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Jüdische Rundschau · 1909-04-16 · Heft 16 (16.4.1909) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 16 (16.4.1909)
Date
1909-04-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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״v/ ptmmmmmmmm mmmm, I Abonnomonta I 1! * 1 I I 1 * t * I I I V «at die wöchentlich am Prel• u>! erxchelnande ״jüdische Rundschau" Rosten bei der Expedition und bei allen Post• imtern vierteljährlich 1.23 M, •uuerhalb Deutschlands und Oesterreich •Ungarns 2.— Mt f(lr Mitglieder jüdischer vereine Im Sammclbcxug durch den Verein I,— M. Viril! Jüdisch! Rundschau II. 0. in. b. II. ierlln SW. 68, Zlmmerstr, 77. aesehaitsstunden! 3 bis 7 Uhr ausser Sonnabend u. Sonntag. I I I I s I I I I I » I I .J r e l I I I I 6 t I f I I «s Anzoigon Rosten IQr die fUnfgctpaUene i'ctlucllt oder deren Raum 25 Plß.j Stellen-Angebote und Qesuche sowie verelnsmlt• teilungen u. ״Kleine Ansclgcn'‘ nur 19 PIß. 0 0 0 0 0 0 0 ManusRrlpte werden, wenn Port« belliect, stets zurück• gesandt. - Redaktionsschluss Mittwoch mittags. Redaktion JUdlschi Rundschau Ilcrlln-Cimrloticnhur»׳, Blslblreu'Str. 46. Tel. Olt. M4I. Sprechstunden Dienstag und Donnerstag 6—7 Unr abends. % נ Z6STU^3ö Nummer 16 Berlin, den 16. April 1909 — 25. Nissan 5669 XIV. Jahrgang Ruhig Blut! Aus Konstantinopel kommen böse NacR• ric!: .!». —־ Revolte mul Reaktion, Ermordung von Ministern und Offizieren, Strasscnkämpfc, ,M.üüiilierrsciiaft, Sturz des Kabinetts, der Sulti.n 1!i Gefahr! Inzwischen kommen neue Berichte: auch die u e u e n!Machthaber sind Männer der Frei- In.: und des Fortschritts, die vermeintlichen <1 .;ssenkämpfe waren Freitdcnsehlisse, die 17 11 ׳..!׳ und einigen Verwundeten sind znm Teil ()!na־ des Zufalls, in Konstantiiiopcl herrscht ni lmiiig, der Sultan ist nach wie vor Herr der Si.,1;ui״n und entschlossen, im Ociste der Konsti'.iiiioii und in Uebereinstimmtmg mit den S;!:.1111׳gen des Islam die Regierung zu führen. Was weiter kommen wird, weiss man nicht, u:ui viele bezweifeln auch die Richtigkeit der Isisiieiigen Meldungen unter Hinweis auf die scharf geliandliabtc Zensur.- Hines stellt fest. — Die Müclitc haben es i’.iJu /!!lassen wollen, dass die Türkei sieh friedlich verjüngt und erstarkt. Die einen gönnten den andern nicht die Vorteile, die die \ cisjiiebimg der Verhältnisse jenen gobracht hat!׳der bringen konnte, die anderen wollen im '! nibeii fischen und sind daher Feinde jeder Kl,innig, und fast alle sind an der S e!1 w ü c 11 e der Türkei interessiert, weil sic iK'ifui. bei einem Zerfall des Reiches irgendwie zu profitieren. Wir Juden haben keinen Anlass, uns der illegitimen Interessen irgend einer gegen die Türkei interessierten Macht zu freuen. Wir haben andererseits auch keinen Anlass, in den inneren Angelegenheiten der Türkei irgendwie Bartei zu nehmen. — Das türkische Reich ist sei! Jahrhunderten ein Asyliand für die in den Landern der Christenheit verfolgten Juden ge- \umi1. In diesem Lande allein sind wir der Sympathien der Regierung und der Bevölk'.nuig sicher, und das gilt nicht nur für die n ׳. n e Türkei und galt nicht nur für die a 11 c, sondern gilt und wird gelten für die Türkei, w i e s i e w a r, ist und s c im wird! Das lasst sieh angesichts der Tatsachen vom tür- Rischen Reiche sagen, wie von keinem anderen