Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIV (1909)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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יו 1 1 1 < I » t I V Abonnoment■ auf die wöchentlich am Frei• tau mcu«1nondc ״JUdlscho Rundichau" Kosten nel der Uxpeamoii und bei allen l'oitt. Mmtcrn vleriel|»ltrllcl1 1.25 M. ausserhalb Ueutsclilund* und pfKterrtitfl»*U1narns ) — M! Ihr Mitgiiedei |1td1*cl1er Vereine Im bainmelheiuii durch den Verein l,— M. Virta! JUdlichi Runduhiu I■״ <». m. b. II. Barlin SW. M, Zimmartlr. 7/, OesvhaiiiMunden: 5 hin ל Uhr ausser Sonnabend u. Sonntag. •••••••••••••» ״l/t UL~J^y I * I I I I I I Bi Anzeigern Konten für die lünlßcnpaiicne 1’1'tlt/clle oder deren Kaum IS Plß.i Stellen• Angebote und Oiucha *owie Veieinnmlt• teiiungen u. ״Kleine Armlficii“ mir 15 0 o o o o 0 o ,MniiunKrlrlo weiden, wenn t’iirtii hcllicel* nltt» *urilcK• gesandt. - KedaKtlonnnchtuit Mittwoch rnltlagn. Ridikllon lUditcht Rundichau Ucrliii-ChorloiieiiburL׳, BI#lt)lrlu:Str. 49. Tal. Ch. 0811. Sprechilündcn OlenMäß und Uonncritag 6—7 Uhr abends, ■••••*»יי••••••••••• t * * י a « t a a a t » J ALLGSM6IK ZCITUNG mg§ Nummer 1 Berlin, den!.Januar!909 — 8. Tebeth 5669 XIV. Jahrgang Zur Einführung Hin neuer Jahrgang der ״Jüdischen Rund* scliatr, ein neues Gewand und eine neue Redaktion' ־-- da muss mau füglich zuerst die Vers־eher1mg nhgcbcii, dass trotz der Neiienm* k׳cn, die mehr die Technik als den Inhalt des Hlattes treffen, die ,,Jüdische Rundschau" gleich» wohl im neuen Jahrgang ihren Lesern der altvertrante Begleiter und Berater bleiben will. Pass selbstverständlich nicht mir der Horm nach das ״Baseler Programm" an der Spitze unseres Blattes stehen wird -- das könnte eine belang״ lose Äusserliclikeit sein! •״•, sondern dass es auch, w ie bisher, unserer ganzen Richtung der Leitsatz sein wird! Man wirft uns Juden nicht ohne guten Grund vor, dass wir allzu sehr renn» novarum cup’di, ein wenig neulieitslilstern und immer zur Vcr* wer/ung des ״guten Alten" bereit seien. Wollte man diesen Vorwurf auch uns mache», so müssten wir ja mit einem Hinweis eben auf das Baseler Programm antworten, das uns doch ein unabHitderPcIies Axiom Ist. Uns sind die Begriffe ״Jüdisches Volk" - ״öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte" ״Palästina" zu einer, unauflöslichen Hiuhcit verschmolzen, und wir würden uns selbst und unsere Arbeit atifgeben, wenn wir etwas von U>.*ser Drci-Hiiiheit aufgeben wollten. Uns leitet aber ein ganz anderer Wille. Nicht wir wollen Neues, weil cs neu ist, so»• der» weite Kreise der deutschen Judenhcit wenden sich vom Alten ab, weil cs alt ist, und zu diese» dringt unsere Stimme nicht, wenn wir immer nur unter uns bleiben, ln eine Vcr- Sammlung geht man und hat am nächsten oder übernächsten Tage vergessen, was man gehört, vergessen sogar, dass mau Mitglied einer Gruppe geworden ist, deren Beitragsquittung man dann entrüstet zurückschickt. Hine Zeitung, die inan regelmässig erhält, liest man wohl einmal, zweimal nicht, dann wirft man einen Blick hinein, findet etwas, das Interesse weckt — und das His ist gebrochen. Diese» Zwecken unser Blatt dienstbar zu machen, ist der Ctesichtspuukt, von dem wir bei der Neugcstaltung ausgingen. Hs ist einmal — *)gar von einem hervorrügenden Zumistcu — gesagt worden, jüdische Zeitungen müssten langweilig sein, weh ihr lnleresseiikreis ein zu