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Jüdische Rundschau · 1908-09-11 · Heft 37 (11.9.1908) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 37 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 364 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. S7 «IIW ■II 1 —י י » II l.n ■Illll ■■ ■« ■ 11 ■ 1 ■" ■ וווו ■ ■ ■ lll ■ 1 llliln— II ■ ■11111■— 11■■ 1 11.1—1׳ ■■ ״ 11■' ■ "■ — — ■ . II■'■— — ■ — ■ und die eine demokratische und freiheitliche Erziehung ge- ‘ hiessen, ,ethisch einen gewissen Rückhalt auch für spätere Zeiten erhalten. Ich brauche nicht zu betonen, dass eine Er- Ziehung!0 dieser Weise im Rahmen der zionistischen Verbin־ düngen im K. Z. V. gelegen ist. Allerdings werden sehr viele schwache Elemente auch aus diesen Reihen später sich nicht mehr um die Ziele der national-jüdischen Korporation kümmern, viele werden infolge ,des vorhandenen Beiwerkes die Grundlagen zionistischer Studentenkorporationen aus dem Auge verlieren. Aber für ernste Menschen ist doch die Mögiichkeit; ja die Notwendigkeit gegeben, für das Leben einen Gewinn aus dieser studentischen Schule mitzunehmen. . Auch Im B. J. C. mag man verwandte Momente finden, seine Tendenz, die sicher die idealste wäre, gibt aber gerade wegen ihrer Freiheit den Mittelmässigcn und Schwachen noch mehr die Möglichkeit, keinerlei Persönlichkeit in ihr Jüdisches Bekenntnis hineinzulegen, keinerlei kräftige ideale Arbeit zu leisten, wie sic das K. Z. V.*) von seinen Mitgliedern für diese einzigartige Reformbewegung des Judentums verlangt. Die Erfolge der zionistischen Verbindungen wird erst die Zukunft zeigen. Die Arbeit des B. J. C. liegt schon offen zu Tage. Sic ist eine gewaltige und nicht zu vergleichen mit der des K. C. Die jüdische Arbeit der Assimilationskorpora־ tionen ist wob! nur im negativen Sinne bekannt. Auch der R. C. kann von 1ms nur als ein gut gelittener Kamerad, der manchen Schritt mitgehen wird, angesehen werden. Bewusst oder unbewusst spielt sich in ihm der Kampf der Assimilapten und der Zionisten ab. Die einen, die zu sehr die' Betonung des Jüdischen fürchten und die anderen die das Wenige, was echt iind jüdisch an ihm ist, bedauern. Wir als gptsiders werden Lob und Tadel nach Ermessen austeilen, weil , ^ir heute $tark genug sind, Kritik zu üben, die gehört wird, . nachdem unsere Tendenzen und unser Handeln lang* genug zur . Debatte stand. •V“ Ueber B. J. C. und K. Z. V. darf Jemand, der Licht־ und Schattenseiten so eingehend kennen lernte, nicht mehr sagen. Sie sind auch schliesslich die einzigen Organisationen, die die Assimilation energisch bekämpfen. Wir können da nur hoffen, dass sie ihren Kampf ganz energisch und überall gegen die Assimllationskorporationcn aufnehmen. München. cand. med. Felix Tbellhaber. Hands off! In No. 36 der JÜDISCHEN RUNDSCHAU entwickelt Herr Dr. Elias-Mülhausen in einem Artikel ״Der Zionismus und die feriairnentswahien in der Türkei“ Anschauungen, die im Interesse der türkischen Juden und des Zionismus den schärfsten Widerspruch verlangen. Es darf kein Zweifel darüber bleiben, dass dieser Artikel durchaus nicht die Meinung der zionistischen Oeffentlichkeit zum Ausdruck bringt, dass er vielmehr nur die ganz, private- und naive Aeusserung eines einzelnen, vom politischen Getriebe abseits stehenden, wenn auch wohlnieinenden Zionisten bedeutet. Herr Dr. Elias spricht die Be- , fürchtiing aus, dass die türkischen Juden, weil politisch zu ungeschult, nicht imstande sein würden, bei der Wahl sich von nationalen Gesichtspunkten leiten zu lassen, und fährt dann fort: ״Diese Gefahr kann man vermeiden, wenn die zionistische Leitung und alle Zionistep, die mit der türkischen Judenheit Fühlung haben, in dem bevor stehenden Wahlkampf die Führung übernehmen." •) Noch ein Wort zu der Frage: Ist das K. Z. V. ein politischer Verband? Der Zionismus ist in Deutschland die Volksfcöwegung des jüdischen Volkes: er umfasst kulturelle, soziale und viele andere Momente, die politischen sind für den jungen Anhänger die geringsten. Zionismus-jüdischer Nationalismus, letzteres Wort gilt nicht recht. Aber der Sinn ist der gleiche. ....