Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1908)
- Date
- 1908-12-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 222 J UD1SCHE RUNDSCHAU._ ’_No. 50 kehrsspmche schon von den kleinsten Kindern gesprochen wird und wie interessant den Berichten von dem arbeitsamen, aber glücklichen Leben dieser kerngesunden, lebensfrohen und nicht von den Lastern der Städte angeKrünkelten, jüdischen Bevölkerung zu lauschen, die dort lebt, wo der Grundstein zu der herrlichen Zukunft unseres Volkes liegt. Das Märchen, dass das Land, das wir erstreben, unfruchtbar ist. wurde durch die Ausführungen des Referenten, der immer wieder daraui hinwies, wie ertragreich der Boden bei angemessener Bearbeitung ist. glänzend widerlegt und bewiesen, dass wir keiner Utopie nachjagen, sondern dass es sich wohl lohnt, heisse Kämpfe um Erlangung dieses herrlichen Landes zu iiiliren. Nicht umsonst hängt das Bild Herzls in so vielen Wohnungen der dortigen jüdischen Bevölkerung, Die Schlussmahnung des Herrn Referenten, dass das Dornröschen Palästina nur von einem jüdischen Prinzen aus dem Schlafe erweckt werden soll, und dass wir nicht ruhen und rasten dürfen, bis wir unser Ziel erreicht haben, fand begeisterten Widerhall in den Herzen der Zuhörer, die mit lebhaftem Beifall für den anregenden, intcrcssanten Vortrag dankten. kb. Hamburg. Am Sonntag, dem 29. November veranstaltete die hiesige Misrachi-Unmpc eine öffentliche Agitationsver- Sammlung, in der Herr Referendar J. Möller-Altona vor einer mehrhundertköpiigen Zuhörerschaft über Jus Thema ״Die Zukunft des Judentums“ referierte. Von dem Gegensatz der herrschenden Weltanschauungen ausgehend, suchte Gegner den Grund dieses Gegensatzes zu beleuchten und den Nachweis zu iiiliren, dass, obwohl mir eine Weltanschauung objektiv wahr sein könne, subjektiv jede ehrliche Ueborzeugutig Berechtigung habe und Achtung verdiene. Daraus resultiere die Notwendigkeit. Andersdenkenden gegenüber tolerant zu sein. Diesen Grundsatz müsse man auch als Jude beherzigen. Auel! liier gebe es eine Rc-ihe verschiedener Auffassungen des Judentums; die subjektiv jede berechtigt sei. Da aber auch mir eine Erfassung'ds Judentums objektiv die richtige sein könne, so wurde• diese sich mit der Zeit schon kraft ihres intellektuellen Uebcrgewichts durchzuschlagen wissen. Von diesem Standpunkte aus müsse man als gesetzestreuer Jude seine Stellung zum Zionismus betrachten und könne sicli dem Misraclii anschliessen, da man durch Zugehörigkeit zu demselben seiner Ueberzcugung Ausdruck verleihe, dass das Ziel des Zionismus die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina auf dem Boden der Tradition zu erstreben sei. Der Zionismus würde sich natürlicherweise von der rein nationalen Erfassung des Judentums zur religiös-nationalen entwickeln, «nd da des Basler Programm nur als Ausgangspunkt der Ent- Wicklung des Zionismus zu betrachten sei. sei der Misraclii berechtigt. Er sei aber auch notwendig, weil die Entwicklung des Zionismus, da hierbei menschliche Willensbetätigung im Spiele sei. nicht blind erfolgen würde, sondern das gesetzestreue Judentum müsse den Einfluss auszuiiben suchen, den cs haben könne und würde dann durch die Wahrhaftigkeit seiner Anschauungen das geistige Uebcrgewicht erlangen. Dass der Misraclii bisher nicht den gebührenden Einfluss gehabt habe, sei darauf zurückzuführen. dass die Mehrheit der g'esetzestrenen Juden sich noch von ihm fernhalte. Die Zukunft des Judentuins sei fn dem Streben zu erblicken,eine öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina auf Grundlage der Tradition zu schaffen. Der Endpunkt dieser Entwickelung sei die Erhaltung der messianischcn Hoffnungen, die erste Phase der heutige Zionismus. Redner schloss mit einem warmen Appell an die Anwesenden, sich dem Misraclii anzuschiiessen. An das Referat, das mit grossem Beifall aufgcnommen wurde, schloss sielt eine Diskussion, an der sich die Herren Estermann. Bachrach. Lichtcnstädter und andere beteiligten. Eine Sammlung für die misrachistische Mittelschule erzielte ein erfreuliches Resultat. Fiir die Gruppe wurde eine Reihe bisher nicht zionistischer neuer Mitglieder gewonnen. Laurahütte O.