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Jüdische Rundschau · 1909-01-08 · Heft 2 (8.1.1909) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 2 (8.1.1909)
Date
1909-01-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I; V .ץ J|׳ Abonaomonti! I aul Ui« wöchentlich am Frei• I . fc a«1t ftfC^liaillAinlii IliJla . & » I # 1 I a a I I 9 K!au mclieiiiontfi• ״Jüdische Rundschau" Kosten bei 0er lixpcelUon und bei allen Post• ttmicrn vierteljährlich 1,2s M, ausserhalb Dcutichlands und OrMerreich• UiiKarn* 2,— m• für Mitglieder juduchcrvcrcine Im Sammclhviuu durch den Verein l, - M. Virta! Ulilsch» Ruaiithiu li. ü. m. b. H. Brrlln SW. M, Zlmmarilr. 77, Oesehttfissittndeii: נ bis 7 Uhr ausser Sonnabend u. Sonntag. » 1 t I I I » I I ■ I r J fifSi^Yß ״/ I I I * 1 I I f » I I % Anzeigen kosten lür die lUnlßesgaiicne Peilte eile oder ilcrcn Kaum 25 PIß.! Stellcn.Ane.chotc und Gesuche sowie Vcreinsmlttellungrn u. ״Kleine Aniclgen" nur 15 l'fg. o 0 o o o o o Manuskripte werden, wenn Porto helllegti stets zurück• gesandt. •- Kedaktlonssclouss Mittwoch mittags. Ridakllen JUdlich• Rundschau ttcrlui-Chnrioitciiburg, Blelblrau*Str. 49. Tel. Ch. Mit. Sprechstunden Dienstag und Donnen tag 6-7 Uhr abends. ו 1 I * « a 1 a l a l a 1 1 1 a J ALLG€M€8MI€ 3U€OiSCHe Z6ITUWC Nummer 2 Berlin, den 8. Januar 1909 — 15. Tebeth 5669 XIV. Jahrgang Die Entwicklung der jüdischen Intelligenz in der Ostmark Von Dr. Carl Kassel- Posen. Hs ist nicht leicht, Volkstcite'11 kultnrkritisoh K0recht zu werden, die so sehr unter staats• und Nvirtschaftspolitischcn Verhältnissen zu leiden haben wie das ostmürkisohe Judentum. Derselbe Faden, vielleicht in wechselnder Num- 111er, zieht sich durch seinen LeidensKanK. Man muss ihn in der Nähe kennen gelernt haben, um die Kriifte schützen zu lernen, die in den Juden des ehemaligen Köuigre’elis Polen sieh atisgebildet halien, um aber andrerseits auch mit erosscr Toleranz die üsthetischcn MüiikcI zu bcurteile.׳!, welche mich teilweise an den Nachkommen der ültestou deutschen KulturtrüKCr der (ircuzmark unliebsam!n die Augen fallen, Ich wage es, dieses hervorzulicben, weil d'c iisthetischc Beeinflussung der eigenartigen Zustände keineswegs konfessionelle Grenzen kennt. Vtehuehr fürbl au diesen )oder Hin/.eine ab, der lüugcrc Zeit unter ihrem Einflüsse lebt, so dass man rnh:g sagen und zugeben kann, dass cs einen ostmürkisehen Typus gibt. Die ״Herzogtümler" von ehedem, die ״Jakobi‘', haben durch den koloniisatorischen Zuzug eine grosse (iesollseliaft bekommen. Dabei ist aber ‘nicht zu leugnen, dass der kulturelle F.iufluss der grossen Umwelt nicht spurlos an ihnen vorllbergcgangen ist, Der jüdische Ostmärker als holt« Volkswirtschaftlichc Werteinheit bleibt trotz alledem und alledem bestehen. Die Kekcn und Kanten schleifen sich ah und als wirksamer Teil der Erziehung bleibt ihm sein Flciss, seine Intelligenz und seine Ausdauer lind Umsicht, die vielleicht noch mehr in die Erscheinung treten, wenn er seine Heimat verlassen hat, um auf fremdem Huden sieh e!ue neue Existenz zu gründen. Doch fast scheint es, dass auch diese Kraft unter den Wirkungen der Kümpfe stell abschwücheu muss, Zu dieser Befürchtung werde ich durch einen Hinblick in die Schulvcrhültn sse der Provinz gebracht. Um das Bild recht klar zu machen, soweit dies überhaupt möglich ist durch Wiedergabe »!)gegrenzter statistischer Aufstellungen, will ich im Zahlen bilde zunüchst die konfessionelle Scliulfrcquenz der Stadt Posen und dann erst diejenige der jüdischen Schulen in der Provinz darlcgcn, Hierbei gebietet aber der Raum w citcstgchcndc Beschränkung, Will man die Selmlirage der Stadt Posen richtig beurteilen, dann muss man sich