Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr, 1 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite •» hrtrer ausidstcu. H« sind nicht nur seine hervor. jaHCiidiii Miininmlttel, Ule Herrn Oollahln einen ErioIr garantieren, sondern auch seine feine Vortragsart, die beweist, wie tief der Künstler empfindet was er vortrügt. J)as maische Volkslied wird schwerlich einen geeigneteren Vertreter linde« können als Uui. Es war nicht niclir erzählender Gesang, den mail zu hin cn bekam, Die Bilder belebten sielt, und vorübu״ z״Kcn die Armen aus dem östlichen Qlictto, in ihrem Elend, Ihrem harten Rlngten ums Duseln und Ihrer, iicli, so einfaelicii und durum desto herzlicheren Freude, die Hüten ein sorRcnfrelcr Tag bringt Herr Kapellmeister August Dül I-Halbcrstadt hat durch seine verständnisvolle Begleitung nicht wenig, zmn Oclingcn des Abends beigetragen. Köln a. RH. Welch grosser ׳Beliebtheit der .indische Turnverein zu Köln sielt ln den Kreisen der Jüdischen Gemeinde erfreut, zeigte sielt recht deutlich bei der Makkabäcr-Fclcr, die der Vor• ein am Samstag, dem 19. Dezember abends, im K»'״sscn Saale der Lcsc-Gcscllschaft stattfand. A11 die 00א Gäste waren erschienen und cs herrschte von Anfang bis Ende eine liarnioitlscho und fröhliche Stimmung. Der Vorsitzende konnte In seiner Er* offnunganspraclie mit nemigtuimg auf die Erfolge hin• weisen, die der Verein wiilircnd seines sechsjährigen Bestehens erlangt hat. Unter den Ollsten bcgrllsste er besonders die erschienenen Mitglieder des Vor- Mundes und des Rcprüscntantcn-Kollcgiuins der Synagogcugcincinde, die Herren Heilbronn, Simon A. Bier. M, Gottschnlk und Elnz. In deren Namen antwortete später Herr Bier, der seiner lebhaften Oeiiugtuung über das Gesehene Ausdruck gab und betonte, dass die Bestrebungen des Vereins Förde• ״mg in allen Kreisen der Gemeinde verdiente. Einen Hauptpunkt des Abends bildete die vollendete, he• «eisterimgsvolle Festrede des Herrn Rabbiner Dr. Hnnover, der mit seinen tiefempfundenen formschönen Ausführungen die Zuhörer tnüchtig ergriff und zu lebhaftem Helfall lilnriss. Von den turnerisehen Vorführungen, au denen sielt alle Riegen des Vereins beteiligten, erweckte besonderen Beifall der Keulenreigcii der Damcuahtellimg. der von mehr als .,n Damen nusgcfilhrt wurde. Als Vortragskllnstlcr war es dem Verein gelungen, Herrn Robert Koppe) zu gewinnen, den bekannten Sänger und Rezitator. Int ersten Telle seines Programms trug er jüdische Volkslieder mul eine Jüdische Humoreske vor, int zweiten Teile Kaharetgesüugc. Beide Male wurde der Künstler stürmisch gefeiert. Nach Schluss des Vortrags-Programms setzte dann der Fcstball ein. de: erst gegen 5 Uhr morgens sein Ende er- Frankfurt a, M. Am Montag, dem 21. Dezember, veranstaltete die Zionistische Ortsgruppe ihre Makkabüerfeler, welche einen tlhcr alles Erwarten vIüuzcikIcm Verlauf nahm. Unter dem Vorsitze des V« rstandsmitglledes Herrn A. Ecwlnsohu hatte sich ein Festkomitee gebildet, welches seine Aufgabe >־ttr allgemeinen Zufriedenheit löste. Sehlen es aulängs ein Wagnis, einen der grössten Stile der Stadt ihr diesen Abend zu mieten, so zeigte schon bald der tege Kartenverkauf, dass das Interesse für zionistische Veranstaltungen hier hu Wachsen begriffen Ist. Das gute Programm, welches rechtzeitig bekannt gemacht worden war, hat hierzu auch seinen Teil beigetragen. So waren denn am Abend sthntliche Billets unsverkauft, und etwa tausend Menschen füllten den Saal. Uiiler hat Herr York-Stcincr. welcher die Festrede halten wollte. 