Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage $ JUEDISCHE RUNDSCHAUEN־.« Aus der zionistischen Bewegung Aufruf! Der Hcrzlklub Berlln-Charlottcnburg versendet folgenden Aufruf: Der Judenhass, das traurige mittelaltcrlictie öespenst, das imscren Vätern durch die Jahrhunderte ein steter Begleiter auf mühseliger Wanderung blieb, ist zu neuem Leben erwacht. Öffentlich und insgeheim schmäht man unseren Glauben und unser Volk, verfolgt man die Brüder, die unseres Stammes sind und hetzt sic von Land zu Land. Und in Deutschland ist cs vor allem das wirtschaftliche Gebiet, auf dem man uns zu schädigen und in der öffentlichen Achtung herabzttwürdigen sucht. Zahlreiche Fabriken und Geschäfte sind ,.iudenrein“. in. Osten Preusscns bestellt vielfach ein streng durchgeführter wirtschaftlicher Boykott der Juden und der . grosse nationale Handlungsgehilfen־Verband predigt mit allen nur möglichen Mitteln den Antisemitismus. So stellen sicli dem jüdischen jungen Manne bei seinem hintritt in die Welt aller Orten Schwierigkeiten sonder Zahl entgegen, die er durch Mut. Standhaftigkeit und Cbcrzcugungstreue überwinden muss. Fr muss, um Sieger zu bleiben, ein Kämpfer sein, uta kämpfen zu können Stolz und Selbstbewusst-! sein im Heizen führen. I Wenn viele auf hartem Wege straucheln, so geschieht das. weil ihnen diese beiden Eigenschaften ahgehen, weil sic sich ihrer selbst, ihrer Abkunft und ihres Volkes, ihres Denkens; und ihres Atisseten schämen, wcj[ sie nicht mit Stoiz be - 1 kennen, dass sie Juden sind. Weil sie vorj Kessen haben, dass sie Glieder des grossen, alten Kulturvolkes | sind, dem die Welt 3 Religionen und zahllose Errungenschaften j auf allen kulturellen Gebieten verdankt! I Wer sieh nicht selbst achtet, den verachten die Anderen!! Ist es da ein Wunder, wenn unsere itichtjiidische Umgebung uns für minderwertig erklärt? Solchen Zuständen entgegenzuarbeiten ist die Aufgabe jedes iungen Juden, der männlich denkt und dem Judentum die Treue halten will! Aus dieser Erkenntnis heraus, ist unsere Vereinigung entstanden, der wir als Ansporn zu begeisterter und begeisternder Arbeit einen Namen gegeben haben, den uns voranleuchtcn soll wie eine lodernde Fackel. Den Namen des wahrhaft Grossen und Edlen, der ein ganzer Jude war und einganzer Mensch, der sein Herzblut für das jüdische Volk dahingegeben hat — Theodor Herz 1. Ganze Männer wollen wir heranbilden und ganze Juden. Wir suchen Kampfgenossen, die auf festem Boden stehend, ircudig das Judentum bekennen. Die im Zentrum der Gleichgiltigkeit ihre Altersgenossen begeistern und unter ihnen werben. Die bereit sind zu wirken, damit der alte Stamm neue Blüten treibt, si» h selbst zum Ruhme und der Menschheit zum j Segen. ן An sie richtet sich unser Appell. Wir versprechen kein hochtrabendes Prr.gr.a..n1 und keine Ehren. Aber wer zu uns kommt, wird Arbeit fiir eine gute Sache und die innere Befricdigtmg finden, wie sie eine ehrliche Hingabe an eine gute Sache »md eine grosse Idee verleihen kann. Und sie werden sich das Recht erwerben, mit bewusstem Stolze den F.hrcnna ni c 11 Jude zu führen. Das Zentralbureau der Zionistischen Vereinigung für Deutschland erlasst f ügendes Rundschreiben״ Die Veränderung der politischen Verhältnisse in der Türkei und insbesondere in Palästina, die ja die Aufmerksamkeit jedes einzelnen Zionisten gefunden hat und in der zionistischen Presse von den verschiedensten Gesichtspunkten aus gewürdigt worden ist. hat in der Plenarsitzung des Zentralkomitees vom 25. Oktober zu einer eingehenden Besprechung Veranlassung gegeben. Das Zentralkomitee hat sich auf folgende Erklärung־ geeinigt: ״Die Umwälzungen, die in der Türkei seit dem 24. Juli stattgefunden haben, sinu* von weittragendster Bedeutung fiir die Arbeit des Zionismus. Wenn auch def Gang, den die Entwicklung, der türkischen Dinge nehmen wird, noch nicht zu übersehen ist. so ist doch eins schon heute unzweifelhaft: Der Orient beginnt, wie es der Zionismus seit Jahr und Tag verhergesagt hat, zu nettem Leben zu erwachen. Wenn die Neuordnung und Reform וויו türkischen Reiche in der begonnenen Balm weitergeht, so sind die Möglichkeiten, die