Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1909)
- Date
- 1909-04-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Abonaomenta .j nie wOChtntllch •m Frei• [Ti ernchflntnde ״JUdUch« «iitdwMu•■ Kosten cet der ■.•edition und bei allen Post• toi«n vlertel|»hrllch US M, iTuerbaib Deutschlands und (V«terte«h*Unuarns 2.— M; m/Mitglieder jüdischer Verein• in Satnmelbeiuü durch den Verein I,- M. itriai JfidUchi Runduhia l.. ü. m. b. m.!«Hin KW. M. Zlnnarstr. 71. Ornhultsttunden: ג bis 7 Uhr süsser Sonnabend u. Sonntag. W•*• ALLG6M V_ס-יס־*־"!■::■Oi h V <on J u Anzoiaon kosten IQr die lüntsespalten• Petltiellt oder deren Raum 23 PtS’i Sttllen-Anf.cbote und Oesuche sowie vcrclnsmlt• tellungen u. ״Kleine Anielgerr nur 13 Pf*. 0 ס ס o o o o Manuskripte werden, wenn Porto heilte«, stets surück* gesandt. — Redaktionsschluss * Mittwoch mittags. Ridakllsn Jüdisch! Rundschau Ucriin-Charlottenburß, Blslbtrewttr. 4S. Ul. Ch. Mil, Sprechstunden Dienstag und Donnerstag 6—7 Uhr abends. a 2 mmm mmmj Z€!TUHO Nummer 18 Berlin, den 30. April i Der Fall Bloch j Drei Fragen an den prcusslsclien Krlegsmlnlslcr! ln «!t r allgemeinen Presse ist über den; j skaml.i’i'H'11!•”all, den wir in voriger Nnnuncr I an 11;«.•••r Stelle behandelt haben, ein «an/, ־ merhv!\liges Schweinen 7,11 beobachten. Das i 1 Urteil \>u1dc publiziert, und — finita lacmcdia!! | t kann mm aber für die unabhängige! * jjidi3v׳he Presse diese Sache nicht erledigt י sei», Iw deutschen Juden müssten die letzten j j Reste Mm Selbstachtung und Stolz verloren I 1 lialu ii. wenn dieser Prozess, der sogar in unscf j rer :11• :*kaudalen und still übergangenen Bc- 1' 1 ׳e.diui!! a n reichen neuesten Qesehichte ein | : Uiiil.nn bildet, vergessen werden sollte. Wir,; , die wir Kischincw und Homcl und das mühiiehc I j Hude dev lange geträumten süssen Emanzlpa- J tioiistr.iuiues mit erlebten, wir sind ja gegen so i manelus abgestumpft; unsere Nerven reu• | ן gieren 1:111־ noch auf die stärksten Reize. ז : Hier ist mm aber ein Fall, bei dem cs die ין j sträflichste Gewissenlosigkeit j I wäre.ihn vorühergeheii und ins Vergessen ge- ן | r.äeii zu lassen, ohne die deutschen Juden tu!d ihre binnenen Vertreter aufzurüttcln, ja wcnn's tun tut. anfziistachcln zu einem geharnischten Protest, den die massgebenden Herren nicht iil'erliureii körnten. Hier gilt, wenn irgendwo, die Agrarier-Parole: Schreien, schreien > ן und wieder schreien! Bis den Herren j die Ohren gellen!- I ן Die mm vorliegenden ausführlichen Vor- ן I Imndliingsbcriehic in der Sache gegen den , : Rittmeister Grafen von Gersj j dorfi. der beschuldigt war, den Einjährigen :! lJI0c!1 in Mülhausen i. E. durch fortgesetzte : | ו1ח■raüsjic Misshandlungen zum Selbst- ,! mor(1 getrieben zu haben, und der daun zu ן zw ei Tagen Stubenarrest verurteilt I! "urtK, haben nämlich eine ganze Reihe — ',age־! v ir einmal — interessanter Momente zu i Inge gefördert. Über die sich der Chef des ־ I'rie.111'׳iuisteri11ms wohl oder Übel wird äussern müssen — will er nicht Vorwürfe auf sich 1 ״l|d vincm Ressort sitzen lassen, die ein; « 1>ru!ssi,j1cr Kriegsminister in anderen Fällen ' 1‘iclit hiaiieluncn würde, ׳; Wir greifen nur einige besonders cliarak-;! briM h!ic Vorkommnisse heraus: Sämtliche י b11 ״ as t u ngsz c 11 gc 11 wurden in aller