Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651552-2651597--06030-2663090- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 198 No. 45 ׳JÜDISCHE RUHDSCHKÜ. Beifall der erfreulicherweise zahlreich erschienenen Zuhörer folgte den trefflichen Ausföhrungen. Ifalberstadt. Am Mittwoch, dem 21. Oktober, fand die Generalversammlung unserer Ortsgruppe statt. Der Vorsitzende, Herr Lehrer Stern, erstattete den Jahresbericht über das mit dem 30. September abgclaufene Geschäftsjahr. Dem Bericht zufolge fanden im verflossenen Jahre 9 Veranstaltungen statt und zwar: 1 Agitationsvcrsammlung (Redner: Her! Lazarus Barth-Berlin Tiber: Zionismus und jüdische Politik); eine Makkabäerfeicr und 7 Vereinsvcrsammlungen. Der Berieht über unsere Sammlungen für zionistische Zwecke ergab ein sehr erfreuliches Bild. Wie lieferten bis zum 30. September ab: Für Nationalfond und ölbaumspendc 575,30 Mk , Parteifond 210,25 Mk., Schekel und Landesbeiträge 103 Mk., Palästina-Schekel 16,50 Mk.. Misrachi-Mittelschule S,65 Mk.: wir verkauften 27 shares der P. L. D.C. 574 Mk., 5 sharcs des Jewish Colonial Trust 100 Mk. in Summa 1587,70 Mk. Unsere Ortsgruppe umfasst 25 Mitglieder, die ausserdem an Beiträgen 232,60 Mk. aufbrachten, so dass im ganzen 1820,30 Mk. vereinnahmt wurden. — Der neue Vorstand besteht aus den Herren: Stern, Barth. Brunn, Freund und Galandaner. — Es wurde u. a. beschlossen, auch im kommenden Jahre regelmässige Vereinsabende zu verunstalten. b. Glelwltz. In der Mitgliederversammlung, die am 29. Oktober in Neumarks Hotel abgehoben wurde, sprach Gg*. Referendar M a n n e!> e r g über: ״Unsere Stellung zu den anderen jüdischen Organisationen." An den Vortrag schloss sich eine lebhafte Debatte. — Die darauf folgende Vorstandswahi hatte folgendes Ergebnis: Prokurist Morgenstern 1 Vorsitzender. Kam'mann Leo Focrder 2. Vorsitzender. Referendar Manneberg Schriitiührer, Kauimann Harry Fechncr Kassenwart. Bankbeamter Kurt Ritter Beisitzer. Zuschriften, wie bisher, an Leo Focrder, Tarnewitzerstrasse. Beuthen O.-S. Am 27. Oktober fand die General v er- Sammlung der hiesigen Ortsgruppe statt. Der Vorsitzende gab einen kurzen Bericht, dem Folgendes zu entnehmen ist. In dem verflossenen Geschäftsjahre fanden 10 Vorstands- Sitzungen und 8 öffentliche Veranstaltungen (Vortragsabende) statt. Die Zahl der Mitglieder, weiche 90 beträgt, ist sich im grosse!! und ganzen gleich geblieben, trotz der Absplitterung von 10 Mitgliedern aus Tarnowitz, die sich zu einep eigenen Ortsgruppe Zusammenschlüssen. Im März d. Is. wurde an sämtliche Gemeindemitglicder eine anfkläreude Broschüre versandt die zwar keinen nennenswerten Zuwachs an Mitgliedern zur Folge hatte, aber sicher zur Beseitigung mancher Vorurteile Tiber unsere Bewegung beigetragen hat. Die Kassen- Verhältnisse der Ortsgruppe sind günstig’. An zionistische Institutionen wurden insgesamt 1200 Mark abgeführt, in den Vorstand wurden Herr Dr. Dobrzynski als Vorsitzender. Herr De Beer als Kassietcr. die Herren Kaufmann Herzfeld und Salo Guttmann als Beisitzer wiederge wählt; ferner Herr Dr. med. Georg Block als Schriftführer neuecwöhlt; als Ersatz für die durch Wegzug ausccschicdenen Herrn Dr. med. Pinczower und Löwen stamm behält sich der Vorstand vor. zwei weitere Mitglieder