Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1908)
- Date
- 1908-10-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 194 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 44 möglichst rasch und schnell den Schekel an die Misrachi- Vertrauensmänner abzuliefern, damit zum Kotigressjahre die für die Föderationsbildung nötige Anzahl von 3000 Schcknlim zusammenkäme. Zur Schulfrage machte Herr Dr. Oriinhut interessante Mitteilungen über die Verhältnisse in Palästina und zeigte, ein wie grosses und wahres Kulturwerk der Misrachi durch seine Schulgründung in Angrift-nehme. Fr empfahl die Übernahme der Tachkemoni-Schulc in Jaffa, die sich leicht zu cinere modernen Schule aushauen Hesse. Der Vorsitzende konnte mitteilcn. dass sich die Verhandlungen wegen der Schule dem Abschluss nähere und man voraussichtlich die Tachkemoni-Schulc übernehmen werde. Damit würde der Misrachi den ersten Schritt tun zur Verwirklichung seiner grossen Aufgabe, dem heiligen Lande moderne Kultur zu vermittcln in einem Geiste, der im Kinklang stehe mit den Anschaumigen der gesetzestrenen Landesbevölkerung, im Geiste der alten heiligen Überlieferungen des jüdischen Volkes! — Beitrittserklärungen zum Misrachi!sowie Sclickclgeldcr etc. nimmt Edmund L c w y, Auguststr. 84. entgegen. Dessau. Am 24. d. Mts. fand die Generalversammlung der hiesigen zionistischen Ortsgruppe statt. Den Vorsi‘z führten abwechselnd Herr Dr. Ascher und Dr. Mose s. Herr Dr. Ascher hielt eine Ansprache an die Versammelten, worin er diesen für die Mitarbeit im verflusscncn Jahre dankte und sic zur fortgesetzten Tätigkeit ermahnte. Herr Kantor Blitz gab ein Bild von der gesamten Tätigkeit der Gruppe im vergangenen Jahre, die er• in kurzen, aber markanten Zügen zeichnete. Der Rendant. Herr M. Sehnuiro, erstattete Bericht über das Kassawesen. Der Etat des letzten Jahres betrug zirka 50ו<י Mark. Die Einnahmen und Ausgaben hielten sich das Gleichgewicht. Von dieser Summe flössen über 3000 jV.k. in die Kasse der zionistischen Institutionen. Hierauf wurde zur Vorstandswahl geschritten. Zum Bedauern der Anwesenden erklärte Herr M. Schapi׳־o, das Amt wegen Überlastung in seiner beruflichen Tätigkeit nicht wieder anncltmen zu können. An seiner Stelle wurde der Kaufmann Herr A. Goldmanu als Rendant gewählt. Der Kaufmann M. Segall wurde als Stell- Vertreter, mit Sitz und Stimme im Vorstande, neugewümt. Der Vorstand setzt sich zusammen: Rechtsanwalt Dr. Ascher I. Präsident. Dr. Moses. 2. Präsident. Hoibankicr Paul Märker Beisitzer. Kantor Blitz Schriftführer. Kaufmann A. Goldmann Rendant und Kaufmann M. Segall Stellvertreter, Au! Antrag des Herrn Kantor Blitz wurde beschlossen, die verstorbene Frau Julie Barunin von Cohn-Oppenheim, die durch ihren hochherzigen Nachlass soviel Segen über unsere Gemeinde gebracht hat, was auch dem Zionismus zugute kommt, ins Goldene Buch clnzutragen. Essen. Allwöchentlich treffen sich die hiesigen Zionisten am M i 11 w o c 11 A b e n d irn Kaffee Schapitz, 1. Etage. Köln. Mit einer ausserordentlich zahlreich Lcsuclücn Versammlung cröffnctc die hiesige zionistische Vereinigung Samstag, den 24. d. Mts., ihre Tätigkeit für die bevorstehende Wintersaison. Das Thema des Abends