״Manche Anzeichen sprechen dafür, dass die zionistische Leitung sich zur Wahl rüstet, und dass unter ihrer Aegide Zionisten um Mandate sich bewerben und kämpfen werden.“ Die Umwälzungen in der Türkei haben die Schranken zwischen Charterzionisten und Infütrationszionistcn zum grössten Teile niedergerissen. Herzl wäre der erste gewesen, der den veränderten Verhältnissen Rechnung getragen, der Letzte, der sich auf eine ״öffentlich-rechtliche Sicherung" versteift hätte pngesichts der höheren Sicherung, die ein freiheitlieh fundierter Verfassungs- und Rechtsstaat gewährt. Erfreuen Sich doch die Juden Rumäniens seit dem Berliner Kongress der weitgehendsten ״Öffentlich-rechtlichen Sicherung"! Aber Rechte bedingen auch Pflichten, und die hauptsächlichste Pflicht der türkischen Juden wird sein, dass sie sich unbeschadet ihrer jüdisch-nationalen Kulturrechtc rückhaltlos als ottomanische Reichsbürger fühlen. Der Zionismus ist ja nicht um der jetzigen türkischen Juden willen allein da, und seine erste Gegenleistung dem ottomanischen Rechtsstaat gegenüber muss die sein, dass die einwandernden Juden ohne Vorbehalt das türkische Staatsbürgerrecht erwerben. Der türkischen Judenheit, die die Freundschaft des türkischen Volkes Jahrhunderte lang erfahren hat, ist genügend gesunder Instinkt zuzutrauen, dass sie bei Betätigung ihrer reichsbürgerlichen Pflichten keine Direktiven von jenseits der Reichsgrenzen cntgegennchmen würde, wenn der undenkbare Fall einträte, dass dies versucht werden sollte. Aber glaubt Herr Dr. Elias, dass die von ihm — vermutlich in Unkenntnis der Tragweite — proklamierte Reservatio mentalis eines türkischen Reichsbürgerrcchts der Ein- Wanderer mit jüdischen! Ultramontanismus von irgend einem Staatsgedanken ertragen werden könnte? Meine engeren Freunde und ich haben zur zionistischen Leitung vielfach in scharfer Opposition gestanden, aber gegen die Vermutung des Herrn Pr. Elias, dass sie sich ״zur Wahl rüste", um der türkischen Judenheit Weisungen zu geben, müssen wir sie mit aller Entschidenheit in Schutz nehmen. Niemand weiss besser als unsere Führer, dass sie mit einer solchen Politik dem wandernden Ahasver auch die Grenzen des türkischen Reiches sperren würden. Gerade die Juden sind neben den Türken durch eigenes Interesse in erster Reihe dazu prädestiniert, eine Stütze des ottomanischen Reichsgedankens zu werden, denn sie haben nicht, wie die Griechen, Bulgaren, Serben, einen nationalen Rückhalt im Auslande. Was Herr Dr. Elias als nationale jüdische Ziele bezeichnet, sind ja in Wirklichkeit innere Staatsangelegenheiten aller ottomanischen Völker. Nicht bloss der Jüdische, sondern ebenso der türkische und arabische Bauer braucht ״Bedingungen, unter denen er erfolgreich Land erwerben und bebauen kann, unter denen ein Agrarkredit möglieh ist.“ Das türkische Bodenrecht, das in seinen Grundgedanken hoch über den Bodenrechten aller europäischen Völker steht, bedarf nur einer modernen Ausgestaltung, um diese Bedingungen für alle Völker des Reiches zu schaffen, und daran sollen die Juden nach Kräften mitarbeiten. Den einzigen Punkt, der als national-politisch bezeichnet werden kann, hat Herr Dr. Elias nicht erwähnt, nämlich die Sprachenfrage der ■höheren Unterrishtsanstalten. Aber d׳e neue Türkei, die mit einer in der Geschichte beispiellosen Mässigung inauguriert worden ist. wird im Wege der Evolution auch eine mittlere Linie zu finden wissen, au! der sie den historisch berechtigten national-kulturellen Bedürfnissen ihrer Völker ohne Beeinträchtigung des Reichsgedankens entgegenkommen kann. Schöneberg. Dr. Emil Sitnonson.

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