beschränkter sei. Um« will scheinen, dass man daun mir nötig halte, diesen Interessenkrcis, der doch also offenbar den Bedürfnissen der Mehrzahl der Leser nicht genügt, zu. erweitern. Und das eben wollen wir gleichfalls versuchen. Vor allem aber wollen wir der deutschen Judenhcit klarlcgcn, dass cs keine andere BxistcnzmögHchkcit für das Judentum und das jüdische Volk J11 der Zukunft gibt, als^cbe.11 im Zionismus, dass die Juden in der Tat,• wie Rabbiner Dr. Max Joseph in seinem kühnen Ruf an die Starken und Edlen des Jüdischen Volkes so eindringlich erhärtet, Jetzt am Scheidewege stehen. Der Kampf, der jetzt gekämpft wird, geht nicht um Offiziere, auch nicht mn prcussisch-JUdisdte Subalternbcamtc oder um ein Schüchtverbot — das sind |a nur die, Scharmützel, die cs immer• auch in Frfedcnszeltcn, gab, Nein, ״Oer ZinnUinui erstrebt für da* Jüdische Volk die Sdmll11nfldncröfftntllch־rcchtllch geliehenen HcImitUttc In!,alflitlnn.״ Baitlir Prtgumnt. Aus dem Inhalt; Zur Einführung D10 Judo 11 In der dritten Reich•- d u in a. Von L. N. N i s s c I o w 11 s c 11. (Mit Mild.) Theodor Harth lilr die finnischen Juden Ein notier Jargon-Dichter Emlgruntcn-Lcldcn Aus aller Welt — Aus den Gemeinde» — Vcrchix-Riindsclmu — Rundschau der ä Presse: Oie Kreuz-Zeitung über den Zionismus —• ״Deutsche Tapferkeit" in Wien - etc. Zur Beachtung Auf besonderen Wunsch einiger Leser wird Von der ״Jüdischen Rundschau״ eine Ausgabe auf feinstem holzfreiem Kunstdruckpapler in einer geringen Anzahl von Exemplaren hergestellt, Wir iiclimuii weitere Subskriptionen auf diese Ausgabe noch his zum 6, Januar!9(19 eiHgegei!. Die Exemplare werden nur den .Subskribenten am Ende des Juliics vui'iiclim gebunden zum Preise von 8,-״ Mark pro Exemplar aiisgeliefert mul portofrei zagestellt, — Nachträgliche Bestellungen konnten selbstverständlich keinesfalls mein׳ berücksiclttigt werden, da die Auflage von No. 2 au feststehen muss. Die Subskriptionen werden nach der Reihenfolge ihres Einganges notiert, wir müssen 1ms aber vorbebähen, die Liste mich schon vor dem obigen Datum zu schlicsscn. ■■BM Verfug ״Jüdische Rundschau". der Ku tu pf, der uns in diesen n äe h sten Jahren und Jahrzehnten bevor steht, geht um Hamlets Schick- 8 a l s f r a g e ״Sein oder Nichtsein!" niese» Ernst der Lage den deutschen Juden zum Bewusstsein zu bringen, wollen wir stets bemüht bleiben. Statt vieler Versprechungen bitten wir u1׳- scre Leser, lieber unsere Arbeit abzuwarten und uns zur Erfüllung unserer grosse» und wichtigen Aufgaben mitzuhelfen. Wir wissen selbst, dass wir mit den kleinen Mitteln, die uns zu (leimte stoheu, uur sehr alhuüUUeh werden verwirklichen können, was wir uns vorgenommen haben. Aber wenn auch die ersten Vcrsuche noch recht unvollkommen sein werden, so hoffen wir doch, dass am Ende des mm beginnenden Jahrganges unsere Leser einen Fortschritt werden feststcllen köuifen. Sehllesslieh hoffen wir, dass auch der langjährige Leiter der ״Jüdischen Rundschau"• der sich in voriger Nummer von den Lesern verabschiedet hat, uns die Anerkennung nicht wird versagen können, dass wir in gut jüdischem Geiste die ,״Jüdische Rundschau" weitergeführt haben. Unser schönster Lohn aber wird es sein, warn sich in immer weiteren Kreisen ׳der. deutschen. Judenhcit.die Erkenntnis Bahn brechen wird, die Max Nordau einst so sicher präzisiert hat in dem Worte: .