Lande der Wcltl Zudem: ״Jerusalem ist unverlcgbar!" M ir Zionisten haben uns auf Palüstina festgeiegt, und Palüstina ist türkisch und wird cs iioffent- 1L11 bleiben. Wir Zionisten sind also fest mit den lloffiumgcn auf ein Erstarken der Türkei vtiliiiiideii, deren Herrschaft Uber Palüstina für יחח günstiger ist als irgend welche sonstige, i'idenkliche Herrschaft. — Aber nicht nur wir Zionisten haben uns in desem Sinne fcstgelegt, sondern auch der viel grössere Kreis der Judenheit, der ohne der zionistischen Organ isat i 011 anzugehören, d 0 c h in Palüstina in irgendeinem neuzeitlichen Sinne ein Land jüdischer Möglichkeiten erblickt, ־— sei es, dass man hier Palüstina als ein Zufluciits- Luid; als ein geistiges Zentrum oder als oin Feld spezieller jüdischer Fürsorge betrachtet. Soweit ihr die Verhältnisse bekannt sind, erwidert die Judcnhcit aus tiefstem Herzen dio Sympathie und Hilfsbereitschaft, die ihres verfolgten Glieder stets in dtir Türkei gefunden ״Der Zionismus erstrebt IQr dis jüdische Volk die Schaffung clnor OHcntlldi.rechtlich geslchorlen Helmstltte In Piltstlnt." Baseler Programm, fitis über Intalt Ruhig Blutl — Oscar Marmorek, — Der Hllfiverein der Deutschen .luden, — Cvrenalca. — Die hebrülsclien Ktnüorsiirton In Palüstina, — ״,liidlsclio Gemetudcnolhlk.“ — Der Brie! des Uri«. — Der IV, Jlldlsclio Turntag In Berlin, — Religiosität und Judentum, — Ein indischer Ha• zar tu Mannheim. — ״Wall und Lamm.״ Von Julius Lüwy, — Aus alter Wett. — Palüstina- Rundschau. — Aus den Gemeinden,׳— Vereins- Rundsclimi. — Sprechsaal. — Feuilleton: Leo. Ein Strasscnblld. Von Ben Avlgdor. Deutsch von B'culanitn׳ Segel (Schluss). haben. Ausserdem aber steht die Judcnhcit in der ersten Reihe der Kämpfer für Freiheit und Fortschritt, und so ist uns die fortschrittliche Türkei doppelt teuer, die gleichzeitig einen flammenden Protest darstellt gegenüber dem läeiicrliehcn Dünkel der sogenannten curopüisclicn Kulturstaaten mit ihren Toleranzen und Allianzen. ln den Parteikümpfen innerhalb des tür;-׳ kiselien Reiches Steilung zu nehmen, haben zum mindesten wir Juden der anderen Länder keine Veranlassung, und keine Möglichkeit, Wir können die Dinge, die Parteien, die Personen, — die ganze türkische Frage — sielterliclt nicht besser beurteilen als die, die im Lande selbst keine bessere Klärung gefunden haben, als die durch den Kampf. Aber es scheint sicher, dass in allen Lagern der türkischen Patrioten Anschauungen herrschen, die unsere Sympathie verdienen, — die auf den Fortschritt und die Stärke des Reiches gerichtet sind. Bewahren wir also unsere Ruhe. Unsere Hoffnungen stellen und fallen nicht mit dem Erfolg oder Misserfolg irgend einer Partei; siic werden nur graduell beeinflusst von der Stärke oder der Schwäche des Reiches und wir sind nur an seiner Stärke interessiert. Als Juden Deutschlands sind wir in der angenehmen Lage konstatieren zu können, dass die deutsche Politik parallele Interessen hat. Eine sch w a e 11 c Türkei kann nicht — allem Anschein nach — unter die Einflusssphäre Deutschlands fallen. Also ist auch Deutschland nur au der Stärke der Türkei interessiert, Und da in den wirtschaftlichen Fragen, die für Deutschland allein in Betracht kommen, mehr und mehr die Bevölkerung 4er Türkei den Ausschlag gibt, so verbietet cs sich auch für die deutsche Politik, in den inneren Kümpfen der