Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1908)
- Date
- 1908-10-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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# e.־״e.L JUEDISCHE RUNDSCHAUjg.x,11,N41.־ - _Au3 der zionistischen Bewegung Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 1• Wir beabsichtigen, für die Zionistische Vereinigütig für Deutschland einen Parteisekretär anzustelien, dessen Tätigkeit hauptsächlich in persönlicher Agitation bestehe» wird. Der Parteisekretär soll insbesondere die bestehenden Ortsgruppen besuchen und die Gründung neuer Gruppen vorbereiten, Bewerber wollen sich unter ausführlicher Darlegung ihres Bildungsganges und Angäbe ihrer Gelialtsansprüche umgehend an unser Bureau, Berlin-Cliarlottenburg 2, Bleibtrcustrasse •49, wenden. 2. Die Herstellung der von uns zu führenden Verzeichn isse der deutschen Sc h e ke|zahIc r macht oft deshalb erhebliche Schwierigkeiten, weil in den Schekelblocks die Namen der Schekclzahler seitens der Sammler sehr undeutlich eingetragen werden. Wir bitten deshalb dringend, auf den im Block zutiiekbleibenden 1 alons die* N a m e 11 1111 d Adr c s sei! der Schekclzahler mit grösster Deutlichkeit auszufüllen. 3. Wir machen die verehrlichcn Ortsgruppen und Vereine darauf aufmerksam, dass es jetzt an der Zeit ist, mit den Vorbereitungen fiir die Makkabäerfeiern z!: beginnen, damit diese entsprechend agitatorisch ansgcs'.ahet werden können. Prograninientwiirfe stehe» auf Wunsch zur V c r f ii g u n g. us den Ortsgruppen Köln. Zionistische Studenten, die auf der Bonner Universität oder der Handelshochschule in Köln studieren, werden gebeten, ihre .Adressen an Herrn Dr. S. Weil. Köln a. Rh., fihrenstr. I3'׳, mitzuteilen. Berlin. Die Berliner Zionistische Vereinigung cröimete ihre Winterarbeit am 26. Oktober d. Js. mit einem Vorträge des Herrn Rechtsanwalts Dr. Kollenschcr aus Posen über ״Jüdische Ocmeindcpoütik" in Dräscls Fcstsälen. Der Vorsitzende. Herr Rechtsanwalt Gronemann,, cröünete die Ver- Sammlung mit einer kurzen Ansprache, in der er das Winter- Programm skizzierte. Der Referent nahm zunächst Voranlassung, in der ersten öffentlichen zionistischen Vcrsammirng die .Angriffe znriickziiweise'i. die kürzlich in einer Versammiung des ״Vereins zur Abwehr des Antisemitismus*' geschehen sind; er unterzog sich dieser Aufgabe mit vornehmer Sachlichkeit. Die Vorbereitung des Volkes Gr das Endziel des Zionis-; hius erfordert, so führte er dann -..eiter aus, als dringendste 1 Gegenwartsarbeit die Tätigkeit der Zionisten in der Gemeinde j und für sie. Sic sind die einzigen staatlich anerkannten Organ!- j sationsfoi men der Judenheit in Deutschland, in ihren Händen liegt, als fiir uns besonders wichtig, die jüdische Erziehung der Jugend. Im Verhältnis der Gemeinden zum Staate fordert der Referent in Ocmässhc't der •alten demokratischen Maxime, für die iihrigens d׳e Juden s.ets emgeoetc sind, völlige TiConung von Staat und Reagionsgeselischaft. Für die jüdiacne Religionsgesellscliaft muss der Eingriff des Staates in ihre innere VerhäUmsse umso störender sein, als die staatlichen Organe '! andersgläubig sind und naturgemäss fiir die Bedürfnisse der jüdischen Gemeinde nur ein geringes Verständnis haben. Dagegen ist es Aufgabe des Staates, seinen jüdischen Bürgern die Organisationsformen und den danach gebildeten Organi-! sationen das Steuerrecht zu gewähren. Neben der Einzelj gemeinde, die nicht allen ihr zufallenden Aufgaben gewachsen I ist, müssen Gcsamtorganisationen geschaffen werden, besonders *tun einen Ausgleich zwischen den jetzt bestehenden Riesen- und Zwerggenieinden zu finden. Die innere Organisation der Gemeinden und Gemeinde verbände muss durch Einführung: des gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts und Publizitat der Vertrctcrsitzungen auf eine demokratische Basis gestellt werden. Von den Formen, in denen die Beschaffung der Geldmittel für die Gemeinden sich vollziehen, Besteuerung und Gebührenerhebung, verdient die erstcre, und zwar die direkte Besteuerung den Vorzug. Soweit die Gemeinde ohne Gebühren nicht auskommt, müssen diese gciechter als bisher und unter grösserer