Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1908)
- Date
- 1908-11-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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N0. 46 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 203 ,Zionismus belehrt, durch deren Wort die Liebe und Bcgeistcrung für die zionistische Idee in der kindlichen Seele geweckt wird. Es wurde mir von verschiedenen Seiten geantwortet, dass uns kein Geld mehr bleibt, um eine Zeitschrift zu erhalten. Sicherlich werden viele Mitglieder, deren diese Einrichtung am Herzen liegt, bereit sein, einen Sonderbeitrag für die Jugendzeitschrift zu zahlen. Auch Nachmittags-Vorträge dürften angebracht sein. Unseren Abend-Vorträgen, die sich vielfach bis Mitternacht und später Itinzichen, bleibt die Jugend natürlich fern. — Viele sprechen der zionistischen Bewegung die Berechtigung ab. weil der Messias noch nicht erschienen ist, dessen Bestimmung cs ist, die Juden in das Land der Väter z.urück- Zufuhren. Nicht der Messias, der Erlöser, fehlt uns, sondern Moses, der Führer, oder wenigstens ein Mann wie weiland Martin Luther, der seine Ideen gegen seinen Kurfürsten und eine Welt von Vorurteilen durchz.usctzcn wusste. Wir kranken daran, dass wir lange auf anderem Boden gestanden haben, dass viele von uns erst Zionisten geworden sind, nachdem sie. ihre besten Kräfte auf fremdem Boden verausgabt hatten. Sorgen wir doch daiiir, dass das gleiche Uebcl von der kommenden Generation ferngchalten werden. S. K. A us den Ortsgruppen Berliu-Charlottenburg. Im h e r z I k I u b . Berlin-Charlottcnburg spricht am Donnerstag, dem 12. November. Her Lazarus Barth über ״D i e Berechtigung des 11 a t i o - na len Gedankens״. Anfang 9 Uhr präzise. Lokal: I)räscls Eestsäle. Neue Eriedrichstr. 35. Damen und Herren als Gäste willkommen. Berlin. Die J fl d i s c h - u a t i o n a I c E rauen -V ercinigung veranstaltet in diesem Winter einen Kursus der hebräischen Sprache. Der Unterricht wird von einer bewährten Lehrkraft nach der ,.Berlitz Methode‘* erteilt. Damen und Herren, die an dem Kursus teilzunchmen wünschen, werden gebeten, sich schriftlich zu melden bei Erl. Klara Beermann, Schillingstr. 30. Berlin. In der Jüdisch-nationalen Erauen-Vereinigung sprach am Montag, dem 2. November, Herr Dr. Theodor Zlocisti über das Thema ״Sozialhygiene in der Erziehung des Kindes‘\ Der Referent wies in seinen von lebhaftem Beifall der Zuhörer begleiteten Ausführungen besonders auf die mannigfachen Schäden hin. die aus der Er- Ziehung des jüdischen Kindes in der Grossstadt erwachsen. Mit scharfen Worten geisseltc er die Lauheit, Interesselosigkeit und Unwissenheit vieler Eltern in Er/iclumgsfragen und gab, unterstützt durch seine Erfahrungen als Schularzt, sehr praktische, beachtenswerte Winke, wie man durch häufigen Aufenthalt in der frischen Luft, Abhärtung und Sport starke, gesunde Kinder erziehen kann. Mit einem Malmwort au alle jüdischen Eltern, ihre heiligste Pflicht, die Erziehung der Kinder, auf das Gewissenhafteste z,u erfüllen, und dem Hinweis auf die Wichtigkeit dieser Fragen für die Zukunft und gedeihliehe Entwicklung unseres Volkes, schloss der Redner seinen interessanten Vortrag, auf den noch eine längere Diskussion folgte. kb. Königsberg I. Pr. In der am 15. Oktober ahgchaltencu statutengemässen Generalversammlung wurden in den Vorstand gewählt die Herren: Dr. Stein tVorsitzender), Dr. Pelz (Schrittffilircr), Sambursky (Kassierer). Roscn/.weig. Sal/.mann. Das aus dem Kassenbericht hervorgehende günstige finanzielle Ergchnis des vergangenen Vcrcinsialtres ist den Lesern bekannt. Die Ortsgruppe hat zurzeit 130 Mitglieder. Es werden, wie es bereits im vergangenen Jahre regelmässig durchgeführt wurde, an jedem zweiten und vierten Donnerstag im Monat Vereinsabendc stattfiuden mit jedesmaligem Vortrag und Presscreier.ü. Eine neue Institution ist der ncugcbildete Arbeitsausschuss, der, aus einer grösseren Anzahl arbeitsfreudiger jüngerer Herren bestehend, bereits in den letzten Monaten vor Beginn des neuen Vereinsjahres Tüchtiges geleistet hat. Die Bibliothek ist im letzten Sommer durch den neuen, tatkräftigen Bibliothekar Herrn Louis I.ewin gründlich reformiert und vergrössert worden, nachdem ein Aufruf zu freiwilligen Spenden für diesen Zweck ein überraschend erfreuliches Resultat gehabt hatte. - Die diesjährige Makkabäerfeier findet am 13. Dezember in den Räumen des Schützenhauses in der üblichen festlichen Weise statt. Hamburg. Ant 22. Oktober sprach Dr. H a I p e r n in der zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Altona über ״Die allgemeine jüdische Konferenz In Berlin und die grossen jüdischen Organlsatlonen.