Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1908)
- Date
- 1908-10-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 44S JÜbiSCHfe RÜtiDSCHAU ko. 44 Jahren!901—1905 auf ücr Grundlage des vorzüglichen statistisehen Materials der Stadt Budapest untersucht und mit der Sterblichkeit der Niehtluden in Vergleich setzt. Da ergibt sich nun, dass die Gesamtsterblichkeit der Juden ausserordentlieh gering ist. Obwohl nfmilich die Juden ein Viertel der Bevölkerung von Budapest ausmachen, stellen sie kaum ein Sechstel ihrer Toten. Die Juden bleiben also in der Sterblichkeit um ein volles Drittel hinter der zu erwartenden Ziffer zurück. Eine noch interessantere Verschiedenheit ergibt sich bei Betrachtung der Sterblichkeit nach den verschiedenen Altersstufen. Da zeigt sich, dass bei den Nichtjudeu die höchste Sterblichkeitsquote im Kindcsaltcr (bis 15 Jahre) liegt, wahrend sie bei den Juden ins Greisenalter (über 50 Jahre) fällt. Die Sterblichkeit der Juden ist also im Kindcsaltcr und im Mannesalter — es ist au dieser Stelle nur von den Männern die Rede — bei weitem geringer als bei den Nichtjuden. Während auf je 10 000 Katholiken z. B. für das Alter bis zu 5 Jahren 48,53 Todesfälle, von 15—50 Jahren 3f»,4S kommen, sind die entsprechenden Ziffern für die Juden 26,02 lind 22,20. Dr, Auerbach zieht daraus den bcrcchtigtcn Schluss, dass, soziologisch betrachtet, die Juden ausserordentlich viel vorteilhafter daran sind als die Nichtjuden. Bei den Eraucu verhält sich die Sache ähnlich. Aber es ergibt sich die merkwürdige Tatsache, dass, während bei den Nichtjudeu Budapests der übliche Ucbersehuss der Frauen über die Zahl der Männer vorhanden ist. die Juden einen grossen M ä 11 u c r ii h c r s c h u s s haben, so dass auf 1000 Männer bei den Katholiken 1103 Frauen, bei den Juden dagegen nur 918 Frauen kommen. Und zwar ist der Männcriihcrschuss der Juden am stärksten in der Altersstufe 15 -50 Jahre, in derselben Stuic, in der merkwürdigerweise bei den Katholiken gerade der Frauenüberschuss am stärksten ist. Auf die Ursachen der geringer e n S te r b - I i c 11 k c i t der Juden gegenüber den Nichtjuden führt uns Dr. Auerbach durch eine deiuillicrtc Untersuchung über die Kindersterblichkeit. Fs zeigt sich, dass die Juden zwar eine geringere Geburtenziffer als die Nichtjudeu haben, dass sie aber gleichwohl die stärkste natürliche Vermehrung, also den grössten Uebcrscluiss der Geburten über die Zahl der Todesfälle haben. Die Juden verlieren nämlich von den lebend geborenen Kindern im frühen Kindesalter (bis zu fünf Jahren) kaum ein Sechstel, während die Katholiken über ein Viertel verlieren, woraus aber nicht geschlossen werden darf, dass die jüdischen Kinder sich durch eine grössere Lebenszähigkeit auszeichneten. Es ergib! sich im Gegenteil aus den Zahlen der an angeborener Lcbensschwächc gestorbenen Säuglinge, dass die j ü d i s c h c n Kinder von Natur aus hinfälliger sind als die nichtjüdischen. Dagegen ergibt sich aus einer vergleichenden Betrachtung der Zahlen der Todesfälle infolge von solchen Krankheiten, die einer Beeinflussung durch Pflege und ärztliche Kunst wenig zugänglich sind, und solchen, bei denen ein tödlicher Ausgang durch sorgsame Pflege und rechtzeitige ärztliche Hilfe vermieden werden kann, mit absoluter Sicherheit, dass die so sehr viel geringere Kindersterblichkeit bei den Juden fast ausschliesslich durch die gesteigerte elterliche und ärztliche Fürsorge, die die Juden ihren Kindern augedeihen lassen, zu erklären ist. Unruhen in Bagdäd Aus Konstantinopcl erhält das Bureau der ״Alliance Israelitc Universelle״ folgende Nachricht: ״Bei dem Kahnakam Chaeham Basclti Nahn u m sind Meldungen eiugegaugcn, wonach die Juden voll Bagdad der Gegenstand fortgesetzter Angriffe sind, so dass sic ihre Häuser nicht verlassen können; es herrscht vollständige Handcisstockun g." Bis zur Stunde (Montag nachmittags) konnten wir eine Bestätigung dieser Nachricht nicht erhalten, für die wir deshalb dem obengenannten Bureau einstweilen (Jic Vcrantwortung überlassen müssen. Kleine Mitteilungen Breslau. Dank den Bemühungen unseren