durch Kooptation zu bestimmen. Der Generalver- Sammlung ging ein gut besuchter Vortrag voraus, mit dem Herr Lehrer Eisenberg seinen Vortragszyklus über die ״Gcschichte der Juden" eröffnetc. Der Vortragende gab einen kurzen überblick über die Geschichte unserer Vorfahren vom biblischen Zeitalter bis zur Zerstörung des 1. Tempels 5S0 v. Chr.. indem er in geistvoller Weise neben dem moralischethischen Moment, von dem aus die biblische Geschichte im Schulunterricht behandelt zu \vc׳den pflegt, das nationaljüiiische in den Vordergrund der Betrachtung stellte. Reicher Beifall belohnte die anregenden Ausführungen. Der nächste Vortrag findet Dienstag, den 10. d. Mts., im Hotel Lomnitz, abends 8%' Uhr. statt, worauf auch die auswärtigen Gcsinmmgsgenossen der Umgegend nochmals hingewiesen seien. Bl. Ratlbor. Am Sonnabend Abend sprach in unserer zinuistischcn Ortsgruppe Herr Louis Pinczower über den Jüdischen Volksgcdankcn“. Der Redner, das Haupt der hiesigen religiös-konservativen Kreise, bezeichnet nn Hand zahlreicher Bibelurd Talnmdsiellen den Zionismus nls die Konsequenz alles Judentums und bcg'riisstc die Palästinaarbeit als Kernpunkt und Konzentration des jüdischen Volksgedankens, Dem beifällig aufgenommenen Vortrage folgte ein Referat von Zahnarzt Block über den Breslauer Deieglertentag. , b. Marburg. Mit dem Beginn des Wintersemesters hat auch die hiesige Ortsgruppe ihre Tätigkeit nach dreimonatlichen, unfreiwilligen Sonuncrfcrien wledcn aufgenommen. Die Ortsgrupne suchte Im vergangenen Semester das Verständnis für den Zionismus dadurch zu vertiefen, dass sie einen Zyklus von Vorträgen über die Geschichte des Zionismus veranstaltete. Der eifrige Besuch von Mitgliedern sowohl wie von Nichtmitgliedern und die stets angeregt verlaufenen Diskussionen bewiesen, dass ihre Bemühungen von reichem Erfolg gekrönt waren. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen standen ein Vortrag des Herrn cand. phil. 11. Slowlnsky über Moses Hess, der aut die zahlreich erschienenen Zuhörer einen ersichtlichen Eindruck machte, sowie die wohigehmg’cnc Hcrzifeier am Todestage unseres grossen Führers. In diesem Semester ist zunächst eine Reihe von Vorträgen aus den wichtigsten — die zionistische Bewegung speziell interessierenden — Oebietcu der jüdischen Geschichte geplant. Ausserdem ist ein hebräischer Sprachkursus ins Leben gerufen worden, der — einem lebhaft empfundenen Bedürfnis entsprungen — für die Ortsgruppe ein neues, reiches Arbeitsgebiet eröffnet hat. isch. München. Die Münchener, welche noch Sinn für eine echt jüdische Veranstaltung haben, kamen gestern beim Vortragsabend Morris Roscnfcids sicher auf ihre Rechnung. Auf Veranlassung der Ortsgruppe, wclchp hierbei von einer Anzahl jüdischer Vereine kräftigst unterstützt wurde, kam der Dichter der ״Lieder des Ghetto" hierher, um einige seiner Gedichte selbst vorztitiagen. Welch grosses Interesse die persönliche Anwesenheit des grössten jüdischen Lyrikers hervorrief, bewies der starke Besuch des Vortrugsabends. Neben Rabbiner. Kultusvorständen usw. sah man alle ׳Schichten der Gemeinde vertreten — eine Beobachtung, die mau bei Arrangements von unserer Seite nicht allzu oit machen kann. Die einleitenden Worte sprach Herr Schriftsteiler Fabius Schach, der