“ Er führte etwa aus: Wie sich auf dem Gebiete allgentein gesellschaftlichen Lebens eine Entwicklung von der auf automatischer Grundläge beruhende Wohltätigkeit zu systematischer sozialer Tätigkeit mit demokratischem Charakter vollzogen hat, so zeigt auch die Entwicklung auf jüdisch politischem Gebiete eine Abkehr von den veralteten Formen jüdischer Wohltätig־ keitsuktionen. Die JCA war eine solche automatische Wohllätigkeitsiustitutioii. die Alliance Israelite zwar nicht theoretisch, aber praktisch. Die Masse der östlichen Juden diente den materiell höherstehenden westlichen Juden als Objekt der Wohltätigkeit, ohne selbst über ihr Schicksal!nitbestinimen zu können. Das musste in ihnen, die sich ethisch und intellckmell gleichwertig fühlten. Verbitterung erzeugen; es entstand eine Disharmonie. Erst der Zionismus legte nach demokratischem Prinzip die Entscheidung über jüdisches Geschick nicht in die Hände einzelner reicher Wohltäter, sondern in die• Hand der Beteiligten selbst. Auch der ״Hilfsverein der deutscheu Juden“ war bemüht. Kleinliches zu vermeiden. In der Frage des Fortbestandes der Juden huldigte mau iriiher teils der Theorie der Zerstreuung und Aufsaugung der Juden, teils der Theorie der materiellen Hebung der Juden in ihren ict/.ige•: Wolmländern. Demgegenüber hat sich der Gedanke der Notwendigkeit geschlossener jüdischer Kolonisationen siegreich durchgermi een. Schon in Brüssel w urde \on zionistischer Seite versucht, eine dauernde Kooperation :«Iler indischen Organisationen herbeizufiihren. aber durch den freiwilligen Ausschluss der Alliance und JCA blieb die Konferenz ein Rumpfparlament. Die in veralteten Gedankengangen befangenen Vertrete״ dieser Organisation hatten für die neue Situation und die Forde tung des Tages kein Verstanduis; sie blieben auch der jüngst iti Berlin abgehaltencn Konferenz fern, dagegen nahmen der Zcntrah׳erein, der Hilfstverein, d׳c Loge etc. teil. Wenn alle diese Organisationen mitsamt den Zionisten sich zusammen schliesscn. so bilden sie aneh ohne die JCA und Alliance einen bedeutenden Faktor in der Jtidenheit. Ein solcher Zusammenschluss ist zwar noch nicht geglückt, aber die Konferenz hat erkennen lassen, dass unbeschadet sonstiger Differenzen, auf einem Gebiet, nämlich dem der kolonisatorischen Arbeit, völlige Einigkeit herrscht; auch Einigkeit darüber, dass der Orient zur Kolonisation g’ceignet ist. und dass an der Basis der Autonomie festgehaltcn werden muss. Es gibt ein Gegcnwartsprogtamm, die Förderung der in Palästina befindlichen Juden und derjenigen, die lunkonrmctt wollen. Dort muss neben der Landwirtschaft durch Gewährung von frediten die Industrie gehoben werden. Wenn diese Erkenntnis endlich überall durchgedrungen ist, so ist das zum grossen Teil der Tätigkeit der Zionisten zu danken. Der Vortrag fand den verdienten Beifall. Der Vor- »ätzende Dr. Kalmus teilte darauf mit, welche Veranstaltungen für die nächste Zeit von der Ortsgruppe vorbereitet werden. Am 8. November wird Herr Pastor Eberhard, der bekannte Palästiiiaforschcr. über .,Volksleben in Palästina'4 sprechen. Herr Rabbiner Dr. Löwenthal hält Vorträge aus dem Gebiet dcr mdischen Geschichte; diese Veranstaltung erfolgt seitens der zionistischen Ortsgruppe gemeinsam mit der Loge und dem Talmud-Tlu ra-Vercin. Ferner wird Herr Gustav Tuch über Chamherlains Grundlagen des 19. Jahrhunderts sprechen. Am 2ö. Dezember findet die diesjährige Makkabäerfeien׳ in f orm eines Kostümfestes statt. Der Ueberschuss flicsst den jüdischen Pahistinainstitutionen zu. Auch die Frauengruppe l laut eine umfangreiche Tätigkeit für den Winter. Es hat sich ferner eine Agitationskommission gebildet, die es sich zur Aufgäbe macht, iu den Kreisen aussenstehender junger Leute Interesse für unsere Sache zu erwecken. Sic veranstaltet zuerst eine Versammlung mit dem Thema ״Die wirtschaftliche Stellung der deutschen Juden.“ Lübeck. Am L November hielt Herr Eduard Joel in der Zionistischen Ortsgruppe einen Vortrag über J) i c Juden i a> Drama“. Die leider nur in geringer Anzahl erschienenen Zuhörer folgten den hochinteressanten Ausführungen des Redners mit regem Interesse. Weitere Vorträge über dasselbe Thema w erden int ׳Laufe des Winters folgen. Hierauf gab Herr Zahnarzt Rothschild über die wichtigsten Ereignisse innerhalb der Bewegung während der letzten Zeit eine kurze Uebersicht, au die sich eine lebhafte Diskussion schloss, hm Duisburg. Die hiesige Vereinigung eröffuetc die Reihe der diesjährigen Veranstaltungen am 29. vor. Mts. durch einen f Vortrag des Herrn Carl Lew. Leiter des Jüdischen Verj lages. Köln, über ״D i e gegen w artige L a g e im ZI o ־ 1 nistnus“ Nach einer kurzen Einführung über die Bewegung