Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 14-15 (2.4.1909)
- Date
- 1909-04-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2651273-2651605-2651620--06319-2663400- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
f־־-־־ ——• Abonnomonto 1 1 «•( die wöchentlich am pffl. I erscheinende ״Jüdische 1 Hun IkJuu" kosten bei der ' Etpedldon und bei allen Post. Imtern vierteljährlich 1,25 M. ausserhalb Deutschlands und Oesterreich •Ungarns i— m: für Mltßllcder |Ua1 scher Vereine Im Sammclbciuß durch den Verein 1,— M. *•Hai JBdlxch» Rumlutua , E. 0. m. b. H. i •aHla VH. Zlaiiaentr. 77. oeschllnatunden: 3 bis 7 Uhr * ausser Sonnabend u. Sonntag. V«»••• ••«*•• •»•<•• mmmj?.־ r j 0 l "■'J ° חrvח Px\ 111 x U n \ ח ס־:•־/ נ: / ח!, \ 1 f ’ Ü vr> J Ü^s> -7 J (\. J aosDnsst'ja »••••»•*•••••»•*•״ mmm\ Anzolgon kosten tOr d e tllnl!espal1ene l'etltzcllc oder deirn Kaum 25 Plg.; Stellen• Angebote und Oesuche sowie Verelnsmit• triiunr/n u. ״Kleine Anseljen• nur IS Pf!• 0 o o o o 0 a Manuskripte werden, wenn Porto bellivat, strts xurück• , gesandt. - Redaktionsschluss Mittwoch mittags. Redaktion Jüdlschs Rundschia Ueriln-Charloitenburs*. gliiblrsu-Str. 40. Tel. Cb. #411. Sprechstunden Dienstag und Donner•!•! #-י Uhr abenda. #•••••• 6 STUMö Nummer 14/15 Berlin, den 2. April 1909 —11. Nissan 5669 XIV. Jahrgang Umgehend wollen alle diejenigen Vereine und Abonnenten, die mit den Abonncinentsbcträgcn für das zwolto Qttnrial noch im Rückstände sind, die Betrüge an i'״vi Verlag Jüdische Rundschau, Berlin SW. 68. Zimmerstrassc 77, absenden, damit in der /.ustellung des Blattes keine unliebsame Unterbrechung cintritt. Die nächste Nummer erscheint erst am Freitag, dem 16. April. Mit Rücksicht darauf wird die heutige Nummer, ebenso wie die vorige, in »erstarktem Umfange ausgegeben! Der Auszug <ilossen von Dr. Emil Levy. I. ״Als Pharao das Volk cntlicss, führte cs ünti nicht den W c g d c s P11 i 1 i s t c r 1 a 11 d c s, der ikr nüchste war, denn Gott sprach: Es soll das Volk nicht kleinmütig werden ob des Krieges und nach Aegypten zurückkchren. Und Gott Hess das Volk einen Umweg machen in die Wiisie hinein-—, gerüstet aber zogen die Kinder Israels aus Aegypten." — Merkwürdig ist dieser Umweg der Almen. Gal» es in der Wüste nicht Feinde genug? tiiitge Schlangen, Hitze und Durst? Regten sich nicht int Hinterhalte <lic heimtückischen Am.ikkitcr, tim die Schwachen und Nachzügler ainV.iiiviben? Alles aber wollten die Väter in den Kam‘ nehmen, nur vor einem Schrecknis heltte hr Herz, vor den Philistern; cs ertönte die Lösung: Lieb'cr hinein in die S.I1rt.״knissc der Wiisie, als mit diesen geführ- LIkii Feinden zu tun zu haben. — o, mein geliebtes Volk! Wann endlich 'Him du erkennen, wer dein wahrer Feind ist aui dem Wege der Erlösung! — Du bist der Manu, der das Elend geschaut hat, und oft hast da dich gekrümmt unter seiner grimmigen Gtivsd. Und heute noch — Feinde ringsum, bei T.igc dörrt dich die Sonne, und Frost durchxliiittclt dich in der Nacht; giftige Schlangen 2'higtln empor am Wege, und unablüssig schlcu- 4fern die Kinder Amalcks die vergifteten Gc- *Hinsse, und cs sinken dahin — die Schwachen ״ad die Nachzügler. Al.er die Wüste stühlt dich, nicht Frost noch Eitze kann dir schaden. Wirkungslos bicibt «las tiift des Otterngezüchtes, und immer wie- «kr wird Amalck nicdcrgcrung'cn.