Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1908)
- Date
- 1908-09-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sie sind demagogisch von Anfang bis zu Ende, und beim Lesen muss die Wirkung, die sie auf die Hörer meist ausüben, unverständlich bleiben. Es fasst sich schwer sagen, welchen Schaden Zangwill, der Zionist, seinerzeit mit den plumpen und zum Teil ungerechtfertigten Angriffen auf die JCA unserer Bewegung zugefügt hat; aber eine Ahnung davon sollte heute Herrn Zangwill immerhin bereits dämmern, wo er mit so viel Liebedienerei um dieselbe JCA und um andere Qrosskapitalistcn wirbt Allein, Herr Zangwill hat nichts vergessen und!eider auch nichts gelernt. Was seine letzte Rede allein bemerkenswert macht, sind die niasslosen Schimpfereien auf den Zionismus und die Zionisten. Es brauchte nicht unsere Sorge zu sein, dass Herr Zangwill es damit seinen zionistischen Freunden immer schwerer macht, zu ihm zu halten und seine Rückkehr vorzubereiten, aber es muss festgestellt werden. was er cn derselben Rede, in der er den Zionisten vorwirft dass sie keine Verständigung mit ihm suchen, sich gegen den Zionismus leistet Vorerst eine kleine Probe für die Demagogie: ..Es gibt Jedoch eine Neuigkeit, welche ieli Ihnen heute mitzuteilen für geeignet halte. ln dieser Krisis sandte ich Dr. Jocheimann mit Briefen und Empfehlungen an hervorragende Persönlichkeiten, die Ich der Güte Frau Nowikows verdankte, nach Petersbürg. Dr. Jocheimann war demnach in der Lage, sich mit den Chefs des Polizei-Departements und mit Stolypin selbst in Verbindung zu setzen .... Als die Verhandlungen bis zu einen! gewissen Punkte gediehen w׳aren, wollte Dr. Jocheimann, dass Ich an Stolypin telegraphicren solte. Aber ich weigerte mich. Ich will persönlieh der russischen Regierung nichts verdanken, ehe ich nicht am Ende meiner Mittel ang'clangt bin und keine! anderen Karten auszuspiclen habe. Etwas später hörte! ich mit Vergnügen, dass es Herrn Woiffsohn gelungen war, die russischen Behörden etwas günstiger für den Zionismus zu stimmen, und ich bin überzeugt davon, dass die klaren, einleuchtenden Auseinandersetzungen, die Dr. Jochelmanu in Petersburg gab, die Wege zu Herrn Wolffsohns Besuch ebneten. Der Hörer und der aufmerksame Leser soll dabei* denken: Also war Dr. Jocheimann überhaupt vor Wolffsolm bei Stolypin und hat erst für Woiffsohn Stimmung gemacht! Diese Schwindler, die Zionisten! — Tatsächlich aber sagt Herr Zangwill ganz klar — und wir sind überzeugt, dass er denn auch die vorstehende ״Insinuation“ mit einer ausserordentlich wirkungsvollen verächtlichen Geste zurück weisen würde! — dass sein Abgesandter i:1 Petersburg nichts erreichen konnte und in letzter Stunde durch eine telegraphische Bitte Zangwills an Stolypin eine Audienz bei diesem bewilligt erhalten wollte. Herr Zangwill aber, klüger als sein Attache*, sah die Erfolglosigkeit eines solchen Telegramms voraus und ״weigerte sich, weil er der russischen Regierung nichts verdanken will“. (Geste: So handelt ein grosser Mann!) Fragt sich nur, wozu er dann den Doktor Jocheimann unter grossen Umständen und Kosten nach Petersburg bemühte!? Selbstverständlich Ist es auch nicht wahr, dass Zangwills Abgesandter, der selbst rii Petersburg von den wirklich massgebenden Persönlichkeiten nicht einmalempfangen wurde, irgendwie Wolffsohns Besuch die Wege hätte ebnen können oder w'ollen. . Natürlich kommt diese Berichtigung zu spät und ' wird vor allem dir arglosen Zuhörer des Herrn Zangwill nicht mehr erreichen. Die waren einem Demagogen preisgegeben, dem, wie schon der Bankprozess gezeigt hat, das schlechteste Mittel gerade gut genug ist. Es wrar nun weiter interessant, wie Herr Zangwill sein Vorgehen gegen die Jüdische Kölonialbank in seiner Rede zum dritten Geburtstag der JTO rechtfertigen w׳ürde. Selbstverständlich wählt er für die Verteidigung die in difesem Falle bequeme Form des Angriffes. Aber damit nicht genug. Zangwill sagt: ״Die Zionisten, die uns unter falschen Vorwänden Geld entlockt haben, besitzen die Chutzpeh, so zu tun, als wollten wir sie berauben. Und sie zogen es vor. Tausende und Abertausende für Gerichtskosten hinaus zu werfen in dem Bestreben, das Gericht dazu zu bestimmen, ihnen Jede Möglichkeit einer nützlichen Tätigkeit innerhalb Palästinas zu nehmen, als Gefahr zu laufen, uns auch nur den kleinsten Bruchteil ihres Geldes geben zu müssen. Sie wandten sich an den Richter, Herrn Eve, und sagten: ״Unsere rechte Hand ist durch den Sultan lahm gelegt, so dass wir keine Arbeiten leisten können. Aber unsere linke Hand ist frei, und es besteht daher die Gefahr, dass w׳ir mit dieser Irgend etwas beginnen könnten. ״Es ist Ihnen bekannt, dass ich