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Jüdische Rundschau · 1909-05-21 · Heft 21 (21.5.1909) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 21 (21.5.1909)
Date
1909-05-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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CI1. 9581. brrcelittundcn!•lentiag und Prouaia II —I Uhr mitiags. 1 a! * 2 « % « « j AS-LG6/^ yoeoDsan) Z6iTUSiQ Nummer 21 Berlin, den 21. Mal 1909 — 1. Slwan 5669 XIV. Jahrgang o raserner Es ««hl Tagungen die geringe Ergebnisse zu | liefern scheinen, und deren letzte Wirkungen sich dann *!och oft als weitreichender und wesentlicher erweisen, denn die Resultate der sogenannten frucht. baren Kongresse und Versammlungen. Ohne unter die Propheten zu gehen, mochten wir den XI. Deutsch- Israelitischen Gcmcindctag, der atu 16. und 17. Mal in Berlin ״hgehaltcn wurde, zu der crstcren Kategorie zähle!;. P..S faktische Ergebnis ist ein negatives -־ d.1n.i, r kann iiinn sich nicht gut einer Täuschung hinget cn. Der vnrgclcgtc Entwurf eines Gesetzes betrefiend die Verfassung der Jüdischen Religionsgcscüscli.iit in Preussen, liat hei einem so erheblichen Teil »kr Delegierten eine einschneidende Kritik cr: fahr,n. dass keine Regierung eine soleho Vorlage im Parlament langer halten könnte. Der Antrag Friedni.iiin-dlogati. dem alle Unzufriedenen ihre Stimme galna denn aus der Opposition a priori allein hatte er nicht 13א Stimmen erhalten können — brachte denn ui der Tat mit einer kleinen Majorität eines der Ifaiiptprinzipien des ganzen Gesetzentwurfes zu Fall. Obwohl in diesem Blatte der Entwurf aus vcr- Kid,denen Gründe» von Rechtsanwalt Dr. Kollens, 11 c r - Posen als für uns unannc hmbar heveivlmet wurde, möchten wir cs doch bedauerlich nennen, dass er gerade an einem uns wertvollen P rui/. n>. einer straffen Organisation zunächst der preiissis-.lieii Judenlicit, zum Scheitern gebracht wurde. Indessen gehen wir In der Annahme kaum fehl,!lass die recht gemischte Majorität, die sich für den Uirug Friediuauii zusamnienfand — trotz der Zeuünhsimiiiiimg lasst sieh ihre Zusammensetzung unschwer ,ihnen —, eben nur dadurch zustande kam, dass mau in sonst sehr verschieden gestimmten Kreiseu d i Delegierten ip diesem Antrag ein Mittel sali, um zunächst einmal diesem Entwurf die Spitze ah/iilireehcn. Nur aus diesem Grunde dürften konservative und liberale Rabbiner, liberale, zionistische »ml orthodoxe Delegierte für den Antrag gestimmt haben. Und noch mehr Delegierte als diejenigen, die ihre Stimme für den Antrag־ abgaben, dürften mit der Pn1t/;piellcn Meinung des Antragstellers cinvcrstanden gewesen sein, dass man dem Gcmcindctag *wuchst einmal die Qrundsützc h.'ittc zur Diskiissit.ii vorlegen sollen, die für ein solches Gesetz dann richtunggebend sein könnten. Der Gemeindetag hat denn auch in der Tat nur iilur einige prinzipielle Punkte dabattiert, trotz der etv .is gewaltsamen Ablehnung einer Generaldebatte, deren Notwendigkeit so sehr in der Natur der Sache!* dass eben alle Versuche, sic zu hindern, sich ids nutzlos erwiesen. Und die Prinzipien, die der Gcuiciiuletag zum Ausdruck brachte, werden doch dem nächsten Entwurf, den inan Ja ruhig ״dritte Lesung״ nennen mag, zugrunde liegen müssen, wenn ein allseitig befriedigendes oder nur überhaupt ein Resultat erreicht werden soll. Uns Zionisten gibt der Verlauf des Gcmchidctagcs noch eine beachtenswerte Lehre. Es kann nicht allzu schwer zu erreichen sein, dass unsere Ge- *ninuiigsgenosseii heim nficlistcn Gci'noindctagc eine M'lelic Anzahl von Stimmen in sich vereinigen, die sic *n