allerdings über die Stoucrverhältnissc, *die Erwerbs- Statistik, die F.hcziffern u. v, a. tu. unterrichten, Da wir icdoch gerade ln der Ostmark die wirtseliaftliciic Entwickelung am deutlichsten «rkennen, wenn wir unser Augenmerk der Frage Proletariat und Mittelstand zuwenden, so möge hier ein kurzer Hinweis auf die wirtschaftliche Lage des jüdischen Proletariats genügen. Unsere Gemeinde zählt 1680 Zenslten unter 6761 Seelen. Diesen Zahlen gegenüber bietet ein erfreuliches Bild die Tatsache, dass Im Ganzen 60 Fälle von dauernder Unterstützung durch die Chcwra vorliegcn, von denen 33 auch der Siadtarmcnvcrwaltung unterstehen. Von diesen 33 sind zudem 14 erwerbsunfähige Sieche. Zu beachten ist ferner, dass von jenen Zensiten augenblicklich 259 ete Einkommen bis 1200 Mk., 853 ein solches von 1200 bis 4200 Mk.. und 568 von mehr ats 4200 Mk. versteuern. Die ־ ״Per 2lonl11m1* crwtrcht für don lUdUche Volk die Schaltuni einer flflentiklwechtllcIOiioikherton HelimthUc In PalUitTnft.״ B«««Hr Pf»gr»mm. Aus dem Inhalt Die EiitwIckluiiK dor lüdltscfien Intollluonz in der Ostmark, Von Dr. Curl K a s s c I - Posen. Die Judentrage In der Duma. Vom Duma-Ahgc* ordneten I.. N. N imcl״w 11scI»• Petersburg. —■ Achmed Rl»a Boy, Präsident des türkischen Pnrlumeiits. (Mit Portiüt.) — Du» Jahr 1908. Vciii H, Stein- Wicslifulcii. Vom Bozalol (Mit zwei IJIUIerii). ־־ Ein lUdlichcr Krteg»held, Aus aller Welt. Ans den Gemeinden. Wreins-kmulsckui etc. Zur Beachtung! Auf Wunsch einiger VercinsvorstUndc. die bei den Alltelledcni ihrer \ ereilte Subskriptionen auf die Kunstdruck■ Atiugnlio der .״!UdUcIton Rund• schau“ (vgl. die Notiz In No. I) sammeln wollen. Ist die Frist zur Subskription auf diese Ausgabe lilh /11m 211, Januar 19(19 verlängert worden. I'.lnc weitere Hinausschiebung Isr aller gänzlich misuesclilosseii! Verlag Jüdische Rundschau. breite Mus.se der Poscncr Juden können wir daher höchstens dem Mittelstände zureehnen. (Siehe die umstellende grosse Tabelle I.) Hierzu einige Bemerkungen: Die Abnahme der jüdischen Schülerzahl trifft hiernach alle Schulen. D'c Zunahme der Protestanten Ist eine durch die Massenvcr* Setzung der Beamten künstlich gezüchtete, findet also sicher bald ihre Grenzen, während di.׳ der Katholiken c:nc natürliche und daher unbcgrcnzt fortschreitende ist. Die Stärke der polnischen Reservearmee findet ihren Ausdruck in der Zahl der Volkssehiiler. Fast ausschliesslich auf Grund gewerblichen Fortschrittes ziehen die Polen i.1׳ die; Mittelschule ein, während das protestantisehc Material in d'eser sich vorwiegend ans Beanitcnfnmilicii rekrutiert. Trotz der fortschreitenden Abnahme der Juden sehen wir ein fast konstant hlcihe.'idcs Bild in dein durch das Verhältnis der Zahlschul•.* zur Volksschule dokumentierten Auf* schwmigc aus dem Proletariat zum Mittelstands• iiivcan. Hierbei kommt es garnicht darauf an, wie gross die Opfer sind, welche die einzelne Familie dem grösseren Aufwandc für die Schtilo auch über ihre Kraft bringt. Wert zu legen ist ausschliesslich auf die Tatsacl» des Strebens hinauf. Trotzdem gerade die Poscncr Volks- Schulbildung den wirtschaftlichen Ansprüchen bis tief hlnoln ln den Mittelstand genügt, reizt natürlich (ter!in der Mittelschule erweiterte Lehrplan auch das strebsame indische Proletariat selbst unter Opfern •in diese Bildungssphärc cinzudringen. Daher erklärt sich ebenfalls das zwar langsame aber deutliche Ansteigen der polnischen Skala in der Mittelschule und das für Kultur- Juden prächtige Verhältnis der Frequenz der jüdischen Schülerzahl in den Mittelschulen zu derjenigen In den Volksschulen. Ich bekenne mich zwar zu den Anhängern der Eteheitsschule; denn nur diese gibt