1*1 letzter Stunde wegen Erkrankung ahsagen müssen. Um so grösseren Dank schulden wir Herrn Dr. Hloede, welcher nn dessen Stelle ln liebenswürdigster Welse die Rede über• nahm. I« gewohnter formvollendeter Welse führte Dr. Hloede, anknilp׳cnd an Sclmltzlcr’8 .,Weg ins Freie“, aus, wie sich dieser Entwicklung־ zur jüdischen Freiheit heute einerseits der ״.Iczcr Hurrab" (eine Abart des Je/.cr liorali), der sieb nn falscher Stelle .insscriufc Patriotismus der Juden (Siche die Vorgange ln Prag). andererseits Ihr durch das lange Gohislcbcn ausgcMIdeter Sinn, statt klaren Begriffen lieber verschwommene und verworrene zu wühlen, mit Macht entgegenstemme. Da tröste und erhebe der Aufblick zu einer stolzen Vergangenheit, zu den Tagen der Mnkkabüor, die In bedrängter Zelt don alten Ruf, den auch wir Zlonlston erheben. In die Tat umgesetzt haben, nilmlich; ״P fl r Jüdische Menschen ein indisches Land." Bcgeis־crter Beifall begleitete die Worte des Redners. — Der Rede voran ging ein Prüludium für Harmonium über die. Melodie ״Moaiis zur“ und ein Chorgesang des NeumannscUcn gemischter Chores, während nach Schluss der Rede auf dem Harmonium die Weisen der ״Hatikwnh" erklangen. Grossen Eindruck machte stdunn die Rezitation einer Zionido Jehuda Halcvrs, hei welcher Gelegenheit wir in Prüulcln Clara Lewis oh n eine vielversprechende Künstlerin kennen lernten. Herr und Frau Q 0 n t n c r von der hiesigen Oper trugen sodann Soll und Duette vor, und von Fräulein F e I n m a n n aus Genf hörten wir am Klavier Llszt’s Tarantella und Lwcandowsky’s Hebräische Welsen. In der nunmehr folgenden Pause wufden von Jungen Damen reichlich Tombolaloso verkeuft, während gleichzeitig ein rcicblialUgcs Buffet für dio Gäste zur Verfügung stand, Der zwclto Teil brachte eine Aufführung einiger packender Szenen uus dem zweiten Akt von N o s 81 g g Drama Aliarbanell, wozu der Verfasser bereitwilligst seine Zu־ Stimmung gegeben hatte. Die Herren Satlt Rosen- 11 c I m 0 r, Kurz und Edwin Frank sowie Fräulein Lewisohn ,!rächten dlo Szenen zu lebendiger Darstellung. Es war Mitternacht vorbei, als mit einem Sclihisschor die Feier harmonisch ausklang. Als Erfolg' des Abends sind eine Reihe Beitrittserkhlrungcn und ein bctrflchtllcher Reinertrag zu vorzeichnen. Nicht minder wichtig Ist uns aber der moralische Gewinn, und tatsächlich bildet unsere schöne Feier noch heute hier den allgemeinen Oe• sprüchsstoff. Truufenau (Böhmen), Sonntag, den 20, Dezemher, feierte der'Zionistische Volksvcrein Theodor H 0 r z I in Trnutcnnu zum ersten Male während seines Bestehens das Makkabtlcrfcst. Ein zahlreiches Publikum aus Trautenau und der weiteren Umgehung hatte sielt elngcfundcii, um dieses tmiln• nute Erimicruiigsfcst zum ersten Male mitzufclcrn. ,Herr Dr, Hugo Rappaport bcgrllsste Im Namen des Vereins die Festgüstc, führte aus, welche gewultlgc Umwandlung 111 der Stellung des gesamten .liuleiisclmft In den letzten Jalirzelmtcn vor sich gegangen sei, seit vor ungefähr 50 Jahren Ule c rsten .luden sieh Im deutsch- Österreich!