Türkei irgend welche bestimmte Haltung cinzunchmcn. Auch für Deutschland kommt cs auf eine starke— und weil so für moderne Unternehmungen zugänglicher — * auf eine fortschrittliche Türkei an. — Hiernach dürfte für Deutschland jetzt der Zeitpunkt gekommen sein,durch seine sympathische,! eder ־ fremden Einmischung oder Ausnutzung der Lage entgegentretende Politik, dem Fortschritt der Türkei, dem Weltfrieden und sich selbst die grössten Dienste zu leisten. Noch ein Wort über den Sultan und seine Stellungnahme zur jüdischen Frage. — Der Sultan hat — wie kein Fürst Europas — den Juden seines Landes und denen aus den Lüudem der Unterdrückung seine Sympatliia und Hilfsbereitschaft gezeigt. Darum: was auch die wandelbare Politik der anderen gelegentlich aus ihm machen will — die Judcnhcit hat alten (]rund, ihm dankbar zu sein und ihm Erfolg zu wünschen. [1Oscar Marmorek. | Der *1*011 räumt schnell auf unter den Männern, die einst Theodor Hcrzi zur Seite standen. Nach Kokcsch, Kahn, nun der temperamentvollste und begeistertste, Oscar Marnirock! Oscar Mormorck, den wir in blühender Gesundheit noch unlängst unter uns sollen, arbeitslustig, unermüdlich, kampfesfreudig, Vor der Zeit hat ihn das Schicksal uns entrissen. Und sein Fndc berührt uns doppelt schmerzlich, weil der grosse Sorgenloser ihm nicht sacht und milde genaht ist, weil er verdüsterten Geistes von uns ging, in den .Intimi seiner besten Kraft, da sich ein weites Sehaficnsfcld vor ihm ausbrcitctc. Aus einer icicli begabten Familie stammend, erwart) er sieb frühzeitig den Namen eines tüchtigen Architekten, br erbaute ״Venedig in Wien" und andere bekannte Ausstellungen und gehörte bald zu den in Wien allgemein bekannten Persönlichkeiten. Als Herzt auftrat, schloss er sich iluu mit Bcgcistcrung an. br gehörte bald zu unseres grossen Führers vertrauter Umgebung und fand Gelegenheit zu einer Tätigkeit grösseren Stils, als er ins bngcrc Aktionskomitc: cintrat. Auf Kongressen und Reisen sta־ er Herzt zur Seite, und als das Aktionskomit aic ßt Arisch-E.xpcditiou ausrtistctc, stellte sich der Dahiugcsciiicdcuc unter Ausscrachtlassung aller bcruflictien Interessen dem Unternehmen zur Verfiigung. Damals, in der Phase hochgespannter Erwortungen fiel ihm die Aufgabe zu, die Anlage der geplanten Ansicdlungen zu begutachten. Herzt, der grosse Erwartungen in Hm setzte, nannte ihn im Oespräch ״den genialen Stadterbauer". Nach Hcrzls frühem Ende trat er mit Kokcsch, Kalm und Krcmciictzky die Leitung der Bewegung an. Und auch nach der Wahl der Kölner Leitung war er, trat/, vieler Arbeit, stets bereit, für die Interessen der Bewegung zu wirken. So hat er noch vor kurzem im Interesse der Schaffung eines nationalen Baustils Pläne für den Bau des hchräischcu Qyinnasiiiins entworfen, An seinem Ornhc trauern nebst mehreren Ocscliwisteru, von denen •der älteste unser Alex Mnr* morck Ist, die Gattin, und die erst vor kurzem durch das frühe Bude Isidor Marmorcks so hart geprüfte Mutter. Mögen sic Trost finden in der warmen Anteilnahme aller Freunde, in deren Herzen das Andenken Oscar Marmorcks nicht erlöschen wird. Der Hilfsverein 1 ״••־־׳׳ ׳ der Deutschen^Juden Am 28, März fand in Berlin, wie bereits angekündigt, eine Sitzung des Zentralkomitees und Im Anschluss an diese die ordentlich« Mitglicder-Vcr-

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