Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1908)
- Date
- 1908-10-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Die ״Innenorganisation‘' umfasst ein sehr grosses und nicht leicht zu bewältigendes Gebiet, indem sie nichts Geringeres als die geistige und ethische Erziehung der zionistischen Bevölkerung in die Wege zu leiten hat. Diese Erziehung ist nicht in erster Linie im agitatorischen Sinne gemeint, sondern in weit höherem Masse als Heranbildung von jüdisch empfindenden und jüdisch gebildeten Menschen, die nicht nur durch den Ausweis des Geburtsregisters, sondern durch ihr Adelsbewusstsein und ihre feste Treue eine Bereicherung des Judentums bedeuten. Für einen guten Juden ist cs nicht schwer, Zionist zu werden; für Zionisten aber ist es anscheinend nicht immer leicht, gute Juden zu sein. Ich mochte es daher als unsere wichtigste Aufgabe bezeichnen, nicht etwa die Juden zu Zionisten, sondern die Zionisten — und womöglich auch die Nichtzionisten — zu Juden zu erziehen. Dieser Gedanke ist übrigens nicht neu, sondern deckt sich ja mit Herzls Ausspruch von der Rückkehr ins Judenland. Nur der Mensch wird sich mit Stolz als den Angehörigen Seines Volkes nennen hören, er aus grossen und edlen Taten dieses Volkes seinen Stolz herzuleiten vermag. Wer es aber zugleich auch lieben soll, der muss es ganz und gar kennen — mit seinen Vorzügen, aber auch mit allen seinen Schwächen. Es ist also von grundlegender Bedeutung die Kenntnis des jüdischen Volkes und zu diesem Zwecke das Studium der jüdischen Geschichte und Literatur. Die zionistischen Ortsgruppen müssen dafür sorgen, dass in ihrer Mitte von geeigneten Personen Vorträge — etwa in der Form von Kursen — gehalten werden, die in grossen Zügen 1. die jüdische Geschichte, 2. die jüdische Literatur und 3. als besonderes Kapitel die Beteiligung der Juden am Geistesleben der Völker behandeln sollen. Die wesentliche Aufgabe der Vortragenden wird darin bestehen, durch ihre Reierate nicht nur zu belehren und zu unterhalten, sondern zur selbständigen Beschäftigung mit diesen Wissensgebieten auzuregeu. Die Kommission ist bereit, die Ortsgruppen durch die Angabe von Themen und die Ausarbeitung von Dispositionen und vobständigen Vorträgen — wo ein Bedürfnis vorliegt — zu unterstützen. Indessen möchte ich mich über Einzelheiten in dieser Frage heute nicht äussern, da Ich nur einen groben Umriss unseres Programrns zu geben beabsichtige. Ich wfill jedocli schon an dieser Stelle eine Anregung des Herrn Dr. Jeremias auinehmen, der uns nahe legi, den Ortsgruppen ein mögliehst vollständiges Verzeichnis der wertvollen jüdischen ־- nicht nur zionistischen — Literaturwerke herzustellen. Id! meinerseits möchte ausserdem empfehlen, dass die grösseren Ortsgruppen oder die Gruppenverbünde Leihbibliothekeil anlegen, die natürlich auch den nichtzionistischen Gemeindeniitgliedern zur Benutzung offen stellen müssten. Diese Bibliotheken müssten sich aus den zu erhebenden Leihgebühren erhalten und erweitern. Zur Vertiefung der zionistischen Bildung im engeren Sinne ist es notwendig, Verständnis daiür zu erwecken, dassnationaleBewegungentindepocliemachendeEreignissc in der Völkergeschichte nicht durch irgend einesMenschen guten oder bösen Willen, sondern nach festen und ew igen Naturgesetzen -entstehen und sich entwickeln. Zur lllustration dieser Wahrheit kann die Geschichte des Zionismus dienen, die in zwei Vorträgen hinreichend behandelt werden könnte. Besonders denkwürdige Phasen dieser Geschichte werden ausführlicher zur Darstellung gelangen an den zionistischen Gedenktagen. Wo geeignete Redner in den Ortsgruppen anwesend sind, sollen diese im allgemeinen zu den Vorträgen herangezogen w erden, gelegentlich werden auch Wanderredner zu entsenden sein; ausserdem sollen auch hierfür von uns Dispositionen und Reden ausgearbeitet und den bediiritigert Ortsgruppen zur Verfügung gestellt werden. Dasselbe wiire auch über alle anderen Themen zu sagen, deren Bearbeitung geeignet wäre, den Zionismus nach aussen hin zu propagieren und unter den Parteigenossen zu vertiefen. Schliesslich ist daran zu denken, dass das Verständnis und das Interesse für den Zionistns ganz bedeutend gefördert werden könnte, w׳cnn man ihn in Referaten auf das moderne Leben anweitden, mit den Zeitereignissen in Verbindung bringen würde. Es wäre daher von Vorteil, etwa jeden Monat ein Referat über die Vorgänge im öffentlichen Leben vom zionistischen Standpunkt aus zu geben d. h. z den allgemeinen Dingen auch als Zionist Stellung zu nehmen. Herr Dr. Auerbach wird in der Berliner Ortsgruppe diese Referate halten und sie zur Verwendung für die Gruppenverbände der Korntnission zur Verfügng stellen. Zu empfehlen wäre, dass bei allen diesen Referaten und Vorträgen, wo es möglich ist, auf die einschlägige Literatur oder das entsprechende Kapitel im A־B־C־Buch hingewiesen würde. Doch — das geht schon zu sehr ins Detail. Endlich ist unsere Aufmerksamkeit zw׳ei überaus * 1