- s c 11 c 11 RI c s c n g c b I r g e niedergelassen haben, um mit dem deutschen Volke Zu leben und zu arbeiten — bis dann Jener Umschwung Im deutschen Volke kam, der in den stolzen und ungebrochenen ,luden das Wicdcrcrwachcu des eigenen Volkshcwusstseins zur Folge hatte. Frl, Hatmu Schwarz sprach In feinsinniger Wclso den ״Traum" von Boruchowltsch als Prolog, Herr Dr. F. ni 11 M a r g u 11 c s als Festredner hob in begeisternden Worten die Bej ilcutimg des Mukkahilcrfcstcs als Erinneriiiigsfeler an die Behauptung Jüdischer Eigenart gegenüber der nivellierenden Assiiuilatioiisllut pscudohellcnlschcr Freimlknltur hervor. Herr Friedrich Tausslg, Kapellmeister des königlich deutschen Landestheaters in!,rag, brachte mit virtuoser Technik den ״Waldznuhcr“ and ״Kinderreigen' von Saint-Satna und eigene Paraphrasen Jüdischer Volksmclodicn zum Vortrag. Das von den Herren Kapellmeister Taussig und Phil. Stein vorgeführte Metodramu ״Der arme .lüde" von Lenau vertiefte die Stimmung, der die von Herrn .IUC. Leo Herrmann, Prag, rezitierten Gedichte Jüdischer Autoren weiteren Ausdruck verliehen haben. Die vom Herrn Oskar Stein,!,rag, vortrefflich zum Vortrag gebrachten und mit grossem Beifall aiifgcnommencn satirischen Gedichte Bedas lilldeteit den heiteren Abschluss des ״Bunten Abends" and leiteten zmn Tanze über, der In ungclicmmtcr Freudigkeit das gelungene Fest bis, zum Morgengrauen ausdchntc. Durcli diese In Jeder Hinsicht wolilgeltmgcMc Feier hat der veranstaltende Verein wieder einen Schritt nach vorwärts getan und sich weitere Sympathien In der hiesigen .ludenschalt erworben, was aus den noch während des Festabends erfolgten zahlreichen Anmeldungen neuer Mitglieder liervorging. Buscl. Am Sonntag, dem 13. Dezember, fand die ordentliche Generalversammlung des ״Schomrc ׳llmra Jüugliiigsvcreiiis" statt. Herr Emil He5׳- 0: a 11 n, der Präsident des Vereins, erstattete den Jahresbericht und gab einen Überblick über die Tütig* keit des Vereins im verflossenen Jahre. Zur Zeit gehöre« dem Verein «31 Mitglieder au gegen 29 im Vorjahre. Der Kassenbericht, der von dem Kassierer Herrn Jakob Hack erstattet wurde, schllcsst mit einem Saldo von 12(» Fr. ub. Der Bibliothekar, Herr Emil F r e i I i e 11, referierte über die Vcrelnshlbliotlick. die über Hin Milcher enthält und von den Mitgliedern rege benutzt wird. Wilna (Russland.) Vor einigen Wochen hat sieh Wer eine JiUdUchc Gesellschaft zur Für/ sorge für Kinder" koi'stltulcrt. Dieser Verein will erstens sich der Kinder der Unbemittelten unnehmen, und sodann für Ule Entwickelung der Kittder ln physischer, moralischer und geistiger Hinsicht Sorge tragen. Zu diesem Zwecke finden In Jeder Woche eine bis zwei Vorlesungen über die Wartung und Erziehung der Kinder vor Erreichung' des schulpflichtigen Alters statt. Diese Vorlesungen werden In russischer Sprache gehalten und erfreuen sich eines zahlreichen Besuches. Für die breiteren Massen werden Vorlesungen Im Jüdischen Jargon geplant über spezifisch jüdische Kinderkrankheiten und in demselben Idiom Vorlesungen für Kinder. — Es ist sehr erfreulich, dass der Verein In den Kleinen auch Sinn und Interesse für die Vergangen- Imit Ihres Volkes erwecken will, So findet heute für Kinder ein Vortrag über die Makkabäer statt, auch die Laterna magica wird dabei nicht fehlen,. Nach dem Vorfrage wird man. den Kleinen Abbildungen von Palästina und den Jüdischen Kolonien zeigen. Auch In anderen Jüdischen Schulen und Vereinen wurde das Chanukahfest entsprechend gefeiert. R. I VOM HILFSV6RCIN I Am 20. Dezember fand In Berlin unter Vorsitz James Simons chic Sitzung des gcschiiltsfuhrc». den Ausschusses des Hllfsvcrcins der Deutschen Juden statt. Der Vorsitzende gab Auskunft über die Schritte, die Im Interesse der rumänischen J ud0n Im Hinblick auf eine cvcntl. Konferenz der Slgnaturmüchtc des Berliner Vertrages unter* iioinmci! wurden. Der Ausschuss billigte einstimmig die hisUcrigcn Massnahmen nach dieser Richtung. — Dann machte Herr Dr, Nathan Mitteilungen Aber das Technikum in Haifa, für welches das Terrain bereits abgegrenzt ist und die Bauvorberei• tungcu scivo 11 getroffen sind. Mit grosser Befried!