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Jüdische Rundschau · 1908-10-23 · Heft 43 (23.10.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 43 (23.10.1908)
Date
1908-10-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Häufig wird uns Zionisten bei der Agitation für den Kulturfond vorgelialten, ein solcher sei gar nicht nötig, da die Aufgaben, die derselbe zu leisten habe, ja schon genügend durch andere Institutionen, wie die Alliance, den Hilfsvercin und viele Einzclvercine, welche Schulen, Volksküchen. Hospitäler, He ine für Alte, Blinde, Irre etc. ־unterhalten, bcarbe:tet werden. Wenn sich hier und da noch eine Lücke zeige, so konnten die Zionisten, welche den verschiedenen Vereinen ja gleichzeitig angehören, darauf innerhalb dieser Vereine aufmerksam machen, oder auch, wie es beim Bezalel ja tatsächlich geschehen sei, noch neue Spezialvcreine schauen. Für die zionistische Organisation, die doch politische Ziele verfolge, würden kulturelle Bestrebungen nur einen Ballast bilden, der den Zionismus bodenständiger mache, als es sich für eine politische Ziele verfolgende Orgauisation schicke; agitatorisch könne der Zionismus wohl für Kulturträger! eintreten, aber nicht durch materielle Bei- Hilfen; durch Beschäftigung mit Agitationen zur Stärkung desKnltiirfonds schwäche d;e zionistische Bewegung vielmehr nur ihre Stosskraft und laufe andererseits auch Gefahr, infolge der mit allen Kuiturfragen verbundenen Meinungsverschiedenheiten in Reibereien und Zcrwürfnisse zu verfallen, welche der Einheit der Zionisten eventuell gefährlich werden könnten. Es sind dies zweifellos beherzigenswerte Einwände und es ist gewiss richtig, dass es verkehrt sein würde, die Kuiturfragen in Palästina allzu eng mit der z'onistischen Organisation zu verbinden. Mit Recht sind vielmehr auch die Förderer eines Palästina-Kulturfonds der Ansicht, dass die Verwaltung desselben nicht in cl;c Hände der Parteizionisten als solche gelegt werden sollte, sondern vielmehr alle diejenigen, die den Ideen anhängen. welche die Begründung des Kulturfonds veranlasst haben, auch an der Verwaltung desselben teilnehmen sollten, einerlei, ob sie ׳in politischem Sinne Zionisten sr'nd oder nicht. Es handelt sich bei dem Kulturfond ebensowenig um reine Kultur-Auigaben, wie um politische Momente, vielmehr verfolgt der zu gründende Palästina-Kulturfond vor allen Dingen nationalkulturelle Ziele. Auch die philanthropischen Institutionen konnten natürlich In Palästina sehr gut ausserhalb des Zionismus geschaffen werden und ohne «ihn bestehen und sich entwickeln, wohl aber— und das ist der springende Punkt — hat der Zionismus die Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie in nationalem Sinne arbeiten. Um das zu erlangen, genügt aber weder die Ag:tation von aussen, noch die Mitarbeit einzelner Zionisten in den verschiedenen Vereinen. Wie vfel Zionisten gehören nicht der Alliance an, die, wie man früher annalim, naturnotwendigerweise mit ihrer Palästinaarbeit allmählich in das von den Zionisten erstrebte jüdisch-nationale Fahrwasser hätte gelangen müssen. Ist das aber eingetroffen? Können die Zionisten noch heute von der Möglichkeit einer gemeinschaftlichen Arbeit nrt der Alliance in praktischen Fragen überhaupt sprechen? Wenn die Alliance über kurz oder lang sich gezwungen sehen sollte, ihre veralteten und schädlichen Erziehungsmethoden im Orient zu ändern, so wird dies nicht dem zionisFschen Einfluss zu verdanken sein, sondern dem Wettbewerb mit dem in viel vernünftigeren Bahnen arbeitenden Hilfsverein, und dem naturgemäss beängstigendenGefiihleder Leiter der Alliance, dass letztere bei we'tcrcm Fortwursteln auf den alten Bahnen gegenüber der neuen mit jugendlicher Energie sich ausdehnenden Organisation allzu sehr ins Hintertreffen geraten würde. Mit dem Hilfsverein ist natürlich cm Zusammenarbeiten״ der Zionisten in kulturellen Fragen viel leichter, da ja, wie wir freudig anerkennen, d;e Betonung der hebräischen Sprache in den Schulen des Hilfsvereins im Orient schon an sich eine national-jüdische Denkungsart verrät, wenn auch wohl utilitaristische Gründe bei dem Entschluss, dem Hebräischen eine solche Vorzugsstellung zu geben, mitgcsprochen haben mögen. Wenn auch der Hilfsvercin immer wieder betont, dass es sich bei ihm lediglich darum handle, die Juden des Orents für den Kampf ums Dasein zu rüsten, so trägt doch die hebräische Schulsprache sicher wesentlich dazu bei, d:e Schüler auch national mehr zusammenzuschwcissen, als es eine andere Sprache in dem polyglotten Völkergemisch des Orients vermocht hätte. Es ist nur unsere Pflicht, wenn wir — wie wir es beim Technikum zu tun beschlossen haben — so weit wir können uns finanziell an den Kulturarbeiten des ' \ Hilsfvercins beteiligen, denn nur durch positive Leistungen können wir ein Anrecht an der Feststellung der Prinzipien dieser Institutionen erlangen. Aber gegenwärtig sind wir gar nicht in der Lage, einen!irgendwie erheblichen Einfluss zu beanspruchen,

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