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Jüdische Rundschau · 1908-11-06 · Heft 45 (6.11.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 45 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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In den beteiligten Kreisen ist es bekannt, dass ich seit | beinahe zwei Jahrzehnten einen entschiedenen Kampf gegen; die Misswirtschaft in der Chalukah geführt, und dass ich immer I und immer wieder darauf hingewiesen habe, dass der! Krebsschaden der ganzen Chalukahwirtscbaft in der deutsch-! holländischen Chalukah liege, die so verwaltet wird, ״dass j dort keinerlei Unterschleife möglich sind“. Die langjährigen | Bemühungen, die von mir seit 1897 mit noch grösserer; Energie geführt wurden, wo ich zuerst in der Broschüre »Zionistenkongress und Zionismus, eine Gefahr? c mit Namen und Zahlen die einzelnen wohlhabenden Chalukahempfänger blossstellte, haben andere bewogen in den Ruf nach einer Reform der Chalukah und insbesondere der Verwaltung des Kolel Hod miteinzustimmen. Schliesslich kam es sogar zu einer Reformkonferenz und es wurde beschlossen, einen vertrauenswürdigen Rabbiner nach Jerusalem zu entsenden, der dafür sorgen solle, dass alle Klagen gegen die Chalukahverwaltung aufhören sollten. Mit grosser Freude habe ich es begrüsst, dass endlich eine Besserung eintreten solle, die von den frommen Chalukahverwaltern selbst ausgehen sollte und deshalb geeigneter sein müsste als alles andere, eine endgiltige Sanierung zu schaffen. Ich erwartete, dass nunmehr der fromme Charakter der Chalukah gewahrt bleiben würde und dass die unter dem Namen ״Für die Gesamtheit palästinischer Armen“ gesammelten Armengelder den wirklichen Armen zuteil werden würden. Eine grosse Enttäuschung wird mir soeben zuteil. In der neuesten Nummer der Münchener Zeitschrift PALAESTINA, die von unseren wackeren Theilhaber unter grossen Opfern gehalten wird, finde ich einen Auszug aus der neuesten Abrechnung der nunmehr reformierten deutschholländischen Chalukah. Und was ist das Ergebnis? Es sind dieselben Familien und dieselbenSummen, die in allen meinen doch wahrlich nicht zu zarten Anklagen genannt wurden. Ob da ein Alex Preuss mit jährlich 76 Franken hinzugekommen ist, tut absolut nichts zur Sache. Von den 28 898,92 Franken, die auf die holländischdeutsche Gemeinde verausgabt wurden, entfielen auf die Familie Bergmann rund 2000, auf Familie Schlank rund 3000, Lihenthal 2000, Familie Hausdorff 1500, Halberstadt 1400 Franken an jährlicher Armenunterstützung. Es sind dieselben Familien, die unter sich eine einzige Schwäger- und Geschwisterschaft bilden: Bergmann, Sachs, Lilienthal, Hausdorff, Elb, Schlank, Coronel, die heute wie vor zehn und zwanzig Jahren unter sich den Löwenanteil der Armengelderteilten. Darunter sind Leute, die in den letzten zwanzig Jahren insgesamt Renten aus diesen unter dem Titel ״Für die Gesamtheit palästinischer Armen“ ausgewiesenen Armengeldern in Höhe von etwa 20 000 Franken erhalten haben und diese Renten weiter beziehen, die cs nicht nötig haben, von den Spargroschen zum Teil recht armer jüdischer Frauen in Deutschland sich in so reichlicher Weise unterstützen zu lassen. Daneben [aber gibt es tausende und abertausende armer Juden in Jerusalem und den andern heiligen Städten des Landes Israel, die nicht das Geringste vom allernotwendigsten haben. Wie viel Not Hesse sich mit den an die wohlhabende deutschholländische Gemeinde so reichlich verteilten Armengeldern lindern, wenn die Armen und Bedürftigen, die Schüler der Taimudschulen und die wirklichen Talmudgelehrten die notwendigste Unter- Stützung erhielten. Als die Reform der deutschholländischen Chalukah mit vielem Nachdruck und beinahe allzugeräusclivoll angekündigt wurde, da konnten wir es nicht glauben, dass das alles nur leerer Schall sein sollte. Dazu war wenigstens uns die Sache viel zu ernst. Mit Freuden habe ich dafür Sorge getragen, dass alle Mitteilungen, die von der Leitung der Amsterdamer Chalukah ausgingen, soweit es nur der Raum gestattete, auch in dieser Zeituug zum Abdruck kamen. Wenn aber weiter die alte Wirtschaft fortgesetzt wird, wenn weiter die Armengelder in wenigen kräftigen Händen bleiben sollen, wie es nach dem in PA- LAESTINA gegebenen Bericht deutlich wird, dann handelte es sich nur um Blendwerk, aber um keine Reform. Als bei der letzten Polemik zwischen mir und der Amsterdamer Chalukahverwaltung der ISRAELIT seinen besten Artikel gegen mich mit dem schönen Motto versah; ״Die Lerche in die Lüfte steigt, der Löwe brüllt, wenn er nicht schweigt“, da lehnte der Wortführer der Amsterdamer Pekidim und Amarkalim jeden Versuch einer Verbesserung der angeblich idealen Chalukahverteilung ab. Das war schlimm, aber viel, unendlich viel schlimmer ist es, in grossen Versammlungen und durch die Presse den Eindruck hervorzurufen, als ob eine Aenderung, eine Ab- Stellung der allergröbsten Missstände geschehen sollte und dann unter dem Scheine der geschehenen Sanierung alles beim Alten zu lassen. An die verantwortlichen Leiter und Sammler der Chalukahgelder ergeht wieder einmal die Frage: Beruht die in PALAESTINA gegebene Aufstellung über die Ausgaben der deutsch-holländischen Chalukah auf Wahrheit? Und wenn sie das nicht leugnen können, die weitere Frage, was denn nun geschehen ist, um der Verschleuderung der Armengelder entgegenzuwirken! Die Antwort muss eine klare sein, keine gedrehte und keine verschnörkelte. Aber die Herren mögen wissen, dass ich nicht eher die Fede• ייייי* «f׳ " . י, i I 1 * f I 1• ,I. , 1r!: •[

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