Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1908-09-04 · Heft 36 (4.9.1908) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 36 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651552-2651588--05884-2662935
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

No. 36 JÜDISCHE RUNDSCHAU Saite 359 f sich bald aus der Armut emporarbeiten und sie würden dann Im zweiten oder dritten Geschlecht Finnland einen Beitrag von ausgezeichnet nützlichen Elementen geben. Dies ist aber nicht die Frage des Augenblicks. Die im Augenblicke voiliegende Frage ist folgende: Warum gibt das finniändischc Volk, das doch selbst unter harter• Behandlung gelitten hat. selbst beständig gegen die Unterdrückung protestiert und in seiner Gesamtheit ein frciheitlicbcndcs Volk ist. dem einzigen Häuflein Menschen, über dessen Wohl und Wehe dieses Volk für seinen Teil der absolute Herr ist, nicht ein menschliches Los? Es klang ganz wehmütig, als ein Jüdischer Student, in Finnland geboren und erzogen, sagte, dass nur unter Bobrikoff, der keinen Unterschied machte, das Los der jüdisehen Bevölkerung erträglich gewesen sei. Selber Bobrikoff war humaner als der!!!inländische Senat. Das finniändischc Volk musste!gegen andere tun, was es wünscht, ״dass man ihm tue." Das Los des finnländischen Volkes wird bekanntlich von allen Israeliten in herzbewegen־ den Tönen beklagt. Georg Brandes und die finnischen Juden Der bekannte dänische Literarhistoriker Georg Brandes licht es nicht, wenn man ihn an sein Judentum erinnert. Das hat er kürzlich in komisch naiver Weise in einem Aufsatz dargetan, in welchem er sich gegen den Vorwurf verteidigte, der ihm von jüdischer Seite gemacht worden war, dass er nach Finnland Rcgaiigcn sei, wo die Juden bekanntlich der primitivsten Rechte beraubt sind, und dass er cs nicht ver* sucht habe, seinen Namen und seinen Einfluss für die Verbesscrung der unwürdigen Lage der finnischen Juden geltend zu machen. Herr Brandes lamentierte, er könne doch nicht gegen die Finnländer, die ihn so gastlich und liebenswürdig aui'genommen hätten, sich feindlich äussern. Weiter gab Herr Brandes den finnischen Juden den Rat, erst die finnische Sprache zu erlernen, und er behauptete, zu diesem Rat gezwungen zu sein, denn die Deputation der finnischen Juden, die zu ihm gekommen wäre, habe nicht einmal finnisch gesprochen und habe ihm in jüdischer Sprache gedruckte Visitenkarten übersandt. Mit diesem Rat hat sich nun Herr Brandes eine Blamage zugezogen, die ihm jeder herzlich Können wird, der den hoch* niütigen Ton seines Artikels ohnedies unangenehm empfunden hat Der Sprecher jener Deputation, ein Herr Jacobsohn, erklärt nämlich jetzt, dass er Redakteur einer finni* sehen Zeitung sei, und dass zwei Mitglieder der Dcpu* tation eine finnische Universität absolviert hätten. Jüdische Visitenkarten habe man Herrn Brandes deshalb übersandt, weil man bei ihm als Juden und Kenner der deutschen Literatur mehr Kenntnis der iüdisch*dcutschen. als der finnischen Sprache voraussetzen zu dürfen glaubte. Gleichwohl aber habe man zunächst Herrn Brandes finnisch angesprochet! und erst, als er nicht verstand, habe der Spree! er. sich des Jüdischdeutschen als des zur Verständigung geeignetsten Idioms bcdient. Diese Abfuhr hätte sich Herr Brandes eigentlich ersparen können, wenn es ihn nicht gedrängt hätte, vor ganz Europa zu erklären, dass er mit dem Judentum nichts gemein habe. Kleine Mitteilungen ־** Pf 1 7־ " ■ , ■ mJ Berlin. Der Jüdische Turnverein ״Bar Kochba“ voranstaltct atu Sonnabend, dem 19. d. Mts., abends 8- 10 Uhr. in der Turnhalle der jüdischen Knabenschule, Grosse Hamburgerstr. 27. ein Z11 s a m menturiidi s ä in t - I i c h e r M ü n n c r a b t e i I u n g e n. ü ü s t e (nur Herren) herz liehst willkommen. — Die Alte ־Herren• Riege turnt jetzt Jeden Dienstag, von 8—10 Uhr, in derselben Halle. Charlottcnlnirg. Kommenden Sonntag, am 6. d. Mts., findet nachmittags um 1־ Uhr die Einweihung der vom verewigten Dr. Blum erbauten neuen Synagoge statt. Das in der Bistuarckstrasse 40 gelegene Gotteshaus umfasst 800 Süzrnume, besitzt eine vorzügliche Akustik und dürfte dazu bestimmt sein, die kleinen Saalgottesdienste in Charlottenburg überflüssig zu machen. Es ist nicht zu bezweifeln, dass die Berliner Muttergemeinde, der durch die Blum’sche Synagoge ein Neubau in dieser Stadtgegend erspart wird, das ihrige dazu beitragen wird, dass die grossen Lasten, welche der Witwe des Heimgegangenen nun auferlegt sind, durch entsprechende Beihilfe erleichtert werden. Es erfüllt uns mit einer gew issen Wehmut, wenn wir heim Betreten dieses Tempels dessen Urheber gedenken, der fast die Hälfte seines Lebens der Verwirklichung dieses Planes gewidmet find sein ganzes Vermögen dafür eingesetzt hat, und nur wenige Wochen vor der Erreichung seines Zieles jäh aus dem Leben geschieden ist. Eine ernste Tragik menschlichen Schicksals! Schächtverbot. 