Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1908)
- Date
- 1908-08-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 35 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 353 torium erstattet hat. geht hervor, dass Dr. Ruppln schwere Bedenken hat, dass der Nationalfonds Land kaufen soll. Das Palästinaamt Ist der Meinung, dass der Nationalfonds vorläufig überhaupt keinen Grund und Boden in Palästina kaufen soll. Dagegen sollen Gesellschaften, die Land erwerben wollen, dadurch unterstützt werden, dass sie ׳vom Nationalfohds einen Kredit erhalten, der hypothekarisch sichergestellt wird. Das Palästinaamt ist ferner der Ansicht, dass dieser Modus sich auch auf gewisse Bezirke anwenden lässt, die der Nationalfonds früher erworben hat, die aber rechtlich an den Nationalfonds noch nicht übertragen sind. Ueber diese Sache wird das Direktorium sich noch schlüssig werden. Es sind ferner kleinere Projekte an uns herangetreten, wie das Gymnasium, Technikum und Bibliothek, für die der Nationalfonds Boden hergeben soll. Auch diese Fragen sind teilweise noch nicht spruchreif. Das Direktorium ist der prinzipiellen Meinung, dass der Nationalfonds in besonderen Fällen in der Lage ist, für solche Zwecke Land zur Verfügung zu stellen. Sodann ist eine wichtige Frage erörtert und dem Direktorium untebreitet worden: Ueber die sogenannten kooperativen Genossenschaften. Es haben sich nämlich unter der Aegide der A. P. C. Genossenschaften gebildet, die zumeist auf landwirtschaftlicher Grundlage beruhen und eines grösseren Kredites bediirien, um mit Erfolg arbeiten zu können. Die A. P. C. ist nicht in der Lage, ihnen grössere Beträge zu bewilligen, und hat sich an den Nationaliimds gewendet, um einen Kredit mit langer Frist zu erhalten, aus dem sie dann diese Genossenschaften fördern kann. Das Direktorium steht •diesem Verlangen prinzipiell sehr sympathisch gegenüber und ist bestrebt, einen Modus zu finden, um die erforderlichen Kredite der A. P. C. zur Verfügung zu stellen, soweit wir über flüssige Mittel hierfür verfügen. Fs kommt hierbei allerdings in Betracht, dass es sich um Kredite auf längere Zeit handelt. Durch die Besprechungen mit Herrn Direktor L e v o n t i n hat sich ein Modus ergeben, den die A. P. C. für annehmbar erklärt und auf den der Nationalfonds, wie ich glaube, eingchen kann. Ich möchte mir noch auf einen Punkt zu sprechen kommen. Eben weil ich nach jeder Richtung den Nationalfonds dagegen schützen möchte, dass er unpopulär wird, möchte ich hier eine Frage offen erörtern, die mir vielfach gestellt worden ist, die Frage bezüglich der Kosten der Verwaltung des Nationalfonds. Diese' Kosten sind nicht unerheblich, können aber nach Lage der Dinge nicht kleiner sein. Das Bestreben der Nationalfonds-Verwaltung ist allerdings darauf gerichtet, eine Einschränkung der Kosten für die Folge herbeizuführen. Wenn Sie aber bedenken, dass wir ein Bureau in London unterhalten müssen, der Propaganda wegen das Hauptbureau in Köln sich befinden muss, so ergibt sich, dass eine Dezentralisation notwendig ist, die erhebliche Kosten verursacht. Unsere Besitzungen in Palästina bringen uns zurzeit leider noch nichts ein. sondern decken sich ungefähr mit dem Erträgnis der Pacht, so dass wir daraus auf Einnahmen nicht rechnen können. Nun ist das Palästinaanit eingerichtet worden und wenn ich auch sonst ängstlich darüber wache, dass der Nationalfonds mit Ausgaben nicht belastet werde, so halte ich es doch für unsere Pflicht, die Kosten des Palästinaarntes, das für uns, sowie für die Zentrale gleich nötig ist, zu decken. Wie hoch die Kosten sich belaufen werden, haben wir noch nicht genau festgestellt. Wir werden mit dem A.-K. in loyaler Weise die Frage regeln und ich bin überzeugt, dass das A.-K. keine unbilligen Forderungen an den Nationalfonds stellen wird. Ausser diesen Kosten wird der Nationalfonds notwendigerweise auch belastet durch die Abzüge, die wir den einzelnen Sanunelstelen vom Nationalfonds gewährt haben. Wir sind nach Prüfung der Sachlage zur Uebcrzeugung gelangt, dass die Sammeistellcii mit weniger als einem Betrage von 10 Prozent nichi auskommen können; denn wir können nicht verlangen, dass die Personen, die ihre ganze Kraft dem Nationalfonds zur Verfügung stellen, auch noch übermässige Geldopfer zur Deckung der Kosten der Saminelstellen leisten. Wir müssen also ein für allemal mit diesem Durchschnittssatz von 10 Prozent rechnen. Ich wünsche, dass Sie sich über die einzelnen Punkte genau orientieren, damit auch Sie sich überzeugen, weshalb es unmöglich erscheint, eine erhebliche Reduktion der Kosten vorläufig cintreten zu lassen. Immerhin lioffe ich. dass die Kosten mit dem Wachstum des Nationalfonds