Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1908)
- Date
- 1908-09-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 154 JÜDISCHE RUNDSCHAU N0. 36 diins: einer Jugendzeitschrift. Er criicss einen warmherzigen Aufruf, der ,soweit er In jüdische Kreise drang. ein lebhaftes Echo erweckte und besonders die Jugend begeisterte. Optimist und Altruist in höchster Potenz, erbot sich Pr. Kahn, .diese Jugendschrift ohne Jede Gegenleistung zu redigieren und forderte von der Grosslogc und sämtlichen Logen einzig' nur die materielle Unterstützung. Ob solchen Ansinnens eines Mannes, der konservativ denkt, für die Erhaltung der Traditinnen unentwegt cinsteht. stets bereit ist. vom Leder zu ziehen, wo innere und äussere Feinde sein Judentum bedrohen, eines Aufrechten, der noch dazu — horriblc dictu! — mit dem Zionismus svmpathisiert. entsetzten sich die Brüder, entrüsteteil sieh, 1111J setzten^ ..Bruder“ Kahn recht unbriklerlich den Stuhl vor die Tür Noch mehr, in seiner eigenen Loge wurde Herr Dr. Arthur Kahn von seinen ..Brüdern“ arg mitgenommen, vas sich bald berumspracb. denn der Orden bat. wie eines seiner einflussreichsten Mitglieder versichert, keine Geheimnissc. Wahrhaftig nicht! Infolge der Tatsache, dass Dr. Arthur Kahr«, der fiber hervorragende organisatorische und literarische Fähigkeiten verfügt, unter eilen Umständen •der Jugend wieder ihr Judentum lebendig machen will, mussten natürlich die Logen völlig disauaiiiizicrt^ er scheinen, und so wurde in einer Orosslogcnsit/ung sein Anerbieten innerhalb zehn ’Minuten erledigt und — abgelelmt! Allerdings hatte sich Herr Dr. Kahn schon früher durch glänzend geschriebene Fssavs in der Logenzeitnng unliebsam!)(־merkbar gemacht und die Redaktion, die an hervorragende Leistungen nicht gewöhnt ist. in Verlegenheit »׳ebracht. 1 tofieiitüch hat Dr. Arthur Kahn die schmerzlichen Lehren beherzigt, und wird nicht fernerhin das graue Eiend m der Lng'enzcitimg. fiber das die ..Brüder" sc'mi seit Jahren iatmnern. durch seine Artikel unterbrechen. So’clic Dinge sollten sich bei den Zionisten zutragen, tausend Nörgler würden schadenfroh darüber herfallen. Wenn die Zionisten eine Juecudschrift gründen wollten, so broichtcn sie dic־ Jiiecndschriiten-Kormnission des Ordens ־ wahrhaftig nicht zu fürchten: die lief noch für mindestens ein halbes Jahrhundert Kritiken und Kritiker für nicht cinpfehlenswerte Jugcndscliriftcn• auf Lager. Wir können unserer Jugend nichts Besseres wünschen, als dass der liehe Gott die Kritiker des ..Wegweiser" noch bis zu 120 Jahren gesund erhalte. Dann hleibt unsere Jugend, ehe sie c:!1 Buch erhält, das für sie passt, auch lange jum׳! Und das ist ja scldiesslieh das schönste Ziel einer Jugendzeitschrift!! Acharon. Die richtige Zeit Fast alle Völker haben der türkischen Nation zu den jüngsten Ereignissen ihre tiefempfundenen Glückwünsche und ihre Sympathie ausgesprochen, da ist cs denn an der Zeit, zu erwägen, ob wir luden den Türken nicht mehr geben können. Die wichtigste Aufgabe für die Gesundung der Türkei ist ihre finanzielle Wiedergeburt. Und wie zum Kriegführen dreierlei Dinge nötig' sind. Geld .Geld und noch ein mal Geld, besonders Bargeld, so in noch höherem Masse, um einen Staat finanziell auf eigene Fiisso zu stellen. Zwar stellt zu erwarten, dass durch vernünftige Sparsamkeit, nachdem die Beamten aufgcliürt haben, nur für sich zu sorgen, und mit dem Gcldc der gestürzten Paschas sieb schon viel anfangen lässt: trotzdem wird wohl eine neue Anleihe nötig sein, besonders auch, um der Armee ihren Sold zu zahlen, wenn sich nicht eine andere Geldquelle zeigt. Und diese Geldquelle müssen die Juden sein. Sie müssen es einmal darum, weil bei jeder äusseren Anleihe wieder wichtige Konzessionen an die fremde״ Mächte gemacht werden müssten, dann aber auch: weil jetzt gerade wohl eine kaum wiederkehrende Gelegenheit fiit uns da ist. nicht nur die Freundschaft. sondern auch die Dankbarkeit der Türken zu gewinnen. Der Nationaifonds zählt zwar erst etwa 1 und eine halbe Millionen Mark, man kann aber annchmen. dass die Türkei gerade jctz.t uns für die gesamte Summe verhältnismässig grosse Landmassen in Palästina abtreten würde. Jede Regierung kann Geld gebrauchen, besonders aber eine junge, und eine solche wird auch viel eher geneigt sein, für Kulturzwcckc. speziell für die Lösung der Judentrage, Konzessionen zu machen. Und wenn der Boden erst uns gehört, können wir getrost den K011zcssionsversueh.cn der fremden Staatsangchörigen Zusehen. Dann wird cs stets in unserer Macht liegen, ob wir. z. B. bei