-• Einen Foind nur gibt es, gegen den d« "ehrlos bist; er wohnt in deiner Mitte. Gott ^vlititzc dich, mein Volk, vor den Philistern. II. >as jiidjschc Volk ist erwacht und hat dem 1 seelischer Sklaverei Valet zugerufen, so «ich hier und da die Weidegründe sein len. Es wird nicht einmal den Philistern (cn, uns nach Aegypten zurückzutreiben, tückzug! Ein Wort, das tapferen Männern *cle aufpoitscht. Bedauernswert ist der ..Der Zlonltmua entrebt für du isidliehe Volk dl« Schaltung einer OHcntllch.rccbtllch geliehenen Helmitltte la PalaiUna.‘* Daitltr Program■. Bus ticra Intelt Der Auszug. Von Dr. Bini 1 Lew. — Rabbiner Dr. Jacob und dlo A.1.U. Von Dr. L. Weinborg. — Feiglinge. Von Fritz Abraham. — Adolf Bartels. — Ncudcutscbo Ehrlichkeit. — Bodenreform und Zionismus. — Natlonaltonds- Hagadah. Von Dr. Max Jungmann. Mit Illustrationen von Hermann Struck. — Aus aller Welt (Dcutsclilaiid, Russland. Finnland, Eng-!and, Österreich. Bulgarien. Türkei, Persien). — Vom ßczalcl. — Palästina-Rundschau. — Aus den Gemeinden: Reform der clsüsslschcn Kultus- Verfassung. — Vereins-Rundschau. — Feuilleton: Lea. Von Bett Avlador. (Fortsetzung.) — Vor Sonnenaufgang. Von Martin Bubcr. Beigabe: ״Literarische Rundschau" und .,Jung Israel". Sklave, dem niemals die Sonne des Glückes geleuchtet. Wer aber die Brust in Freiheit gebadet und den heiligen Schauer ihrer Göttlichkeit empfunden hat, und er will zurückkchren, um Ziegel zu streichen, der verdient cs, dass man ihn ergreift und im Sumpfe ersticken lässt Nein! Wir sind keine Sklaven. Wir nehmen alles in den Kauf: Wüsten, wilde Tiere und Amalck — aber nach Aegypten kehren wir nicht wieder. UI. Mit solchen Gedanken durchfuhr ich im bequcincn Falincoupc die Landschaft Gosen, die vielleicht so erinnerungsschwer ist, wie keine zweite auf Erden. Grünende Wciidcstncckcn, liier und da von Palmcngruppcn unterbrochen. Im Norden gelber.Wüstensand, in» Süden flache Hiigelzügc. — Und' die Phantasie beschwingt sich. Eine Völkerwanderung wälzt sich die Ebene entlang: zahllose Herden drängen brül- Icud vorwärts; auf Reittieren und wohlbcpackten Wagen hocken die Frauen und Kinder; gebräunte sehnige Männer rufen und schreien: Der Auszug der Hebräer.' Ein greller Lokomotivcnpfiff — die Phantasmagorie entschwindet. Wir nähern uns der Station Ismaiiia. Hinter Palmen blinkt der glitzernde Spiegel des Krokodilsccs; höher pocht das Herz. Bis hierher flutete Ini Altertum das Wasser des roten Meeres; hier brechen die Israeliten durch die Wogen, hier sang Miriam ihr Siegcslied.