Scnonung des Minderbemittelten erhoben werden; vor allen Dingen dar! die nach der Leistungsfähigkeit abzustufende Höhe der Gebühren keinen Unterschied :n der Güte der Leistungen bedingen. Werden so alle Glieder der GemeinJe in gleiclunässiger Weise berechtigt, an den Aufgaben der Gemeinde mitzuarbeiten, so wird cs auch möglich sein, in Anknüpfung an die historische Entwicklung den Kreis der Aufgaben der Gemeinden wieder zu erweitern. Die Assimilation ist unter der Hcrrschait des Judenger.ctzcs von 1817 bestrebt gewesen, die Gemeinden, ehemals die Träger des gesamten jüdischen Lebens, zu blossen Kultusgcmeinden herabzudrücken und alle nationalen Elemente aus Synagoge und Schule zu verbannen. Gegenüber dem Versuch der Imitation volksiremdcr Gebräuche, insbesondere im Kultus, muss auf Erhaltung der alten Riten gesehen lind in der Schule wie im Gottesdienst der Volkssprache der gebührende Raum wieder verschallt werden. Uelwr das schulpflichtige Alter Hinaus aber hat die Gemeinde die Aufgabe, durch Bibiiotheken mul Fortbildungskurse das jüdische Wissen der heranwachsenden Jugend zu iördern und zu vertiefen. Ganz ocsonders aber muss die jüdische Gemeinde wie in früheren Zeiten wieder der Mittelpunkt der sozialen Arbeit für das Volk sein; diese Arbeit darf nicht länger den Wohltätigkeitsvereinen überlassen bleiben, ln diesen Vereinen arbeiten doch stets nur wenige; in der demokratisch organisierten Gemeinde aber kann das ganze Jüdische Volk für seine soziale Hebung tätig werden. Diese allgemeinen Ausführungen wusste der Retereut durch zahlreiche Beispiele und Hinweise auf die Art, wie die entwickelten Prinzipien auf den verschiedensten Gebieten der Gemeindcarbcit anzuwenden sind, interessant und verstäijdlich zu »lachen. Zmu Schlüsse gab er der Gewissheit Ausdruck, dass zu einer Acnderung des veralteten Judengesetzes von 1847 in dem eingangs skizzierten Sinne die Zu- Stimmung der gesetzgebenden Faktoren zu erlangen sein wird; dass sich in den Gemeinden die Kräfte zur Verwirklichung einer Reform des Gemeindelebens Finden werden, könne ebenso wenig einem Zweifel unterliegen. — Reicher Beifall folgte den interessanten und in der Form ־vollendtlen Darlcgungen des Redners, an die sich eine lebhafte!»iskussion anschloss. Vor Eintritt in die Debatte teilte der Vorsitzende noch mit. dass nach einem soeben eingelaufencn Telegramm aus Jerusalem bei den dortigen Wahlnumnerwahlcn neben 3 Muhammedanern 2 Zionisten gewählt seien, während der von der Alliance Israeütc aufgestellte Gegenkandidat unteilegen sei. wovon die Versammlung mit Befriedigung Kenntnis nahm. Als besonders erfreulich muss hervorgehoben werden, dass die Versammlung ausserordentlich gut besucht war. Der Saal war nberftiüi. nn-l neben den Mitgliedern der zionistischen Organisationen, die zah'reien erschienen waren, folgte eine grosse Anzahl Gäste! i gespannter Aufmerksamkeit dem Referat und der Debatte, alles in allem, ein glücklicher Anfang unserer neuen Arbeit. Berlin. In der Jüdisch-nationalen Frauenvereinlgung hält Herr Dr. Zlocistl am Montag, dem 2. November. 9 Uhr präz.. ir Dräscls Fcstsälen. Neue Ericdrichstr. 25. einen Vortrag über das Thema: ״Sozialhygiene In der Erziehung des Kindes.“ Gäste, Damen und Herren, willkommen! ״Herzlklub“, Berlln-Charlottenhurg. In! H c r z l k’l u b spricht am Donnerstag, den! 5. November, abends 9 Uhr, Herr Hans Goslar über• ״Die deutschen Juden und ihre Zukuufr. An den Vortrag schlicsst sich eine Diskussion an. (i i s t c. Damen ti n d Herr e n. insbesondere junge Kautleide, sind willkommen. Lokal: Dräscls Festsäle. Neue Friedrichstr. 35, Zimmer I. Berlin. Misrachi. Am Sonnabend, dem 2*1. Oktober er., vereinigten sich die Mitglieder der M i s r,a c h i - G r u p p c Berlin zur Entgegennahme des Berichtes über die Misrachi- Konferenz zu Frankfurt a. M. Sie hatten die Ehre, in ihrer Mute Herrn Direktor Dr. Grünliut aus Jerusalem. Herrn W. Jawitz, Berlin, hegriissen zu können. Einen ausführlichen Bericht über die Konferenz haben wir bereits gebracht. Der Vorsitzende schloss seine Ausführungen mit einem warmen Appell, in misrachistisch gesinnten Kreisen eifrig zu werben, iß % f ...