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Jüdische Rundschau · 1908-10-23 · Heft 43 (23.10.1908) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 43 (23.10.1908)
Date
1908-10-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 43 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 435 t NEAMUL ROMANESE verstiegen. Dort erklärt Herr Curza. Professor der Rechte an der juristischen Fakultät in Jassy, kurz und bündig: Die Behörden und die Richter haben national zu sein und national zu handeln — man weiss, was Herr Curza unter ״national‘‘ versteht! Der Richter, sagt Professor Curza weiter, soll nicht nur nach dem Gesetz urteilen, sondern auch die ganzen sozialen und nationalen Verhältnisse der klagenden Parteien in Betracht ziehen. Wenn er über Juden und Rumänen zu urteilen hat, so muss er immer den Juden verurteilen, auch wenn dieser durchaus im Rechte ist. So spricht ein Lehrer der Rechte an einer rumänischen Universität. — Dass diese Angriffe einen grossen Eindruck auf die Behörden und die Richter machen, steht ausser allem Zweifel. Durch die in Rumänien zu einer dauernden Einrichtung gewordene Letze gegen alles, was den Namen Jude trägt, sind die Richter zumeist ohnedies schon gegen die Juden stark voreingenommen. Und da die Antisemiten nun bei uns in den einflussreichsten Stellungen sitzen, so wird sich selbst ein wirklich vorurteilsfreier Richter cs 111 Zukumt zehnmal überlegen, ehe er ein für einen Juden günstiges Urteil abgibt. Aus dem Lande Israel t Wahlen in Palästina ln der No. 3S vom 3. (16.) Oktober d. J. des in Peters* bürg erscheinenden zionistischen Organs RASSWIETT sind folgende Mitteilungen der Arbeiterorganisation ״Hapoöl- Hazolr“ enthalten: 1. Junge Leute, die im Umgang mit Pierden erfahren sind, können in den jüdischen Kolonien jährliche oder monatliche Anstellung für einen Lohn von Rbl. 3.75 bis Rbl. 5.— wuchern* lieh bekommen. Mit dieser Arbeit sind Hunderte von Arabern bei den Kolonisten beschäftigt und die Kolonisten werden mit Vorliebe an ihrer Stelle jüdische Arbeiter in den Dienst nehmen. 2. In den galiläischcn Kolonien herrscht rege Nachfrage nach Arbeitern für Feldarbeit (mit Pferden und Ochsen). Gleich nach dem Sukkothfest erfolgt die Anstellung der jährlichen Arbeiter. Ausser Logis und Beköstigung erhalten die Arbeiter einen Lohn von Rbl. 4—6 monatlich. 3. In den Kolonien in Judäa herrscht Nachfrage nach Leuten, die sich als Aufseher von Orangengärten eignen. Solche Posten können von Familienvätern mit kleiner Seelenzahl für ein ganzes Jahr oder für Monate besetzt werden. D.c betreffenden Personen sind verpflichtet, ihren ständigen Wohnsitz In den Orangengärten zu haben (gewöhnlich befinden sich die Gärten in einer Entfernung von *'-* bis 1!•-• Stunden von der Kolonie). Das Gehalt beträgt ca. Rbl. 20.— monatlich ausser Wohnung; gewöhnlich erhalten sie auch eine kleine Parzelle für Gemüsebau. Man kann sich auch nebenbei mit Geflügelzucht befassen, Kühe halten etc. Eine derartige An- Stellung eigne; sich in der Regel für die kleinstädtischen Pächter und ähnliche Leute, die mit der Landwirtschaft ein wenig vertraut sind. 4. Es existiert eine fortwährende Nachfrage nach jüdischen Dienstmädchen; ausser Logis und Beköstigung erhalten die Dienstmädchen Rbl. 8—lü monatlich. 5. Der Tagelohn der Arbeiter beträgt ca. Kopeken 6» täglich. Von Chanuka bis zum Pcssachfest ist die Hauptsaison für Arbeiter, und während dieser Zeit werden in den Orangengärten sogar Mädchen und Knaben von 15-18 Jahren beschäftigt. ז Jaffa, 6. Oktober: In Angelegenheit der Wahlen hat vorgestern In Jerusalem eine Besprechung unter Leitung des Herrn Dr. Ruppin stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit wurde iestgestellt, dass die Zahl der Wahlmänner im Pasclialik Jerusalem ca. 180 betragen wird, die insgesamt 3 Abgeordnete zu wählen haben. Falls die jüdischen Wähler einmütig die ihnen vom Wahlkomitec vorgeschlagcncn jüdischen Wahlmämicr wählen, werden ca. 6 oder 7 Abgeordnete Juden sein, und zwar 2—3 in Jerusalem.! in Jaffa, 1 in den jüdischen Kolonien Katra und Kastinie. die zum Kreise Gaza gehören, und 1-2 in den jüdisehen Kolonien, die zum Kreise Jaffa gehören. In Hebron, wo die Wahl der Weidmänner bereits stattgefunden hat. ist der Jude mit wenigen Stimmen in der Minorität geblieben. Die Aussichten für die Wahl eines jüdischen Abgeordneten müssten daher gleich Null bezeichnet werden, falls der Kandidat allein auf die Stimmen der jüdischen Wahlmänner angewiesen wäre. Es bestellen jedoch Aussichten, auch nmliammedänische