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Jüdische Rundschau · 1908-12-11 · Heft 50 (11.12.1908) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 50 (11.12.1908)
Date
1908-12-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 496 JÜDISCHE diese Schulen die sogenannten ״Rechte“, oder sie werde» ihnen verweigert, ja manchmal entzogen; eine Tatsache, die bei der aussergesctzlichcn Lage der Juden in Russland von grösster Bedeutung ist..— Die neue Handelsschule in Warschau beginnt ihre Tätig* keit unter sehr günstigen Auspizien: die bis jetzt eröffneten ersten vier Klassen sind bereits seit einiger Zeit vollständig besetzt, und wenn die innere Leitung der äusseren Einrichtung in hygienischer und pädagogischer Richtung entsprechen wird, so wird mau von einer mustergültigen Schule sprechen können. Die Juden und die städtische Selbstverwaltung in Polen Die aus Petersburg cingctrnfiene Nachricht, dass die Frage der Einführung der städtischen Selbstverwaltung im König* reiche Polen von der Regierung ausgearbeitet und der Duma vorgclcgt werden s״ll, hat wieder die Frage der Beteiligung der Juden an den Seihst Verwaltungsorganen auf die Tagesordntmg gestellt und wird von verschiedenen politischen Uni{)■ pen auf verschiedene Art gelost. Nach den vom Rechtsanwalt Suligowski im Jahre 1905 ausgearbeiteten Projekte der städtischen Selbstverwaltung im Königreiche Polen haben alle Einwohner, welche polnisch lesen und schreiben, das Recht, sich an den Wahlen in die städtische Selbstverwaltung zu beteiligen. Nach diesen! Pro* jckte besitzen also fremde Juden, wie auch solche polnische Juden, die polnisch weder lese.ו noch schreiben, kein Waldrecht. Dieses Projekt wird gegenwärtig von allen konservatives. Parteien stark bestritten: es ist ihnen zti fortschrittlich und in seiner Behandlung der Judenfrage zu radikal. Die gegenwürlige Stimmung aller konservativen Parteien geht dahin, dass man Juden von der Selbstverwaltung vollständig aussehliesser. soll. Die extrem klerikale Partei verlangt, dass inan den Jude;: ganz einfach kein Stimmrecht verleihen soll, dass aber die hohem lokalen Behörden das Recht haben sollen, nach ihrem Gutdünken einige Juden in die Stadtdtima mit beratender Stimme einzulader,. Die wenig kletikale und politisch reifere ״Partei der reale!! Politik“ hat einen andern Ausweg gefunden, der aber zu demselben Ziel führt. Sic schlagen vor. dass die Wahlen nicht nach Revieren, sondern nach Wahlkreisen stattfindet) sollen. Auf diese Weise wird man die Möglichkeit haben, immer eine christliche Majorität zu besitzen. Die Nationakiemokraten und andere Parteien haben sich über diese Frage noch nicht ausgesprochen. Aus dem Lande Israel Vor der Grabeskircbc. Dass Juden und Christen in Jer Grabeskirchc sich umarmten und sich Brüderschaft gelobten, scheint wenigstens der eine Teil dieser neuen ״Brüder" schon vergessen zu haben. Pie Pforten des ,.heiligen Grabes“ bleiben den Juden nach wie vor verschlossen: sollte ein jüdisch aussehender Tourist die Kirche auch nur von aussen sich einmal ansehen wollen, dang kann er gewärtig sein, mit Schmähungen zurückgewiesen zu werden. Der Streit der Sekte». Jerusalem. Unter andern modernen Ideen, die hier ein* zogen, hat auch die des Streikcns schnell Anhänger in den verschiedensten Lagern gefunden, in Jaffa und Beirut haben unzufriedene Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Hier aber haben .sich die Lämmer verschiedener Sekten und Gemeinden gegen ihre Hirten empört. So herrschte in dem armenischen Vierte! dieser läge wieder einmal grosse Erregung. Mau verlangte die Absetzung des Sekretärs des hochbetagteu Patriarchen und erzwang sie auch nach grossen Tumulten, flicroh grosses Freudenfest. Pie Syriaks (Meleliiten) leimten sich gegen ihren Patriarchen auf, da sic ein Komitee ersehnen, das 1Jic Einnahmen des Uakf-Lamles regelt. Die Maroniten haben sich an die Dominikaner gewandt und um ihre Aufnahme in die lateinische Kirche gebeten. Die Maroniten sind bekanntlich eil» Zweig der Syriaks. die sich von diesen besonders durcli ihre arabische Sprache unterscheiden: auch sprechen sic ihre Liturgie arabisch, während die Svriaks sich der chuldäischcn Sprache bedienen. Überdies verleugnen die Maroniten ihre Abstammung von den Syriaks. JaUa. Nach Succoth haben zirka 30 Arbeiter aus Judäa sich nach den galiläischen Kolonien begeben. Abgesehen davon. dass die jüdischen Arbeiter ziemlich wanderlustig sind lind sich nicht gerne längere Zeit in derselben Kolonie auf¬ RUNDSCHAU No. 50 halten, ist in dieser Bewegung nach Galiläa, die schon vor etwa zwei Jahren eingesetzt hat und noch immer anhält, ein gesunder Zug nicht zu verkennen. Die galiläischen Kolonien sind nfunlich itn Gegensatz zu den meisten judüischen Kolonien richtige Ackcrbaukolonicn. In den judäischen Kolonien, wie Pcthach-Tikwah und Rechowoth. die die meisten iüdischcn Arbeiter beschäftigen, hat der Arbeiter mir Gelegenheit, sich einseitig im Pfianztmgsbau »uszubiklcn. dagegen kann er!11 Galiläa alle Teile der Landwirtschah kennen lernen. Der Arbeitslohn ist in Judäa zwar höher, aber in Galiläa ist das Leben billiger und ausserdem kommt die monatliche oder jährliche Anstellung als Regel vor. wohingegen in Judäa die Arbeite.