einer ausschlaggebenden Partei macht. Bei ent- Mirechcndcr Anstrengung müssen wir cs erreichen können, dass wir — wie das Kräfteverhältnis einmal liegt — das Zünglein an der Wage bilden, dass wir stark genug sind, um dieser oder Jener Gruppe zur Majorität zu verhelfen. Wir sind von vornherein nicht gebunden und können uns Jeweils für das uns gut Erscheinende entscheiden. Gehen wir einig und geschlossen vor, so können wir auf die letzte Oestaltung der Dinge beim nächsten Gcmcindctag einen garnicht unwesentlichen Einfluss ausüben. Und cs erübrigt stell zu sagen, dass wir ihn zur Stärkung der Judenlicit und zur Festigung ihres Zusammengeliörigkcitsgcfühlcs verwenden werden. Für uns gibt cs ]a nicht die ״| ü d I & c h c Main- I i 111 c", die in der Vorkonferenz zum Gemcindetaß« erst besonders beseitigt werden musste. Wir kennen nur c i n Judentum und eine Judenlicit — und altes, was sic inniger zu vereinen und zu verknüpfen geeignet ist, was sic im besten Sinne solidarisch macht im Kampfe um ihr Dascinsrccht, das ist immer unser Programm und unsere nächste Aufgabe! Bericht über die Verhandlungen (O r i g i n a 11> c r i c 111 für die ..J. R.״> Vorkonferenz Am Sunnabeml, dem 15, Mai, abends א Uhr, fand im Sitzungssaalc des Verwaltungsgebäudes der jüdischen Gemeinde zu Berlin eine Vorkonfere 11z statt, an der etwa 160 Delegierte teilnahmcn. In dieser Konferenz wurde die spezielle Tagesordnung und der Modus des Vorgehens für die Beratung der folgenden Tage festgcstcllt. Dort wurde Iwschlosscn. eine Generaldebatte nicht stattfinden zu lassen, sondern erst die Spczlnlrcfcrato zu büren und einzeln zu diskutieren. Von Herrn Landrabbincr Dr. Ln eh-Emden wurde zur Sprache gebracht, dass im Hannoversche» eine Reihe von Misslielllgkcitcn sich dadurch ergehen haben, dass seitens einer führenden Persönlichkeit der Hannoverschen Gemeinde versucht sei. solche Mandate, die den Landrabhincrii übertragen worden wären resp. den von ilincii vorgcschlagcncn Persönlichkeiten, diesen Herren wieder abzunelimcn. Herr Rabbiner Dr. N e 11 m a r k - Duisburg rügte cs, dass der Wunsch ausgesprochen worden sei, es inüchtc» zum Gemeindetage Repräsentanten und Vorsteher, aber keine Rabbiner entsandt werden, Das enthielte eine unerhörte Nichtachtung' des Rabblncrstandcs. Dr. Adler- Frankfurt am Main regte an, man solle dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund ein grösscresPrestige schaffen, indem man die Öffentlichkeit mehr und besser darüber unterrichte, welche Aufgaben der Gemeindebund in die Hand genommen habe und was er leiste. Heute würden seine Lcistungen vielfach anderen grossen Jüdischen Verbänden zugcsch riehen. Rechtsanwalt Dr. Klee-Berlin machte dagegen geltend, dass er die Wichtigkeit dieser Frage nicht einsclic. Wenn nur wirklich etwas Gutes geschehe, so sei cs ziemlich gleich, wer a 111 Ende den Ruh m d a v 0 n t r a g e. Es gäbe aber in der Tat einen Weg, den D.I.G.B. populärer zu machen, nämlich, eine grössere Demokratisierung in seinen Arbeiten. Es müssten in den einzelnen Gemeiiulcn Versammlungen unter der Aegldc des P.J.O.H. angeregt werden, in denen die den Oemeimlelniml beschäftigenden Fragen diskutiert würden, Aneh seien viel weitere Kreise als der enge Zirkel der Gemeinde -Not ab ein zur Mitarlielt hcranzuzichcn. Auch die politische Presse, die öffentliche Meinung in Deutschland, sei viel eingehender als bisher zu informieren. Professor .Philippsohn•Berlin erklärte, dass die politische Presso trotz der ihr übersandten Excmplaro des Ge- I setzeiitwurfes nur ganz sporadisch davon Kenntnis genommen