sich jüdischer Arbeit eröffnen, ausserordentlich grosse. Dann wäre es schneller möglich, unserer Arbeit die rechtlichen Grundlagen zu geben, die wir so lange schmerzlich entbehrt haben. Wenn nicht wir, iverdcn andere aus der Entwicklung Palästinas Vorteil ziehen. Wie es aber auch kommen mag — ln ledern Fall gilt cs, uns für eine grosse Entwicklung vorzubreiten. Dazu gehört vo'aHem eine kiaftvolic Verstärkung unserer Machtmittel, unserer Fonds und Institutionen• Im Inneren der Bewegung müssen w ir doppelt intensiv arbeiten, nach aussen mit doppdtem Eiter tätig sein, um dem jüdischen Volk die Überzeugung btizubring'cn. dass seine Zukunftsmögllchkclten Im Orient liegen, und dass es vielleicht an einem geschichtlichen Wende- Punkt steht.“ Wir empfehlen diese Erklärung auf das Dringendste Ihrer Aufmerksamkeit um! rechnen darauf, dass sic dem Vorstand Ihre־ Ortsgruppe Veranlassung geben wird, eine intensive Tätigkeit zu entfalten. Mit Züwsgruss Zionistische Vereinigung fiir Deutschland. Zweighureati (gcz.) H a n t k c . Qrotieman 11. L e s z y n s k y . W o 11 s t c i 11 c r. Aus den Ortsgruppen Berlin. Atu Montag, dem 9. November d. Js.. abends 9 Uhr. findet in Dräsels Fcsisäleri. Neue EricJ'jclistr. 35 eine Mitgliederversammlung statt, in der Herr Rechtsanwalt Dr. H a nt k e über das Thema ..Unsere Stellung zu den V׳ o r g ä n g c ח im 0 r i e n f‘ referieren wird. An das Reiirat wird sieh eine Diskussion anschlicssen. Es sei ausdrücklich daran! hitigewiesen. dass in diesem besonderen Falle nur Mitglieder der Zionistischen Organisation in Berlin oder andere SchcKelzahler Zutritt haben. Gästen kann diesmal der Zutritt nicht gestattet werden. Berlin. Die jüdischnationale Fraucnvcrelnigung veranstaltet in diesem Winter einen Kursus der hebräischen Sprache unter Leitung eines bewährten und anerkannt tüchtigen Lehrers. Der Unterricht wird nach der Berlitz- Methode erteilt. Herren und Damen, die an dem Kursus teilzunchnien wünschen, werden gebeten, sich schiiftiieh zu melden bei der 1. Schriftführerin der jüdisch-nationalen Frauenvenelnigung. Frl. Klara Beermann, Schiilingstr. 30. Mlsrachl-Gruppe Berlin. Wir bitten urierc Mitglieder und alle anderen auf dem Boden des Misrachi stehenden Zionisten ihren Beitrag für Schekel. Landesbeitrag und Mass in Höhe von je I Mark möglichst umgehend unserem Kassierer. Herrn Harry Geis. N. 54. Weinbergsweg 24, cinzüsenden. Dieser ist auch bereit,?ui schriftliche Mitteilung hin die Beiträge einzukassieren. Berlin. Der Hcrzlklub ßcrlin-Charlottenburg veranstaltet am Donnerstag, dem 12. November chic Versammlung, zu der Herr Rechtsanwalt Grone m a n 11 das Referat übernommen hat. Junge geslnnutigsgenössisclie Kaufleute werden dringend gebeten, möglichst zahlreich zu erscheinen. Ueberlaupt wäre es wünschenswert, dass die junge!! der Ortsgruppe angehörrgen Kaufleute sich in grösserem Masse an der Arbeit des H e r z 1- Klubs beteiligten, als cs jetzt leider der Fall ist. Der Klub hat hier in Berlin ein grosses Arbeitsfeld vor sich und konnte ganz respektable Leistungen attfweiseu, wenn ihm mehr Kräfte als jetzt zur Verfügung standen. Die Versammlung findet in Dräsels Fcstsälen. Saal IV. 9 Uhr präzise statt. Ktd. Die zionistische Ortsgruppe hielt zusammen mit dem Verein iiir jüdische Geschichte und Literatur ihren ersten Vortragsabend dieses Winters am 29. Oktober ab. Herr Dr. Ha Ipern-Hamburg sprach über das Thema: ..Die UmgestaUung des Orients und ihre Bedeutung für die Jude!.*‘ Ausgehend von der Notahelnvcrsammiunv! m Berlin schilderte Redner die modernjüdischen Bestrebungen und Arbeiten im Orient, wobei er grossen Wert auf die Gründung des Teehnikums legte. Eine besondere Förderung der Kolonisation•*־ Möglichkeit versprach er sielt von der im- Anschluss an die Verfassung zu erwartenden Verbesserung der Agrargesetze. Da nur derjenige einen berechtigten Anspruch habe, etwas zu verlangen, von dem man erwarten dürfe, dass er das Erlangte zu halten die Macht habe, schloss Redner mit der Auliorderung an alle Juden, mitzuarbeiten. dass die Juden in dem Nationalitätenstaate Türkei diese Macht erhielten. Reicher #***׳ •י *׳ 1