-S. Die oberschlesische Vortragstournee des Schriftstellers Herrn Heinrich York-Steiner aus Wien, die ihn durch Ratibor, Beuthen. Zabrze und Königshütte geführt hatte, fand in unserer Gemeinde am Sonntag, dem 29. November, mit einer — vom zionistischen Lokalkomitee arrangierten Nachmittagsverlosung ihren Abschluss, die für die sehr zahlreich erschienenen Hörer höchst genussreich verlief. Der Dichter las zunächst ״An der Klosterpfortc‘\ eine Erzählung, die den Schmerz jüdischer Eltern um ihre ins Kloster verschleppte Tochter und die rechtlose Lage unserer, unter dem Druck von Schlachta und Klerus seuizeuden galizischcn Brüdern ergreifend schildert. Es folgte eine humoristische •Skizze, ״Die gute Partie“, eine scharfe Satire aus der ״konfessionell gemischten“ Schicht der Wiener jüdischen Ge- Seilschaft und als Extragabe eine ..ungehaltene Rede" zur Weihe einer Synagoge in Döbling, dem Wohnsitz zahlreicher Wiener Assimilantcnfamilien. Ydrkl-Steiner »st ein ausgezeichneter Interpret seiner Werke; er liest höchst fesselnd, verfügt über t alle Register einer plastischen und farbenreichen Darstellung und versteht vor allem, die nationale, antiassimilatorische Note des Stoffes in ebenso unaufdringlicher wie wirksamer Weise zu betonen. — Herr Löbcl Sucsmaim brachte in einigen feinen Worten den Dank des Publikums zum Ausdruck. Sainter. In unserer Ortsgruppe fand am 6. er. ein Rezitationsabend von Frl. M a r 111 a Wolfs o h 11 aus Posen statt. Dieselbe trug Gedichte von R 0 s e n f c 1 d , J ti n g - tu an 11, F e i w e I u. a. vorzüglich vor. Sie fand bei dem sehr zahlreich erschienenen Publikum grossen Beifall und spendeten die Ortsgruppe und einige Mitglieder einen ölbautn auf ihren »Namen. Ihre von Herzen kommende schöne Vortragsweise rührte manchen Hörer zu Tränen. lg. Dessau. Am 29. November hielt Herr N. So k «low in unserer Ortsgruppe einen Vortrag über ״Unsere Aufgaben in Palästina“. 111 rethorischer und geistvolle׳• Auseinander- Setzung führte er alle die Gründe nochmals vor. die zum Zionismus führen müssen. Wenn, sagte der Redner, nur noch Überreste jüdischen nationalen Lehens vorhanden sind, so müssen sie sich ein Ventil schaffen. Wir. sagte er ferner, sind nicht jüdisch-national um Banden zu organisieren, sondern um den jüdischen Geist und das reljgiösnatioualc Lehen fortzupflanzen. Dann kam Redner auf die praktische Arbeit in Palüstina zu sprechen, wie Organisierung der in Palästina wolincndeit Jude׳!, das Bestreben zur Beseitigung des HinwandorungsvcrboB ur.d die Erreichung günstiger Bedioguiucn bei Bodenerwerb usv. Die Ausführungen 'machten auf die Zuliörer. die zahlt eich erschienen waren, einen grossen Eindruck. B.• <1111 Dessaiitr Bericht der vorletzten Nummer war infolge eines Druckfehlers beim Vortragenden Herrn D r. Isidor Nussbaum der Doktortitel fortgeiassen. Wir holen liiermit die Versäumnis nach.) Lübeck. Die zionistische Ortsgruppe veranstaltete am 15. November einen sehr gut besuchten Vortragsabend, an dem Herr Rechtsanwalt Dr. L a n d a u über ״J f! d i s c h e Kolo- 111c 11 in Palästina“ sprach. F.in gemütliches Beisammensein beschloss den anregenden Abend. Rm. Böhmlscli-Lelpa. Sonntag, den 29. November d. Js. fand hier über Einberufung des zipn. Rayonkomitees für Ostbölmtcn eine von Herrn Dr. Hugo Rappaport aus T raut e n a!1 geleitete, und trotz sehr heitiger Gg'enagitation sehr gut besuchte Versammlung statt, in der Herr Dr. Emil Marg u I i e s. Trautcnau, iibcr Mittel und Wege zur Lösung der Jtidenfrage referierte. Der Referent besprach die Judenfrage von allen in Betracht kommenden Gesichtspunkten ans, uud wies in eindrucksvoller und überzeugender Weise nach, dass dieses Problem nur durch den Zionismus eine cndgiltige Losung finden kann. Die von dem Feuer innerer Begeisterung durchglühten Worte des Referenten übten auf das Publikum eine ausserordentlich starke Wirkung und fanden lebhaften Beifall. Zur Debatte sprachen der Vorsitzende. Herr Ernst Bechert aus Teplitz-Solmnau und der Referent, die verschiedene aus der Mitte der Versammlung ergangene Fragen in beredter, gründlicher und überzeugender Weise beantworteten. Der zwingenden Logik ihrer Argumentation konnte sieh wohl niemand entziehen, der diese Argumente unvoreingenommen auf sich wirken Hess. Mit dieser ersten zionistischen Versammlung ist endlich auch in unserer Stadt ein vielversprechender Anfang, der sehr bald Fortsetzung finden soll, gemacht worden. =י־־י Nationalfond ־־־== Sammlungen für den Nationallond und andere zionistische Zwecke sind ausschliesslich zu senden an den Schatzmeister des Zentralbureaus, Herrn Max Wollstelner, Chartottcaburg ־====־ bei Berlin, Sybolatrnsao 50. ««»»=«־ Der Jüdische Sationuijond ht dazu b stimmt, palästinischen Hoden «Is (lesniatelceutuui des.I0»H«jch1‘1»Volke•« zu erwerben und auf ewige 7.eiten zu erhalten, ' ׳cm! 5. Zionistenkongross J'JOI gegründet, besitzt er heute ein Vermögen ton über /»/, Millionen Mark. Die Nationalfond-Spenden des November 1908. An dem diesmonatlichen Ausweis sind 14 Länder in folfccadcr Reihenfolge beteiligt: 1 1. Oisterrcicb. 8 093,88 Mk.! 2. Russland. .. 6 764,09 ״ 3. Nordamerika. 3 589,38 ,! 4. Deutschland.;1 128,57 .; 5. England . 93',58 * J 0. Belgien . 712,65 ,; i I