lautete: ״Die neue Lage im Orient“. In einem V• ständigen, tiefdurchdachten und üusserst fesselnden Vorträge erörterte der Referent des •Abends, Herr N. Sokolov, die auch für u1־s hochbedeutsamen, die gegenwärtige politische Weltlage sta'k beeinflussenden Ereignisse im ottomanischen Reiche. Der Redner gab zunächst eine Ucbersieht über die allgemeine Lage auf dem Balkan, wie sic sich im Laufe der letzten Jaluzehnte entwickelt hat, und charakterisierte in scharf pomtierter Weise die Tätigkeit der europäischen Diplomatie und die Expansionspolitik der Grossmächte. Durch das Erwachen Asiens, wie den russisch-japanischen Krieg und die pcisiscl’.c Revolution wurde die Bewegung im türkischen Reiche, uic ihren letzten Ausgang in einer vollständigen Umwälzung gefiinden hat, stark beeinflusst. Das absolutistische Regime in der Türkei, gestützt durch Machinationen und lntriguen der europäischen Diplomatie, musste notwendigerweise die nationale Bewegung unter den Jungtürken liervorbringen. Aeusscriich konnte man das Verhältnis in der Türkei mit jenem in Oesterreich-Ungarn und vielleicht auch mit jenem in Russland vergleichen, da alle drei Staaten Nationalitäten- Staaten sind. Aber während ׳z. B. in Oesterreich die N'ationalitäton als grundlegende Machtfaktoren des Staates auftreten, ist die Türkei in diesem Sinne weniger ein Nat;oiialitätcn-, als vielmehr ein!militärisch-religiöser Staat. Die türkische Revolution hatte eine besondere Eigenart, die durch Verhältnisse bedingt war, und in einem Aufbäumen gegen d־M1 unnatürlichen Druck einerseits, und die Bcvorrcciituug der Fremden, die in der Türkei mehr Rechte genossen haben, als die Türken selbst, bestand. Es entsteht nun die Frage, wie sich die Türkei staatlich entwickeln wird. Dass sie ein assi- (dilatorischer Staat werden kann, Ist absolut ausgeschlossen, und in dieser Beziehung kann man die Verhältnisse mit mehr Fug und Recht mit jenen In Oestcriclch vergleichen. Die Türkei kann ein Kulturstaat für die mohammedanische Welt werden, ein Bollwerk gegen das Alldrängen fremder Elemente, und darin treffen die. Interessen der Türkei mit unseren Be- Strebungen zusammen. Welche Möglichkeit besitzen wir Zionisten, tun unser Ziel bei der neuen Konstellation erreichen zu können? Hier möchte ich vor allem auf eine Erscheinung hinweisen ,die dem jüdischen Problem ihre charakteristische Struktur gibt, nämlich die Auswanderung. Mehr als 150 000 Juden ans Russland, Rumänien und anderen ölsilchcn Staaten wandern alljährlich nach Amerika und England aus. Das ist ein Faktor, der 17״ die Stärkung des ottomanischen Reiches in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht sehr in Betracht kommt, wenn die Auswanderung ihren natürlichen Abfluss nach dem Orient findet. Aber noch ein anderer, mehr imponderabilcr Faktor kommt hier in Betracht, «las ist d׳c Tragödie der jüdischen Jugend, die überall versucht unterzukommen, überall versucht sich zu betätigen, etwas für sich und die anderen zu schaffen, aber nirgends Unterkommen kam! Auch diese Jugend möchte eine Heimat für sich 1nJ mit ihr ist noch etwas entstanden, nämlich das intcilektucllc Pr.;- Ictariat bei den Juden. Das ist unser Mcnschcnmatcriat. das wir der aufstrebenden