eile sicherste Gewähr einer Erziehung zu gegenseitiger bürgerlicher Achtung der einzelnen sozialen Schichten. Solange wir diese aber nicht haben, muss cs zu. den Aufgaben Jüdischer Sozialhygiene gehören, die jüdischen Volksmasscn den höheren Bildungs- Stätten zuzuführen. Soweit ich die Fürsorgetätigkc:t unserer Organisationen kenne, kümmern sie sich nur in beschränktem Masse um diesen Tdl der Schulfragcn. Um so erfreulicher ist es, | aus der Statistik das selbständige Ringen nach höherer Bildung unter den minder bemittelten Juden zu sehen. Hs kann nicht genug hervorgehohen werden, dass dieser Teil des Znhlenb’ldcs eben wegen der Selbständigkeit unserer nach aufwärts sich ringenden ״Kleinen Juden“ ein einwandfreies Zeugnis für die gesunde Kraft der O.stmarkjudcn darbictet. Geht man im Sehulwesen die Stufe höher, zum nyinna.vum, so begegnet man neben den reichlichen Anstrcngungen der Eltern, ihre Kinder zu der in ihren ,tilgen höchsten Bildungsstufe zu führen, doch schon Elementen, die auf fremder Stütze das akademische Ziel erreichen. Doch auch diese (tchtiic ich als Zeichen der Intelligeuzkraft iiir uns in Anspruch, trotzdem sic garnicht so zahlreich sind, als vieltes annehmen; jedenfalls verschwinden sie hinter den nichtjüdischen Stipeu- Uienetupiüngern, die von der Sexta bis zur Pensiniiicrimg und ihrem Lchciisende auf dem Krückstock staatlicher und privater Unter- Stützung durch das Dasein wandeln. Aber auch jene wenigen Juden unterliegen nicht selten herber Kritik in jüdischen Kreisen: man züchte arme beute zu Akademikern und habe nicht selten an ihnen später wenig Freude. Vor allen» sollen sic neben anderen Mängeln es zuweilen mit der Taufe nicht sehr ernst nehmen. Hiergegen ein kurzes Wort: Ich erwähnte schon, dass die Zaltl dvr jüdischen künstlich (ieförderten überhaupt eine kleine ist. Und dementsprechend noch verschwindender die Zahl derer, die uns spater verleugnen oder die wir andrerseits aus sonstigen Gründen gern von uns abschiittehi möchten. Hier und da begegnet uns wohl ein krasser, uns kränkender Fall. In unserer empfindsamen Seele vergrössert sielt der Eindruck und auch wir sind dann nicht frei von der Neigung zu vcrallgcmeinem. Nur wenige erinnern steh ja gern an Wohltaten, denen sie ihre spätere Stellung verdanken und suchen, mit der Vergangenheit tabula rasa zu innelr.'ii. .lud wie Christ! Aber noch einen weiteren Schluss lässt jene Aufstellung zu. Vor einigen Jahren stand die Konfcssionsschule auf der Tagesordnung. Es gibt wenige Städte, *die die holte Prozentzahl jüdischer Seelen besitzen wie Posen. Dass der Staat nur vom Ueu'tseh-nationalcn Standpunkte aus für die Stadt Posen die Konfessionsschule abichnt, ist eine bekannte Tatsache. Dass wir Juden aber mit den vorliegenden Ziffern gute jüdische Schulwesen nicht unterhalten könnten, ist klar. Schon hieraus ergibt sich für ostmürkische Verhültnisse eine berechtigte Gegnerschaft gegenüber der Konfessionsschule. Diese Gegnerschaft vertrete Jclt übrigens grundsätzlich. Und wenden wir gar unseren Blick in die Provinz, wo die Ostmarkenpolitik ihre Wirkung unter den Juden sclton in vollstem Masse vollzogen hat. Fast wäre man versucht, denen zu folgen, die da sagen, man solle sich keine Millfc geben, Ute Judenfrage in den kleinen Städten anders zu lösen, als durch direkte Fürderung der jüdischen Auswanderung; denn das Bild Ist traurig. Ich kann mich jedoch aus Gründen, die ach anderwärts und auch an dieser Stello ausciuandcrgcsctzt habe, zu diesem Wege nicht bekehren. Nach der letzten amüchett Schulstatistik vom 20. Juni 1906 gibt es in unserer Provinz folgende jüdische Zwergschulen: j

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