Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1908)
- Date
- 1908-09-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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■יו•-. X* I 1 1; ו Abonnementspreis einschliesslich LITERATURBLATT vierte>iihrllch: 1. durch die Eipedilien: a) In Berlin —,90 Mark, b) nach auswärt» Mark, c) für das Ausland 1,50 Mark. 2. Im PoiUbonnement: 1,25 Mark. Allgemeine Jüdische Zeitung. Redaktion: Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Varlag Jüdische Rundiehau, E. O. m. b. H. Berlin S.W. 68, Zimmerslraise 77. Insertionspreis die *lergespaltene Petit-Zeile deren Raum 25 Pfennig. oder BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Fernsprecher: Moabit, 5387. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JÜDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet aeschiftsstundsn der Expedition täglich (ausser Sabbat und Sonnlag) nachmittags 3—7 Uhr. Nummer 38 Berlin, 22. Eiul 5668 18. September 1908 XIII. Jahrgang Der alte Kurs im neuen Gleise. Der jüdische Staatsmann, der aus der werdenden nationaljiidisclien Bewegung und aus der aiifblühenden zionistischen Idee den politischen Zionismus geschaffen hat, ist vorzeit }׳ dein Volke entrissen worden, dem er zum ersten Maie wieder seit Jahrhunderten grosszügige staatsmännischc Gedanken gewiesen und ihre Reaiisierung cingVleitct hat. Seme Nachfolger haben die Aufgäbe, den wcitausschauenden Plänen Hcrzls nüchtern die Bedingungen ihrer Realisierung zusanunenzusuchen. Es wäre verkehrt, den grossen Wert ihrer Arbeit zu verkennen, wenn sie auch andere Methoden Umschlägen müssen, ganz entsprechend ihrer Eigenart und ihrer Neigung. Das wesentlichste Verdienst der zionistischen Leitung ist die inustergiltige Verwaltung und Ordnung, die alle die früher gährenden Dinge erhalten haben. Deutschland ist dabei vornan. Hier funktioniert der Verwaltungsapparat wie eine gut gehende Maschine und das Verwaitungsgenie, das diesen Mechanismus geschaffen hat und leitet, hat Anspruch auf die volle und ungeteilte Anerkennung aller Zionisten. Nicht nur der Zioirstcn in Deutschland, denn seine Technik ist es, die in den andern Landsmannschaften nächgeahmt wird und sich in der allgemeinen Verwaltung immer mehr Geltung verschafft. So überaus wichtig diese Stramine Verwaltung, so ausserordentlich hoch die Schreib- und Registertätigkeit zu veranschlagen ist, so gut es ist, dass die Verwaltung es erreicht, dass der Wille der Leitung in Berlin als der Wille der deutschen Landsmannschaft ausgeführt wird, so;:st immerhin die Gefallr damit verbunden, dass die Bewegung in dem ruhigen und sicheren Fahrwasser, in dem sie stolz dahiiigleitet, mehr und mehr neben der Verwaltung der Organisation־’ und der Leitung der Bewegung in den Hintergrund tritt. Man vergisst zu leicht, dass die grossen Gedanken, die wcitausschaucudc Politik es waren, die die Bewegung ins Leben gerufen und die Organisation erst geschaffen haben, und dass der weite Blick und der stürmische Elan der Jugend es ist, der allein die Bewegung grösser machen kann, wie sie sie allein bisher gross gemacht haben. So wie wir in den ersten Jahren Gefahr liefen, über die hinreissende Ideengewalt die so dringend notwendige Verwaltung zu vernachlässigen, wie wir damals nicht imstande waren, den grossen und unschätzbaren Wert einer zionistischen Bureaukratic einzuselien, so dürren wir andererseits auch nicht in den Fehler verfallen, dem stürmischen Drang der Jugend Fesseln anlegen zu wollen, weil er sich mit den wohlgesetzten Formularen der Schreibstuben, deren grosse Bedeutung wir erkennen, nicht immer genügend verträgt. Wenn sich der enge Stt1benge:st breit machen, wenn das beschränkte Philistertum allzusehr allein massgebend werden will, dann ist es Zeit, die grossen Grundgedanken wieder hervorzukehren und ins Feld zu rufen für die Ideen, die an keine Stuben und an keine Formulare gebunden sind. Dann ist es Zeit, die muffige Stubenluft durch einen frischen Luftzug zu erneuern, damit die so wichtige und notwendige Verwaltung nicht an Stelle der Bewegung tritt. Wir nennen uns mit Reellt statt einer Organisation eine Bewegung, sorgen wir dafür, dass sic eine Bewegung bleibt und nicht zum Stillstand kommt. Der grosse Zug muss wieder kommen, die frische junge Begeisterung, die uns zu den Fahnen gerufen hat, soll uns wieder führen und der frische Wind soll die Fahne des jungen Judentums, des aufblühenden Zionismus flattern lassen. In manchen Tagen war es die forsche Polemik, zu der uns unsere Gegner zwangen, in der sich der junge kräftige Geist zionistischer Gedanken kund gab, und die Schroffheit der Polemik gegen die Protestrabbiner hat uns unter ihnen mehr Achtung verschafft, als die Leisetreterei uns jemals einbringen kann. Dann aber war es vor allem der grosse Zug, der von dem Leiter der Bewegung aiisging, der immer neue Ueberraschungen hatte und stets bei der Hand war, wo irgend etwas für den Zionismus oder das Judentum geschehen konnte. Selbst das unglückliche Ugandaprojekt war in seiner Hand trotz des heftigen Streites in den Reihen der Partei, ein gewaltiges M'ttel, um die Ruhe zu bannen, die ihm, dem äusserlicli so ruhigen Manne, so absolut fremd war. Er verkörperte die Bewegung, weil er selbst stets in Bew egung war. Wenn irgend etwas Uw Leben der Völker vorging, das eine bedbutende Entwicklung ahnen liess, so spürte man bald, dass auch HerzI nicht miissig gewesen w ar und man hatte das Gefühl, es geht etwas vor iw« t fr ff ז v■ \ i . ו 1, I i:׳' 1 i; f ' ׳1 \\' •'׳’ ,I?•"יייו»1»^יזי?יימ?ד W«¥