-In der Ferne, weit hinterwärts, leuchten rötlich-braun die Bcrgziigc des Sinai. IV. M'it tiincr scharfen Biegung wendet sich die Balm nordwärts und strebt am Rande des Suczkanals entlang nach Port Said. Dort wartet unser das Dampfschiff, und schon beim Morgengrauen des anderen Tages stehe Ich einsam auf dem Verdeck und sehe feuchten• Auges die Berge Judas aufdämmern. Sie hatten cs nicht so bequem, die Ahnen! Sie trugen sich zum Opfer für ihre Kinder, denenfrischer und lebendiger das Blut In den Adern rollte. Ein passiver Heldenmut, den wir anerkennen müssen! Wie oft hat man den Stab gebrochen über das Geschlecht der Wilstcnwandcrcr. Mit Unrecht, wie mir scheint. So gross ihre Fehler gewesen, ״Phi- Ustcr" waren sic nicht. Eine sühnende Kraft strömt von der Grösse aus, mit der sie trotz mancher Anfälle von Kleinmut ihr Schicksal zu tragen wissen. Der Zukunft Israels huldigend beugen sie der harten Notwendigkeit den Nacken und strecken sich auf dem gelben Wüstensande zum Sterben aus, Heroen der Geduld und der Selbstüberwindung. Nur aus einem sollchcn Gcschicchtc konnten Eroberer hcrvorgclicn. Rückhaltlos können wir in das Lob der Bibel einstimtnen: Gerüstet ״c h a in 11 s c h i m" zogen die Kinder Israel aus Aegypten. V. üb unsere Zeitgenossen den verachteten Wüstenwanderern ebenbürtig sind? Ich gflaube cs nicht. Wenn heute Moses und Altron ihre Wunder verdoppelten, die Meisten würden in Aegypten bleiben; vielleicht würden die Söhne Amrains von ihren Stammcsgcnosscti verraten und als lästige Ausländer über die Grenze gcschafft.- Zum Tröste der Philister sei cs gesagt: Unsere Vorfahren sind in der Tat nicht besser gewesen. F.i.'ic merkwürdige Uebcrlicfcrung, die der geschichtlichen Wahrheit nicht ganz entbehren mag, klingt durch die Blätter des Midrasch: Die meisten Hebräer hätten sicli Moses widersetzt, als die Erlösungsstunde schlug und nur ein kleiner Teil wäre dem Rufe des Führers gefolgt. Das Wort ״chamusch im" bedeute ״je einer von fütifen־־. Der fünfte Teil nur des israelitischen Volkes war zum Auszug bereit, vier Fünftel waren — Philister. Diese Tatsache mag uns wie unscrii Gcgncrii zum Tröste gereichen. VI. Wir aber wollen zu den c 11 a m tt s c h i in gehören, wir wollen doch wehrhafte Auslese des jüdischen Volkes sein, der unsterbliehe Wtirzclstock, der immer wieder aussclilägt, wenn der Baum gefällt wird. — Nur an den Widerständen entzünden sich die Talente. Gc- Hobt sei der Gott, der unserer Arbeit Hindernisse in den Weg legt und uns nicht führt den Weg des Philistcrlandcs! — Ein mächtiger KUppcuwall umgttrttt den Hafen und Sanddüncn sperren den Blick auf das Land. Hoch gehen die Wogen und auf und nieder schaukelt das Schiff; enttäuscht seufzt der Mitreisende und zögert, das ungastliche Gestade zu betreten. — Wir aber jauchzen der Heimat zu und springen in die Boote. Mögen branden die Wogen, dräuen die Klippen; cs führt ein sicherer Pfad durch die Fluten. Mächtig greifen schwielige Hände um die Ruder, knirschend stösst das Boot an den Strand. Wir stedgen die Anhöhe hinauf, und trunken schweift das Auge über Palmen und Orangengärten. Das gelobte Land liegt uns zu Füssen in paradiesischcr Schönheit י; '1 .'