Stimmen für den jüdischen Kandidaten zu gewinnen, und speziell Herr Dr. L e v y, Direktor der Anglo Palestine Company in Jerusalem, hat unter den Mohammedanern und sogar unter den Christen zahlreiche Freunde, so dass die Aussichten für eine Wahl zwar noch keineswegs als günstig bezeichnet werden können, aber doch immerhin schon diskutabel sind. , Es ist deshab beschlossen worden. Herrn Dr. L$vy als jüdischen Kandidaten zu nominieren, zumal Herr Dr. Y c 11 i n. dessen Kandidatur noch in Betracht kam, auf diese mit der Begründung ve־«ichtct hat, dass nach seiner Ansicht Herr Dr. L 6 v y wegen seiner grösseren Beliebtheit bei den Mohammedanern bessere Aussichten habe. Allerdings gibt es gewisse jüdische Kreise, die der Kandidatur Dr. 'L e v v s nicht Treundlich gegetiüberstehen. indessen haben diese Leute unter dem neuen Regime ofiensichtlich an Einfluss verlöret! und kommen nicht mehr sehr in Betracht. Vor einiger Zeit richtete Herr Dr. Lew in der arabisch* französischen Beilage zur I1ASCHKAFA einen offenen Brief an den Pascha, in den! er auf die Schäden der früheren Verwaltung für die Entwickelung Palästinas hinwies und den Pascha zu energischen Reformmassregcln auiiordertc. Die Opportunität dieses Briefes wurde damals vielfach angczweifelt. Inzwischen fiat aber der Pascha sich als modernen Menschen erwiesen und in einem Briefe an die HASCHKAEA sehr höflich geantwortet und ein Programm entwickelt, das Reformen auf allen Gebieten vcrlicisst. Dieser Brieiwechsel wird fetzt als Flugblatt verbreitet wenden und kann der Kandidatur Dr. L e v y s in den Kreisen der freiheitlich gesinnten mohammedanischen Bevölkerung ־vielleicht nutzen. Des fernem ist beschlossen worden, dass das jüdische Wahlkomitec. das aus den Herren Dr. L ö v y, David Y c II i n und Ben J c h u d a besteht, sich mit den zwei nuihammedanischen Kandidaten, die die besten Aussichten haben und als judcnircundhch gelten, in Verbindung setzt und diesen die jüdische Hilfe im Wahlkampfe in Aussicht stellt. Diese muhammcdanischcn Wahlkandidaten sind: Hussein H a s c h i rn E i 1 e n d i in Jerusalem und H a f i z B c y in Jaffa. Es ist sicher, dass diese beiden Kandidaten die Hilfe der Juden im Wahlkampfe gern annehmen und sich anderseits durch Befürwortung der Kandidatur Dr. L d v y s erkenntlich zeigen werden. Selbst aber, wenn Dr. L c v y nicht gewählt werden sollte, haben sich die Juden aut diese Weise wertvolle Freundschaften erworben. Man wird heute noch mit der Wahlagitation für jüdische Wahlmänncr und die spätere Wahl Dr. Lövys, Hussein Hasch im Eric n dis und Haiiz Beys beginnen. Herr Dr. L e v y wird voraussichtlich mit Hussein Haschim zu* sannneu in Wahlversammlungen in Jaffa und Jerusalem auf* treten. Ein gewisser Azouri Bev. ein arabischer Christ, der als Judenfeind gilt, bat vorgestern in Jaffa ebenfalls eine Wahl- Versammlung abgehalten, hat jedoch damit wenig Erfolg gehabt, da ihm aus den Reihen der Christen und Muhammedaner zahlreiche Gegner entgcgemratcri. Es wurde sogao von einem Christen darauf hingewieseu. dass es nicht nötig sei. nur muhammedanisehe und christliche Kandidaten aufzustellen. Ls gäbe unter den Juden einen Kandidaten, nämlich Dr. Levy. der viel fähiger sei als sämtliche muhammedanischen und christlichen Kandidaten. Die Kandidatur Azouri Beys wird sowohl in Jaffa wie in Jerusalem für aussichtslos gehalten. Kleine Mitteilungen - IBj ***־*^ Von den Bergjuden im Kaukasus Die Bergjuden im Kaukasus, denen vor einiger Zeit v.s:: der Regierung das Anerbieten gemacht worden war, in Polizeidienste zu treten, für die sie die Regierung wegen ihrer grossen muskulösen Gestalten offenbar für sehr geeignet hielt, bekamen jetzt plötzlich von der Regierung eine Anfrage, oh sie Juden oder Karaitcn seien. Dazu ist zu bcmerken, dass die Bergjuden eine Anzahl von Rechten haben, die den Juden nicht gewährt sind, während die Karaitcn, eine j ü d i s c 11 e S e k t e, die nur die Bibel, nicht aber den Talmud anerkennt, den Russen völlig gleichgestellt sind. Natürlich sind die Bergjuden ob der Antwort, die sic der Regierung geben sollen, in grosser Verlegenheit. Denn einerseits sind sie Juden, andererseits aber nehmen sie insofern eine Ausnahme- Stellung ein. als sie seit vielen Jahrhunderten im Kaukasus ansässig und mit der Gegend sozusagen verwachsen sind. In Westeuropa sah man die hünenhaften Gestalten der Bergjuden wohl zum ersten Mal, als sie anlässlich des VI. Zionistenkongresses in Basel im Jahre 1903 drei Vertreter

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