Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1909)
- Date
- 1909-03-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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...1.־׳ ,׳ו ו No. n. JUEDISCHK RUNDSCHAU 1 Karl Kautsky, Der Ursprung des Christentums Eine Besprechung von Dr. M a x B c 8 s c r (Haanburs). (Fortsetzung.) . W.iIiii'ikI mm der moderne Kapitalismus einen IN-lterc.■׳►״. zu höherci» Piudiiklionsforiiien darstellt V.ir die 1 ii Undinge »ics rüiittschcii eine technisch ),icJnceiv. * וו./»י diente in Rom die Anhäufung von K,11'i1;1l 1'"1' z»r Befriedigung der Genusssucht, und hass der Proletarier schloss mir «1!*״ r.nr tiCr Kl.isnitliass der Proletarier schloss nur den Wunsch der Anteilnahme au den Genüssen der )1111(.'*«■ -־י...יייייי "יי - 'ivtitioovil Uvl Kciclten m s׳eh, uielit alter die Tendenz, ihnen die l»riHlnk*.H*nsn1ittcl zu entwinden. Diese Unterschiede jiml i'c! einer Parallele zwischen dem antiken und 1'11mU1!־n!> Proletariat wohl zu berücksichtigen. Hei den Reichen trat vielfach infolge inassloser Vcrsclt" cmhuitf Ekel vor dem I .eben, Todesselmsucht oder das Seimen nach einem neuen höheren Leben ein. I!. den ersten Jahrhunderten des römischen Kaittvu-iches. einer Zeit allgemeiner, gcsellseliaft- |jj׳er!1.11 moralischer Zerrüttung beschäftigte die!:iliik ia der l־'orm des Sucheos nach der OlllekselU- |c!t de י Individuums die Gemüter. Es traten Moralpraliecr auf, die die Lebensweisheit Epikurs oder den St 1׳0׳sn!us oder die Uusterbliehkeitslehrc Platos urkimdeteii. Iler Kaiser und auch andere erhielten de Hi/eichnung .,Erlöser". Unten dichtete häufig i! ieiiii leichtgläubigen Zeit die Sage eine göttliche llcrktirit an. Berichte von allerhand Wundern ernetvn »t.iiulig die Gemüter. In einer Zeit allgemeiner l.iigenk.dtigkcit scheute mau nicht vor den gröbsten!1tvr.no.i■•en Fälschungen zurück, um für die Berichte <11 \\ 1111Jcrh,1rcu Begehenliciten Autoritäten uuziiiiilimi. Pie Züge dieses Bildes, welches die Kaiser• n!t l’iitvt. spiegelt auch das Produkt Jener Zeit, das ChriMuaiiiti wider. Wenn trotzdem in dieser Epoche des Niederganges Ziige eines höheren sittlichen Kmpj.iiJeiis nicht fehlen, nämlich Wohltätigkeit gegen time. Humanität gegen Sklaven. Neigung zu internatMi.ilvin Empfinde», so ist die Erklärung dafür nicht ia der Yerbicitung des Christentums zu .suchen, sondem in der wirtschaftlichen Entwicklung 11er rümi* 'dien «iesellschaft. Damit ist auch das Eindringen :״rgvnlümlischer Kulte in Rom zu erklären. Infolge dr iinhistricllen Ucherlcgcnheit des Morgenlandes das Abendland kamen viele orlcntalisciic Kauf- »her ... ... ־.tute in die Mimische Metropole und verbreiteten dort 0111 ägyptischen Isis, und den persischen Mithrasknlt. Viele Sagen des Evangeliums, besonders die Oehurtsgoehichten Jesu halten in diesen Kulten Ihren Ursprung. Daneben existierte in der römischen Welt ein muu'r Monotheismus, der die alten Götter neben sich hcstchcn Hess. Die Anschauung von dein Gott, »Nr keine anderen Götter neben sich haben wollte, fand das Christentum im Jüdischen Monotheismus 'rr. Her dritte Abschnitt beschäftigt sich mit der Ocscliichic des Jüdischen Volkes. Wenn auch K. In seiner Parstellung. die die Geschicke eines Volkes nicht vi■n der Entwicklung bestimmter Ideen oder dem 'Villen eines Menschen, sondern von ökonomischen Eiktnrui