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Jüdische Rundschau · 1908-11-27 · Heft 48 (27.11.1908) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 48 (27.11.1908)
Date
1908-11-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 48 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 213 Versammlung ab, die von Herrn Georg Heilborn geleitet und von Herrn S. Rappaport-Kattowitz mit einem Referat über ..Geschichte. Organisation und Institutionen der zionistischen Bewegung” cröfinct wurde. Hierauf sprach Herr Dr. Wcissmann ans Kattowitz fiber ״Die letzten Ereignisse in der indischen Politik". Mit scharfer Logik und feiner Pointierung zeigte er die Entwicklung, die die jüdischen Organisationen, zur Berliner Konferenz und zur Begründung des A. J. K. 0. gefühlt hat, besprach den Einfluss, den die Umwälzung In der Türkei auf unsere Bestrebungen haben muss und schloss mit einein warmen Appell zur Mitarbeit für unsere Sache. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Sussmann. Kantor Falkcnstein und die Referenten. Einem von mehreren Seiten ausgesprochenen Wunsche, eine selbständige Orts• gruppe in Laurahütte zu gründen, wird in den nächsten Monaten Folge gegeben werden. Bis dahin führen die lokalen Geschäfte die Herren Kantor Falkcnstein und Apotheker Kosenthal. Laurahiitte. Sonntag, den 29. er., nachm. 3V1* Uhr. findet im oberen Saale des Hiittengasthauses eine R c z i t a ־ tion des Schriftstellers H c i 11 r i c h York •Steiner aus Wien statt. Herr York-Steiner wird ernste und heitere Dichtungen ans eigenen Werken zum Vortrag bringen. — Die auswärtigen. insbesondere die Kattowitzcr Gcsinnungsgenossen werden dringend gebeten, möglichst zahlreich zu erscheinen. Chemnitz. Am 17. er. veranstaltete die hiesige Ortsgruppe einen Vortragsabend, der sehr stark besucht war. Herr Dr. Emil Levy-Berlin führte die Zuhörer ..I m Fluge durch das heilige Land". Er gab ein anschauliches Bild von dem Zustande desselben und illustrierte seinen Vortrag durch eine starke Anzahl von zum Teil sehr gelungenen Lichtbildern. Reicher Beiiall lohnte den Redner, dessen Worte in einem feurigen Appell zur Förderung der zionistischen Arbeit ausklangen. Mehrere neue Mitglieder wurden gewonnen. Posen. Die National-jüdische Frauen v erei nigung ־hielt am 28. v. M.ihrc erste Winter-Zusammcnkunft im Sternschen Saale ab, die von Mitgliedern und Freunden der Vereinigung zahlreich besucht war. Nach der Begrfissung der Anwesenden durch die stellvertretende Vorsitzende erstattete die Schriftführerin Bericht über die Sontmertätigkeit der Vereinigung, die sich hauptsächlich auf Jugend-Propaganda. Veranstaltung von Jugend-Spielnachmittagen usw. erstreckt hatte. Für die Winterarbeit sind neben Vortragsabenden innerhalb der Zionistischen Ortsgruppe, deren Zweigvereinigung wir bilden, besondere Zusammenkfinfte als Kindcrvcranstaltungcn an unseren Nationalisten usw. für äussere Tätigkeit geplant. Für die inneren Arbeiten der Vereinigung sind vorgesehen: Bahnhofsmission zugunsten russischer und galizischer Durchwanderer. Besuch und Unter- Haltung auswärtiger Stammcsgcnossen in hiesigen Spitälern usw. Einer Anregung vieler Eltern um Einführung des jüdisichen Religionsunterrichtes in hiesigen Pnvattüchterschulcn wird Folge gegeben und nach der stattgemndenen Enquete bei allen Interessenten übernimmt eine Vorstandsdame die dies• bezüglichen Verhandlungen mit den Leitern betr. Schulen. Nach einem warnien Appell an die Anwesenden, sich an der sozialen Hilisarbcit des National-jüdischen Frauenvercins fleissig zu betätigen, erteilt die Vorsitzende unserer Gesinnungsgenossin Frl. Marta Wolfsohn das Wort zu ihren Rezitationen jung-jüdischer Dichtungen. Die Vortragende hatte den Anfang recht glücklich gewählt durch Feiwcls Wiegenlied; die weiche, wehmutsvolle Stimmung wurde noch erhöht beim Vortrag von ״Beruria“. das wohl manchem Auge Tränen der Rührung entlockte. Auch die folgenden Vorträge von Reisen: ״Ghetto". ״Nacht" und ..Heimatlos" versetzten uns so recht in unsere geknechtete Vergangenheit, und wie Erlösung aus finsterer Winternacht klang uns Friedkinders ״Rosen" und ״Neuer Frühling" entgegen. Voll Humor war Salus״ ׳Vom hohen Rabbi Löw". Jungmanns feine Satyre ״Religion“, ״Kaftan". ״Chossid“ riefen wahre Beifallsstürme hervor. Den Schluss bildete Percv ..Der kranke Knabe", und Frl. W. wusste mit ihrer moduiationsfühigen Stimme so ganz die keusche Empfindung einer jüdischen Knabcnsccle •zum Ausdruck zu bringen. Genug, cs war ein nach jeder Richtung hin wohlgelungener Abend, und reicher Beifall belohnte besonders die Vortragende. Wir bemerken noch, dass Erl. Wolfsohn es verstanden hat. sich in wenigen Jahren einen Ruf als Rezitatorin zu erwerben, der weit über die Grenzen unserer Heimat hinausgeht und wir ihr doppelt dankbar für ihre Mitarbeit in unserer National-jüdischen Frauenvcreinigung sein können, da sie durch Vortragsreisen für Literaturvercinc etc. sehr in Anspruch genommen ist. Ais kleine Aufmerksamkeit setzte die N.