Türkei anhictcu können und das wild, wie wir hofien, den denkenden Jungtiirkcu cinleuchicn. Man könnte sagen, auch andere werden cinwandcrn, z. B. Italiener. Franzosen usw. Aber man darf nicht vergessen, dass hinter diesen Armen, mit denen wir ebenso empfinden, als mit 1msereu Armen, eine Grossmacht steht, Italien, Frankreich usw. Die neue Türkei wird wohl wissen, welche Rolle die enropäischcu Großmächte in der alten Türkei gespielt haben und welche Interessen dieselben an der neuen Türkei haben, und wird danach handeln. Man kann die Einwanderung der Juden nach Palästina nicht mit der Einwanderung anderer Nationalitäten vergleichen, denn unsere Einwanderung ist das Wandern eines Volkes zu seinen Urquellen. Wenn wir nach Palästina streben, so sind es welthistorische und kulturelle Ziele, die wir anstreben, und das gibt dieser Frage einen ganz anderen Zug. Worin besteht nun unsere jetzige Arbeit? Wir müssen es der türkischen Nation zum Bewusstsein bringen, dass cs in ihrem Interesse liegt, die jüdische Einwanderung nach Palästina zu fördern. Dies können wir aber nur, wenn wir ihr Tatsachen «vorführen, wenn wir ihr zeigen, was wir bereits geschaffen haben und dass wir mit dem Willen und der Kraft des Volkes eine Wüste in ein Paradies umwaiideln können. Deswegen müssen wir uns alle zusammentun, um mit vereinter Kraft dieses zur Ausführung zu bringen. An das Referat des Herrn Sokolov, das einen ticien Eindruck auf alle Anwesenden ausübte, schloss sich eine anregende Diskussion, an der sich die Herren Gross. Dr. Kaufmanu. Dr. Hohenstein und Berger beteiligten. Nach einem Schlussworte des Referenten schloss der Vorsitzende in vorgerückter Stunde die Versammlung, die der hiesigen Ortsgruppen eine Anzahl neuer Mitglieder und dem Nationalfond ein ansehnliches Erträgnis brachte. Strassburg i. Eis. Oie hiesige zionistische Ortsgruppe hielt \orige Woche ihren I. Vortragsabend für dieses Semester ah. Der Vorsitzende. Herr Dr. Ca leb, sprach über ״Die gegenwärtbte Lage des Zionismus.“ Nach einigen einleitenden Bemerkungen über die Bewegung überhaupt, behandelte der Redner eingehendst die gegenwärtige Euge unter dem neuen Regime. Wenn auch die Tcilnelimerzalil nicht besonders gross war. so wurde die Diskussion, da die Erschienenen wirkliche Interessenten waren, recht lebhaft. Die Sammlung für den Nationalfond ergab 6,7ö Mark. w. 1 ■־׳ ־=— Nationalfond —- Sammlungen für den Nationalfond und andere zionistische Zwecke sind ausschliesslich zu senden andcnSchatzmelster des ן Zentralbureaus, Herrn Max Woliftelaer, Charlottenbur? | ׳״■■ ■ ׳ bei Berlin, Bybelstraaao BO. -־—־־=־־». Der Jüdische Nctionuifond ist dazu bestimmt, palästinischen Boden »t*Ge*amtels;©nU»mdes Jüdischen Volke•* zu erwerben und auf ewige Zeiten zu erhalten. Vom S. Zlonistenkar.gress 1901 gegründet, besitzt er heute bereits ein Vermögen r»n Über /‘/נ Millionen Mark. Die Zionistische Ortsgruppe Rybnik dankt Ingenieur Loewy aus Gleiwitz für den Vortrag. 2,-- Mk. Der S'ammtisch .Hütte“ io Berlin.10,50 , Familie Emil Lissauer, Berlin, •endet Familie Dr. Adler ia Nordrach viele Grüsse, und wüascht weiter gute Besserung •. 1,— Mk* Elite Markus, Göthen i. Anb., am Slcochath Thora V08 N. N.. 6,— ,