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Jüdische Rundschau · 1908-08-28 · Heft 35 (28.8.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 35 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Diese Besprechung wird von beiden Seiten derart geführt, dass es sich vielleicht lohnt, prinzipiell zu der Sache selbst und auch zu ihrer Behandlung von zionistischer Seite Stellung zu nehmen. Kine studentische Korporation, welche statutengemäss nur Juden in ihre Reihen aufninuut» beansprucht, eine Vertretung im Ausschuss der Studentenschaft zu erlangen. Wert unJ Bedeutung dieses Ausschusses fallen zunächst für uns nicht ins Gewicht. Und es wäre zu wünschen, dass der wohl ausschliesslich lepräscnlativen Bedeutung des Ausschusses nicht so viel Wert von Seiten der jüdischen Studenten beigelegt würde,, dass die schweren Geschütze in Form von jüdischem Selbstbewusstsein, Ehrbegriff, Assimilantentuni, Mannesstolz n. dergl. m. ins Feld geführt werden müsste״. Vielmehr liegt nichts weiter als die Wahrnehmung eines numerischen Rechtes vor, dessen Ablehnung allerdings auch das Recht autisetuitischer Majoritäten jederzeit ist. Voll und Ganze. Unentwegte sollten sogar darüber jubeln; denn dieser Stoss vor den Kopf wirkt schliesslich ganz heil* sam auf Schwärmer, welche immer noch nicht den grundsätz* liehen Abschluss klar sehen wollen und dies stärkt doch unsere Reihen. Wir sowohl, wie unsere Gegner irn jüdischen und im nielitiüdisclien Lager — darüber müssen wir uns klar w׳crden — werden die kulturhinderndc Erscheinung konfessioneller Trennung und ihrer Erscheinungsformen in Gestalt von Hass oder Verachtung erst bis auf den letzten Tropfen ausgekostet haben müssen, ehe *das kulturforderudc Element der gegen* scitig'en Achtung wieder zum Siege gelangt sein wird. Hierbei aber in den eigenen Reihen Krieg führen, das solte man sich für die üussersten Notfälle aufsparen. Und diese sind glück* licherweisc selten. Bei meiner Auffassung des jüdisch-studentischen Korpora* tionswesens ist ein solcher garnicht denkbar. Die Interkom fessionatitüt von solchen Verbindungen, welche tatsächlich nur aus Juden bestehen, ist nicht immer eine kindische Spie* lerei der Aktivitas: dieser sind vielmehr nicht selten die Hände gebunden durch eine ganze Schar vor! A. M. A. H., welche selbst in der ehrlich interkonfessionellen Zeit heraugewachsen, auf das Engste mit der Korporation verwachsen sind | und eine programmatische Erklärung nicht zulasseii. Es gibt j eben auch hier ein Hoffen auf die Rückkehr der guten alten I Zeit, welches aber nicht nur in der gemeinsamen Bundes- brüderschaft der verschiedenen Konfessionen, sondern viel* . mehr in dem Fortfällen der doch jedenfalls das fröhliche Stu* I dcntenlebcn beeinträchtigenden Erziehung zum Kampfe seinen Ausdruck findet. Beansprucht also auch schon diese verschwindend kleine Gruppe doch etwas mehr als eine schroffe Aburteilung, so י müssen wir uns auf das üusserste hüten, Verbindungen, welche das Grundprinzip jüdischen Zusammenschlusses zu dem ihren gemacht haben, zu befehden. Wir haben kein unfehlbares Ketzergericht unter uns! Und das Wort ehrlos in Verbindung mit dem falsch verstandenen Worte Assimjlant, weil die Kor* roratiou ihr Recht fordert und Interesse für Dinge hat, die dem scharfen Sittenrichter vielleicht fremd sind, — ist doch eine arge Entgleisung. Wir dürfen noch so viele Gründe haben, an einer sich immer mehr miiiorisiercnden Gruppe in! K. C. scharfe Kritik zu üben — Assimilanteii im bösen Sinne des Wortes sind sie nicht! Der K. C. oder ein,Teil in ihm mag sich am Zionismus reiben, wir Zionisten haben keinen Grund, ihn zu schädigen. Wer wie ich die jüdische Studentenschaft seit 25 Jahren mit noch heut ungcscliwächtcm Interesse beobachtet hat und die einzelnen Phasen mit einander vergleicht, findet als den einigenden Kern aller jüdischen Korporationen (auch der interkonfessionell-jüdischen) zunächst die Pilege des Zusammcngcliörigkeitsgefühls der Juden. Es kann ja nicht schwer sein nachzuweisen, dass die verschwindend wenigen nichtjiidischcn Mitglieder nur in noch verschwindender Zahl dem alten Herrcn-Verbandc angeboren und dass die wenigen, welche die Taute genommen, stets spontan die Reihen der Korporation verlassen. Ich verweile absichtlich und zum ersten Male an dieser Stelle bei dieser Gruppe jüdisch-interkonfessioneller Verbindüngen, um zu zeigen, dass auch sie nicht ohne Wert; für die jüdische Bewegung sind, und weil ferner hieraus allein schon erhellt, dass eine Polemik von zionistischer Seite gegen programmatisch rcin-jiidischc Verbände erst recht nie und nimmer am Platze ist. Wenn wir Zionisten auch, jeder für seinen Teil, bei jeder sich uns bietenden Gelegenheit fiir unsere Ideen Propaganda machen, so werden wir uns doch nicht der Tatsache verschlossen können, dass auch ausserhalb unserer Anhänger- Schaft eine enorme Anzahl von Juden existiert, deren Zugehörigkoit zur jüdischen Gemeinschaft jeder Probe standhält. 1*1 den Korporationen nun, welche die konfessionellen und politischeii Streitpunkte von ihren offiziellen Veranstaltungen fern halten, verhindert man dabei keineswegs private Diskussionen hierüber. Die Mitglieder werden also nicht in Fuxenkräiizchen auf eine bestimmte Richtung eingefuxt, aber eine Festigung־ der Grundstellung ergibt sich durch ständigen Meinungsaustatiscl! und auch schon aus der Tatsache, dass sie ja von den nichtjüdischen Conimilitouen als jüdische Verbindungen be-

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