-j. F.-V. Tri. B. 1 Baum (Ausweis für RUNDSCHAU vorige Nummer), viele Nichtzionisten Hessen es sich nicht nehmen, ihren Obolus beizusteuern, so dass unsere Fraucnvcrcmigungsbüchse gut dabei fort kam. Einige Neuaufnahmen von Mitgliedern konnten gleichfalls gemacht werden. R. b. Zionistische Ortsgruppe Posen. Am 14. November 08 fand die zweite Mitgliederversammlung bei einer Beteiligung von etwa 50 Mitgliedern statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende Herr Rechtsanwalt Kollcnscher des so jäh dahingeschiedenen Mitgliedes S. J. Brandt, der ein cifriger Anhänger unserer Bewegung von Beginn an war. Die Anwesenden ehrten sein Andenken durch Erheben von den Sitzen. Herr Moritz Neumark gab eine kurze Pressübersicht fiber die Ereignisse der letzten vierzehn Tage und Herr Rechtsauwalt Dr. Kollcnscher berichtete über die Sitzung des Zentralkomitces. Zum Schlüsse brachte Lehrer Auerbach ein sehr eingehendes Referat über die gegenwärtigen Arbeiten im heiligen Lande und eine besonders interessierende Erntestatistik der jüdischen Kolonien. Dies Palästinareferat ist als ein ständiger Bestandteil der Ortsgruppcnvcranstaltungen aufg'enominell und wird von Lehrer Auerbach in jeder Sitzung erstattet werden. Nach Schluss einer sehr lebhaften Diskussion, an der sich besonders die Herren Rosenthal. Sclierck, Gutmann. Mamlok und Lesscr beteiligten, teilte letzterer mit. dass eine Anzahl junger Ortsgruppenniilglieder sich zu einer Jungmannsciiaft zusammen getan haben die an allen freien Sonnabenden Sitzungen abhalten wollen, um sich der Propaganda und der Nationalfcndsarbcit zu widmen. Um lUi Uhr wurde die Versammlung geschlossen. mm. Halberstadt, in einer am IS. d. Mts. von der hiesigen Zionistischen Vereinigung ..Tikwath Zion" veranstalteten stark besuchten Versammlung sprach Herr Rechtsanwalt S. Groneniamt-Bcrlin über ״Extreme Im Judentum^4 Der Redner beleuchtete mit ausserordentlicher Gcwandheit und Schärfe die Tendenz in den \etsehiedenen Vereinen und Verbänden, zu denen indische Kreise sich zu kulturellen und sozialistischen Zwecken zusammengeschlosscn haben, und führte den Nachweis, dass trotz mancher gemeinsamer Berührungspunkte diese Institutionen cs nicht vermocht haben, den Krystallisierungs- Punkt für die verschiedenen Anschauungen innerhalb des Judentums abzugeben. Der Referent gab einen äusserst feinsinnigen Rückblick über die Kulturgeschichte der Juden in der Diaspora. Er sprach über den Zusammenhang der zionistisehen Idee mit der Idee jener Koryphäen des Judentums, die unmittelbar nach dem Zerfall des jüdischen Staates durch die Gründung von Lehrschulcn in Palästina einen Mittelpunkt für das geistige indische Leben zu schauen suchten. Das zu allen Zeiten und In allen Formen beobachtete Zusammengehörigkcitsgefiihl dre Juden, so führte der Redner weiter aus, sei clirakteristisch für ihre Empfindungen, die darin gipfelten, dass der Versprengung dereinst ein erneuter Zusammenschluss auf einer gemeinsamen Grundlage folgen müsse. Der zioiitslisclic Gedanke habe sich als der gesuchte Mittelpunkt erwiesen, um den sich die Juden aller Schattierungen aufgrund eines einheitlichen Programms gruppieren können. Dem Vortrag folgte eine lebhafte Diskussion, in der der Referent wiedcrholt das Wort ergriff. Der starke Beifall, der seinen Ausfiihrungen entgegengebracht wurde, war ein Beweis für das allgemeine Interesse, das der Redner zu wecken vermocht hat. Ihm sei nochmals an dieser Stelle unser wärmster Dank ausgesprochen. &!־. ♦ Köhl. In der Zionistischen Ortsgruppe sprach am verflossenen Samstag Herr Julius Berger über das Thema ״Der Zusammenschluss der jüdischen Organisation." Der Reiercnt. der den Vortrag an Stelle des Plötzlich verhinderten Herrn Dr. Boden heimer in allerletzter Stunde übernommen hatte, skizzierte den Verlauf des von verschiedenen Seiten ausgehenden Bemühungen auf einen Zusammenschlusses der grossen indischen Organisation. Der Plan wurde zuerst in konkreter Form von zionistischer Seite auf der Brüsseler Konferenz zur Diskussion gestellt. Neuerdings haben diese Bemühungen eine greiibarc Form angenommen als Ergebnis mehrerer Konferenzen, die auf Veranlassung eines aus Angehörigen fast aller grossen jüdischen Organisationen bestehenden Komitees in Berlin getagt haben. Der Plan verfolgt die Zusammenfassung der jüdischen Organisationen zu einer Vertretung der Gesamt-Judenhcit in Fällen von Katastrophen. Parallel damit laufen die Bemühungen, die jüdische Auswanderung nach dem Orient zu lenken und die jüdische Organisation zu veranlassen, aui diesem Gebiete eine gemeinsame Tätigkeit zu entfalten. Der Referent war nicht I geneigt, di« bekannt gewordenen Tatsachen allzuhoch einzu-

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