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Jüdische Rundschau · 1909-03-12 · Heft 11 (12.3.1909) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 11 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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s** n (r r Abonnomonto 1 V. *■1 die wöchentlich am Frei• ui erscheinende «Jüdische Dendscheu" Kosten Del der giuedltlon und bei allen Post- Imtern vierteljährlich 1.2S M, ausserhalb Deutschlands und Oesterreich Ungarns 2.— M; I0f ,1Mitglieder Jüdischer Vereine hn Samntclbesug durch den Verein I,— M. Varia■ lldluN Randtchaa K. 0. m. b. H. Itartie SW. M» 2i«a»ee1lr. 77. Oescbalmtunden! 3 bis 7 Uhr ausser Sonnabend u. Sonntag. % I I I 1 I I I « t I .J cn 1 s I I I I I e I I f I I I Anzolgon Kosten lür die lünfgessaliene Peiltrelle oder deren Raum 23 Plg.; Stellen.Angebote und Oesuche sowie verelnsmlt• tellungen u. «Kleine Ansclgcn“ nur lal’lg• 0 0 0 0 0 0 0 Manuskripte werden, wenn Porm bciliefit, stets surück• gesandt. - Redaktionsschluss Mittwoch mittags. Ritfakllga lüdluhi Runduhaa Ueriin-Charloitenhurg, Btalbtrau-Slr. 4t. Tsl. Ch.tM1. Sprechstunden Dienstag und Donnerstag 6—7 Uhr abends. I e e J ALLG€M€0 SKUfgDDSCH' Z6ITUMÖ Berlin, den 12. März 1909 — 19. ftdar 5669 Nummer 11 XIV. Jahrgang Judenschicksal 1 in irakisches Stück Geschichte erkben jjteo• •' artig die nissischcn Juden. Auf die dritu i ׳iima, die ״Herren-Duma", haben sie 01111111 ■1 mir geringe Hoffnungen gesetzt, kauten doch *!11' xw ci jüd’sche Abgeordnete in dieses siche; i .il reaktionär gesiebte Parlament hinvia. Aber da war ja noch die Partei der überc.i, ..Konstitutionellen Demokraten“, der soccn.i. :ui ..Kadetten". Die hatten nach berülmiich .'*1׳.'lern die Juden 1'iir sich gewonnen, und die Juden, liberalen Ideen stets zugänglich, vfroh, ihre Interessen bei e’ner niehtjüdisjicn liberalen Partei geborgen zu wissen!, Leider traf aber alles das ein, was nör- •«uikL Pessimisten stets vorausgesagt baten. |-1c Kadetten weigern sielt mehr und mehr, eine >pc/iellc j ii d i s c It e P rage anziierkeniieii mul ''«•Len all’c jiid'schen Dinge mir im Zusam- :uciili.uig mit den allgemeinen Problemen be- 11;a1de!n. Dass diese Taktik nie und nimmer zu u1׳c1:1 t־;!iolg fuhren kann, weil die anderen Parteien niemals eine solche Diirchsclimiiggehing der Jiulenfrage zulassen werden, das wollen die 1 ührer der Kadetten nicht einsehem Und ic der werden sie darin auch von gewissen jüdische 11 Kreisen unterstützt, obwohl diese doch aus der Geschichte der Juden in anderen Ländern gelernt haben sollten, dass;s den Juden stets nur von grösstem Nachteil war. wenn..sie sich auf Gnade und Ungnade einer nichtjtidisclieit Partei auslicfcrtcu. Es 11 a n d e 11 sic h hier 11 m das Schicksal von sechs Millionen luden, der Hälfte des jüdischen Volkes, und desjenigen Teiles, der einerseits in d־.r elendesten Lage sielt befindet, und der andrerseits infolge seiner kompakten Konzcntration n einem kleinen Laudcstcil am ehesten in der Lage wäre, eine zielbewusste jüd i s c 11 •י Politik zu treiben. Unter allen Umständen muss cs daher veriiiiidm werden, dass auch hier wieder die Juden lediglich als Vorspann einer — faktisch oder vorgeblich -• liberalen Partei benützt und dabei in ihren e'gcnsten Interessen aufs Schwerste wsJi idigt werden. Das ist aber unausbleiblich, wenn die russische K.-D.