״Das Judentum w.4r.d zionistisch sein, oder cs wird nicht sclnl"• '־ Die'Redaktion dor ״Jüdischen Rundschau". Dr. Julius Becker. L. N. Nlsselowitsch Wir beginnen in dieser Nummer mit der Ver- (iffciitiieliung eines aiisfübrliclien Berichtes, den der jüdische Duma-Abgeordnete L. N. N i s s e 10 w f t s e 11 seinen Wühlern erstattet. Der Bericht enthalt eine s! klare Darstellung der Lage der russischen Juden und ihrer Aussichten, dass er ohne Zweifel auch für deutsche Jüdische Leser von allergrösstcm Interesse Ist. Wie immer man sich zu den Ansichten und Handlungen des Abgeordneten Nissclowitscli stellen mag, so muss man doch anerkennen, dass er allein cs mit grossem Mute gewagt hat, ohne Rücksichten nach rechts oder links zu nehmen, die Interessen der sechs Millionen ■ russischer Juden zu vertreten. Unsere Leser werden ans der Einleitung zu dem Bericht die maimigfaehe» Schwierigkeiten, die sich Herrn Rechtsanwalt Nissclowitscli dabei in den Weg stellten, ersehen und werden mit uns darin übereinstimmen, dass der Mann, den ein zufälliges ticschick zum Vertreter der Hälfte unseres Volkes machte, mul der die ihm gewordene Aufgabe jedenfalls in ihrer ganzen Grosse erfasst hat, die Aufmerksamkeit weiterer jüdischer Kreise verdient. Zu dem Bilde Nisselowitschs, das wir umstellend geben, fügen wir mich einige Daten über seine Perfiünlichkcff hinzu: L. N. Nissclowitscli, in Kurland geboren, ist heute 47 Jahre alt. Er iiat die Peters»■ bttrger Universität lSM absolviert mul iiir seine Arbeit, ״Ueber die Börse, Börscii-Institiilioneit und Massrcgeln zur Begrenzung des Börsenspieles״ die goldene Medaille erhalten. Später war er eine Zeit lang an der russischen Reichsbank tätig. Sein Werk ״Geschichte der russischen Fabrikgesetzgebung" erschien im Aufträge und auf Kosten des russischen Ministeriums. Diese beiden und eine Reibe anderer wichtiger national-ükonomischcr Schriften sind in Russland allgemein bekannt. Eine Zeit lang leitete N. den imierpolitisclien Teil der von P j a t k o w s k i lieraiisgegehencn Zeitung ״Nabljudatel". Als dieses Blatt aber mehr und mehr eine jiideiigogncrischc Richtung amialim, schied N. aus der Redaktion aus. 1111 November 1907 wurde er im Kiirländischen Gouvernement in die Duma gewählt, wo er sieh der Traktion der Volksfrciheit, den sogenannten Kadetten an.sc bloss, von denen er Jedoch in der Auffassung der Judcnfrage, wie ans dem folgenden Bericht hervorgeht, ziemlich stark ahwciclit. Die Judenfrage in der dritten Reichs-Duma Bericht von L. N. N i s s c 10 w i t s c 11, Mitglied der R c i c 11 s - D 11 m a. (Nachdruck verboten.) Nach Beendigung der ersten Session der dritten Rciclisduma kehrten die Deputierten in ihre Heimat zurück und versuchten, Ihren Wählern über die Vorgäuge Bericht zu erstatten, die sich in der Duma ab* gespielt Italien, über den Verkehr mit den Kollegen und über die Zukunftsaussichten, um mit ihren Mandautcu Fühlung zu nehmen und Ihnen einiges von dem Erlebten mitzutcilcn. In einer besonderen Lage befinde Ich mich dabei. Ich wurde im Gouvernement Kurland, In dem die Juden kaum den zwanzigsten Teil der Gesamtbevölkerung bilden, als Kandidat des progressiven Blocks gewählt, dessen Mehrzahl Nlchtjudcn sind, und zwar Letten. Die obwaltenden Umstünde machten jedoch aus mir, dem jüdischen Abgeordneten des Kurländlschcn Gouvernements, vom ersten Tage an einen allgemein jüdischen Dcpu» tlcrtcn. Aus allen Teilen des ungeheuren Russen-