abhängig selten will, Jeden Gedanken einer Auserwaliltheit Israels, einer besonderen Disposition der Juden zur Bildung höherer moralischer und rcliki'ocr Begriffe nhlelmt, so muss doch Jeder moderne hule es dankbar begrüssen, dass er diese Darstellung cliei! s1׳ frei von apologetischen, wie Judcnfelndlichen Tendenzen gehalten hat. Er will weder weisse Un- XelatUMammer schildern noch ein Volk von luvrtgc- *"Neuen Bü.sewiclitern. Bas alte Testament enthält eine Sammlung von Beitritten, die lange nach dem balfjMonisclicn Hxii ttiulergcsehriehcn sind. Da sic eine tendenziöse l't'l'crarlteitung׳ einer mündlichen Ucberlicferung Erstellen, lässt sich der Gang der Ereignisse nur schwer erkennen. Die Besitzergreifung Palästinas durch die nomadenhaft hcrumzicltendcn Hebräer ist eine Tcilcrschcimmg der semitischen Völkcrwandcning. | »je Eigenart Palästinas und die wirtschaftliche ».iitwieklmig seiner Bewohner wurden dadurch he- Jiivct. dass das Land ein Grenzgebiet zwisohen den "iitiliissspliüren zweier mächtigen Kulturrclchc, des üssvriscli-hahyloiiischcn und des ägyptischen bildete. '1ud dass es von wichtigen Haudclsstrasscn, z. B, der '״n Plidnizlcu nach Arabien durchzogen wurde. *Us der Zeit ihres Nomadcntums hchfcltcn die He• "rä«r die Viehzucht und die Neigung zum Waren- Lauclcl Itei; daneben hegannen sic Bodenkultur zu treiben, Eür die Entwicklung des Handwerks lagen d|e Verhältnisse nicht günstig, und ohne ein hochcnt* 'Hckcltts Luxushandwcrk konnte sich keine bildende Kunst entwickeln. Das wirkte auf Ihre Religion cm. « crlciclitcrto ihnen den Eortschrltt über den Poly* tlicismus, sobald sie mit dem philosophischen Monothelsmus in Verbindung traten, denn bei llmcu Butte die bildende Knust keine Ciöttergestalten gcscliaflen, die aus dem Empfinden des Volkes schwer zu verwischen wären. Dass die Israeliten sielt durch religiüse Anschauungen oder Gebräuche von den andern semitischen Völkern unterschieden hätten, dafür fehlt uns für die Zelt bis zum babylonischen Exil Jeder Anhaltspunkt. Es galt für das Land eine Epoche wirtschaftlichen mul politischen Hochstandes. Dem starken Hccreskönigstum Davids gelang cs, alle Stämme Israels zu vereinigen und die Handels- Strassen in Besitz zu nehmen. Aber schon unter den Nachfolgern Salomos wurde das aufbliihendc Land ein Spiclhall In den Händen der beiden grossen kriegerisehen Nationen, die auf dem Boden Palästinas ihre Kämpfe ausfochten. Der Süden geriet in immer grössere Abhängigkeit von Aegypten, der Norden von Assyrien. Diese Differenz führte auch zur Spaltung des Reiches. Die Unsicherheit der politischen Lage steigerte ungemein das nationale Empfinden der Is• rächten, und das kam auch im Hass gegen die frei!:• den Götter zum Ausdruck, nicht, well man au deren Existenz zweifelte, sondern gerade, weil man in Ihnen die wirksamsten Helfer der Feinde erblickte. Zur äusseren Bedrängnis gesellte sich noch innere sozinle Zersetzung. Auch in Palästina begann das Streben nach Latifuihlicnhiklung; darum zürnten die Propheten, die Volksfreundc, in gewaltigen Reden gegen diese Schwächung der nationalen Kraft wie ׳,׳egen die fremden Götter. Auf die Dauer konnte sich das kleine Reich der mächtigen Gegner nicht erwehren. Iler Zerstörung des Zclmstämincrciches durch die Assyrer folgt(, die Einnahme Jerusalems diireli die Bahvl׳tnk1׳•. Plc geringe bäuerliche