1 Die Landesregierung von Reuss-Greiz hat eine Verfügung erlassen, wonach das Schlachten sämtlichen Viehes, mit Aus־ nähme des Federviehes, nur nach vorgängiger Betäubung stattfinden darf. Hofgeismar. Nach Versetzung der Herren Lehrer David in Hofgeismar nach Ziegenhain und Plaut in Rodenborg (Kr. Rinteln) nach Meerholz sind die israelitischen Schulen in Hofgeismar und Rodenberg wegen allzu geringer Schülerzahi vom I. Oktober an aufgelöst. Ein Priester der Liebe. In der RUSSKOJE SN'AMJA veröffentlicht der heilige Priester Johannes von Kronstadt das folgende Stossgcbet: ״Gott im Himmel, bringe um deiner Kirche willen Friede in Russland, um deiner armen Leute willen mache dem Aufruhr und der Revolution ein Ende. Nimm deinen Lästerer, den bösen und reueiosen Leo Tolstoi und alle seine leiden־ Schaftlichcn Anhänger und den Freund der Juden, Witte, weg von dieser Erde." Kiew׳. Die Teilnehmer des Rabbinerkongresses wurden vom Gouverneur empfangen, dem sie das Protokoll nebst Resolutionen übergaben. Petersburg. Eine Gruppe indischer Artisten beabsichtigt hei P. A. Stolypin darum cinzukommen. dass die Bestimmungen Tiber den Aufenthalt in Ansiedelungen für jüdische Artisten erleichtert würden. Das Gesuch soll durch eine besondere Delegation übergeben werden. Abdul Hamid-Hain in Palästina In jüdischen Kreisen Palästinas bestellt, wie uns berichtet wird, der Plan, in Palästina zum Andenken an die Vcrkündicung der Verfassung einen nach deurSultan zu benennenden 0 c I b a u m w a I d zu pflanzen. , Kairo. Die neueste Gründung ist ein Blättchen in jüdisch-deutschem Dialekt in hebräischer Schrift hektographiert. Dehnt sich der Interessentenkreis über 50 Abonnenten hinaus, dann wird es zum Winter gedruckt werden. — t)cr Verleger der ÄGYPTISCHEN NACHRICHTEN wird ein FREMDENBLATT FÜR ÄGYPTEN UND PALÄSTINA herausgeben. Briefkasten F. L.. Paris. Ja. leider ist das Verständnis der französisehen Juden für den Zionismus auch nicht annähernd so gross als das christlicher Kreise. Die ״Revue Economiquc", ein angesehens Organ der französischen Nationalökonomie, bemerkt in ihrer letzten Nummer zu dem englischen Consularbericht, der sich mit den jüdischen Kolonien Palästinas heschäitigt: ..Der Zionismus ist in Palästina ein ganz ausgezeichneter Arbcits- und Kulturfaktor, der die fortschreitende Ent- Wicklung des palästinischen Judentums bezweckt." B. in D. Dr. Locwe war bis jetzt verreist und kam erst gestern wieder nach Berlin. Zionsgruss. Geschäftliche Mitteilungen Die Hamburg-Amerika-Llnlc meldet: Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagierdampfern finden statt: Nach New York: 5. 9. Fostd. Pretoria. 10. 9. Sclmcllpostd. Deutschland. 12. 9. Postd. Graf Waldersee. 17. 9. Postd. Amerika. 19. 9. Postd. President Lincoln. — Nach Boston: 8. 9. Post. Radenia. — Nach Baltimore: 8. 9. Postd. Badenia. — Nach Philadelphia: 5. 9. Postd. Albano. 16. 9. Postd. Pisa. — Nach Neworlcans: 12. 9. Postd. Hoerde. — Nach Ouebeck-Montreal: 29. 8. Postd. M. C. Holm. — Nach Westindien: 5. 9. Postd. Svria. 7. 9. Postd. Westphalia. II. 9. Postd. Sachsenwald. — Nach Mexiko: 14. 9. Postd. Fürst Bismarck. 18. 9. Postd. Syria. - - Nach Ostasien: 5. 9. Postd. Segovia. 10. 9. Postd. Sithonia. 20. 9. Postd. Scandia. — Nach Wladiwostok: Dampfer Segovia ab Hamburg 5. 9. — Arabisch- Persischer Dienst: 5. 9. Postd. Lydia ab Hamburg. Nordamerika: D. Blücher, nach New York, 27. August II Uhr morgens Cuxhaven passiert. S.D. Deutschland, 27. August l Uhr nachm, von New׳ York über Plymouth und Cherbourg nach Hamburg. D. Kaiserin Auguste Victoria, von New York kommend, 28. August 5 Uhr 40 Min. morgens von Cherbourg nach Hamburg. 1). Pretoria, von New York kommend, 27. August 10 Uhr 50 Min. nachts auf der Elbe.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.