-Partci sich als alleinige liiiu rin und Vertreterin der Juden gerieren darf, die gleichwohl stets nur ־— schweigt, wenn die Interessen der Juden lautes Reden und Hain dein gebieterisch erfordern. Die Juden dCirfen sich nicht von den partol« taktischen K r wägungc 11 einer all- Kein eine n Partei abhängig machen. *'״um werden s!c verraten sein, gerade wenn ihre Lebensfragen auf dein Spiele stehen "irden! Gewiss, auch die Kadetten haben — ebenso wie die Liberalen in den anderen Ländern ־— nianebcs für die Juden getan. Aber das darf die Jude״ mm und nimmermehr hindern, selbst in die Arena zu treten, wenn cs nüt'g ist, und w viiu die liberale Partei ein Eingreifen als nicht in ihrem Interesse liegend erachtet. Wenn diese Partei nun noch — wie jüngst eben die« ״Kaduien״ in Russland — jede jüdische Initiative?״ liinwrtrciben oder totzuschweigen bemüht kt. dann haben alle Rücksichten zu fallen. ..Der Zlonltmui critrcbt fUr das |Udl»che Volk die SdmffunK einer Ollinlllcli.fecliillch m.clicrtcn MelmMSttc In PalAitina," Daieler Programm. ßus (52151 Inhalt .ludciischlcksnl. *־ Die Kadetten und dlo russbclio .ludenlrage. —* Rcdo des Abgeordneten Nisselowltsch. — Rflosevclt. Von Fritz AI) r a 11 a in. — Die Junge Türkei mul der Zionismus. Von Walter 1' Ischor. — Duron GUnzbnrg. — Dlo Juden und die üllentllclic Meinung In Deutschland. — Dlo Anslcilliuig von Juden In Mesopotamien. — Zionismus und Oclbaiimspcnde. — Industrielle oder agrarische Kolonisation ln Palästina? — Das he* brülseho Gymnasium In Jalta. (Mit Bild.) — Alliance hruelltc Universelle. — Zionistische Rewegmig: IV, Obcrsclilcsisclier Zionistentag: Jildi• scher Natioiuilfmids. — Aus den Gemeinden. — Verclus-Rundsclinii. — Feuilletons Lea. Von Ben Avigdor. (Ports.) -• Llterurlscho Rundschau: Karl KauUky, Die Entstehung des Clirlstontiuns. Von Dr Max Besser. — Literarisches Preis. uiisschrclbcn. Den per I. April 1909 neu lila/.iitreteiiden Abonucn• ten wird die ..Jüdische Rundschau" auf Wunsch hin dalilu gratis gcllclcrt. Von der Lösung der Judenfrage in Russland ist das zukünftige Schicksal der Juden in sehr vielen anderen Ländern, h esmiders a u c 11 in De 111.sc lila 11 d, nicht wenig abhängig. Und schon deshalb — wenn nicht aus jüdischem Allgcinciinitcressc! — heisst cs auch für die deutschen .111 dc 11 hier in gewissem Sinne: Vcstra res agimr! Es handelt sich aucli 11111 Eure Sache! Die Enttäiiseliimgen. die jetzt die russischen Juden erleben, sind Eure Enttäuschungen; ihre Fehler s'nd Eure Echter, die sie Euch nbgclernt haben, und ihr Missgeschick wird das E u r c s ei n I — # Unter diesem Gesichtspunkt veröffentlichen wir den folgenden uns aus Petersburg zugehenden Bericht über den neusten Streich, den d!c ״Kadetten** trotz aller schönen Versprcchungen den Juden gespielt haben. Die folgende Rede des jüdischen Abgeordneten Nisscfl0witsch, aus dessen Pcder wir Jüngst den hochinteressanten Bericht über den Stand der russischen Judcnfrngc publiziert haben, zeigt noch dcittileli-ii־, wie schwer der Kampf •Ist, den ein mutiger indischer Abgeordneter aufgenommen hat, und an dem eine ״liberale' Partei, die Kadetten, ihn dauernd zu hindern suchtl * Die Kadetten und die russische Judenfrage In der Abcndsit/.img der Reiclisduma von! 13. (20.) Februar hielten die Abgeordneten der Rechten Markow׳ und des Zentrums Scli 11 b111 skI an* lässlich der Debatte Über die Interpellation wegen Azew Reden gegen die Juden, auf die nur unser Abgeordneter N I s s c 10 w i t s c 11 antwortete. Die Kadetten hüllten sich w׳ic immer In Schweigen. Glauben $10 doch letzt auf ihren Lorbeeren ausruhcii zu dürfen, die Roditschcw vor einigen Wochen gepflückt!tat, als er In der Debatte für die Abschaffung der Todesstrafe eine •Lanze für die Juden brach. Nach Ihrer Uebcrzcugung (?) Ist der Moment nicht geeignet, die Judcnfrngc in der Duma zu behandeln, und sic haben sich mit Ihren Jüdischen ־ Wühlern nur dahin