Aiisfiihrlielikcit vernommen und als vollauf j glaubwürdig angesehen. Sogar eine Frau : Wachtmeister, deren Mann von Bloch; ^cschcnkc etc. erhalten haben sollte, durfte j S‘U* darüber äussern, dass Bloch ganz״ u n ־ 1 J Militärisch und ungebildet gewesen i sv; und sich manchmal sogar flegelhaft bc- I •minmen habe. Dabei haben auch die Bloch Mclit eben freundlich gesinnten übrigen Ent- I biMuligszcitgcn zugeben müssen, dass Bloch ein; sUir wohlerzogener Mann gewesen sei, der; •iei! stets liebenswürdig und besonders ausser- I 1*;tih des Dienstes immer sehr höflich gezeigt! halte. Eine ganze Anzahl Zeugen konnten nichts; "citcrcs Entlastendes für den gräflichen Ritt- 1 nidstcr atissagen, als dass Bloch koln besonders | Nichtiger Soldat gewesen sei — als ob das einen ן gebildeten und vornehmen Mann, für den man ..Der ZlonDniui cnucht für da! Illdltcli« Volk dl« Sclmlttmir einer Olfcn1llcl1*rccl1tllch Kcslctiortcn MelmitlU« In PalHittn•.“ D1»uler Programm. fiUS ttüiil J12״all Der Fall Htncli. Drei Fragen an den preusskehen Krlcßsiulnlstcr. — Petersburger Briet. Von unserem Spe/Ialkorrcspnudciitcu. •- UcUebrlefo aus Palästina. I. Von Pr. Rudolf L c s /. v 11 s k y. — Zur Cyreiinika-Frage. Von Paul W a I k. — ״Pharisäer S" Von Rabbiner Pr. P. mit Lew. — Fraucncrwerb ln Palästina. — Aus aller Welt (Deutschland, Russland. Frankreich. Tunis, (laliy.icn, Türkei, Amerika). — Ein Jüdischer Agrarlonds für Palästina (Schluss). — Rumlschuii der Presse. — Ans den Gemeinden. — Vereins• Rundschau. — Snreclisaal. — Feuilletons Sein Junge. Von Israel A 11c rbae 11 (Schluss). Sixtus der Fünfte. Von Dr. M. Du sc hak. — Literarische Rundschau: ״Ercz Israel*‘. Biiclicrbesprcchiinacn. Elngcgangctio Biichcr. einen preussisehen Rittmeister doch halten muss, rechtfertigen könnte, wenn er unter der schweren Anklage steht, einen Untergebenen durch fortgesetzte antisemitische und persönliche Gehässigkeiten in den Tod getrieben zu haben, Es soll Ja auch schon Ornfen und Fürsten gegeben haben, die recht herzlich schlechte Soldaten gewesen sind — ob der Herr Graf von Gersdorff einen Einjährigen dieser Art wohl ebenso oder nur annähernd ähnlich zu behandeln gewagt hätte? Ob er sogar einen bürgerlichen christlichen Einjährigen aus angesehener Familie mit so eindcutigen Redensarten zu traktieren unter* nommen hätte? Hatten die Entlastungszeugen ausserdem nichts atiszusagen, als dass sic alles Mögliche nicht gehört hätten, so wurden die Zeugen, die den gräflichen Angeklagten durch'lhrc Aussagen hätten belasten können, auf eine höchst eigenartige Weise unschädlich gemacht. Dem Leutna nt von Go rissen wurden, wie er mit anerkennenswertem■ Mute in der Verhandlung erklärte, dienstliche Vorhaltungen deswegen gemacht, well seine Aussagen für den Grafen bclastend seien! Er bekräftigte demgegenüber 'nochmals die Wahrheit seiner den Grafen von Gersdorff schwer belastenden Aussage, DcmLcutnantMüllcrhatdcrGraf befohlen, den Bloch ״schärfer z u behandeln". Derselbe Zeuge sagte auch aus. die Arreststrafe, die Bloch wegen seiner Weigerung, im Glied mit der Kolonne zu marschieren, bekam, könnte nicht der Grund ztun Selbstmorde gewesen sein, denn Bloch habe die Wafic nachweislich bereits am Vormittag gekauft, was dann auch von der Verkäuferln bestätigt wurde. Ein H a u p t b e I a s t u 