Balmbaiitcn. dulden wollen, dass fremde Bahnen durch unser Gebiet gebaut werden. Hierzu würde schon genügen. — sollte uns das ganze jetzt gleich noch zu teuer sein. — wenn cs uns gelingt, ganz Mittclpalästina zu erwerben. Sollte auch dazu der bis jetzt gesammelte Fonds nicht ausrclclten, sollte 7.. ß. eine Summe von 2V4 Millionen Mark nötig sein, so wäre gerade jetzt der Zeitpunkt da, wo <Iid fehlende Million durch eine Subskription gesammelt werden müsste. Wenn der Erfolg so nahe schon winkt so werden sich doch 100 000 Juden finden, die 10 Mk. dazu übrig haben. Wo innerhalb H Tagen das deutsche Volk fiir Zeppelin 3U Mül. hat. sollte das jüdische Volk nicht eine haben?! Freilich dürfte sich bei dieser Sammlung der Aufruf nicht nur an die organisierten Zionisten richten, sondern an alle Juden: denn wie viele gibt cs doch, die in kleineren Orten leben, wo eine zionistische Ortsgruppe nicht besteht und auch keine Aussicht auf Bestand hätte! Und wie viele andere, die gar nichts von dem allen wissen! Es müsste sich das Zcntrallnircau in jedem Orte mit einem Manne in Verbindung setzen, der dann die Aufgäbe liättc, seine anderen jüdischen Mitbürger fiir den Plan zu interessieren. Diesem Vertrauensmann müsste von der Zentralstelle aus gleich eine genügende Anzahl von Aufrufen zur Verfügung gestellt werden, die er dann an die anderen zu versenden hätte. Es Hesse räch auch vielleicht erwägen, ob nicht Anteilscheine ausgegeben werden könnten, so dass also der. der viel gibt, das Geld später auch fiir seine Familie nutzbar machen kann. Was aber jetzt für zwei Millionen zu haben wäre, das wird, wenn nicht alles trügt, schon i!1 fünf Jahren kaum fiir 10 Millionen zu haben*sein, lind 10 Millionen zusammen zu bekommen, das lullt schon schwer. Darum auf die Wacht, so lange cs noch Zeit ist! Lichtwitz (Guben.) A us den Ortsgruppen Dessau. Nach der Rückkehr der Vorstandsmitglieder unsc rer Ortsgruppe von ihren Sommcrrcisen kommt die zionistischc Tätigkeit am Platze wieder in Fluss. Herr Kantor B1 i t z veranstaltete eine Fahrt nach Wörlitz, wo eine Herztleier stattrinden sollte. 111 der dortigen Synagoge, einem Bau, dem der anludtische Fürst, Herzog Franz, vor etwa 120 Jahren fiir die Worüber jüdische Gemeinde (die jetzt nicht mehr existiert) errichten liess, und der als Denkmal echter 1 oieranz, heute noch a1׳r einem schönen Punkt des berühmten Wörlitzcr Parkes sich erhebt, fand die Gedächtnis Ce ler für Herz! statt. Etwa SO Personen der hiesigen Ortsgruppe waren anwesend. Herr Kantor Wcill von hier betete das Minebagebet vor. Hierauf hielt unser Herzogi. Landesrabbiner, Herr Dr. Walter ,die Gedächtnisrede. Das Zusammenkommen in diesem geweihten historischen Raume, sagte er. ermahne uns zur Treue und Dankbarkeit für unser angcstanuntes Eüistcubaus der Askanicr. Aber, so fuhr er fort, die Treue zum Landeslicrrn verpflichte uns auch zur Treue gegen uns selbst, zur'Einigung aller jüdischer Volksgliedcr und zum Eintreten fiir die Gesamtinteressen der Judenheit, wo sie f.bcrali in der Zerstreuung auch leben mögen. In zündenden Worten ermahnte er die Anwesenden sich au der grossen Persönlichkeit Theodor Herzls aui/.urichten. Dieser Mann sei die grösste jüdische Persönlichkeit der modernen Zeit. Er habe gezeigt, wie man zerstreute Volksgliedcr einigen und sammeln könne. Er habe Tausende zum Judentum zuriiekgeführt. Die Pflege׳ des Gcmciiigcistes aller Juden, die Theodor Herz.l ungebahnt, sowie auch das Festhalten an der Ihora. welche uns das Höchste sei. werden die uns Juden verheissene glänzenden Zukunft herbeifiihrcn. Hierauf wurde von Herrn Kantor Weill das C'2m אל כלא gesungen und mit der התלוה gesungen von einem Kinderchor, die Feier geschlossen. Ergriffen verlicsscu die Anwesenden den Tempel. Nachdem eine Gondelfahrt auf dem Wörlitzcr Sec unternominell wurde, sammelten sich die Mitglieder der Gruppe in einem Saal, wo lau angeregt beisammen sass und begeisterte Reden austauschte. Der hiesige Stiftimgssckrctär. Herr Ot♦;) Rosen ha um. iiherhraebte der Versammlung den Gruss des Herrn Hofhaukier M a e r k c r, der verhindert gewesen sei. an der Feier tcilzimcbnieii. der aber »in Geiste in der Ver- Sammlung weile. Die Dessauer Gruppe, sagte' er weiter, könne sich zur Führerschaft des Herrn Blitz und dessen Frau Gemahlin beglückwünschen, die heute das Fest arrangiert haben und fiir die zionistische Idee vorbildlich aufgeheri Es wurde noch beim Schluss unseres werten Präsidenten. Herrn Dr. Ascher in Dankbarkeit gedacht, worauf die Riickrc:se nach Dessau angetreten wurde. P. K.