Be* vülkening, die in Palästina zurllckhlleh, konnte nicht ein besomkres Gemein wesen bilden, nachdem der Sieger die gesamte städtische Bevölkerung in die Gefangenschaft geführt hatte. ״Das ganze nationale Lehen des Judemuins konzentrierte sieh hei den fortgeführten Städtern im Exil. Nicht erst, seit der Zer* Störung Jerusalems durch die Römer, sondern schon seit der Zerstörung Jerusalems durch Nchukndnczar beginnt die abnrrine Situation des Judentums, die es zu einer einzigartigen Erscheinung der Weltgoschichte macht." Im Exil musste das nationale Gefühl der Juden eine ungeheure Steigerung erfahren. Nach dem Wegfall der politlsclien Selbständigkeit bildete der natlonalc Kult das einzige Bindemittel der Volksgenossen und erlangte das Priestertum den Charakter einer staatlichen Behörde. Gleichzeitig aber übernahmen die Juden von den Babyloniern neben vielen Sagen eine höhere, geistigere Auflassung der Gottheit. An die Stelle der Verehrung des alten Stammgottcs Jahve trat ein ethischer Monotheismus. Nach der Rückkehr aus dem Exil blieb die Religion dns stärkste nationale Baud, aber aus der Verbindung der hohen philosophischen Abstraktion des einen nllgcgcnwärtigen Gottes mit dem primitiven nationalen Ectiscliismus ergaben sieh in der jüdischen Religion mancherlei Widersprüche, die ׳man dadurch zu lösen ver- Hiehte, dass man den Juden die Stelle eines von Gott ,׳mserwiihllcn Volkes zusehricb. Es beruht auf einer Täuschung, wenn Jüdische Denker diesen erst seit dem babylonischen Exil bestehenden religiösen Zustand nicht als Resultat einer historischen Eutwlck- Inug betrachten, sondern ihn in den Beginn der iädisehen Geschichte verlegen. Gleichzeitig mit dein Monotheismus entstand der nationale Mcssiasglnubc, der Glaube an einen mit göttlicher Kraft begabten Menschen, der Israels politische Blüte erneuern würde. (Schluss folgt.) Literarisches Preisausschreiben Der Vorstand des ״Vereins für JüdJscho Ocschleilte und Literatur" veröffentlicht das folgende Preisausschreiben: Der Unterzeichnete Vorstand des ״Vereins für Jüdische Geschichte und Literatur In Berlin" setzt •hierdurch einen Preis von Fünfhundert Mark aus für eine Erzählung aus dom Jüdischen Leben oder uus der Jlldlschon Geschichte, dio sich zum Abdruck im ״Jahrbuch für jüdische Ocschlchte und Literatur" eignet. Der Umfang darf nicht vier Druckbogen übersteigen. Ausserdem wird ein Preis von Dreihundert Mark für dio zweitbeste Erzählung gleichen Inhalts ausgesetzt. Die Manuskripte müssen bis zum IS, Juni d, Js״ und zwar anonym mit einem Motto und verßchlosscncm Kuvert an den Vorsitzenden des Vereins, Herrn Dr. Gustav Karpcles, W. Kur* fürstciistrassc 21/22, eingesaudt werden. Das Preisrichteramt haben übernommen die Herren Professor Dr. M, Pliillppsou, Redakteur Dr. J. Käst an uni! Rabbiner Dr. Emil J.cvy hier. Der Verein für indische Geschichte und Literatur erhält das Recht der Veröffentlichung beider Erzählungen im Jahrbuch, Das Verlagsrecht stellt dem Autor 7.