11 g s z e 11 g c war der Gefreite Soistcr, der behauptete, Bloch sei in der ersten Zelt mit Lust und Liebe bei der Sache gewesen, er sei aber so gedrückt worden, dass ihm die Liebe zum Soldaten stand verging. Er sei wie ein Schuljunge behandelt worden und habe sich oft bei ihm darüber bcklagt. D1 c s c r Z c u g c, der auch auf Erinahnungen des Vorsitzenden bei seinen Bchauptungen verblieb, wurde für unglaubwttrdlg crkOürt und nicht vereinigt!! Um auch .den Leutnant von Gorjsscn als wenig zuverlässig erscheinen zu fassen, erzählte der Angeklagte, dieser Leutnant sei gerade am Tage der Vernehmung VA Stunden zu spät zum Dienst gekommen. Eine solche Dienstauffassung sei für ihn unerhört I Die ..Unglanbwiirdigkcit" des Gefreiten Soistcr und die ״unerhörte Dienstauffassung" des Leutnants von Gorisscn haben denn auch offenbar dem Gerichtshof genügt, um den Argu* menten der Frau Wachtmeister beizutreten und die Unschuld des Herrn Rittmeisters klar zu erkennen, so dass dieser nur wegen der Ausdrücke ״J u d c n 1 ü m m c l" oder ״Judenjunge", die absolut nicht weggeieugnet werden und ״unerwiesen" gemacht werden konn-, ten, zu zwei Tagen Stubenarrest verurteilt wurde. Der Vertreter der Anklage, Kriegsgerichtsrat Walther, war aber so un-. vorsichtig, den Inneren (irund des so überaus milden Urteils zu entschleiern. Er glaubte, den Grafen gegen den Vorwurf des Antisemitismus in Schutz nehmen zu müssen und entschuldigte dessen doch zu offenbar antisemitische Acusscrungen mit folgenden Worten: ״Doch wir brauchen es uns nicht zu verhehlen• dass nach unserer allgemeinen deutschen Auffassung die Jüdische Abstant-!!ding noch nie ein Vorzug gewesen ist." Es wird uns niemand sagen dürfen, wir legten unter statt aus. wenn wir in dieser Aeusserung es klipp und klar ausgesprochen finden, dass nach der Auffassung des Herrn Kriegsgerichtsrats Walther tin Jude eben ruhig etwas ״schärfer behandelt" werden darf. Und das ist ja auch die übliche Auffassung, Der Fall Bloch hat nur einmal besonders krass das Martyrium der J ü d i s e 11 e 11 Solda teil in der p r c u s s 1 sehe 11 ׳ A r tu co enthüllt. Eben deshalb darf er auch nicht verschwinden, ohne dass der Herr Kriegsminister gezwungen wird, sich zu den merkwürdigen Dingen und Anschauungen z.u äussern, die hier zutage getreten sind. Wir fragen: 1. Billigt cs der Herr Kriegsminister, dass ein Offizier, der sich nicht für zu schlecht hält, an t i sc m i t i s c h0 Redensarten der (lasse seinem jüdischen Untergebenen z1!7.u• rufen, mit z.wci Tagen Stuhcuarccst bcstraft wird und weiter Mitglied des Offizierkorps bleibt? 2. Hält der Herr Kriegsminister cs für richtig und der deutschen Auffassung von Treue und Glauben, von Wahrheitsliebe und Maimcsmut entsprechend, dass einem Offizier, der belastende Aussagen gegen einen . angeklagten Offizier macht, dienstliche Vorhaltungen deswegen gemacht werden: dass ein Gefreiter, der belastende Aussagen macht, d c s h a 1 b f U r u n g I a 11 bwürdig erklärt und unvereidigt gelassen wird? 3. Teilt der Herr Kriegsminister die . ״allgemeine deutsche Aulfassung״, dass die Jüdische Abstammung ״noch nie ein Vorzug gewesen", d. h. also in der Armee ein Freibrief für gehässige Beschimpfungen und Verfolgungen Jüdischer Soldaten seitens antisemitisch gesinnter Vorgesetzter ist?'