- gung nahm der Ausschuss Kenntnis von dem Fort־ solvrcitcn des für den Orient ausserordentlich bedeut- Samen Werkes, dessen wirtschaftliches Aufblühen von der Einführung der technischen Fortschritte und der Ei Schliessung neuer Verkehrsmittel abhängig lat. Neben diesen gross angelegten Proickt, für das dem liilfsvcreln fortdauernd die lebhaftesten Sympathienbeweise aus der gesamten Judenheit zugehen, soll noch den Beschlüssen des Ausschusses das sonstige Schul werk des Hllfsvcrcins durch Bereitstellung ausreichender Mittel in zweckentsprechender Welse weiter ausgebaut werden. Für die bestehenden Schulen des Hllfsvcrcins In der Türkei wurden erheb- ,liehe Bewilligungen vollzogen. — Einen fernere» wichtigen Gegenstand der Beratungen bildete das Hllfswcrk in Oallzlcn; cs wurde beschlossen, die In Österreich auf diesem Gebiete in die Wege geleiteten verschiedenen Hilfsaktionen wie bisher mit Geldmitteln zu unterstützen. Zum Schlüsse wurde über die Tätigkeit des Hllfsvcrcins auf dem Gebiete des A uswan de rungs wesens berichtet, und es wurden die Modalitäten festgesetzt, nach denen die Arbeit für die Jlidisclc Auswanderung fortzu־ setzen ist. 5SV0M’BeZALeL« Berlin. Bei der Makkabäerlctcr der Berliner Zionistischen Vereinigung am 6. Januar 1909 wird der Verein ״BozüIcI“ eine Tombola mit zahlreichen wertvollen Oewinnen (Filigrane. Teppiche, Bilderrahmen etc., sämtlich Erzeugnisse der Kunstgcwcrbcschnle ״Bczalel" in Jerusalem) veranstaltcn, worauf an dieser «Stelle noch besonders hingewiesen sei. Siehe ..Vercins-Rtmdschau"). t I t # Misceueh O sancta slmpllcllos! Eine w i r k 11 c 11 wahre Geschichte. Zun! Kultusbcamtcn einer Jüdischen Gemeinde in einer sehr bekannten deutschen Seestadt kommt am 20. Dezember 1908 die Frau eines Qeittcindcmitglicdcs und bestellt ein ״Arbn-Kanfuus". Der Auftrag wird entgegengenoinmen. aber hinter dringlicheren Angc- Icgcnhcitcn zurückgestcilt. Da erscheint nach vier Tagen die Frau von neuem und erkundigt sich mit sichtlicher Bestürzung, warum denn das ״Arbo- Kunfaus" noch immer nicht geliefert sei. es wäre mm doch höchste Zeit — ihr Mann sollte cs doch bei de« übrigen Geschenken unter dem Wcihnachtsbäum finden.! I! O, du fröhliche Weihnachtszeit! Zur Beachtung! Die ״Literarische Rundschau" wird ia No. 2. ״Jung-Israel" in No. 3 zum ersten Male erscheinen! ״Briefkasten der Redaktion Uebnr Prägen von1! ■*״ gemeinem"Iיח®r•»• o"gibt dl• Redaktion ■n dl*e®r •teil• gern Auskunft. Stud, pfill. Rudolf Fischt Wir hiucu um Angabe Ihrer Adresse, damit wir Ihnen auf Ihren Brief ant- Worten können. S. L, K. Hermann Hahrs Bekenntnis, dass er gläubig erzogener Katholik sei, hut Sic überrascht? Uns hat weit mehr überrascht, dass dieser Herr, der vom Judentum kaum mehr als einige Wiener Kaffee• huus-Litcrateu kennt, den Mut hat, den Juden vorschreiben zu wollen, was sic zu empfinden haben, und was nicht. Warum cs nicht auch hei einem Juden ״hicdcrmcicrn' (Hahrs Ausdruck) soll! Hermamis ״Jcttchcn Gebert“ könnte ihm doch wenigstens bekannt sein, wenn schon weiter nichts. — Ein Interesse an einer Auseinandersetzung 111U Bahr liegt für uns aber kaum vor. S. H. in B. Besten Dank für Ihr Vertrauen. Aber Sie unterschätzen doch die Hartnückigkcit des Druckfchlcrtcufcls erheblich! Zur Beachtung! Der Redaktionsschluss dieser Nummer musste Infolge früherer Expedition wegen des Neulahrstages bereits am Dienstag mittags eriolgenl_ Schluss dos redaktionellen Teiles,