Ik' iike• iung der Länder kennen lernen, aus denen mcü die Auswanderung rekrutiert. Selbstverständlich ist. dass jeder sich M.uuii: und so weit als möglich über Landes- und Lebe«• Verhältnisse Palästinas informiert, dass bei spe/!eilen 1'ragen der Rat zuverlässiger Stellen eingebolt 1rJ. und »lass die im Orient so notwendigen S;>r.!ch• kenntmssc keineswegs vernachlässigt werden;:•aien. D. V. Der Handel Palästinas Im Jahre 1968 ־ Lieber die Juden Jaffas äußert sich »fer socbc.1 erscltieucnc Bericht des britischen Vizckonsiiis in i '11 für das Jahr 191)$: «Die Bevölkerung umfasst ungefähr 1501)0 .luden, die als die (Rissigste und arbelisainsie Klasse inbe/.ii* auf den Handel und die Landwirtschaft des l..m»lc* gilt, wie auch in der noch geriagcit Imhroric• Während der letzten zwei Jahr« halten die Jude׳! zwei iiciio Handwetkcrscltttlen In Jaffa errichtet, ht der einen werden die eingeborenen jungen Leute zu ciclmiicacn, Drechslern tm»j Werkmeistern ausgcbilJet. u 0 andere enthüll eine Zhiiiticrnianssehulc. Nach cc*!tilgender Lehrzeit verdienen die jungen Umsehen i »ren Lebensunterhalt in der Stadt selbst oder in Je« Kolonien.“ * Die palästinische Bevölkerung ist in der IR; »chahung ihres Bedarfs an Nahrungsmittel,!. Bau• •>«« 1 י!:} d,| :;

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