habe. M. A. Klausner- Berlin erklärte dies damit, dass eben der unglaubliche Zustand vorlicgc, dass dem Gesetz völlig die gedruckton Motive mangelten. Lägen sie bei, so hätte sicher eine Reihe von politischen Blättern davon Notiz genommen. Die Rüge des Herrn Klausner entfesselte einen starken Sturm, und die Herren Profcssor Philippsohn und Dlaschkc wandten sich scharf gegen ihn. Sodann wurde auf Anregung von Rabbiner Dr. Werner- München beschlossen, dass die süddeutschen und die den anderen Bundes- Staaten ungcliörcndcn Delegierten ebenso wio die preussisehen sich an den Verhandlungen beteiligen sollten, trotz des Umstandes, dass es sieh um einen preussisehen Gesetzentwurf handelt. — 1. Verhandlungslag Sitzung vom Sonntag, dem 16. Mal. Am Sonntag, dem 16. Mai, begann der Deutschisraelitische Gemeindebund in Anwesenheit von etwa .150 Delegierten aus allen Teilen Deutschlands seine XI. Tagung, auf deren Tagesordnung neben dem vom Vorsitzenden Professor Dr. Philippsohn zu erstattenden Geschäftsbericht als alleiniger Punkt der von einer genaschten Kommission des Deutsch-israelitischen Ociucindcbuudcs und des Vcrbandes der Deutschen Juden in zwei Lesungen festgestellten »Entwurf eines Gesetzes betreffend dlo Verfassung der Jüdischen Religionsgemeinschaft ln Preussen*• stand. Das Ergebnis dieser Beratung soll bei der .5. Lesung Verwendung finden, alsdann soll der endgültig festgestclltc Text der Regierung als Vorlage für ein Oesetz, betreffend die Verfassung der Jüdischen Religionsgemeinschaft überreicht werden. Uni ,-Gl Uhr eröffnet der Vorsitzende. Prof; Dr. Philippsolm die Sitzung, dankt den Erschienenen für das erwiesene Interesse und weist sie auf die grosse Bedeutung des Hauptpunktes der Tagesord• nuiig hin. Er spricht die Hoffnung aus, dass die Verhandlungen im Sinne der Brüderlichkeit geführt werden und ein praktisches Ergebnis zum Wolde der deutschen Judenlicit erzielt werden würde. Sodann wird der von der Vor Versammlung vorgcschlagcnc Vorstand gewählt. Es sind dies die Herren Sanitätsrat S t c r 11 - Berlin. Justizrat B l a u - Frankfurt a. M. und Kommerzienrat Hirsch- Halbcrstadt als Vorsitzende. Ferner die Herren Dr. Mendel und Dr. Salomon als Schriftführer. Als Beisitzer werden die Herren Landgerichtsrat Löwe und Justizrat Lilientha! gewählt. Hierauf übernimmt der 1. Vorsitzende des Gcmchidctagcs, Sanitätsrat Stern, den Vorsitz. Er widmet dem verstorbenen Leiter der letzten Tagung, Justizrat E. Lachmann, ehrende Worte der Erinnerung und bittet die Anwesenden, sich zum Gedächtnis des Verstorbenen von ihren Plätzen zu erheben. Darauf weist er mit eindringlichen Worten auf die historische Bedeutung des Hauptgcgciistandcs der Tagesordnung bin und bittet die Delegierten, die Verhandlungen in versöhnlichem Geiste zu führen. Für die Wnhlprüfimgskommixsion. die gemäss den Vorschlägen der Vorvcrsanunhmg gewählt wurde, erstattet Justizrat Makower Bericht. Die zahlreichen Einsprüche werden durch Beschluss der Ver- Sammlung unberücksichtigt gelassen, da hei früheren Waiden eine gewisse Präzedenz für unpünktliche Meldung der Delegierten geschaffen worden sei. Hierauf erstattet Prof. Dr. Philippsohn den Gescliäftsbcrlelit über dlo letzten vier Jahre, aus dem die ausserordentlich segensreiche Wirkung der Grganisation hervorgeht. Aus dem umfangreichen Tätigkeitsgebiet des Bundes seien die folgenden Agenden erwähnt: Das Institut für Erziehung geistig zurückgebliebener Kinder, In dem im nbgclaufcncn Jahre 23 Knaben . und 13 Müdchcn Aufnahme fanden. Das Gesamt-

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