\vei Jahre nach der Veröffentlichung zu. Das Resultat des Preisausschreibens wird seinerzeit öffentlich mitgeteilt werden. üor Vorstand des ״Vereins für Jüdische Geschichte und Literatur In Berlin." Voranzeige Die Gesellschaft zur Förderung' der Wissenschaft des Judentums teilt auf vielfache Anfragen mit. dass die .,Systematische Theologie auf geschichtlicher Grundlage" von Rektor Dr. K. Köhler- Cincinnati, sieh bereits im Druck befindet und voraussichtlich Ende April oder Anfang Mai d. Js. erscheinen wird. Eingegangene Bücher Stndungtn sind nur an die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau*, Charlutiinburft. Utelblreustr. sw, *u richten. Rücksendung kann nicht »taiilmden. Die mit * beeclchneten Werk• lind bereits xur Besprechung vergeben. * Der Golem. Eine Glicttolcgcnde in drei Aufzligcn von Arthur 11 o i i t s c h e r. Berlin. S. Eischer Verlag. 2 Mk., geh. 3 Mk, * Selhsterzleliung. Von Dr. Paul 1) 11 ho I s, Pr״• fessor au der Universität Bern. Verlag von A. Eraneke, Bern 1909, 3 Mk.. geh. 4 Mk. * Getaufte und Baldgctuuftc. Von Beda. Umsclilagszeiclimmg von Carl Joseph. 3. Auflage. Wien 190s. Verlag ..Jüdische Zeitung". Wien IX. Lichtcnstcinstr II. * Benjamin Kulm. Die Seele des Geschäfts. Schwank in einem Akt von Markus Bo llag. Zürich. Artistisches Institut Grell Eilssli. 1 Mk. * Neue Gedanken. Band 7. Psychologischer Verlag. Berlin W. 8. Geb. 5 Mk. * Briefe an den deutschen Kronprinzen. Von Eduard Gold heck. Berlin, Marquardt & Co., Vcrlagsanstalt ü. in. b. H. Mein Lebensbild, im Anschluss an 7 Almenhildcr, dargcstclit von Salomon C a I i 01» a r i. gen. Postier. Aus dem Hebräischen. Von Dr. Moritz Landsborg. Pan-Vcrlag. G. in. b. H.. Berlin. Die Werke Phllos von Alexandria. In deutscher Uebcrsctznng Iterausgegcheti von Prof. Dr. Leopold Colin. Breslau, Verlag M. -k H. Markus 1909. 6 Mark. Knabenalter. Roman von Hermann Blumenthal. Maruuardt & Comp.. Verlaganstalt G. m.b. fi. Berlin W. 50 Aus Israels Lchrhallcu. Von August W li!1 s c 11 c. 3. Band, erste Hälfte. Leipzig. Verlag von Eduard Pfeiffer 19119. Mitteilungen des Gcsamtarclilvs der deutschen Juden. Ilcrauszegebcn von Dr. Eugen Tä 11111 e r, 1. Jahrgang,?. Heft. Leipzig. Buchhnndlung Gustav Fock 1909. * Preußisches Gcwcrhestciicrgcsctz. L, Sclnvarz .& Co.. Verlagsbuchhandlung. Berlin S. 14. Kl Pf. Die kalte Wittib. Eine Strassburgcr Geschichte aus der Zeit des grossen Judcnbrenncns. Von Edward Sorg. Strassburg i. E״ Ed. Hcitz (Heitz & Mündel). 2 Mark. , ( ,Die Erneuerung des Judentums.’ Ein Aufruf von Moritz Lazarus (licrausgegcbcn von Nahida Lazarus). Verlag von .Georg־ Reimer. Berlin 1909 2 Mark. Natnrgemässcs Leben und Denken. Ein Buch der Hygiene von Dr. A. Gut 11 mann. Scliwabachcr Verlag. Stuttgart. 3.60 Mark. * Lord Chesterfields Briefe an seinen Sohn. Bearbeitet von Dr. Karl M u n d i n g. 20.—25. Tausend Scliwabachcr Verlag. Stuttgart. 3,60 Mk.. elcgi geh. 5 Mk. * Jüdische Frugcn. Sammlung von .Wissenschaftliehen Arbeiten. Verlag des Veröiris, zionistischer Hochsehülcr ״llicodor Hcrzl" In Wien VIII' Alse!■- Strasse 7. * Flowers Kol.cktlon. 1. Persönlicher Magnetlsmus 2. ־• Hypnotismus. 3. Gcdächtnisausbildung. 4. Gedankenkraft. Psychologischer Verlag, van Tuye Daniels, Berlin. .10»,*. ״•*Ina u«d *clno Geschichte. Sechs Volkstllnillclic Vorträge von Prof. Dr. H. Freiherr von So de 11. 2. verbesserte Auflage mit 2 Karten: einem Plan von Jerusalem und 6 Ansichten des heiligen Landes. Verlag von B. 0. Tcubner. Leipzig. (Aus ״Natur, und Qclsterwclt". 6 Bändchen.) nhl1^ Qf״ndzUge der israelitischen Religion•- Philosophie Von Prof. Dr. Fr. 0 losch recht. ^Auflage, Verlag von 0. B. Tcubn?r. Leipzig 190S. (Aus *Natur- und Gelstcswclt". 52. Bündchen.) Iti J