sich dieser Aufgabe i:1 glänzendster Form entledigte. In zündenden Worten schilderte Redner Entstellung und Wesen des Jargons, würdigte die in dieser Sprache tätigen Schriftsteller und Poeten, um alsdann den Gast, unseren ersten und echten Volksdichter der Jetztzeit, in trefflichster Weise vorzustellen. Lebhafter Beifall bcgleitete die Ausführungen des Redners, durch dessen instruktive Auseinandersetzungen gar mancher der Anwesenden wohl erst einen Begriff von der Sprache bekam, welche der weitaus grösste Teil der Juden der Welt als Umgangssprache benutzt. Nachdem ein weibliches Mitglied des hiesigen Volkstheaters eine Rosenicldsclic Dichtung in hochdeutscher Sprache zum Vortrag gebracht hatte, erschien der Gast am Podium. Wer ihn zum ersten Male sah. ihn, auf dessen Antlitz die Spuren einer in Not und Kummer verbrachten Jugend- und Jfingiingszeit noch deutlich zu erkennen sind, der wusste, dass in ihm nur die tragische Muse Ihren Meister fände. Rosenfelds poetische Gaben darf nur ein Roscnfeld vortragen; n u r er vermag die Bilder, die er in schweren Stunden dem Papier anvertraute, so vorzutragen, dass sie auch im Innern der lauschenden Hörer den ergreifenden Wiederhall linden. Ganz besonders ״Die Lichtverkäuferin“, ״Der jüdische Soldat“ und ״Mein Kind1* hatten die Herzen der Anwesenden tief ergriffen. Der ausserordentlich lebhafte Beifall mag den Dichter wohl überzeugt haben, dass auch bei deutschen Juden einiges Verständnis fiir seine poetischen Gaben zu finden ist. Eine Anzahl Gedichte Rosenfelds in hochdeutscher Sprache wurden sodann noch von der bereits oben erwähnten Künstlerin in verständnisvollster Weise zum Vortrag gebracht. Möchte im weiteren Verlauf der Wintersaison uns noch oft Gelegenheit gegeben werden, von ähnlich gelungenen Veranstaltungen berichten zu können. J. F. Wiesbaden. Nachdem am 13. v. Mts. eine private Zusammenkunft der Wiesbadener Zionisten unter Anwesenheit von den Herren D. Woffsohn und Dr. FrieUemann stattgefunden hatte, wurde endlich am 20. die Wiesbadener zionistische Ortsgruppe gegründet. Nach einer kurzen Bcgriissung der Erschicncncn durch Herrn Jos. Baum nahm Herr Dr. Eriedemann das Wort zu seinem Referate ״Was ist und was will der Zionismus", den er in bekannt meisterhafter Weise unter grossem Beifall der Anwesenden erklärte. Nach einer kurzen Pause beriet mau die Statuten, die an der Hand derjenigen der Berliner Ortsgruppe. ■ en bioc angenommen wurden. In den Vorstand wurden die Herren Dr. Mayer (Vorsitzender). Bertram Stern, Diplom-Ingenieur Kirschen und Berthold Kahn gewählt. Ferner wurde eine Literatur- und Natioualfoudkommission gebildet. Von Herrn Woiffsohn. der am Erscheinen verhindert war. war ein Begriisungsschreibeu cingclaufen, das beifällig aufgenotnmen wurde. Am Schlüsse der Versammlung richtete Herr Rüben Brainin (Berlin) einige Worte in hebräsicher Sprache an die Anwesenden, die lebhaften Beifall fauden. Für den Nationalfond wurde gesammelt. — In den ersten Tagen ihres Bestehens hatfe die Ortsgruppe schon einen schweren Verlust zu verzeichnen, als Herr Kilian Bluhm. einer ihrer Begründer, Wiesbaden veriiess. Wir sprechen Herrn Bluhm, der uns allen in seiner Begeisterung und in seinem Idealismus* für unsere hohe Sache stets ein Vorbild