verständigt, Angriffe auf die Juden in. der Duma, abzuwehren. Solche Angriffe erfolgen aber tagt.'lglleh. Zu rurischkcwitscli. Markow und Genossen hat sich Jetzt der Oktobrist Scliublnski gesellt, der lang und breit ausfhlirtc, die Juden seien Jeder Ethik har. Sic seien alle die geistigen Erben des Verräters Judas. Azcw sei der Typus des Juden. Wold entrüsteten sich bei dieser Rede manche Kadetten, aber trotz des gegebenen Versprechens fand sich niemand, der Schubinski cntgcgengetrctcn wäre. So musste אissc 10w׳itsch, der sich in begreifliehcr Aufregung befand, allein auf alle Vcricumdüngen antworten. Der erste Teil seiner Rede gclang vorzüglich, dann aber tialim die Aufregung Oberhand, und sieh ständig den Schweis* aus dem Gesichte wischend, konnte er seine Rede nicht mehr so, wie er. ,wollte, vollenden, umsomehr als die Ousscrste Rechte furchtbar lärmte und ihn ständig unterbrach. Er bekam einen Ohnmacht!?, anfall, von dem er sieh noch heute nicht erholt hat. - PII r die Taktik der Kadetten ist bcsonders bezeichnend das Verhalten ihrer Zeitung ״R J e t s c 11". Sic brachte weder die Reden Markows und SelmbiusUs in extenso, noch die Antwort Nisselowitsehs. Warum? Da mit das jüdische I* 1111111; 111a nicht erfahren soll, dass die Herren Kadetten wie• d e r 11 in ihr Wort nicht hielt e 11 mul nicht für die Juden clngctrctcn sind. Traurig ist es, dass gewisse einflussreiche jüdische Kreise Petersburgs an diesem Verhalten der Kadetten keinen Antoss ncluncn. Noch trauriger, dass die hiesige Jargon- Zeitung ״Der Traind“, die vor kurzem ihre Redaktion gewechselt hat. statt das letzte Auftreten Nisselowilschs freudig zu begriissen, ihm seine Tätigkeit in unverantwortlicher Weise zu verbittern sucht. Als Beweis mag der Artikel ״Unsere Vertretung in der Duma" In N'o. 39 vom 16.(29.) Eebruar dienen. Durch sophistische Klügeleien sucht sic dort zu beweisen, dass Nissclowitscli auch in dieser Rede nichts mehr als der ständige ״Sclitadlcn" ist. Mag der Leser seihst über diö Richtigkeit dieser Behauptung urteilen! Wir wollen nur lilnzufilgcn. dass cs endlich Zeit ist. persönliche Eifersüchteleien zu begraben kind die Tätigkeit eines wirklich Jüdischen Abgeordneten zu unterstützen — statt seinem Ansehen zu schaden und ihm die Arbeit zu verleiden. Rede des Abgeordneten Nisselowllsch ln der Abendsltzimg der Duma am 13. (26.) Februar!909. Nisselo witsch: Meine Herren! Ich halte cs für meine Pflicht, auf die Reden der beiden lernen Redner zu antworten. Zunächst muss ich erklären, dass Ich cs nicht erwartet habe, dass der letzte Redner (Scliublnski' mich zu einer Antwort zwingen wird NV0I1I war Ich vorbereitet auf Ausfälle seitens der Reeliten, aber auf Ausfälle seitens des Vertreter* de* /entrinn*, des sogenannten k 0118111111 Io- Hollen Zentrums konnte Ich nicht rechnen. Stimmen: Wir Russen auch nicht. Krupenski: Endlich ist Russland erwacht. Rechts: Die russische Sache gchürt uns. — ulockc des Präsidenten. Nisselo witsch: Das Geschehene enthüllt mir aller die Fortschritte, die wir gerade von dem konstitutionellen Zentrum erwarten dürfen, oder richtiger gesagt, vom Zentrum, das sich konsütu* tioncll nennt. Man behauptet Jetzt, eine russische Revolution habe gar nicht existiert, cs sei nur eine jüdische Revolution gewesen. Rechts: Sehr richtig! א Js sc io witsch: Dieses Leitmotiv habe ich schon vor zwei Wochen aus dem Munde des Abgcordneten der Rechten Sc hu Igln gchürt. und ich muss gestehen, m. H., Als Ich dieso Worte Schulgins hörte, kam ich mir vor meinen Augen grösser vor . . (Unruhe rechts). Sie werden sofort erfahren, warum:

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