sich prozentual verrlngern. Ich bitte Sie jetzt alle Fragen stellen zu wollen, die zur Aufklärung dieses Punktes dienen können. Ich möchte noch hinzufügen, dass ich cs im Firiverständnis mit den entsprechenden Beschlüssen der Jahreskonferenz für wünschenswert halte, wenn auch diejenigen Teilnehmer der Jahreskonferenz, die nicht Mitglieder des Nationalfonds sind, an der Beratung über diese Fragen teilnehmen. Mir scheint dies umsomehr geboten, als sich bei der Jahreskonferenz spater keine Gelegenheit mehr bieten dürfte, Angelegenheiten des Nationalfonds zu besprechen, ich lade deshalb alle diese Herren ein, als Gäste mit beratender Stimme an der General- Versammlung tcilzunehmen. Nachmlttagssltzung. Dr. Bodenheimcr eröffnete die Versammlung um 2V1 Uhr. Jos. Co wen (Gast): Ich möchte wissen, wer den Wert der Nationalfonds-Ländereien geschätzt hat und wieviel abgeschrieben wurde. Ferner finde ich, dass die Verwaltungskosten zu hoch sind. Ueberdies scheine der Gesamtbetrag der Zinsen tmverhältnismässig gering zu sein, er bittet daher um Aufklärung. Dr. Bodenheimcr: Wir haben Gutachten von verschicdenen Seiten über den wirklichen Landwert eingeholt und bei Aufstellung der Bilanz haben wir ein bestimmtes Interesse gehabt, den Landbesitz nicht zu hoch einzuschätzen. Das entspricht auch dem Grundsätze, bei der Eröffnung den niedrigsten Schätzwert anzugehen. Bemerken will ich. dass die Ländereien zum grössten Teile von uns nicht erworben, sondern von der früheren Verwaltung übernommen wurden. Der Besitz an Eiickten bestellt zum grossen Teil in 2l:- prozentigen englischen Konsols, 3li prozentigen niederländischen Siaatspapicren und in Depots beim J. C. T. und der A. P. C. Durch das Entgegenkommen dieser Institutionen bekommen wir 1־ Prozent vergütet unter der Bedingung, dass wir die Depots bei halbjähriger Kündigungsfrist überlassen. Direktor H i r s c h: Die englischen Konsols sind nur mit halbjährigen Zinsen in die Bilanz eingestellt, daher erklären sich die niedrigen Ziffern. Wolffsohn: In der vorigen Bilanz des Nationalfonds waren die Grundstücke nach einer niedrigen Schätzung des Herrn Beermann eingestellt, wodurch speziell für Betii Arif falsche Schlussfolgerungen entstehen konnten. Herr Beermann hat aber inzwischen diese Sache aufgeklärt. Dr. Hantke: Ich muss mit Nachdruck darauf huiweisen, dass der Bericht des Hauptburcaus in keinem Punkte einen Bericht des Direktoriums darstellt, dass das Direktorium nicht früher als Sie diesen Bericht gesehen hat. und dafür in keiner Hinsicht verantwortlich ist Das Direktorium ist aber mit dem Berichte durchaus nicht einverstanden. Der Bericht ist nichts anderes als die Privatrr.einung des Vorsitzenden des Direktoriums, die in Druck gelegt worden ist. Anderseits möchte ich betonen, dass cs nicht angeht, die Kosten dieses Jahres mit denen des Vorjahres zu vergleichen. Das verflossene Jahr umfasste nur acht Monate, ausserdem sind in den Ausgaben dieses Jahres eine Menge Ausgaben für Agitations- und Sammelniaterial, Büchsen usw. enthalten, die keine Ausgaben, sondern werbendes Kapital darstellen. Was die Angelegenheit der Häuscrbaugesellschaft betrifft, so sind solche Ueberschrcitungcn in Zukunft ja unmöglich, da wir jetzt durch das Palästinaamt immer genau informiert werden. Das Direktorium hat den Begriff Achuzath Baith eben generell für Hauserbaugcsellschaften aufgefasst. Ein Zurücktreten von dem mit der A. P. C. geschlossenen Vertrage ist unmöglich. Solche Fehler lassen sich nicht vermeiden, wenn man nicht die ganze Verwaltung nach Palästina verlegen will. Dr. Bodenheimcr: Ich möchte doch betonen, dass cs meines Erachtens nicht mehr nötig war, so schroff hervorzukehren, dass das Direktorium für den Bericht des Hauptbureaus keine Verantwortung übernimmt. Nachdem ich hervorgehoben habe, dass ich selbst die Verantwortung für die prinzipiellen Ausführungen des Berichtes übernehme, kann es keinen guten Eindruck machen, wenn jetzt von einem der Direktoren immer wieder scharf betont wird, dass das Direktorium die Verantwortung dafür ablelmt. * Den Schluss des Berichtes über die Generalversammlung ebenso wie den Schluss des Berichtes des Hauptbureaus des J. N.-F. können wir erst in nächster Nummer bringen . Kleine Mitteilungen —... ־'־־ ־־־ HB .— —— Auswanderung nach Palästina. Fünfzig jüdische Familien aus Bukowinischen Dörfern haben beschlossen, nach Palästina auszuwandern. Es sind grösstenteils wohlhabende Familien, und sogar die ärmeren von ihnen verfügen wenigstens noch über einige tausend Kronen. Sic haben sämtlich die Absicht, sich in Palästina als Kolonisten niederzulassen. Da es sich fast durchweg um gesunde, kräftige Landbewohner handelt, so dürften die Leute