־ fast nur als Tagelöhner arbeiten. In den jüdischen Kolonien Katra, Ekron und Kastinie. in denen Ackerbau betrieben wird, könnte׳): je 13—20 jüdische Arbeiter in jeder Kolonie ständige Beschäftigung finden, unter gleichen Bedingtmgen wie in Galiläa, d. h. neben Wohnung und Kost noch einen Monatslohn von 1(1lö Francs erhalten. Leider aber gibt es nicht sovicle jüdische Arbeiter, und auch in Rechowoth und Kastinie übersteigt die Nachfrage das Angebot von jiidischert Arbeitskräften. Jerusalem. Auf eine Besserung der hiesiger) Verhältnisse wartet man jetzt mit mehr Hottmmg. denn die ersten Schritt«• sind bereits getan. Auf der Eisenbahnlinie Jana-Jcrusalcm verkehren jetzt täglich zwei Ziige. Fs ist dies ein längst erschntcr grosser Fortschritt, denn bisher hatten Reisende, die nach Abgang des einen Zuges, der mir lief, landeten, nolens volens in Jaffa übernachte(! müssen. Audi die Sehnsucht nach mehr Licht soll bald befriedigt werdet). Die Verwaltung des Vcimögci’s der Grabeskirchc hat zur Gründung einer Aktiengesellschaft, die Elektrizitätswerke zu Verkehrsmul DeleucIUuiigszw ecken errichten w ill, bereits die Konzession erhalten. Jerusalem. Der Pascha Subhi Bcv besuchte die Handwerkersümle der Alliance Israelite und bekundete grosses Interesse an allen Einrichtungen der Schule. Jerusalem. Zum Nachfolger Hirszenbcrgs an der jüdischen Kunstschule ״B e z a 1e I“ wurde der Maler Arnold Laclio w s k v - Odessa berufen. Der Buchhändler Ludwig Mayer aus Prenzlau. eine in jiingiiidisclien Kreisen nicht nnbekmnte Persönlichkeit, wird dieser Tage in Jettisalem eine europäische Buchhandlung eröffnen. Herr Rabbiner Dr. Wiesel soll, wie wir hören, voraus* sichtlich sich an dem Unternehmen beteiligen. Damit erhält auch »usere Zeitschrift eine buehh.'indlcrische Vertretung in Palästina. Eine moderne Buchhandlung war schon lange ein Bedürfnis für Jerusalem. Hoffentlich nehmen sich die grossen Institute. Schulen. Krankenhäuser etc., die bisher sich ihre Bücher direkt aus Europa Kommen lassen mussten, bald dieser Buchhandlung au. damit dieselbe leichter autkommen kann. Die Zeitschrift PALÄSTINA kann durch dieselbe bezogen wer* den und auch Inserate und dcrgl. werden durch besonderes Entgegenkommen der Herren dortselbst angenommen. Aber auch Bestellungen auf Werke und Zeitschriften aus Palästina können nunmehr auf diesem Wege besorgt werden. Wer den Verkehr bis jetzt keimen gelernt hat und literarisches Material aus Palästina zu beziehen hat, wird w ieder gerne die neue Gelegenheit benutzen. Ein Trunk Wasser Die kleine Kolonie Berjacob hatte sich mehrere Monate ohne eigenen Brunnen begnügen müssen, und deckte ihren Wasserbedarf aus der deutschen Missionsackcrbauschiile des Sclinellerschen Waisenhauses ״Bir-Salini“. Fiir jedes Gefäss mussten die wenig wohlhabenden Kolonisten mit barem Geldc zahlen. Das ist eine Unsitte, die sich sogar die Araber nicht leisten. Das ärmste Dort gibt einem iedett auf Verlangen Wasser umsonst ab. Der .Missionsschule konnte dies ums״ leichter fallen, als sie in ihren Orangerien dauernd tausetule von Hektolitern in unpraktischer Weise verpanscht. Gegen die Handlungsweise der Missionsschule ist freilich nichts einzuwenden, da Jesajas 57 nur steht .!brich dem Hungrigen dein Brot", dass man dem Durstigen zu trinken geben soll, ist dort nicht erwähnt. Ausserdem ist die Mission ein ..Kulturtiügcr" und Juden sind eben nur - - Juden! *.1' •ד־ ׳•— Dr. Lewin in Amerika Ncw-York, 19. November. Dr. Schmarjalui t.cwin kam hier mit dem Dampfer ,.Kronprinzessin Ceciiie" am ver* flossenen Dienstag nachmittag an und wurde am Pier von einem Komitee von Vorstandsmitgliedern der Federation oi American Zionists. an ihrer Spitze Dr. J• L. Magnes und Rev. Joseph Ja.sin. Sekretär der Federation, empfangen. Die jüdisciic Presse dieses Landes hat Dr. Lew in sehr warm l.e-

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