Gesinuungsgenossen ist es gelungen, auch bei uns einen Jüdischen Turnverein zu gründen uihI es scheint, als ob in der Breslauer Gemeinde der Neugründuug ein reges Interesse cntgcgcngcbreht wird. Ohne jede Agitation», meldeten sich bereits ca. f0־ Mitglieder, so dass gleich eine Fraucnricgc angcgliedcrt werden konnte. Der Magistrat stellte uns bereitwilligst zu äusserst günstigen Bedingungen eine städtische 1 urnhalle 7.ur Verfügung. Die Leitung des Unterrichts liegt in Händen eines bewährten jüdischen Turnlehrers. In den Vorstand wurden die Heroen Isaak Plcssncr Vorsitzender. Max Kober, Siegfried Pionkowski. Zahnarzt Georg Lcwy und Franz W e i s s gewählt. Berlin . Jüdische Lesehalle und Bibliothek. Der Vorstand der ״Jüdischen Lesehalle und Bibliothek“, Oranienburger- Strasse 58 pt., hat auf Wunsch des zahlreichen Lesepublikums die Lesezeit.wesentlich erweitert. Das Institut wird vorn 1. November ab wochcntüglich von 2—9 Uhr abends uuunterbrochcn geöffnet sein, am Sonnabend und Sonntag von 11—2 Uhr und 7—10 Uhr abends. Am Freitag-Abend wird das Institut vor Beginn des Gottesdienstes geschlossen. _^ Jüdischer Turnverein Cliarlottcnburg. Büro: Englische S t r. 23. Die Idee der Gründung eines Jüdischen Turnvereins hat sehr viel Auklaug gefunden, so dass sich schon jetzt viele neue Mitglieder hinzugemcldet haben. -- Nach dem ersten Turnabend am 3• November d. Js. in der Turnhalle, J o a c h i in s 111 a l c r s t r a s s e . am Balmhoi Zoologischer Garten, findet ein zwangloses Beisammensein im Kalte e J <1 s t y statt. . Gedenkfeier ln der Aula der Lehranstalt fiir die Wissenschaft des Judentums winde eine ־'!edächfiiisfeicr iiir Sanitütsrat Dr. Saloiuoii Neumann und Professor Dr. Gustav Oppert ubgekalten. Eine zahlreiche und erlesene Versammlung nahm an der Feier für die beiden jüngst daliiiigescliiedenen bedeutenden Männer teil. Die Gedächtnisrede für Neumanii hielt der tiefe und feinsinnige Mar'hurger Philosoph, (ich. Regierungsrat Prof. Hermann C o 11 c n. Er gab ein scharigezeichnetes Charakterbild des Verewigten mul würdigte seine sozialmedizinische und sozial-politische Tätigkeit und seine wissenschaitliche Arbeit. Dem Proi. Oppert widmete Dr. Yalmda den Naclirui. Er schilderte in warm empfundenen Worten den Lebens* und Arbeitsgang dieses ״Hebrcw Scholar“ der Universität Madras, des vorzüglichsten Kenners der indischen Sprachen. Nicht übe! Dem BERLINER TAGEBLATT wird von einem Universitütsprofessor folgende nette, verbürgte Geschichte zur Ver- ״ffcnflichuiig übergeben, die sieh an der Universität Marburg zugetragen hat. Dort kam ein jetzt in Wien lebender bekannter Naturforscher M . . . . mit jüdisch klingendem Namen für die Berufung als Pharmakologe in Frage. Die Marburger Fakultät wandte sich an einem mit M . . . . persönlich bc* kannten Professor und bat ihn, unter der Hand zu erkunden, ob M . . . . Jude sei oder nicht; man wolle davon die Bc* ruiung abhängig machet:. Auf die Anfrage schrieb M . . . . zurück; ״Ich bin zwar nicht Jude, aber wenn die Fakultät besonderen Wcrtdarauf legt, kann ich es ja werden.“ Ob die Fakultät von der Antwort sehr erbaut war, wissen wir nicht. Jedenfalls wurde M . . . . berufen. Schönlanke. Die Mazzesiabrikcn haben ihre Betriebe eröffnet; cs werden zusammen 2()<J Personen beiderlei Geschlcclits in Sechs Fabriken beschäftigt. Persönliches Persönliches. Unser Gesinnungsgenosse Herr Julius Wcrlhelm in Mannheim hat sich mit Fräulein R a h e I Hirsch in Auerbach a. d, Bergstrassc verlobt. Briefkasten Dr. Locvy. Vorsitzender des neuen Gemeindevereins Ist Herr Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee. Ihren Brief gehen wir zur Weiteren Erledigung dem Zentralbüro. Geschäftliche Mitteilungen Nordamerika: D. Amerika, 23. Oktober I Uhr naclun. in New׳ York. D. Blücher, nach New York, 25. Oktober 10 Uhr 40 Min. abends von ChCrburg. D. Dortmund, nach Newport News, 24. Oktober 12 Uhr nachts von Halifax. D. Graecla, von Galvcstou kommend. 25. Oktober 10 Uhr abends aut der Elbe. D. Nyanza, von Neworleans kommend. 24. Oktober 1 12 Uhr 5U Min. mittags Scilly passiert. D. Pallanza, von